>CT . A $t v.io Jahresbericht über die Fortschritte auf dem Gresammtgebiete der Agrikultur-Chemie, Begründet LIBRARY _. V ° n NEW YORK Dr. Robert Hoffmann. BO tanical Fortgesetzt GARDEN von Dr. Eduard Peters, Chemiker der agiikultur-chemischen Versuchsstation für die Provinz Posen in Kuschen hei Schmiegel und Generalsekretär des landwirtschaftlichen Hanptvereins im Regierungsbezirk Posen. Zehnter Jahrgang: Das Jahr 1867. Mit einem vollständigen Sach- und Namen - Register. BERLIN. Verlag von Julius Springer. 1868. Erste Abtheilung. Die Chemie des Ackerbaues, Jahresbericht, X. o o CO CO - YORK BOTANICAL GARDEN Der Boden. Referent : Th. Dietrich. Bodenbildung. Ueber die Entstehung des Lössmergelbodens, besonders Entstehung in Bezug auf sein Vorkommen in Sachsen äussert sich F. A. Fal- und lou*) dahin: In Sachsen lagert der Löss hauptsächlich in der Gegend von de S ° LÖS3 Meissen, Lommatsch und Mügeln, also am linken Gehänge der Elbe, da, wo sich dasselbe immer weiter von der letzteren zurückzieht, zugleich immer niedriger wird und zuletzt nur noch an 500' absol. Höhe erreicht. Nicht im Zusammenhange, sondern nur strichweise kommt er thalaufwärts von Meissen bis in die Gegend von Pirna vor. Meist ist er bedeckt von lockerem Glimmerlehm und dieser meist wieder von einem festeren Thon- lehmboden in einer Mächtigkeit von etwa 3 — 4'. — Ueber die Entstehung des Löss wird von manchen Seiten behauptet, der Löss sei nichts anderes, als das von den Gletschern zerriebene Grundgestein, der feine schlammartige Sand, welcher durch dieselbe Ursache, wie die Gletscherblöcke der Hoch- alpen, in die Tiefe geführt worden sei. Von Anderen wird er für zer- setzten Liasmergel gehalten, oder auch für blossen Lehm, der seinen Kalk- gehalt durch einsickerndes Regenwasser erhalten habe. Noch Andere nehmen an, der Löss sei nichts weiter, als das Produkt gewöhnlicher Regengüsse. Im Allgemeinen betrachtet man ihn nur als eine Varietät des Lehms und diesen, gleichwie den Sand und Kies und die erratischen Geschiebe mit eingerechnet, als den Inbegriff der Diluvialgebilde. Alle diese Ansichten entbehren der thatsächlichen Grundlage. Dass er nicht Gletscherschlamm sein kann, folgt schon daraus, dass nicht alle Gletscher O auf Kalkstein liegen; was die Alpen an Kalkschlannu liefern, bleibt in oj den Schweizer Seeen und gelangt nicht in das Rheinthal thalabwärts vom CD Bodensee. Es ist viel wahrscheinlicher, dass der Löss des Rheinthals, (5 von Basel bis Bingen und von Coblenz bis Cöln, sein Material theils aus dem Jura , theils aus dem Muschelkalk und dem Keupermergel der schwä- bisch-fränkischen Terrasse erhalten hat. Er füllt auch das Donauthal, die Kornkammern Baierns, umgiebt die ganze Tatrakette und reicht im Norden *) Agronomische Zeitung. 1867. S. 214. 4 Bodenbildung. noch weit nach Polen und Galizien hinein und nach Bennigsen-Förder lagert der Löss in den Flussthälern der ganzen norddeutschen Niederung vom Kheine bis an den Niemen. Ausser dem Eheine kommt keiner dieser grösseren Flüsse aus den Alpen und nur einige von ihnen durchströmen theilweise auch Kalkgebirge. Auch bilden ja die heutigen Alpengletscher gar keinen Löss mehr, der heutige Gletscherschlamm und Schutt ist völlig verschieden davon. Ebenso wenig kann er aber auch durch Zersetzung des Liasmergelschiefers enstanden sein; er überdeckt ohne Unterschied den Thon- und Glimmerschiefer, den Granit und Syenit, Porphyr, Zech- stein, Plänerkalk und Plänermergel, den Basalt, die Doleritlava, die Grau- wacke und zuweilen auch den Thon, meist aber getrennt von diesen Ge- birgsarten durch eine mächtige Lage von Geröllschutt. Im nördlichen Deutschland besteht dieser Schutt aus Meeresgeschieben und Trümmern aller möglichen Gesteine, bisweilen mit nordischen Granit- und Gneiss- blöcken untermengt; im Donauthale aufwärts von Wien dagegen enthält er nur Flussgeschiebe, meist aus dem in der Nähe anstehenden Sand- und Kalkstein bestehend. Denn die Meeres-Alluvionen haben den Grenz- wall zwischen Nord- und Süd -Deutschland: die Sudeten, das Lausitzer Gebirge, Erzgebirge, Fichtelgebirge, Thüringer Wald und die Rhön nicht überstiegen. Lagert aber der Löss auf solchen Gerollen, so kann er un- möglich durch Zersetzung von Liasmergelschiefer entstanden sein, da müsste er wenigstens an der Auflagerungsgrenze noch Trümmer dieser Gebirgsart mit sich führen. — Die Annahme, dass Löss Lehm sei, der seinen Kalk durch durchsickerndes Regenwasser aus oberen Lehmschichten bezogen, ist unhaltbar, weil er an manchen Orten völlig unbedeckt zu Tage geht und der Lehm selbst keinen Kalk enthält, er mag auf Löss oder anderer Unterlage ruhen. Wäre der Löss nichts weiter, als das Produkt gewöhnlicher Regengüsse, so müsse derselbe gerade auf waldi- gen Rückengebirgen und in Hochthälern der Alpen, wie auf dem flachen Rücken des Erzgebirges, im Böhmerwaldgebirge und in allen Felsengründen der Hochgebirge anzutreffen sein, wo es am meisten regnet; aber hier ist gleichwohl keine Spur von Löss, nicht einmal Lehm zu finden. — Der Verfasser hat früher*) die Vermuthung ausgesprochen, dass der Löss mit dem obern Quadermergel oder der Kreide, die früher wahrscheinlich einen grossen Theil des Elbthales bedeckte, in naher Beziehung stehen müsste. Auch stammen die Polythalamien im Lehmmergel und seinen lössartigen Varietäten nach Bennigsen-Förder ganz unzweifelhaft aus der Kreide- formation. Dennoch kann der Löss aus der Kreide unmittelbar nicht her- vorgegangen sein. Es fehlen ihm die Feuerstein -Geschiebe; auch fehlt es bis jetzt an einem Fundorte, wo Löss auf Kreide lagert. Die letztere enthält ferner keinen Glimmer, wohl aber ist der Löss oft sehr reichlich damit durchsprengt. Während die Kreide fast ganz aus kohlensaurem Kalk be- *) Die Ackererden des Königreichs Sachsen. Leipzig 1855. BodenbildiinR. Ö steht, enthält der Löss nur ca. 10 Proz. davon. Der Verfasser ist deshalb für jetzt der Ansicht, dass der Löss schwerlich aus der Kreide oder aus irgend einem andern Kalksteine und unmittelbar durch Zersetzung, son- dern lediglich durch Niederschlag aus kalkhaltigem Schlammgewässer ent- standen sei, möge der Kalk darin in schwebendem oder in chemisch auf- gelösstem Zustande sich befunden haben. Zu der Zeit des Beginnes der Lössablagerung im Elbthale muss das Weltmeer gegen 300' höher ge- standen haben, als gegenwärtig. Das Elbthal war damals von Lommatsch abwärts, gleichwie die ganze norddeutsche Ebene, ein offenes Meer, thal- aufwärts aber war es eine weite Bucht, die sich in der Gegend von Meissen allmählich zusammenzog und in der das Mergelmeer, und zwar am linken Ufer, seine Schlamm -Niederschläge ruhig absetzte. Mit der all- mählichen Hebung des Landes sank das Meer und bedeckte nur noch seicht die wellenförmige Hügelebene, welche von Meissen aus nach Lommatsch und Mügeln zu immer weiter von der Elbe zurücktritt und sich dem Höhenzuge zwischen der Mulde und Elbe nähert, bis es nach Jahrtau- senden vielleicht auf seinen jetzigen Wasserspiegel sank. In dieser Hügel- landschaft, dieser grossen Strandlagune, setzte sich der kalkhaltige Fluss- und Meeres-Schlamm aus dem bei jedesmaliger Fluth aufgestauten Wasser ab, wie noch jetzt auf den Watten an der Nordseeküste. Die Bildung des Lössmergelbodens im Königreich Sachsen hält also mit dem muth- masslichen Mergelmeere gleichen Schritt, sie beginnt auf Höhen von 600' und schliesst am Fusse des linken Eibgehänges in einer Höhe von 300'. Im Ganzen genommen bildet der Löss des Elbthales einen schmalen h Meile breiten Streifen. Ungewiss bleibt es, ob zur Zeit der Lössbil- dung noch ein Kreidemeer bestanden habe, das freilich nicht allenthalben feste Kreide abgeschieden haben kann, oder ob auch das Mergelmeer die •im Lössboden vorkommenden Polythalamien geführt habe. F. A. Fallou charakterisirt den Löss (-Mergel),*) das für die Charakter Agrikultur so bedeutungsvolle Glied des nordeuropäischen Schwemmlandes, des löss- folgendermassen : Der Löss ist eine Mergelart, von Farbe lichtgraulich bis merge 8 - bräunlich- oder ockergelb, im Gefüge zwar bündig, aber locker, feinerdig und mehlig abfärbend. Bruch und Schnitt sind matt, er klebt an der feuchten Lippe und erweicht unter Wasser sofort zu einem milden, fetten und schleimartigen Schlamm. Es zeigen sich keine sichtlichen Gemeng- theile, ausser dass er zuweilen viele Glimmerflitter auch kleine Flocken einer weissen kreideartigen Substanz eingesprengt enthält. Er lagert stets ungeschichtet und bildet auch da, wo er in 40 — 50' hohen senkrechten Wänden abgestochen vor uns liegt, in seiner ganzen Mächtigkeit nur eine dicht geschlossene, völlig gleichartige Masse, es sind keine Schichtungs- oder Absonderungsklüfte zu bemerken. Doch finden sich in 5, 10 — 15' *) Agronomische Zeitung. 1867. S. 214. f) Bodenbildung. Tiefe bisweilen sehr reichlich die Gehäuse von kleinen Land- und Sumpf- schnecken eingemengt. Diese treten deutlich hervor, weniger die eben- falls in dieser Tiefe sehr häufig vorkommenden Kalkmergelnieren oder so- genannten Lösskindel. — Die in den erdreichen Boden umsichtlich einge- mengten, festen, noch unzersetzten Mineralfragmente, welche aber erst nach der Abschlämmung zum Vorschein kommen, bestehen in feinkörnigem Kalk- und Quarzsand, dem sich nicht selten auch Glimmer beigesellt, hauptsächlich aber in kleinen, zerstückelten, zarten Röhrchen und Nieren von Kalktuff, wie sie sich bisweilen auch im festanstehenden Kalktuff zeigen. Sie finden sich allerwärts im Löss und in allen Tiefen und er- gehen sich als Inkrustationen von Pflanzenfasern. Denn in den stärksten Röhren hat sich bisweilen noch der verkohlte Kern dieser Fasern oder Wurzeln erhalten, der sich wie ein schwarzer Faden hindurchzieht und die einzelnen Theile der jedenfalls erst beim Seifen oder Abschlämmen zerbrochenen Röhren noch zusammenhält. Wahrscheinlich sind auch die korallen-, trauben- oder knollenförmigen Kalkmergelnieren durch Ueber- sinterung verwesender organischer Körper entstanden. Uebrigens finden sich auch bisweilen mitten im Löss deutliche Abdrücke von Pflanzen- stengelu. — Grossentheils lagert der Löss auf Geröllschutt, von welchem er in wagerechter Richtung scharf abgeschnitten wird und nur bisweilen ziehen sich einige Schweife oder Schnüre von Sand und Kies in ihn hin- ein, aber auch da, wo er unmittelbar auf dem Grundgebirge lagert, mengen sich doch selten einige Bröckchen desselben mit ein. — Aller Lössmergel enthält kohlensauren Kalk und Talk, er ist mit diesen Stoffen innig vermengt, nicht, wie zuweilen der Grandlehm, bloss an einzelnen Stellen, er brausst und schäumt daher auch, mit Säuren benetzt, in seiner ganzen Masse sofort stark auf. Die Menge dieser Stoffe ist aber sowohl in verschiedenen Gegenden, als auch an einer und derselben Stelle in verschiedenen Tiefen ausserordentlich wandelbar. Nach den vorhandenen Analysen beträgt die kohlensaure kohlensaure Kalkerde Magnesia im Rheinthale zwischen Worms und Mainz und in der Gegend von Bonn 12- 36 Proz. 1 — 4 Proz. im Wiener Becken 30,7 „ 12,3 » im Elbthale in einer Tiefe von 3 — 16 Fuss . . . 7 — 11 » 1 — 4 » in der norddeutschen Ebene zwischen Elbe u. Weichsel 10 » Die übrigen Bestandtheile sind: Kieselsäure 60—70, Thonerde 5—10, Eisen- oxyd 4 — 5 Proz., nebst Kali, Natron und Spuren von Phosphorsäure. Un ter- Untersuchungen über den Löss von J. Breitenlohner.*) Buchungen Die zur Untersuchung genommenen Lössbodenproben stammten von einem Felde zwischen Lobositz und Sulowitz, dem sie aus verschiedener Tiefe, von Fuss zu Fuss, entnommen wurden. Der Löss tritt dort, in der zwi- *) Allgemeine land- u. forstw irthschaftl. Zeitung. 1867. S. 1078. über den Löss Bodenbildung. 7 sehen den Basaltkegeln des Lobosch und Kostial gelegenen Ebene, oft schon nach weniger als Fusstiefe im ausgeprägten Typus auf und ist dort ein überaus feines und zerreibliches Gebilde, frei von Gesteinsfraginenten und Flusskieseln, aber ausgezeichnet durch eine eigentümliche, flockige Eftioreszenz, welche die Sprünge und Höhlungen durch die ganze Masso mit einer kreidcartigen Substanz auskleidet. — Für den Verfasser handelte es sich bei der Untersuchung vorzugsweise darum, festzustellen, in wel- cher Tiefe sich Kalk und Bittererdo anhäufen, welche Stoffe in der eigent- lichen Ackerkrume dieser Bodenart sich nur in sehr geringen Autheilen nachweisen lassen. Die Erde wurde behufs Bestimmung der löslichen Be- standteile mit kochender Salzsäure erschöpft. Die Resultate sind aus folgender Zusammenstellung ersichtlich: Prozente der ursprünglichen Substanz. Fusf Feuch- Glüh- tigkeit verlust (bei (excl. 140° C. Kohlen- getr.) säure. Spezi- fisches Ge- wicht. Summe der in kochender Salzsäure lösslichen Stoffe Nach vor- her. Glühen Substanz. des Bo( iens. Urspr Kalk- Bitter- Kohlen eide (Summe.) erde säure. Nicht an Kohlen- säure gebund. Kalk. Eisen- oxyd und Thon- erde. Andere Stoffe (Rest). 20,0s 6,065 18,54 5,4-24 17,63 5,467 16,75 5,27.3 16,70 5,283 15,54 5-030 2,674 2,635 2,703 2,711 2,686 2,695 15,928 •22,455 29,649 28,675 28,433 26,607 18,388 26.5(Ki 33,350 31,515 30,684 28,316 0,674 0,062 0,093 5,882 0,121 4,067 10,991 0,4 IS 8,151 9,932 1,5S4 7,820 8,781 1,3S7 6,714 6,554 0,551 5,751 0,556 0,706 0,615 0,234 8,443 7,202 6,321 6,761 7,793 10,032 6,656 5,183 3,768 2,578 3,758 3,719 Mittel aller Schichten. 17,54 5,424 I 2,693 Mittel nach Ausschluss des ersten Fusses. 25,291 28,125 8,428 I 0,812 I 6,500 I — I 7,622 I 3,801 Der Verfasser ist der Ansicht , dass der Ackerkrume Kalk nach und nach durch atmosphärische Niederschläge entzogen und den tieferen Lagen zugeführt worden sei. Es ist uns kein zweites Beispiel einer solchen Auslaugung von Kalk aus dem Löss bekannt und möchten wir für die Kalkarmuth der obersten ] Fuss mächtigen Lage andere Gründe vermuthen. Möglicherweise gehört nämlich die Ackerkrume gar nicht zu dem Lössmergel , sondern sie ist vielleicht (Löss-)Lehm, der ersterem dem äusseren Anscheine nach so überaus ähnlich ist, und der viel- leicht weniger als 1 Fuss mächtig auf dem Mergel lagert oder dem sein jetziger Kalkgehalt aus dem unterliegenden Lössmergel nach und nach durch die Pflug- arbeit beigemischt wurde. Es ist bedauerlich , dass zur Feststellung dieses Ver- hältnisses nicht genauer nachgeforscht worden ist, in welcher Tiefe die kalkreichero Erde beginnt und nicht der Sar.dgchalt der obersten beiden Schichten ermittelt wurde, da der Lösslehm nach Ben nigsen- Förder fast ohne Ausnahme beträcht- lich mehr und gröberen Sand führt, als der Lössmergel ; dass nicht ferner durch die mikroskopische Prüfung die An- oder Abwesenheit von Bryozoen und Polythala- mien im Boden nachgewiesen wurde , welche im Lösslehm nur höchst selten vor- kommen sollen. 8 Bodenbildung. Analysen von Löss. Analysen von Lösslehra und Lössmergel von Lorscheid.*) — Die untersuchten Lössproben sind sämmtlich aus der Nähe von Mün- ster, wo derselbe nur in geringer Verbreitung vorkommt. — Ueber Kon- zentration der zur Analyse verwendeten Säure, sowie darüber, ob dieselbe warm oder kalt auf den Boden einwirkte, ist im Original nichts bemerkt. No. 1 . ist Lösslehm, senkelartiger über dem thonartigen, von der Werse bei Nobiskrug. No. 2. ist Lösslehm vom untern Werse-Abhang bei Nobiskrug. No. 3. ist Lösslehm, 10 Fuss mächtig; hinter dem Schlossgarten von Münster. No. 4. ist Lössmergel, 12 Fuss mächtig, unter dem Lösslehm hinter dem Schlossgarten von Münster. In 100 Theilen der Erde. Bestandtheile. No. 1. Lösslehm. Löslich in Salzsäure. Unlöslich in Salzsäure. Eisenoxyd . . Thonerde . Kalk . . . . Magnesia . . Kali . . . . Natron . . . Phosphorsäure Schwefelsäure . Kohlensäure . . ( Kieselsäure I Eisenoxyd . [ Thonerde . . > Kalk . . . . | Magnesia . . Natron . Kali . . . . Glühverlust. 1 ^ asser . a . \ Organische bubstanzen 2,40 0,85 0,09 Spuren 0,12 0,08 0,01 Spuren. keine. 82,72 6,32 5,70 0,04 Spuren. 0,12 0,10 1,45 In Salzsäure löslich. In Salzsäure unlöslich. 3,45 95,10 No. 2. Lösalehm. 3,15 1,42 0,25 0,01 0,20 0,30 0,03 Spuren. keine. 85,66 4,62 2,28 0,0S 0,03 0,03 0,04 1,90 5,36 92,74 No. 3. Lösslehm. 1,30 1.11 0,30 Spuren. 0,24 0,08 0,01 Spuren. keine. 83,53 4,74 7,07 0,01 Spuren. 0,03 0,07 1,01 3,54 95,45 No. 4. Lössmergel. 166 0,97 4,10 Spuren. 0,21 0,10 0,01 Spuren. 3,22 78,37 4,09 5,01 Spuren. Spuren. 0,35 0,76 1,15 10,27 88,58 Bemerkenswerth ist, dass der Lösslehm keine Spur von Kohlensäure enthält. Zersetzung Ueber die chemische Zersetzung des Feldspaths und ähn- Feidspith«. licher Gesteine durch m echanische Einwirkung hat M. Dau- brec Versuche angestellt.*) — Der Verfasser hatte vor einigen Jahren die Beobachtungen von Vauquelin, Chevrcul, Bequerel und Pe- louze, dass verschiedene Substanzen bei gewissen mechanischen Ein- flüssen, als Reibung und Zertrümmerung, eine langsame und stufenweise Zersetzung erleiden, bestätigt, indem er fand, dass mit der Bildung von *) Landw. Zeitung für das nordwestl. Deutschland, 1867. S. 45. Bodenbildunfr. y Gerolle, Sand und Schlamm aus Feldspathgesteinen, bei ihrer Zertrümme- rung unter Wasser, eine chemische Zersetzung verbunden sei, welche sich durch die Gegenwart von Alkali in diesem Wasser offenbare. - In glei- cher Weise wie in seinen früheren Untersuchungen*) Hess der Verfasser bei vorliegenden Versuchen Feldspathstücke sich auf und an einander reiben, indem er dieselben in einem cylindrischen Gefässe, mit Wasser übergössen, in eine rotirende Bewegung brachte, ungefähr in derselben Geschwindigkeit, wie sie sich bei fliessenden Gewässern darbietet, circa 2550 Meter Wegs in der Stunde. Das Gewicht des Wassers betrug das Ein- bis Zweifache von dem des Gesteins. Es wurden zu dieser Ope- ration nach einander bei einem und demselben Material Cylinder von Steingut und solche von Eisen verwendet und die Zertrümmerung des Ge- steins ging sowohl in reinem Wasser, als auch in solchem Wasser vor sich, in welchem irgend eines der am allgemeinsten in der Natur vor- kommenden Agentien aufgelösst war. üebrigens stellte der Verfasser durch einen vorhergehenden Versuch, bei welchem er Feuerstein einer ro- tirenden Bewegung, entsprechend 189 Kilometer Wegs, unterwarf, fest, dass die weisse Glasur der Steingutgefässe kein Alkali an das Wasser abgab. Der Feldspath, welcher zu den hauptsächlichsten Versuchen diente, gehört einer in der Gegend von Limoges vorkommenden Varietät an und wird in den dortigen Porzellanfabriken zur Bereitung der Glasur ver- wendet; er bot kein Anzeichen der Verwitterung dar. Die erhaltenen Re- sultate sind folgende: Feldspath und reines Wasser. — In Stücken zerschlagener Feldspath in einem Cylinder von Steingut auf die beschriebene Weise längere Zeit der Aneinanderreihung unter destillirtem Wasser unterworfen, zersetzte sich beträchtlich ; das Wasser enthielt kieselsaures Kali und war deshalb alkalisch. In eisernem Cylinder die Operation wiederholt, war das Wasser zwar alkalisch, es enthielt aber keine Kieselerde. Das feine Eisenpulver, welches sich durch die Reibung der Gesteinsfragmente an den Wandungen des eisernen Cylinders erzeugte, oxydirt sich während des Versuchs, und das gebildete Eisenoxyd entzieht dem kieselsauren Kali die Kieselsäure in dem Grade, als sich dieses aus dem Feldspath abscheidet. Es bleibt in dem Wasser nur reines Kali zurück. — Der Verfasser über- zeugte sich von dieser zersetzenden Wirkung des Eisenoxydhydrates, in- dem er solches in reinster Form mit einer Auflösung von kieselsaurem Natron digerirte. Die ganze Menge der Kieselerde wurde der Lösung ent- zogen. — Aus 3 Kilogramm Feldspath, die in einem eisernen Cylinder 192 Stunden lang bewegt wurden, d. h. die einen Weg von ca. 460 Ki- lometer zurückgelegt hatten, bildeten sich in dieser Zeit 2,72 Kilogramm Schlamm und die 5 Liter Wasser, uuter welchen die Zerreibung statt- *) Comptes rendus. Bd. 44. S. 997. 10 Bodenbildung. fand, enthielten nicht weniger als 12,60 Grm. Kali == im Liter 2,52 Grai. Die Menge des Kali's, welche in Lösung kommt, steht in Bezug zu der Menge des durch Reibung erzeugten Feldspathschlammes. Sie beträgt nur 3 bis 5 Tausendstel des Schlammes, also nur 2 bis 3 Proz. der ganzen darin enthalteneu Kalimenge. Neben Kali und Kieselerde enthielt das Wasser immer noch eine gewisse Menge an das Alkali gebundene Thon- erde. Ausserdem waren noch Sulfate und Chlorüre spurenweise in dem Wasser vorhanden, deren Auftreten sich aus dem häufigen Vorkommen innerhalb der Feldspathgesteine erklärt. Aber einen solchen Ursprung darf man nicht für Kali, Kieselerde und Thonerde annehmen. Denn wenn man Feldspath trocken auf das feinste zerreibt und dann dieses Pulver mit Wasser längere Zeit in Berührung lässt, so nimmt dieses kaum eine al- kalische Reaction an. Das würde nicht der Fall sein, wenn der Feldspath eingeschlossenes Kali enthielte, oder wenn vor dem Versuche eine Zer- setzung stattgefunden hätte. Man sieht hieraus, dass sowohl die Zerrei- bung allein, als auch das Wasser allein nicht genügen, die Zersetzung des Feldspaths zu bewirken. Erst das Zusammenwirken der mechanischen Zertheilung und der auflösenden Kraft des Wassers bringt die Zersetzung zu Stande. Feldspath und Salzwasser.—- Der Verfasser operirte unter sonst gleichen Verhältnissen mit einer Auflösung von Chlornatrium, welche 3 Proz. davon enthielt. Sowohl in Steingutgefässen als auch in eisernen wurde diese Lösung nur ganz schwach alkalisch. Das Chlornatrium hält also die Zersetzung auf und die Natur der Flüssigkeit, unter welcher die mechanische Einwirkung stattfindet, übt einen unvermutheten Einfiuss auf das schliessliche Resultat. Der Verfasser wendete Kochsalzlösung als Sur- rogat für Meerwasser an, unter welchem sich in der Natur die Zertrüm- merung der Gesteine ebenfalls vollzieht. Die Einwirkung von solchem und seiner einzelnen Bestandtheile auf die Zersetzung des Feldspaths wird der Gegenstand einer späteren Untersuchung sein. Feldspath und kohlen säur eh altiges Wasser. — 2 Kilogramm gut abgerundeter (Feldspath-) Kiesel, Übergossen mit 3 Liter mit Kohlen- säure gesättigten Wassers, wurden 10 Tage lang in einem Steingutgefäss der Rotation unterworfen. Die Kohlensäure wurde einmal während des Versuchs erneuert; der durchlaufene Weg betrug 142 Kilometer. Man erhielt 48 Grm. Schlamm, 0,27 Grm. freies Kali und 0,75 Grm. Kiesel- säure. Die Gegenwart der Kohlensäure hat also in diesem Gefässe, wel- ches davon nicht angegriffen wird, die Zersetzung des Feldspaths in be- deutendem Grade bewirken helfen. Nicht so in einem Eisengefäss. Das iViupulverige abgeriebene Eisen desselben wird sogleich mit grosser Ener- gie angegriffen und es entsteht kohlensaures Eisenoxydul (unter Entwick- lung von Wasserstoffgas in Folge der Zersetzung des Wassers durch den doppelten Einfiuss des Metalles und der Kohlensäure). Der Feldspath Rodenbildnng. 1 ] wird weniger angegriffen, als durch reines Wasser und es scheint, dass hier das aufgelöste kohlensaure Eisenoxydul in demselben Sinne wie das Chlornatrium der Zersetzung des Feldspathes entgegen wirkt. Man fand unter sonst gleichen Verhältnissen nur ungefähr l /w der Kali -Menge ge- löst, welche mit reinem Wasser erhalten wurde. Feldspath und Kalkwasser. - Der Kalk, unter denselben Um- ständen wie das Salz und die Kohlensäure angewendet, befördert die Aus- scheidung des Alkali's des Feldspaths. Feldspath, geschreckt und reines Wasser. — Der Zustand, in welchem man eine Substanz dem Versuche unterwirft, beeinflusst sehr die in Rede stehenden Erscheinungen. So lieferte Feldspath, der durch vorheriges Schrecken weiss und zerreiblich geworden war, ein viel stärker alkalisches Wasser und gleichzeitig eine reichlichere Menge Schlamm, als bei den vorigen Versuchen erhalten wurde. Obsidian und Amphigen (Leucit) in reinem Wasser. Der Obsidian (glasiger Feldspath) zersetzt sich sehr wenig und das Wasser wird höchst schwach alkalisch. Ebenso zeigten sich, als der Verfasser mit Amphigen von der Somme operirte, nur unbedeutende Spuren von Al- kali in dem Wasser; es ist das um so bemerkenswerther, als der Amphigen einen grösseren Kaligehalt als der Feldspath hat. Abnutzungs-Coefficient der der Reibung unterworfenen Materialien. — Der Verfasser schätzt den Grad der Abnutzung (Ab- reibung) nach der Menge des erzeugten Schlammes (bezogen auf 1 Kilo- meter zurückgelegten Weg) und fand folgende Verhältnisse: Feldspath in eckigen Stücken . . 0,003 „ in abgerundeten Stücken 0,002 Obsidian 0,003 Serpentin 0,003 Feuerstein aus der Kreide . . . 0,0002 Die Abreibung des letzteren fand demnach in 10 mal geringerem Grade statt, als bei den abgerundeten Feldspathstücken. Aehnlichkeit des erhaltenen Feldspath - Schlammes mit gewissen Thongesteinen, wie Argilolithen und Blätterthonen. - Der frisch erhaltene Schlamm ist von solcher Zartheit, dass er die Flüssigkeit opalisirend macht und sich selbst nach mehrtägiger Ruhe nicht absetzt. Im feuchten Zustande besitzt er eine gewisse Plasticität und ähnelt dem Thone; aber einmal ausgetrocknet, unterscheidet er sich davon dadurch, dass er pulverig wird. Er ist beinahe frei von Wasser, wider- steht Säuren und Alkalien und ist schmelzbar geblieben; er ist nichts weiter als Feldspathschlamm. Man findet unter den Schichtgesteinen in 12 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens vielen Gegenden Gebilde unter der Bezeichnung : schmelzbarer Thon (d'ar- giles fusibles), Argilolithen , welche eine grosse Aehnlichkeit mit diesem Feldspathschlarame haben und es giebt Blätter- und Schieferthone, welche häufig 6 — 7 Proz. Kali führen. Es scheint, dass diese nicht einer Zer- setzung, sondern einer einfachen Zerreibung von Feldspath oder Silikaten ihre Entstehung verdanken. Durch die Untersuchungen von Berthier und Forchhammer über die Kaoline und vorzugsweise durch die von Ebelmen weiss man, dass bei der Ver- witterung der Silikate (wie der Feldspathe) an ihrer Lagerungsstätte ein Thei! ihres Kali's in löslichen Zustand übergeht. Hier haben wir eine andere Ursache der Aus- scheidung von Kali Unter dem einfachen Vorgange der allmählichen Zertrümmerung der Gesteine durch Aneinanderreihen derselben verbirgt sich eine langsam wirkende chemische Thätigkeit, welche den sich auf der Oberfläche des Festlandes bewegen- den Flüssen beständig dieses Alkali zuführt. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. verhalten Ueber das Verhalten der Phosphorsäure im Erdboden, der von E. Peters.*) — Der Verfasser stellte sich bei seiner Untersuchung zu- säureim nächst die Fragen zur Beantwortung: in welcher Verbindung kommt die Erdboden. Phosphorsäure im Erdboden vor? und kann diejenige Phosphorsäurever- bindung, in welcher die unverwitterten Gesteine meist die Phosphorsäure enthalten, und in welcher durch Stallmist, Guano, Knochenmehl etc. dem Erdboden Phosphorsäure zugeführt wird, der phosphorsaure Kalk, in den Boden gebracht, längere Zeit unzersetzt bestehen? Von den in dem Boden zu vermuthenden Phosphorsäureverbindungen lösen sich die der Alkalien leicht in destillirtem Wasser auf, die des Kalks und der Magnesia schwierig in kohlensäurehaltigem Wasser, leicht in verdünnter Essigsäure, die der Thonerde und des Eisenoxyds schwer, bezw. kaum in verdünnter Essigsäure, leicht in konzentrirter Salzsäure. Dieses verschiedenartige Verhalten der genannten phosphorsauren Salze zu den angegebenen Lösungsmitteln gab den Weg an zur Beantwortung der oben gestellten ersten Frage. Vier verschiedene Erden wurden auf nachstehende Weise und mit nachstehendem Erfolge behandelt. Die Erden *) Annalen der Landwirtschaft. Monatsschr. Bd. 49. S. 31. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 13 waren sämmtlich kalk- und humusarm; No. I. und II. waren in gewöhn- licher Weise mit Stallmist reichlich gedüngt worden, hatten darnach eine Ernte geliefert und waren dann im getrockneten Zustande drei Jahre lang aufbewahrt worden; No. III. hatte eine starke Düngung von Knochenmehl (57« Ztr. pr. Morg.), No. IV. eine solche mit aufgeschlossenem Knochen- mehl (57* Ztr. Knochenmehl + 1,8 Ztr. Schwefelsäure pr. Morg.) erhalten; beide wurden direkt vom Felde genommen und im ungetrockneten Zu- stande verwendet. Bei 1. und 2. der Versuche wurden 1000 Gramm Erde und 2V« Ltr. Lösungsmittel, bei 3. und 4. 100 Grm. Erde und 250 CC. Lösungsmittel verwendet. Auf 1000 Grm. Erde und 2,5 Ltr. des Lösungsmittels berechnet, wur- den Phosphorsäure gelöst: 1. Durch destil- 2. Durch kohlensäure- 3. Durch verdünnte 4. Durch konzentr. Erde. lirtes Wasser (3 Tage kalt diger.) haltiges Wasser (3 Tage kalt diger.; täglich 1 stunde laug Kohlensäure durch die Mischung geleitet.) Essigsäure (20Proz. konzentr. Säure 3 Tage kalt diger.) Salzsäure von l, l2 spez. Gew. (mehrere Stunden warm diger.) Gramm. Gr am m. Gramm. Gramm. I. 0,0192 0,0224 0,3840 1,4580 II. 0,0214 0,0426 0,4346 1,3061 III. 0,0232 0,05% 0,3777 1,1162 IV. 0,0324 0,0656 0,4800 0,9846 In sämmtlichen Erdauszügen waren sowohl Kalk und Magnesia, als auch Eisenoxyd, Thonerde und Alkalien nachzuweisen ; ein Theil der Basen war mit Humussäuren verbunden. 1) Auch die was sr igen Auszüge enthielten Eisenoxyd und Spuren von Thonerde. Es wurden z. B. gefunden in 2,5 Ltr. aus 1000 Grm. Erde: Phosphorsäure. Eisenoxyd. Thonerde. bei Erde No. I. 0,0192 Grm. 0,007 Grm. 0,002 Grm. hei Gartenerde 0,0376 „ 0,005 „ Spuren. Die gelösten Mengen des Eisenoxyds sind hiernach viel zu unbedeu- tend, als dass man sich alle Phosphorsäure damit verbunden denken kann; es ist nach dem Verfasser vielmehr anzunehmen, dass ein Theil der Säure an Kalk, Magnesia und Alkalien gebunden war. Während sich hier bei den Erden im Mittel 1 Theil Phosphorsäure in 94,200 Gewichtstheilen destillirten Wassers löste, löste sich durch 2) Kohlensäurehaltiges Wasser ebenfalls bei den vier Erden im Mittel 1 Theil Phosphorsäure in 52,600 Gewichtstheilen des Lösungs- mittels. Diese letzteren Auszüge enthielten aber kaum mehr Eisenoxyd gelöst, als die mit destillirtem Wasser erhaltenen, so dass das Plus der Phosphorsäure zum grössten Theile als phosphorsaurer Kalk und phosphor- saure Magnesia zu berechnen ist. 14 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Aus den Erden war sowohl durch reines wie durch kohlensäurehal- tiges Wasser weit weniger Phosphorsäure gelöst worden , als die Lösungs- mittel bei Anwesenheit hinreichender Mengen von phosphorsaurem Kalk hätten aufnehmen können. 3) In den durch verdünnte Essigsäure erhaltenen Auszügen waren neben reichlicheren Mengen Phosphorsäure zugleich Eisenoxyd und be- sonders Thonerde enthalten. Es fanden sich in den essigsauren Auszügen pro 1000 Gramm Erde: No. I. No. II. Thonerde 0,215 Grm. 0,202 Grm. Eisenoxyd 0,055 „ 0,072 „ Kalk 0,932 „ 0,750 „ Magnesia 0,113 „ 0,232 „ Den gefundenen Mengen von Thonerde und Eisenoxyd, als basische Salze auf Phosphorsäure berechnet, entsprechen: No. I. No. II. 0,337 Grm. 0,345 Grm. Phosphorsäure. Gefunden w urden 0.384 .. 0,435 ,. ,, Differenz 0,047 Grm. 0,01)0 Grm. Phosphorsäure. Der Verfasser schliesst daraus, dass irgend erhebliche Mengen von phosphorsaurem Kalk nicht gelöst worden sind. 4) Der grösste Theil der Phosphorsäure wurde erst durch die Behand- lung der Erden mit konzentrirter Salzsäure in Lösung übergeführt, wobei gleichzeitig grosse Mengen von Thonerde und Eisenoxyd mit gelöst wurden. Auch dies spricht nach dem Verfasser dafür, dass die im Erd- boden enthaltene Phosphorsäure zum weitaus grössten Theile an Eisen- oxyd und Thonerde gebunden ist. Diese Ansicht findet durch das Resultat des nachstehenden Versuchs eine Bestätigung. Eine gesättigte Auflösung von phosphorsaurem Kalk in kohlensäure- haltigem Wasser (im Ltr. 0,1882 Grm. Kalkphosphat = 0,0862 Grm. Phosphorsäure), enthielt nach 48stündigem Digeriren (400 Grm. Erde resp. Thon = 1000 Grm. Lösung): mit Erde No. I. nur 0,042 Grm. Kalkpho.sphat im Liter. „ Thon „ 0,03C „ „ „ Dieselben Erden verhielten sich dagegen so gut wie indifferent gegen die Kalkphosphatlösung, wenn ihnen zuvor durch Behandlung mit Königs- wasser Eisenoxyd und Thonerde entzogen worden waren; es wurde ihnen aber die Fähigkeit, Phosphorsäure zu binden, wieder zurückgegeben, als den mit Säure ausgezogenen Erden etwas kieselsaures Eisenoxyd zugesetzt wurde. Wurde eine Auflösung von Kalkphosphat in kohlensaurem Wasser mit einem löslichen Eisensalze (kohlensaurem, humussaurem oder schwefelsaurem Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 15 Eisenoxydul resp. Eisenoxyd) oder mit einem löslichen Thonerdesalze zu- sammengebracht, so würde die Phosphorsäure zum allergrössten Theile gefällt und ein lösliches Kalksalz gebildet. Dass aber lösliche Thonerde- verbindungen sowohl als auch lösliche Eisenoxyde in dem Erdboden vor- handen sind, wenigstens vorübergehend, weist der Verfasser durch eine längere Betrachtung nach, hinsichtlich welcher wir auf das Original ver- weisen müssen. Der Verfasser weist ferner experimentell nach, dass die in Form von Superphosphat in den Boden gebrachte lösliche Phosphorsäure nach kurzer Zeit von Eisenoxyd und Thonerde gebunden wird. Die Erde No. I., aus welcher sich beim Behandeln mit verdünnter Salzsäure (1:3) in der Wärme folgende Bestandtheile auflösten: Thonerde 2,44 Proz. Eisenoxyd 3,65 „ Kalk 0,34 „ Magnesia 0,17 „ Kali 0,18 „ Natron 0,26 „ Pliosphorsäure 0,12 „ Schwefelsäure 0,11 „ Kieselsäure 0,25 „ Humusgehalt 4,24 Proz. wurde auf 100 resp. 200 Grm. mit 50 CC. einer durch Ausziehen von Bakerguano-Superphosphat mit Wasser bereiteten Flüssigkeit und 200 CC. Wasser versetzt und damit 3 Tage lang digerirt. Jene 50 CC. Super- phosphatlösung enthielten 1,471 Grm. Phosphorsäure, zu allermeist in Form von dreibasisch phosphorsaurem Kalk. Nach dreitägiger Digestion enthielt die Flüssigkeit noch: bei Anwen- j 100 Grm. Erde 1,121 Grm., absorbirt war 0,350 Grm. Phosphorsäure, düng von 1200 „ „ 0,760 „ „ „ 0,711 „ „ Derselbe Versuch wurde wiederholt, nachdem die Phosphatlösung auf ein Zehntel verdünnt worden war, so dass diese in 50 CC. nur noch 0,1471 Grm. Phosphorsäure enthielt. Nach dreitägiger Digestion enthielt die Flüssigkeit nun noch gelöst: bei Anwen- f 100 Grm. Erde 0,1023 Grm., absorbirt war 0,0448 Grm. Phosphorsäure, düng von l 200 „ „ 0,0636 „ „ „ 0,0835 „ * Nach dreiwöchentlicher Digestion enthielt die Flüssigkeit noch gelöst: bei Anwen- f 100 Grm. Erde 0,0373 Grm., absorbirt war 0,1098 Grm. Phosphorsäure, düng von { -2U0 „ „ U,0255 „ „ „ 0,1 2 IG „ „ Da der verwendete Boden ein kalkarmer war, so kann nach dem Verfasser in dem vorliegenden Falle die Bindung der Phosphorsäure in 16 Chemische und physische Eigenschaften des Dodens. der Hauptsache nur durch Eisenoxyd nnd Thonerde erfolgt sein. Der Ver- fasser nimmt an, dass die Bindung der Phosphorsäure weniger rasch sich vollzogen hätte, weil das im Boden vorhandene Eisenoxyd sein Hydrat- wasser durch das lange Aufbewahren des Bodens wahrscheinlich verloren hatte. Indess genügte eine dreiwöchentliche Einwirkung, um fast alle Phosphorsäure aus der Superphosphatlösung verschwinden zu lassen. Zur Auflösung von 1 Gewichtstheil der solcherweise gebundenen Phos- phorsäure waren nach einem speziellen Versuche des Verfassers 62,500 Theile Wasser erforderlich. Den fossilen Phosphaten gegenüber erscheint der phosphorsaure Kalk der Knochen ungleich löslicher; es fragte sich daher, ob dieser zu seiner Vertheilung in der Erde und zum Zweck der Wiederauflösung daselbst wie jene des Aufschliessens mit Säure bedürfe. Auch diese Frage beant- wortete der Verfasser durch einen directen Versuch. Je 1000 Grm. von der Erde No. I. wurden mit 0,135 Grm. Phos- phorsäure 1) in Form von feinem Knochenmehl, 2) in Form von aufge- schlossenem Knochenmehl und 3) in Form von Knochenasche gemischt und darauf mit 1000 CC. Wasser 14 Tage lang bei gewöhnlicher Sommer- temperatur digerirt. Es lösten sich auf 1000 CC. Wasser bei : 1) F. Knochen- ?r i o) Knochen- ' , , seneni Knochen- ' , mehl. , , ascne. mehl. Phosphorsäure . . 0,023 Grm. 0,048 Grm. 0,012 Grm. Nach wiederholtem Auswaschen mit in Summe 6,5 Ltr. Wasser hatten sich schliesslich gelöst: Phosphorsäure . 0,092 „ 0,106 „ 0,087 „ Der Verfasser kommt hierdurch zu dem unten folgenden Schlüsse. Nach Beantwortung der oben gestellten Fragen geht der Verfasser an die Beantwortung der dritten Frage: Wie hat man sich den Prozess der Auflösung (resp. Wiederauflösung) der im Ackerboden enthaltenen Phosphorsäure vorzustellen? Die darauf bezüglichen Versuche, ob dem Boden direct zugefügte Humussubstanzen die Auflösung der Phosphate befördern, gaben ein ne- gatives Resultat. Anders stellten sich aber die Verhältnisse, wenn den organischen Stoffen Zeit gegeben wurde, sich zu zersetzen und dadurch eine Reduction der Eisenoxydverbindungen im Boden zu bewirken. Nachdem 1000 Grm. von Erde No. I. mit 2500 CC. Wasser 6 Wochen lang in einem verschlossenen Gefäss in Berührung gewesen waren, fanden sich in der Lösung: 0,0952 Grm. Phosphorsäure und 0,168 Grm. Eisen- oxyd (Oxydulverbindung) während bei obiger dreitägiger Behandlung die- selbe Erde an Wasser nur » 0,0192 Grm. Phosphorsäure und 0,004 Grm. Eisenoxyd abgab. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 17 Ferner tragen zur Auflöslichkeit der Erdbodenphosphate Salze bei, deren Wirkung in dieser Richtung der Verfasser durch fol^ nde Versuche prüfte. Es wurden je 1000 Grm. von der Erde No. I. und II. mit 2500 CC. Salzlösungen 3 Tage lang digerirt: Gelöste Phosphorsäure in 2500 CC. Salzgehalt der Lösungen. Erde No. I. Erde No. II. Grm. Grm. 0,05 Proz. Kochsalz 0,0206 0,0286 0,10 „ „ 0,0302 0,0323 0,50 „ „ 0,0345 0,0364 0,05 „ Salmiak 0,0198 0,0266 0,10 „ „ 0,0333 0,0200 0,50 „ „ 0,0384 0,0422 0,05 „ kohlensaures Natron . 0,0396 0,0626 0,10 „ „ 0,0525 0,0644 0,50 „ „ „ 0,0847 0,0925 Destillirtes Wasser 0,0192 0,0232 Kohlensäurehaltiges Wasser . . 0,0224 0,0596 Der Verfasser erörtert ferner die Vorgänge der Verwitterung in dem Boden und die Ausscheidungen der Pflanzenwurzeln, welche beiderseits auf die Auflöslichkeit der Phosphate befördernd wirken. Hinsichtlich dieser Beweisführung müssen wir auf das Original verweisen. Der Verfasser resumirt die Ergebnisse seiner Untersuchung wie folgt : 1) die im Erdboden enthaltene Phosphorsäure ist zum weitaus grössten Theile an Eisenoxyd und Thonerde gebunden; 2) die Verbindungen des Eisenoxyds und der Thonerde mit der Phos- phorsäure sind in destillirtem Wasser sehr wenig, etwas mehr in kohlensäurehaltigem Wasser löslich; verdünnte Essigsäure zieht aus der Erde ziemlich beträchtliche Mengen von Phosphorsäure — haupt- sächlich phosphorsaure Thonerde — aus, doch ist eine Behandlung mit konzentrirten Mineralsäuren erforderlich, um die Gesammtmenge der Phosphorsäure in Lösung überzuführen; 3) aus einer Auflösung von phosphorsaurem Kalk in Kohlensäure wird die Phosphorsäure nur dann gebunden von der Erde, wenn diese Thonerde- und Eisenoxydverbindungen enthält; Erden, denen diese Verbindungen durch Behandlung mit Säuren entzogen sind, verhalten sich gegen die Phosphatlösung indifferent; 4) im Erdboden kommen lösliche Thonerdeverbindungen und Thonerde- hydrate vor; 5) ebenso sind darin lösliche Eisenverbindungen enthalten und werden durch die im Boden sich vollziehenden Reduktionsprozesse stets von Neuem gebildet. Wenn die eisenhaltigen Wasser mit dem durch die Verwesung organischer Substanzen blossgelegten Kalkphosphat in Berührung kommen, so ist dadurch Gelegenheit zur Bildung von phosphorsäurehaltigen Eisenabsätzen (Ocher, Wiesenerz) gegeben; Jahresbericht X. 2 lö Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 6) auch die in der Form von Superphosphat in den Erdboden gebrachte lösliche Phosphorsäure wird darin rasch von Eisenoxyd und Thon- erde gebunden. Bei kalkarmen Erden genügt eine zwei- bis drei- wöchentliche Berührung, um alle Phosphorsäure einer sehr reichlichen Superphosphatdüngung in schwer lösliche Verbindungen überzuführen; 7) das Aufschliessen der Phosphate kann nicht die Wirkung haben, den Pflanzen die gelöste Phosphorsäure direct in Form eines sauren Kalksalzes zuzuführen, wohl aber wird dadurch eine gleichmässigere Vertheilung der Phosphorsäure im Boden bewirkt. Da der phos- phorsaure Kalk der Knochen verhältnissmässig leicht in der Boden- flüssigkeit gelöst wird, so erscheint für diese das Aufschliessen minder nothwendig und vortheilhaft, als für fossile Phosphate (und Knochenkohle) ; 8) alle Wasserauszüge kulturfähiger Bodenarten enthalten Phosphor- säure gelöst; die Auflösung wird bedingt: a) durch die Löslichkeit der Phosphate an sich in reinem und kohlensaurem Wasser; b) durch die im Erdboden stattfindenden Reduktionsprozesse, welche das phosphorsaure Eisenoxyd reduciren, wobei zugleich lösliche Humussäuren gebildet werden, welche lösend wirken: c) durch den lösenden Einfluss der in der Bodenfeuchtigkeit ent- haltenen neutralen Salze gegen das etwa vorhandene Kalk- phosphat; d) durch die chemische Wirkung der kohlensauren und kiesel- sauren Alkalien auf die Phosphate von Kalk, Eisenoxyd und Thonerde; e) bei der Aufnahme der Phosphorsäure durch die Pflanzenwur- zeln spielen wahrscheinlich die aus diesen austretenden Sub- stanzen (Salze und Säuren) eine Rolle; 9) kohlensaure und lösliche kieselsaure Alkalien sind im Erdboden ent- halten und werden darin durch die im Boden vor sich gehenden Zersetzungsprozesse stets von Neuem erzeugt. Obwohl das Verhalten der Phosphorsäure im Boden, so, wie es durch vor- liegende Untersuchungen festgestellt worden ist, im Voraus vermuthet werden konnte, so sind dieselben doch die erste Arbeit, welche die Beziehungen zwischen Boden und Phosphorsäure in dieser Richtung experimentell erforschte und mit Zahlenbelegen versah. Ueber das Ueber das Verhalten der Pflanzennährstoffe im Boden verhalten von yj Schumacher.*) — Die Absorptionserscheinungen, welche bei dem der Pflanzen- nährstoffe Aufeinanderwirken von Erde und Salzlösungen eintreten, können sowohl im Boden, ein chemischer als auch ein physikalischer Akt sein. Die Meinungen, wel- *) Annalen der Landwirtschaft. Bd. 49. S. 322. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 19 eher Art die Absorptionsprozesse seien, sind noch getheilt, die Einen hul- digen der Ansicht von der chemischen Natur des Absorptionsvorganges, die Andern betrachten die Absorption als einen physikalischen Vorgang. Der Verfasser hat nun in nachstehenden Untersuchungen dem Vorgange der physikalischen Absorption nachgeforscht. 1) Die physikalische Absorption. — Der Verfasser prüfte das absorptive Vermögen eines aus Zucker durch Einwirkung von Schwefelsäure künstlich dargestellten Humus gegen verschiedene Salzlösungen. Die Be- rührung des Humus mit den nahezu 'prozentigen Lösungen dauerte 24 Stunden und fand bei einer Temperatur von 14 — 20° R. statt. Die Re- sultate der Versuche sind in nachfolgender Tabelle übersichtlich zusam- mengestellt. Die Angaben beziehen sich auf 14,28 Grm. als wasserfrei berechneten Humus und 155 CC. nahezu \ prozentiger Lösung. Als Kon- zentration der Lösung ist diejenige angegeben, welche nach der Ausglei- chung der Versuchslösung mit dem hygroskopischen Wasser des Humus entstanden war. Konzentration Von der gesammten Menge des Salzes der Lösung absorbirt. Prozente. 1,8 2,0 3,4 4,1 5,2 2,3 10,0 1,7 Die Wirkung ist je nach dem Salze verschieden: geht man von den Basen der Salze aus, so sind es die Salze des Kali's, verglichen mit dem Natronsalze und dem Ammonsalze derselben Säure, welche am stärksten absorbirt werden : geht man von den Säuren aus, so werden die Salze mit Phosphorsäure am stärksten und vielleicht die Chlorverbindungen am schwächsten absorbirt. Der Verfasser vermuthet eine Abhängigkeit der Absorption von den Aequivalentgewichten der Salze und vergleicht, um auf die Möglichkeit einer gesetzmässigeu Beziehung aufmerksam zu ma- chen, die aufgeführten Versuche wie folgt: Aequivalente. Prozente bei der Absorption. Chlorammonium .... NIL.C1 = 53,46 2,0 ? Chlorcalcium CaCl = 55,46 1,7 Schwefelsaures Ammoniak NH4O, SO3 = 66,00 1,8 Schwefelsaures Natron . NaO, S0 3 = 71,00 2,3 Salpetersaures Ammoniak NH 4 0, N0 5 = 80,00 3,4 Schwefelsaures Kali . . KO, S0 3 = 87,11 4,1 Salpetersaures Kali . . KO,N0 5 = 101,11 5,2 Phosphorsaures Natron . 2 NaO, P0 5 = 133,36 1 ,qq oder (2NaO + nO) + P0 5 = 142,36 J der Lösung. Prozente. Schwefelsaures Ammoniak 0,50 Chlorammonium . . . 0,50 Salpetersaures Ammoniak 0,48 Schwefelsaures Kali . . 0,50 Salpetersaures Kali . . 0,50 Schwefelsaures Natron 0,49 Phosphorsaures Natron 0,65 Chlorcalcium .... 0,49 20 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 2) Einfluss der Konzentration der Lösungen auf die phy- sikalische Absorption. — Der Verfasser theilt einige in dieser Rich- tung von ihm angestellte und in H. Karsten's „Botanische Untersu- chungen" 1866 S. 182 veröffentlichte Versuche mit Stärke und Bastfaser gegen Oxalsäure mit, deren Resultate sich aus nachfolgender Zusammen- stellung ergeben und aus denen hervorgeht, dass eine Lösung um so mehr durch Absorption erschöpft wird, als ihre Konzentration geringer ist. Konzentration der ursprünglichen Lösung Prozente. Versuche mit Bastfaser (schwed. Filtrirpapier). 8 Grm. zu 100 CC. Dauer der Einwirkung 24 Stunden. Versuche mit Stärke. 34 Grm. zu 100 CC. 0,5 0,044 0,0075 5,8 0,54 0,095 Von der gesammteu Oxalsäure absorbirt. Prozente. 10,0 19,7 49,3 1,5 7,4 32,2 Diesen Versuchen fügte der Verfasser noch folgende bei. Volum Konzentration der Von dem gesammten Salze der Lösung absorbirt. Humus gegen Lösung von salpetersaurem Ammoniak. Lösung. Prozente. 0,480 0,176 0,051 0,650 0,286 Prozente. 3,4 8,0 29,4 10,0 53,1 Humus gegen Lösung von phosphorsaurem Natron. 3) Einfluss der Temperatur auf die physikalische Absorp- tion. — Der Verfasser bezieht sich gleichfalls auf bereits an demselben Orte veröffentlichte Versuche mit Kollodiumhäuten und Baumwolle gegen Oxalsäure, die folgende Verhältnisse herausstellten: Absorbirt Wieder aufgelöst, waren bezw. wieder absorbirt. Grm. Oxalsäure. Grm. Oxalsäure. Kollodium- häute gegen Oxal- säure. Baumwolle ( gegen Oxal- I säure von 1,449 Proz Oxalsäure. Nach S Stunden bei 17 Stunden später „ 6£ n ji 24 „ 24 „ Nach 6£ St. bei gew. Zimmertmp. 24 St. später« 30-40° R. 24 „ „ „ gew. Zimmertmi). iT n r> n r n 7— 9°R. 7-9o 30—40» 8-10« 6—8o 0,039 0,039 0,025 0,029 0,043 0,071 0,047 0,058 0,058 unverändert, aufgelöst 0,014 absorbirt 0,004 absorbirt 0,014 aufgelöst 0,024 absorbirt 0,01 1 unverändert. 4) Die Auflösung der physikalisch absorbirten Stoffe. — Die physikalisch absorbirten Stoffe sind auflöslich in Wasser. Wenn eine Lösung, die mit einer absorbirten Substanz in Wechselwirkung steht, ver- dünnt wird, so wird es von dem Grade der Verdünnung abhängen, ob et- was aufgelöst, oder ob noch mehr Salz absorbirt wird. Der Verfasser Chemische nnd physische Eigenschaften des Bodens. 21 stellte einen Versuch an, aus welchem hervorgeht, wie sich in dieser Be- ziehung die Verdünnung einer hochkonzentrirten Bodenlösung verhält. Ein Torf erhielt auf 3 Ltr. 3,6 Grm. kohlensaures Ammoniak, 5 Grm. phosphorsaures Ammoniak, 6,3 Grm. kohlensaures Kali und 1 Grm. kohlen- saures Natron (wahrscheinlich nicht kohlensaures Natron wie im Original steht, sondern kieselsaures Natron) zugemischt und wurde mit Wasser stark angefeuchtet. Nach einiger Zeit wurde ein Theil der Bodenlösung aus dem Torfe ausgepresst und auf den Gehalt untersucht. 100 CC. Boden- lösung enthielten : Kali 0,043 Grm. — Natron, Kalk etc. 0,038 Grm. - Phosphorsäure 0,121 Grm. — Kieselsäure 0,013 Grm. 283 Grm. dieses Torfes, Destehend aus 119 Grm. wasserfreiem Torf und 164 Grm. Boden- lösung wurden mit 250 CC. Wasser übergössen , wobei der Torf eben ge- sättigt war. Jetzt enthielt der Torf 414 CC. Bodenlösung und die ur- sprüngliche Bodenlösung war so verdünnt worden, dass in 100 CC. nach der Verdünnung die Mengen unter A. enthalten sein müssten, wenn Nichts durch die Verdünnung absorbirt oder aufgelösst worden war. Die ver- dünnte Bodenlösung wurde ebenfalls ausgepresst und untersucht, und es ergaben sich die unter B. angegebenen Mengen in 100 CC: A. B. Berechnet. Gefunden. Durch die Verdünnung Gim. Grm Grm Kali 0,017 0,016 absorbirt 0,001 Natron, Kalk u. s. w. 0,008 0,015 aufgelöst 0,007 Phosphorsäure 0,048 0,050 , 0,002 Kieselsäure 0,005 0,00S 0,003 5) Verdrängung der physikalisch absorbirten Basen. — Der Verfasser liess je 150 CC. von Lösungen von schwefelsaurem Ammo- niak, von Chlorammonium und schwefelsaurem Kali auf je 14,28 Grm. trocknen Humus einwirken, ermittelte in jedem der Versuche die absor- birte Salzmenge und setzte dann, nachdem die zum Zweck der Untersu- chung abgehobene Menge der Lösung wieder ersetzt worden war, Chlor- calcium, beziehungsweise schwefelsaures Kali oder schwefelsaures Ammoniak hinzu. Nach zweitägiger Einwirkung wurden die absorbirt gebliebenen Mengen der ursprünglich absorbirt gewesenen Salze ermittelt. Es waren ursprünglich „• t . ßei Beendigung des Ver- absorbirt: ' ° ' suchs waren absorbirt: I. 0,013 Gr. schwefeis. Am- 2,500 Gr. Chlorcalcium. 0,015 Gr. schwefeis. Am- moniak, moniak. II. 0,015 „ Chlorammon. 1,234 „ schwefeis. Kali. 0,001 „ Chlorammon. III. 0,031 „ schwefeis. Kali. 0,575 „ schwefeis. Am- 0,026 „ schwefeis. Kali. moniak. Hiernach vermag das schwefelsaure Kali physikalisch absorbirtes Am- nion zu verdrängen oder in Lösung überzuführen; umgekehrt scheint das Ammoniak auf absorbirtes Kali nicht die gleiche Wirkung auszuüben. Chlor- calcium scheint ebenfalls ohne Wirkung auf absorbirtes Amnion zu sein. 22 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. In der Folge bespricht der Verfasser noch ferner 6) die Absorp- tion im Boden, 7) die Bodenlösung, 8) die Aufnahme der Pflanzennährstoffe aus dem Boden, deren wesentlicher Inhalt in dem „Kückblick" des Verfassers zusammengedrängt ist, welchen wir hier folgen lassen : 1) Wenn Düugstoffe in den Boden gelangen, so lösen sie sich ent- weder direct im Bodenwasser auf (Salze), oder zersetzen sich erst, und die dabei frei werdenden Pflanzennährstoffe lösen sich im Bodenwasser auf. 2) Nach der Auflösung im Bodenwasser wird ein Theil der Pflanzen- nährstoffe chemisch absorbirt, d. h. durch gewisse Bodenbestandtheile in eine chemische Form übergeführt, welche in Wasser unlöslich ist. Die Phos- phorsäure besonders kann auf diese Weise unter ungünstigen Verhält- nissen fast gänzlich chemisch absorbirt werden; weniger betrifft es die andern Pflanzennährstoffe. 3) Die Bodenkultur hat es sich zur Aufgabe zu machen, diese che- mische Absorption der Pflanzennährstoffe möglichst zu verhindern und die bereits chemisch absorbirten Stoffe wieder in Auflösung zu versetzen. Auch in dieser Beziehung ist der Phosphorsäure eine besondere Aufmerk- samkeit zu schenken. 4) Der überwiegend grösste Theil der gelösten Pflanzennährstoffe ver- fällt der physikalischen Absorption, d. h. die Bodentheilchen ziehen die ge- lössten Stoffe aus der Bodenlösung an und sammeln sie auf ihrer Ober- fläche. Es kann dies um so vollkommner geschehen, als die Bodenlösung niedrig konzentrirt ist und aus einer Lösung um so mehr absorbirt wird, als sie verdünnter ist. 5) Eine Bodenlösung wird niemals durch die physikalische Absorption ganz erschöpft; es bleibt immer mehr oder weniger von den Pflanzen- nährstoffen in der Bodenlösung der Ackerkrume. Am stärksten wird die Phosphorsäure in ihren Salzen absorbirt, weshalb die Bodenlösung ge- wöhnlich sehr arm an solchen ist. Die Bodenlösung der Ackerkrume ent- hält verhältnissmässig beträchtlichere Mengen von Kali, Natron, Mag- nesia, Kalk, Schwefelsäure, Salpetersäure, Chlor; an Eisensalzen ist sie dagegen arm. G) Der Humus ist derjenige Bestandtheil des Bodens, welcher am kräf- tigsten absorbirend wirkt. Es ist unter allen Umständen dafür zu sorgen, dass der Boden eine höhere absorptive Kraft besitzt, was am leichtesten durch entsprechende Zufuhr von humuserzeugenden Substanzen geschieht. 7) Die physikalisch absorbirten Pflanzennährstoffe können durch den Regen nicht oder doch nur in unbedeutender Menge aufgelöst und aus der Ackerkrume ausgewaschen werden. 8) Da aber die Bodenlösung verhältnissmässig beträchtliche Mengen Pflanzennährstoffe gelöst enthält, so muss dafür gesorgt werden, dass die Bodenlösung durch den Regen nicht leicht aus der Ackerkrume in den Untergrund verdrängt wird, weil die Pflanzennährstoffe in diesem nur Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 23 unter günstigen Verhältnissen wieder dem Nährstoff kapital der Wirt- schaft zurückgeführt werden können. Die Verdrängung der Bodenlösung durch den Regen kann nur durch eine richtige Stärke der wasserhaltenden Kraft verhindert werden. Der Humus ist der Stoff, durch welchen die wasserhaltende Kraft der Ackerkrume am leichtesten erhöht wird. 9) Die chemisch ahsorbirten Stoffe können von der Pflanze nicht auf- genommen werden; sie müssen deshalb in Lösung gebracht werden. 10) Die Bodenlösung wird durch die Verdunstung des Wassers aus den Blättern in die Pflanze eingeführt, die in der Bodenlösung enthaltenen Stoffe können unter Umständen durch die Diffusion in Folge des Stoff- wechsels und der Assimilation in die Pflanzen übergeführt werden. 11) Die physikalisch absorbirten Stoffe können wahrscheinlich nicht durch die Verdunstung des Wassers aus den Blättern, sondern nur durch die Diffusion in Folge der Assimilation und des Stoffwechsels in die Pflanze übergeführt werden. 12) Die Wanderung der Pflanzennährstoffe durch Diffusion ist eine bedeutend langsamere, als die Wanderung derselben mit der Verdunstungs- strömung. Ist der unter 11. angeführte Satz richtig, so ist zu einer schnellen Entwicklung der Pflanze und zu einer schnellen Erzeugung grösster Mengen organischer Substanz nöthig, die Bodenlösung entspre- chend reich an Pflanzennährstoffen zu machen und die physikalisch ab- sorbirten Pflanzennährstoffe in Auflösung zu versetzen. Um hierbei einen Verlust an Pflanzennährstoffen durch den Regen möglichst zu verhüten, muss für eine verhältnissmässig starke wasserhaltende Kraft des Bodens gesorgt werden. Beitrag für die Nachweisung der wasserhaltigen Silikate wasserhai- inderAckererde von E. Heiden.*) — Bekanntlich vertritt der Ver- t! s eSilikate ' . in der fasser die Ansicht, dass die Absorption vorherrschend eine chemische Ackererde, sei, welche auf die Bildung von wasserhaltigen Silikaten beruhe. Der Verfasser ist nun bemüht, zur Unterstützung seiner Ansicht das Vor- handensein wasserhaltiger Silikate im Boden nachzuweisen. Der Weg, welchen derselbe zu diesem Zwecke betrat, ist nach ihm folgender. Zu- nächst suchte derselbe diejenige Konzentration der Säure zu bestimmen, durch welche die wasserhaltigen Silikate noch nicht angegriffen werden. Den Beweis dafür, dass durch die angewandte Säure die wasserhaltigen Silikate nicht zerlegt wurden, glaubte er dadurch zu erhalten, dass er zu- nächst bestimmte, wie viel in kohlensaurem Natron lösliche Kieselsäure die betreffende rohe Erde enthielt. Nachdem so die Menge der Kiesel- säure der rohen Erde ermittelt war, wurde eine andere Portion der Erde mit der betreffenden Säure digerirt, die in der Lösung befindliche Kiesel- säure, so wie diejenige, welche durch kohlensaures Natron aus dem in der angewandten Säure unlöslichen Rückstand ausgezogen wurde, bestimmt *) Annalen der Landwirtschaft. Bd. 49. S. 53. 24 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. und angenommen, dass durch die Säure kein Silikat zerlegt sei, wenn die Summe der so erhaltenen beiden Kieselsäure - Mengen mit der überein- stimmte, welche kohlensaures Natron aus der rohen Erde ausgezogen hatte. Zur Untersuchung diente eine Ackererde des Waldauer Versuchsfeldes. Die Konzentration von 1 : 30 der Salzsäure fand der Verfasser als die- jenige, welche noch kein Silikat zerlegte oder nach deren Anwendung vielmehr nicht mehr Kieselsäure sich löslich fand, als in der rohen Erde durch kohlensaures Natron. Die ausser dieser solcherweise verdünnten Säure verwendeten Säuremischungen waren nach dem Verhältniss von 1 : 25, 1 : 20 und 1:10 mit Wasser verdünnt. Die damit erzielten Auszüge ent- hielten auf 100 Gramm Erde berechnet: ßohe Salzsäure Erde. 1:30 1:25 1:20 1:10 _ 0,332 0,482 0,558 0,884 — 0,274 0,377 0,332 0,629 — 0,094 0,102 0,199 0,216 — 0,022 0,020 0,016 0,027 Kali — 0,075 0,077 0,107 0,114 — 0,005 0,024 0,032 0,037 — 0,051 0,052 0,070 0,079 In Salzsäure lösliche Kieselsäure — 0,141 0,200 0,260 0,255 In Soda „ „ 0,710 0,575 0,651 0,767 1,095 Summe der Kieselsäure . . . 0,710 0,716 0,851 1,027 1,350 Die nachfolgende Tabelle zeigt diejenige Menge der Basen und Säuren, welche bei der Behandlung mit den konzentrirten Salzsäuren mehr in Lösung getreten sind, als bei der mit der verdünntesten Säure. Eisenoxyd Thonerde Kalkerde Magnesia Kali Natron Phosphorsäure In Salzsäure lösliche Kieselsäure In Soda „ „ Summe der Kieselsäure . . . Salzsäure 1 : 25 1 : 20 1 : 10 0,150 0,103 0,00S ? 0,002 0,019 0,001 0,076 0,084 0,135 0,226 0,058 0,105 ? 0,032 0,027 0,019 0,119 0,192 0,311 0,552 0,355 0,122 0,005 0,039 0,032 0,028 0,114 0,520 0,634 Auf Grund dieser Resultate glaubt sich der Verfasser zu dem Schlüsse berechtigt, dass in der Ackererde in verdünnter Salzsäure lösliche, also wasserhaltige Silikate vorhanden sind, für welche die allgemeine Formel sein würde: n Si03 m ^^ + Q Si03 p R0 + q H0 In dieser Formel stellt n Si0 3 m R 2 3 den mehr konstanten, SiCb p R dagegen den mehr veränderlichen Theil dar. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens 25 Der Verfasser macht noch auf das Löslichkeitsverhältniss der Phosphor- säure dieser Erde aufmerksam. Es löste sich nämlich aus je 100 Grm. Erde: Bei Anwendung von Wasser Säure Säure Säure Säure konzentr. b 1:30 1:25 1:20 1:10 Salzsäure. Phosphorsäure . . 0,0057 0,051 0,052 0,070 0,079 0,127 Grm. A. Salomon prüfte in einer Reihe von Versuchen das Verhalten von Erden zu einer ammoniakalischen Lösung von salpeter- saurem Kalk.*) — Die angewandte Lösung enthielt neutralen salpeter- sauren Kalk und eine dem Kalke äquivalente Menge Aetzammoniak ; die Konzentration derselben war eine wechselnde; ihre Berührung mit den zu prüfenden Substanzen währte jedesmal 48 Stunden. • — Die ausgeführten Versuche und deren auf 200 CC. Lösung und 100 Grm. Erde berechnete Resultate sind in nachfolgender Tabelle zusammengestellt. Verhalten von Erden zu einer ammoniaka- lischen Lösung von salpetersau- rem Kalk. Zum a N a Angewandte Versuch ge- nommen. 5 • M 3 ri • w M :■: — ■ o 2 . 1 1 ä ■B '° &IÜJ Substanz. Sub- Lö- S 2 a ü U) ä o » c o £ s m S 3 o £ stanz. sung. o t © u O § ""CS < sa | 1 Grm. CC. a o o 1. Möckernscher Boden . . 100 200 0,5 0,1 0,0788 0,0212 1,000 2. „ „ . . 100 200 1,0 0,2 0,1580 0,0420 1,985 «• » *> • . 100 200 2,0 0,4 0,3096 0,0904 4,264 4. „ . . . 50 100 5,0 1,0 0,S120 0,1880 8,396 5- Russische Schwarzerde . 100 200 0,5 0,1 0,0848 0,0152 — 6. n rt 100 200 1,0 0,2 0,1580 0,0420 1,000 7 50 100 2,0 0,4 0,2344 0,1656 3,942 8. r> r> 50 100 5,0 1,0 0,5960 0,4040 9,619 9. Weisser Kujawischer B. 50 100 5,0 0,2 0,1292 0,0708 1,000 10. 50 100 2,0 0,4 0,2701 0,1299 1,837 H. 50 100 1,0 1,0 0,8586 0,1414 1,990 12. Schwarzer Kujawischer B. 25 50 1,0 0,2 0,1071 0,0929 1,000 1«. n » 25 50 2,5 0,4 0,2862 0,2138 2,301 14. 25 50 5,0 1,0 0,6979 0,3021 3,251 15. Kaolin aus Salzmünde . 50 100 1,0 0,2 0,1743 0,0257 1,000 16- n n r, 50 100 2,5 0,5 0,4306 0,0694 2,738 1 • • » >) n 50 100 5,0 1,0 0,8619 0,1381 5,373 18. Ziegelthon 50 100 1,0 0,2 0,1704 0,0296 1,000 19. 50 100 2,5 0,5 0,3500 0,1500 5,084 20. „ 50 100 5,0 1,0 0,7326 0,2674 9,033 21. Eisenoxydhvdrat 25 50 1,0 0,2 0,0490 0,1510 1,000 22. 25 50 5,0 1,0 0,0576 0,9424 6,241 23. Thonerdehydrat 50 100 1,0 0,2 0,0000 0,2000 1,000 24. 25 50 2,5 0,5 0,0226 0,4774 2,387 25. 25 50 5,0 1,0 0,0309 0,9691 4,840 26. Kieselsäurehydrat 50 100 1,0 0,2 0,0659 0,1341 1,000 27. 50 100 2,5 0,5 0,1664 0,3335 2,493 28. 50 100 5,0 1,0 0,2388 0,7612 5,671 29. 25 Gr. Kaolin -f- 25 „ Thonerdehydrat f 50 100 2,0 0,4 0,0106 0,3894 — 30. 100 „ Kaolin + 25 „ Eisenoxydhydrat J 125 200 5,0 1,0 0,3480 6520 — 31. 50 „ Kaolin + 50 n Eisenoxydhydrat } 100 200 5,0 1,0 0,0435 0,9565 — 32. Möckernscher Boden . 50 200 5,0 1,0 0,8772 0,2456 — 33. Russische Schwarz erd e . 50 200 2,5 0,5 0,2184 0,5632 — *) Landwirtschaft!. Versuchsstationen. 1867. S. 351. 26 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Die Ergebnisse zeigen, dass unter den mineralischen Gemengtheilen des Bodens — wahrscheinlich dieselben, von denen die Absorption des Bodens überhaupt abhängig — einige wie die Humussäuren das Vermögen haben, unter den gegebenen Umständen Kalk aufzunehmen. Die Quan- tität des absorbirten Kalks wächst mit der Konzentration der zur Anwen- dung gekommenen Lösung und zwar einfach, proportional der Konzentra- tion bei allen angewandten Substanzen mit Ausnahme der Schwarzerde und des Ziegelthons, bei welchen die Absorption parallel der doppelten Konzentration steigt. Der Verfasser glaubt, dass dieses Verhalten durch den Gehalt an Eisenoxydhydrat und vielleicht an Thonerdehydrat bedingt werde, durch welchen Gehalt sich Schwarzerde und Ziegelthon von den übrigen geprüften Substanzen unterscheiden. — Die humusreiche russische Schwarzerde absorbirte im Allgemeinen nicht mehr Kalk, als die humus- armen Erden.. Dieses sowohl, als auch die Uebereinstimmung der russischen Schwarzerde mit dem Ziegelthon darin, dass bei beiden die Absorption nicht in einer arithmetischen, sondern in einer stärkeren Progression fort- schreitet, sind dem Verfasser Beweis, dass die Ursache der Absorption keineswegs im Humusgehalt der ersteren liegen kann. — Die Lösungen wurden selbst bei den niederen Konzentrationen nicht erschöpft. — Der weisse, ganz kalkfreie, Kujawische Boden hat aus einer 5promilligen Lö- sung fast nicht mehr Kalk absorbirt, als aus einer 2 promilligen, und er- klärt sich der Verfasser dieses Verhalten daraus, dass das Absorptionsver- hältniss ein beschränktes sei. — Der Verfasser prüfte ferner noch den Einfluss der Masse der Flüssigkeit auf die absorbirte Menge des Kalks mit dem unter 32. und 33. der obigen Tabelle angegebenen Kesultate, nach welchem die Absorptionsfähigkeit der Erde bei Verdoppelung der Lösung auch um das Doppelte zunimmt. Wir vermögen das eben Erwähnte aus den gegebenen Zahlen nicht herauszu- finden. Um den fraglichen Einfluss der Masse der Flüssigkeit auf die absorbirte Menge des Kalks festzustellen , muss man unsers Erachtens die Versuche unter 4. und 32. und die unter 7. und 33. vergleichen. Also : In 1000 CC. Absorbirt v. 100 Grm. Erde, f 4. 50 Grm. Sbst. 100 CC. Lösung. 5 Grm. Kalk. 0,1880 Grm. Kalk.l \32. 50 „ „ 200 „ „ 5 „ „ 0,2456 , „ J f 7. 50 „ „ 100 „ „ 2 „ „ 0,1656 „ „ 1 1 33. 50 „ „ 200 „ „ 2£ „ „ 0,5632 „ „ ( Im ersteren Falle ist die absorbirte Kalkmenge weniger, im zweiten mehr als das Doppelte der absorbirten Einheit. No. 7. und 33. sind eigentlich nicht ver- gleichbar, da die Konzentration der angewendeten Lösungen verschieden ist; sie stehen sich aber hinsichtlich derselben am nächsten. — Uebrigens hat Peters bereits *) Versuche über die Absorption dos Kali's bei verschiedenen Quantitäten der auf eine bestimmte Erdmenge angewandten Absorptionsflüssigkeit veröffent- licht. *) Jahresbericht III. S. 10. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 27 G. Wilhelm hat seine Versuche über die Wasserverdunstung ueber die aus dem Erdboden und über den Einfluss der Kulturpflanzen wasaerver- dunstung darauf fortgesetzt.*) **) — Der Verfasser schickt voraus, dass der Herbst au8 dem 1865 und der Winter 18G5/66 durch Regenmangel ausgezeichnet gewesen Erdboden, seien und die Regenhöhe dieser Jahreszeiten beträchtlich unter dem ohne- dies niedern Mittel geblieben war, dass die Niederschläge der darauf fol- genden Monate März bis Juli ziemlich das mehrjährige Mittel erreichten, dass aber alle Kulturgewächse in Folge des früheren Regenmangels durch die Dürre des Bodens überall da gelitten hätten, wo dieselben nicht von Grundwasser erreicht werden konnten. Der Einfluss des letzteren erhellt aus dem Vergleich der nachfolgenden Resultate. — Der Verfasser entnahm zu 2 verschiedenen Zeiten Bodenproben aus verschiedener Tiefe und be- stimmte deren Feuchtigkeitsgehalt. Tiefe Wiener Fuss. Bodenbeschaffenheit. Wassergehalt in 100 Thl. frischer Erde. | auf 100 Thl.trockner Erde. A. Bodenproben von tiefer gelegenen, durch das Grundwasser durchfeuchteten Grundstücken. 1) Ausgehoben am 2. März 1866. 0,5' | Lehmmergel, nach der > Tiefe in Sandmergel 16,92 — 18,84 20,37 — 23,22 1,5' 18,01—20,81 21 ,96 r- 26,28 2,5' J und Sand übergehend. 21,61-24,26 27,57 - 32,03 2) Ausgehob B n am IS. Juni 1 866. 0,5' | 18,86 23,25 1,5' > wie oben. 21,19 26,88 2,5' 1 21,56 27,44 B. Bodenproben von höher gelegenen, ausser dem Bereiche des Grundwassers liegenden Grundstücken. 1) Ausgehoben am 6. März 1866. 0,5' Sandmergel. 7,20 — 10,96 7,76 — 12,31 1,5' Wellsand. 2,32 — 5,09 2,38 — 5,37 2,5' Sand und Kies. 0,65 - 1,07 0,66 — 1,09 2) Ausgehob« n am IS. Juni 1866. 0,5' > wie oben. 9,74 10,79 1,5' 4,92 5,17 2,5' 1 0,66 0,66 *) Allgem. land- u. forstw. Zeitung. 1867. I. S. 31. **) Jahresbericht IX. S. 51. 28 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Nachdem im Monat August und in der ersten Hälfte Septembers reichlich Kegen gefallen war, nahm der Verfasser ferner von 2 nebenein- ander gelegenen Schlägen, von denen der eine Gerste, der andere Kuben getragen hatte, am 29. Oktober Bodenproben, deren Feuchtigkeitsmenge er gleichfalls, so wie deren wasserhaltende Kraft bestimmte. Tiefe in Wiener Fuss. Boden- beschaffenheit. Wassergehalt Wasserhaltende , " . Kraft inlOOThl. auf 100 Thl. des trocknen frischer trockner Bodens bei 16° C. Erde. Erde. des Wassers. A. Ge r st enf e 1 d. Wassergehalt des frischen Bo- dens in % dieser Imbibitions- muxima. 0,5' Lehmmergel. 14,89 17,60 51,58 34,12 1,5' Lehmsandmergel. 18,13 22,15 58,67 73,75 2,5' Sand. 3,51 3,64 36,65 • 9,93 B. Rübenfeld. 0,5' Lehmmergel. 14,50 16,97 63,69 26,64 1,5' Lehmsandmergel. 8,82 9,86 56,11 17,25 2,5' „ 13,88 16,13 51,99 31,02 Die Zahlen bedürfen — sagt der Verfasser — wohl keines Kommen- tars, sie bestätigen die Thatsache, dass dem Boden durch die Vegetation so viel Wasser entzogen wird, dass dadurch unter ungünstigen Umständen selbst das Gedeihen der Nachfrucht gefährdet sein kann. Besonders aus der Differenz des Wassergehalts der mittleren Schichten erhellt der Ein- fluss der Verdunstung durch die Kuben. Ueber denselben Gegenstand hat auch J. Breitenlohner Ver- suche auf verschiedenen Böden ausgeführt.*) — Der Verfasser verweist zu- nächst darauf, dass mit Pflanzen bedeckte Böden wohl an ihrer Oberfläche vor dem austrocknenden Einfluss der Sonne und des Windes mehr ge- schützt seien, und dass ihnen andererseits mehr Thau zugeführt werde, als unbepfianzten Böden; was aber unter der Oberfläche liege, unterliege in seinem Feuchtigkeitsverhältniss nicht den Wechselbeziehungen des einen oder des andern Factors allein. Der Verfasser vermisst in der Literatur, dass in Bezug auf Feuchtigkeit, über den Einfluss der Vegetation über- haupt und ihrer Eigenart auf den Boden, je nach seiner physikalischen und chemischen Beschaffenheit und der relativen Mächtigkeit, welche ein Bestand beansprucht, und vorweg unter den besonderen Umständen der Bearbeitung und der Zeit, in der sie geschah, nur vereinzelte Beobach- tungen vorliegen. Breitenlohner entnahm Anfangs September 1866 von fünf verschiedenen Feldlagen, immer je von zwei nebeneinanderlie- genden Schlägen mit gleicher Bodenbeschaffenheit aber mit verschiedenen Früchten bestanden, sowohl aus der Ackerkrume, als aus dem Untergrunde Bodenproben. Der erstere obere Fuss des Bodens stellt die Ackerkrume, *) Allgem. land- u. forstwirthschaftl. Zeitung. 1867. S. 497. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens 29 der zweitfolgende Fuss den Untergrund dar. Die zwei Stellen der Boden- entnahme, welche zur Vergleichung kamen, lagen immer 100 Schritte aus- einander. Die fünf Feldlagen charakterisirt der Verfasser wie folgt: 1) „Galgenfeld" und 2) „Grosses Stück." Ebene, Wind und Sonne sehr exponirte Lage; Löss in bedeutender Mächtigkeit entwickelt, der Unter- grund in seiner typischen Gestalt völlig unverändert. — 3) „Weingarten am Lobosch." Der Hopfenschlag wurde im Herbst 1865 auf 3' rajolt und ist als Schlag mit reiner Brache zu betrachten. Der anstossende Klee- sthlag überständig, schütter, vergrast und vermoost; der Boden ausseror- dentlich fest zusammengesessen; der Löss durch langjährige Kultur der Rebe in seiner typischen Gestalt verändert; Exposition südöstlich. — 4) „Lange Wiese." Ein vormaliger, im Lössgebiet eingeschnittener und mit Basaltdetritus ausgeebneter Wasserlauf. Die Mächtigkeit der Anschwem- mungslage 6' und darüber. Vordem durchaus Wiese, wurden nach und nach einige Parzellen umgebrochen und zu Feld gemacht. Das noch be- stehende Wiesenland mit spärlichem Graswuchs erwies sich äusserlich un- gemein trocken. Untergrund zerschründet und zerrissen. — 5) „Tiefes Thal." Im Obergrund Löss uud Pläner, letzterer vorwaltend. Untergrund schotterig mit Gesteinstrümmern von Phonolith, Basalt und Pläner. Der Schlag ist im Ganzen dem Pfluge schwer zugänglich und dem Hackfrucht- baue weniger günstig. Der gemischte Boden geht an einigen Stellen in reinen Löss, Pläner oder Basalt über. Bezeichnung der Felder. Obergrund. Mehr- gehalt in % der gefund Feuch- tigkeit. Untergrund. Feuch- tigkeit 100 Thl, Erde. Mehr- gehalt in % der gefund. Feuch- tigkeit. Galgenfeld Grosses Stück Weingarten am Lobosch Lange Wiese Lange Wiese Tiefes Thal Löss Löss Löss Basalt] Basalt | Pläner Rübe Luzerne Rübe Hafer Luzerne Luzerne Rübe Wiese Wiese Wiese Som.Weiz. Som.Weiz, Som.Weiz, Luzerne Hafer Rübe Hopfen Luzerne Rübe Wiese Hafer Wiese Rübe Kartoffel 2. Aug. 7. Aug. 31Aug. 12,23 10,84 15,25 10,33 15,48 7,91 21,53 19,11 24,19 18,55 12,49 12,31 111,37 9,65 9,39 132,26 12,43 10,47 148,90 14,84 8,35 111,25 19,78 16,99 123,22 21,58 17,15 1 1,44 i 12,98 14,00 G7 ! 2 ' 115,77 143,73 114,11 120,53 1 7,30 Ueberblicken wir das Ganze — resumirt der Verfasser seine über vorstehende Versuche angestellten Betrachtungen — so findet man, dass tiefgehende und schattenreiche Gewächse mit längerer Vegetation und pe- renirendem Stande, wie Rüben, Luzerne und Wiesengräser den Obergrund 30 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. sowohl wie den Untergrund entschieden mehr an Feuchtigkeit erschöpfen, als die kurzlebigen und flachwurzelnden Halmfrüchte, und dass sich das Peuchtigkeitsverhältniss bei überständigen Kleeschlägen und verfilzten Wiesen, deren Boden sich notwendiger Weise mechanisch verschlechtert, am ungünstigsten herausstellt. Die auffällige Differenz im Feuchtigkeitsgehalte des Bodens vom „Gal- genfelde" und des Bodens vom „grossen Stück," welche beide Feldstücke gleichen Boden und gleiche Lage haben, gleiche Vorfrucht getragen hatten, und beide Sommergetreide trugen, sucht der Verfasser durch die Ungleich-» heit der Bäumung des Feldes von der Vorfrucht und ungleichen Bestell- zeit zu begründen. Feld. Räumung. Ackerung. Saatzeit. Grosses Stück 6. October 1865 16. October 1865 18. März 1866. Galgenfeld 24. October 1865 15. November 1865 6 März 1866. Die Bübenstoppel des grossen Stücks wurde um einen vollen Monat früher ausgepflügt, als die des Galgenfeldes, dessen weitere Bearbeitung, nachdem es zum Sturze gelangte, wegen grosser und steinharter Schrollen sich ungemein schwierig gestaltete. Es fanden beim grossen Stück schon mehrere Pflugarten statt, während das Galgenfeld noch immer in rauher Furche lag. Dieses letztere wurde dagegen 12 Tage früher ausgesäet und danach fest niedergewalzt, während das grosse Stück, grob gekrümelt, noch der Einsaat harrte. Gerade in diesen 12 Tagen aber fielen 8"'Par. Höhe betragende Kegen. Aus diesen Umständen erklärt es sich der Verfasser, dass der Gehalt an Feuchtigkeit beim grossen Stück im Ackergrund auf das Dreifache, im Untergrund auf das Sechsfache in Prozenten des ge- fundenen Wassers gegenüber dem Galgenfelde sich belaufen konnte. - Verfasser stellte mit den genannten Bodenarten noch physikalische Unter- suchungen (nach der von den Agrikulturchemikern vereinbarten Methode) an, welche das Verhältniss Wasser aufzunehmen, abzudunsten und durch- zulassen zeigen. Zu diesem Zwecke wurden Proben von Löss-, Pläner- und Basaltboden in ihrer typischen Gestalt den tieferen Lagen des Unter- grundes entnommen; ferner wurde durch Abschlämmen, Ausziehen mit Salzsäure und Ausglühen von allen fremdartigen Beimengungen befreiter „Kreidesand" der dortigen Gegend in Vergleich gezogen. — Die Imbibi- tionsresultate beziehen sich auf vollkommen trockene Substanz. Wasserhaltende Kraft. Sand. Planer. Löss. Basalt. Imbibirtes Wasser in Prozenten . . 26,2 33,9 41,5 49,2 Was die Zeit anbelangt, innerhalb welcher die Imbibition vor sich ging, so stellt sich das Verhältniss, den Löss zur Einheit genommen, fol- genderweise heraus: Löss 1 Pläner 1,5 Basalt 5 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 31 Die Austrocknung der irabibirten Erden geschah gemeinschaftlich zu- erst bei 40° C. so lange, bis kein Gewichtsverlust mehr eintrat, sodanu bei 100 und schliesslich bei 140° C. mit nachstendem Erfolg: Temperatur Sand Pläner Löss Basalt 14» C. 26,2 33,2 40,0 43,0 100« C- — 0,7 1,3 5,3 140" C. — — 0,2 0,9 Prozente 26,2 33,9 41,5 49,2 Nimmt man die Zeit, welche Sand und Löss zum Austrocknen be- durften, als Einheit und lässt die beiden letzteren Temperaturabschnitte unberücksichtigt, so ergeben sich folgende Verhältnisszahlen: Sand Löss Pläner Basalt 1 1,5 1,7 3,1 1,0 1,1 2,0 Die ausgetrockneten Erden wurden abermals zur Imbibition gebracht, um die voraussichtliche Modifikation der wasserhaltenden Kraft in Erfah- rung zu bringen. Ursprüngliche Imbibition : Sand 26,2 Pläner 33,9 Löss 41,5 Basalt 49,2 Nach der Austrocknung: „ 23,1 „ 28,6 „ 38,3 „ 41,2 Bezüglich des wasserdurchlassenden Vermögens der Erden kam der Verfasser zu folgenden Resultaten. Die Versuche darüber währten meh- rere Wochen. Wählt man die am Schlüsse jeder Woche durchgegangene Wassermenge von Löss zur Norm, so erhält man nachstehende Ver- hältnisse : oche Löss Pläner Basalt 1 100 54 9 2 100 85 8 3 100 128 7 4 100 160 7 Nimmt man hingegen das von jeder Bodenart nach Ablauf der ersten Woche durchgesickerte Wasserquantum zu hundert, so gewinnt man fol- gende Vergleichswerthe : Woche Löss Pläner Basalt 1 100 100 100 2 80 125 59 3 67 158 58 4 54 160 41 Zeitverhältniss der Durchsickerung. Löss 1 Pläner 2 Basalt 4 Die Resulte dieser physikalischen Bodenuntersuchung lassen sich mit folgen- den Worten zusammenfassen : Der Basaltboden besitzt den anderen in Vergleich gezogenen Bodenarten gegenüber die grösste wasserhaltende Kraft; er hält das aufgenommene Wasser dem austrocknenden Einflüsse der Wärme gegenüber am ö2 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. t hartnäckigsten zurück. In beiden Eigenschaften steht ihm der Löss am nächsten. Das Vermögen, Wasser durchsickern zu lassen ist bei den Bodenarten sehr ver- schieden; es ist am grössten beim Löss, am geringsten beim Basalt. Eigenthüm- lich ist in dieser Beziehung das Verhalten des Pläner- Bodens , bei welchem die innerhalb einer Woche durchsickernde Menge Wasser von Woche zu Woche zu- nahm ; bei Löss und Basalt hatte ein umgekehrtes Veihältniss Statt. Boden- H. Grouven veröffentlichte Analysen von Böden,*) auf denen anaiysen. Düngungsversuche zu Zuckerrüben ausgeführt wurden. Die Bodenarten wurden sämmtlich nach einem und demselben von dem Verfasser angege- benen Verfahren von den betreffenden Feldern gesammelt und nach einer Methode untersucht. Einer jeden Bodenart ist eine nachstende Fragen be- antwortende Beschreibung beigefügt. a) Welcher geognostischen Formation gehört der Boden an? b) Wie lässt sich die physikalische Beschaffenheit der Ackerkrume in üblicher Weise ausdrücken? c) Wie ist der Untergrund des Versuchsfeldes bei einer Tiefe von 2§* und 3|'? d) Welche Fruchtfolge und Düngung hatte das Versuchsfeld in den letzten 4 Jahren? e) Zeigt die Feldflur etwa bemerkenswerthe Eigenthümlichkeiten und /) Wie hoch liegt sie etwa über den Spiegel der Nordsee? Wir geben hier die Beschreibungen, soweit sie zum Zweck eines Ver- gleichs der Analysen von Interesse sind, wieder, ohne die Reihenfolge, in welcher die Bodenarten aufgeführt sind, beizubehalten. — Boden von 3) Rossla am Harz (goldene Aue), a) Thalboden auf buntem Sandstein lagernd, b) Rother, ziemlich schwerer Lehmboden, d) Zuletzt 2 Jahre vorher gedüngt mit Mist. 6) Neuhof an der Katzbach (Schlesien), a) Alluvialboden der Katzbach. b) Strenger kiesiger Lehmboden, d) Zuletzt 2 Jahre vorher mit Mist gedüngt. 8) Rheinschanz-Insel hei Waaghäusel, a) Alluvialbildung, b) San- diger Lehm, mit geringer Kohäsion, leicht bearbeitbar. d) Zu- letzt vor 2 Jahren mit Mazerations-Rückständen gedüngt. 10) Nordhäuser-Aumühle (goldene Aue), a) Jüngeres Alluvium, im Thalgrunde des Helmebaches, b) Kieshaitiger, rother Lehm, d) Vor 3 Jahren zuletzt mit Stallmist gedüngt. 13) Königssaal bei Prag, a) Aufgeschwemmtes, dem Wasser fast all- jährlich ausgesetztes Land, b) Humoser Thonboden 1. Klasse, d) Vor 3 Jahren zuletzt mit Mist gedüngt. 14) Brodu bei Nadolin (Böhmen), a) Aufgeschwemmter Thalboden. b) Reicher, sandiger Lehmboden 2. Klasse, d) Vor 4 Jahren zuletzt gedüngt. *) Dritter Bericht über die Arbeiten der Versuchsstation Salzmünde. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. OD 16) Czakowitz bei Prag, a) Alluvialbildung; östlich und westlich Ba- saltkegel, zwischen welchen Plänerkalk und Sandstein, überdeckt mit gelbem Lehm, sich lagern, b) Schwerer Thonboden. d) Im Jahre vorher mit Stallmist gedüngt. 19) Benkendorf a. d. Saale, oberhalb Halle, a) Alluvium der Saale, b) Milder, dunkelfarbiger, sehr fruchtbarer Lehmboden, d) Im Jahre vorher mit Guano und Knochenmehl, 2 Jahre vorher mit Stallmist gedüngt. 21) Prerau südlich von Olmütz. a) Alluvialbildung, b) Sandiger Lehm, d) Im vorhergehenden Jahre mit Knochenmehl und Kapskuchen- mehl gedüngt. 17) Gruszka bei Tlumacz in Galizien. a) Alluvium auf der Kreidefor- mation angehörendem Kreidemergel, Gips und Kalk lagernd, b) Schwarze lehmige und lockere Ackerkrume, d) Noch nie gedüngt. 18) Jakowka bei Tlumacz in Galizien. a) und b) wie beim vorigen. d) 4 Jahre vorher gedüngt. 24) Braunschweig, a) ? (Diluvium), b) Guter lehmiger Sandboden, d) Seit langer Zeit nicht gedüngt. 23. Ida-Marienhütte bei Sarau in Schlesien, a) Ackerkrume ca. 15" auf Diluvium (grober und feiner Kies), das auf eocänen Tertiär- schichten lagert. Der Hauptbestandteil der pflugbaren Acker- krume ist ein mit thonigen Theilen vermischter zeolithischer Sili- katsand, der 82% des lufttrocknen Bodens ausmacht, b) Flach- gründiger, sehr feinpulveriger, lehmiger Sandboden, wenig thätig und humusarm. Armer wenig tragfähiger Boden, d) 3 Jahre vorher mit Superphosphat und Pottasche, 1 Jahr vorher mit Stassf. Abraumsalz gedüngt. 1) Salz münde a. d. Saale bei Halle, a) Mächtige Diluvialschicht auf buntem Sandstein lagernd, b) Sehr milder, kalkreicher Lehm- boden, bis zu 18" tief von dunkler, humoser Färbung. 3) 2 Jahr vorher mit Stallmist, 1 Jahr vorher mit Guano gedüngt. 2) Heinsdorf bei Jüterbogk, Prov. Brandenburg, a) Nordischer Dilu- vial-Sand. b) Kalkarmer märkischer Sandboden der ausgepräg- testen Art. d) Im Jahre vorher mit Kompost gedüngt. 5) Wahlstatt bei Liegnitz, Schlesien, a) Diluvialer Höhenboden auf Thonschiefer. b) Sandiger Lehmboden, d) 3 Jahre vorher mit Kapsmehl und Guano, 1 Jahr vorher mit Stallmist gedüngt. 12) Schmolz bei Breslau, a) Diluviales Gebilde, b) Kieshaitiger Lehm- boden, guter Weizen-, Gerste- und Kleeboden, d) 4 Jahre vor- her mit Stallmist, 2 Jahre vorher mit Superphosphat gedüngt. 15)Friedens-Au bei Ludwigshafen am Rhein, a) Diluvialboden, b) Lehmiger Sandboden, 8. Bonitiv-Kl. d) 3 Jahre vorher mit Stallmist gedüngt. Jahresbericht X. 3 34 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 20) Höningen, westlich von Cöln a. Rh. a) Diluvium der Rheinebene. b) Zäher Lehmboden, d) Im Jahre vorher mit Mist gedüngt. 7) Müngersdorf bei Cöln a. Rh. a) Aelteres Diluvium, b) Milder, sehr fruchtbarer Lehmboden, d) 4 Jahre vorher und im Jahre vor- her mit Mist gedüugt. 9) Stifterhof im Odenwald, a) Aelteres Diluvium, b) Sandiger Mergel, warm und trocken, d) Im Jahre vorher mit Stallmist gedüngt. 11) Sudenburg bei Magdeburg, a) Bunter Sandstein, b) Milde, durch- lassende Ackerkrume mit Lehmunterlage, d) 4, 3 und 1 Jahr vorher gedüngt. 22) Tilleda am Kyffhäuser. a) Rothliegendes Sandgestein, b) Heller, sandiger Lehm, d) 4 Jahre und 1 Jahr vorher mit Stallmist, resp. mit Schafmist gedüngt. 4) Blansko, Mähren, a) Verwitterter Syenit b) Normaler Rüben- boden, d) Vor 4 Jahren zuletzt gedüngt; hat seit 10 Jahren ununterbrochen Zuckerrüben getragen. Bezüglich der Methode der Bodenanalyse müssen wir auf das Original verweisen; das Wesentliche derselben erhellt aus den nachfolgenden Ta- bellen. Zu bemerken ist noch, dass die Analyse des Bodens von Ida- Marienhütte von Bretschneider, die des Boden von Braunschweig von P. Stohmann ausgeführt wurde. Die übrigen Böden sind in der Ver- suchsstation Salzmünde von Reimann, Lohse, Bittner und Becker untersucht. (Siehe Tabelle auf Seite 35.) Die oben unter 1 bis 4 genannten Böden, deren Auszüge mit kalter Säure bereitet waren, wurden ausserdem vergleichshalber noch mit ko- chender Säure (wie die unter 19—22) behandelt. Die hier folgenden Analysen dieser Auszüge zeigen, wie durch kochende verdünnte Säure — den kaltbereiteten Auszügen gegenüber — mehr mineralische Bestand- teile gelöst werden. Zum besseren Vergleich sind die obigen Analysen hier wiederholt. Ho. Ort der Entnahme des Bodens. "3 "3 M .3 a M s 3 •d S" o a o a o 1° ■1:3 fc 3 .c :oS m o . «.= CM s s s 1. a , .. j f heisser A. fealzmunde^ [ kalter A. 1,44 0,29 0,39 0,32 20,08 19,36 4,50 4,70 29,73 7,27 ? ? 0,35 0,13 0,66 0,53 60,54 35,99 2. Heinsdorf l heisserA - 1 kalter A. 0,53 0,41 0,15 0,06 0,50 0,65 1,55 0,60 6,00| 7,73 4,21 0,34 Sp. 1,73 0,36 0,21 0,05 0,67 0,45 19,69 6,53 3. Rossla | heisser A - 1 kalter A 1,32(1,27 0,44 0,26 14,43 16,38 8,23 2,29 17,60|13,93 4,80 1,15 1,15 2,40 1,82 0,50 0,58 1,53 0,93 67,36 28,64 4. Blansko J heisserA - l kalter A. 1,34 0,28 0,58 0,19 6,85 7,53 7,29 1,90 24,521 9,6 22,65 3 1,48 1,21 2,31 1,92 0,50 0,02 0,79 0,35 68,31 23,03 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 35 i: i: t. i: i: - *3 O CO rffc »-» CO !ä w S W Jt! « B a ? 3 • 3 £ & g 2 5 w Mi d ^7 3 ^ (D P 09 £ 5° c 3 p ö £ 3 < 3 3 *.Htß*lCIWOiKH» O 00 CT5 CO B E S. S- §■ e £- E 1 N P £. D P Jf C CS ~ © efl pr w. .-. w- B sg n S c cra er J? O 3 £. 4 « r* 3 3 s 3 3 No. des Bodens. W K p, o. p O. Q £»3 g. B 2 «. — CD ? "■ f w f er g g- 3 o. 3 er P 3 •— ~0 -C p — M »Ci M H OD -J -1 O H CO -■ 1 CT) ^J CO CO o o o o © © ~ M 3 »> OCO-*ICO -4 rf* Co K»h-C0H-H- Organische Materien. M i - * *P ^ -° p & ^ cc r co co tt± CS *J O l— IC >-» O h- o o © -J tO © © Oi CD _ _ cs _ *^i co o oo »f» ^ © © © t-* i-> K- _ « ^ ^ - «* >* Q Ol CO C H CO C Z I— 4 | CQ | »i » oa cd cc j-j r CO lO H M os *. CG ~ OS ►*»■©© CO CC OO ^ © CO © © © Ä O © -J -J >-- © <-» .- ■-* © oi w © © os >\ » i— i-i h- O CO o H tO O O« OOCiO*0 ^ ü O tß rf^ »to. (— «CO. -J Ol Ol CM O -^ rf». •P* -^ to B p* C ® ooooooooo CO^OiOiOOCOÜiCO CA W IO O O rf» o o o © © © © © © © © © © >— to to >-• CO^mcjUivjü!^ rf" C Ol Üi CO ^ CD *. to C» HCOOHOOrf* Summe der löslich Mineralbestand- theile, ohne C0 2 . 36 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Grouven sagt hierzu Folgendes: „Die Unterschiede sind demnach autfallend gross. Sie treffen aber die einzelnen Bestandteile nicht gleich- massig. Am geringsten sind sie bei Kalk, am grössten bei Eisenoxyd- Thonerde (1 : 5) und beim Kali (1 : 4). Auch werden Schwefelsäure und Phosphorsäure von heisser Säure vollständiger gelöst als von kalter, wo- raus ich schliessen möchte , dass diese beiden wichtigen Pflanzen- nährstoffe nicht lediglich an Kalk gebunden im Boden auf- treten, sondern theilweise auch als schwerlösliches schwefel- saures und phosphorsaures Eisenoxyd.... Auch ist zu schliessen, dass die Magnesia durchweg in unlöslicherer Verbindung im Boden existirt, als der Kalk." Das Absorptions- Vermögen der Bodenarten gegen Kali, Ammoniak und Phosphorsäure wurde auf folgende Weise ermittelt. 50 CC. luftrockener Boden digerirt 12 Stunden lang bei gewöhn- licher Lufttemperatur mit 100 CC. der betreffenden Lösungen. Die 3 Lö- sungen enthielten in 1 Ltr. 1 Grm. Kali (in Form von Cl K) oder 1 Grm. Ammoniak (NH3 in Form von ClAm) oder 1 Grm. Phosphorsäure (in Form von geglühtem phosphorsaurem Natron PO 2 NaO — Paraphosphor- säure). Die Resultate sind folgende: *) Ort der Entnahme des Bodens. 100 Litre Erde haben absorbirt Berechnet auf 10U000 Grm. Erde. no. Kali. Ammo- niak. Das Litre Erde wog: b Phos- phor- säure. Das Litre Erde wog: Kali. Ammo- niak. b Phos- phor- saure. 3. 6. 8. 10. 13. 14. 16. 17. IS. 1. 2. 5. 12. 15. 7. 9. 11. 4. 19. 21. 20. 22. Eossla . ..... Rheinschanz- Insel Nordhausen . . . Königssaal .... Czakowitz .... Salzmünde .... Heinsdorf .... Wahlstatt .... Friedens-Au . . . Müngersdorf . . . Sudenburg .... Benkeudorf . . . Höningen .... Tilleda Grm. 127,9 144,9 132,1 112,4 112,5 118,7 157,2 138,7 143,3 101,3 38,5 89,4 149,5 37,0 112,5 112,5 141,8 158,8 135,6 166,5 98,6 131,0 Grm. 105,3 169,6 163,5 93,7 93,7 105,3 113,8 105.3 105,9 81,6 29,4 46,9 90,7 35,4 81,6 85,2 108,3 131,4 105,3 140,5 64,6 76,1 Grm. 1317 1269 1219 1230 1311 1393 1141 1274 1271 1284 15S1 1354 1173 1G24 1231 1423 1190 1253 1382 1329 1467 1265 Grm. 162,7 121,7 107,6 61,5 102,5 76,8 116,6 55,1 107,6 123,0 10,3 60,2 96,1 34,6 126,8 71,7 157,6 178,1 131,9 137,1 46,1 137,1 Grm. 1347 1266 1175 1200 1291 1413 1230 1252 1271 1243 1624 1304 1188 15S0 1218 1409 1206 1322 1306 1265 1442 1223 97,1 114,2 108,4 91,4 85,8 85,2 137,8 108,9 112,7 79,3 24,4 66,0 127,4 22,5 91,4 79,1 119,2 126,7 98,1 125,3 61,1 103,6 79,9 117,8 134,1 76,0 71,9 75,6 99,7 82,7 83,3 63,5 18,6 34,6 77,3 21,5 66,3 59,9 91,0 104,9 76,3 105,7 44,0 60,2 121,5 91,1 93,3 51,3 79,0 54,4 94,8 44,0 84,7 98,9 6,4 46,2 80,9 21,9 104,1 50,9 130,7 134,7 101,0 108,4 31,9 112,1 *) Auf 100 Ltr. Erde kamen zur Einwirkung je 200 Grm. Kali oder Ammo- niak oder Phosphorsäure. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 37 o i: ^ Ki *-> »-» K> cofc^.^l-•co~loc^^oC7»^^»-»►- , CO © CO C5 CO £3 w » £ es n 2.ofc£-Q.5. o. 2. — » ^ bö feä CO bS l-< J- CO — i o tc co >-* Ol « » 1 O H H {DCCOCC^O)MVA^(fi tO IO U ^ U K3 to CO to tc ►_• _ CO W M H W H IO H O "1 *■ CD CO Ol fl) cocoooifr-coao«40ocsw>-- , oo-j O CO ~J o CO M M CO « 'Vi 4- cs co o» -i — _ _ — — _ 1-* fcD K> t— t CO h- h-* H-i h-< K-* ^^ O 00 © tO •»! CO 00 CO CO OD -« to *o to »fr- cn i-t tOIOl—i-11-' M K) H CT f (-* H OD CO CS © C« CD -4 © ?§ gf£©OS to CO tO t-i h- to I- - OSCO~JfcOOS^I©C*Cn «O^COO^OOM^COvi-i cn « « C g 2. 3 ö g r* n ; [— CTO Cu So >■- Ifr. i h-J tu CO C* ►c -- bfri 6 c o w 4- ; - -■» m- ^i tc : - — CS C* © CO h-» CS --1 O« ^ a, ° ST -! 5° »> p. o g :* » (-jo - . * -i ►-• A » ^ P: o- £ t Ji. 4» Jx 4*- ►£• C*i U> i-i OS H- -J t-t M W "J ifr OD C7i O OS O fcO -» »fr- CO C * CD -1 O* 00 ►£►. ® W M O S I ö 3 - 2. » o » joa Do ■ •: • BS. 0< O* "»1 CS OS O *•! M M W ÜJ M ►£. co © © oo oi CD W CO ff) M Ol Ol Cl CS W W CR CA o» -q t-i )— i es co o co -i COOMM^COICM COtOODCDCOOrODK) CT* £ 3. » H- IO »O W CO CD CO ^ O W ffi A. 'O M CD O C ü M 6» C W fcO H-» I-« Os © O »fr- •fr- CO fcO I-» h-< ■»IC tOOi|>3ÖCnCO 3* " CO CO OS CO O» 00 O CO oo cn oo OS OS CO I I I CO CO (*■■ •*» » C1 IO U -) (O H O O 00 -) bJ O CO 0> -J k- ^ o ts t- IC '- l~ <~ '- fcOKJtOtObOtOtOtO H 1 p (t & i/! 1 to 1 ^ *) IO ,_, -J CS te :; CJ* 00 CO 10 CO CO - 1 cyi cn Ol - -1 i: 5 £ CO *-< ** ^ 00 *-■ OS ~ B 4- o CO o* *■ ►fc- B 00 kS M Ifh b9 CD CO CO - *. ifb CO CO CT * 00 o rf>- OS »J -Kl S »fr* CO 00 Ot M *" B s CO o K f *• o to s o Kl Ol CA ^ CT» OS CO O 1' « 1-^ o hS ' rf». 4- o Oi *- »9 H" o *■ 00 CO Od H* *3 OS CO CO 00 Ot ^ Oi 1— 53 S I s- CO^MMCOWMW fcO C" IO ►fr. CO »fr- - 1 4- - 1 r - 1 COCDmOCDcococO IC tc IC IC _ „•»lOSOOCOCOl-t _. 0»0>-^ ^^ COH- OSfcOO Oi^fliOO^Wio^o wow^aMMoaODO^CD o^ h oi o> oo -^ >> ^. s r -, o ffl g- Summe in 8 Stunden. * 38 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Analysen J. Hanamann veröffentlichte die Analysen von 4 Böden der bö ^° her Domäne Lobositz, welchen nachstehende Beschreibung beigefügt ist. I. Boden von Kottomierz; Plänerboden (Kreideformation Böhmens), lichtgelbe, sehr steinige, massig tiefgründige Ackerkrume; dem Gerstenbaue in physikalischer und chemischer Beziehung äusserst günstig ; im dritten Jahre nach der letzten Düngung. II. Boden von Augezd: Basalt-Boden, dunkler, grauschwarzer Boden von bindiger Beschaffenheit, tiefe mit Basaltfragmenten gemischte Acker- krume auf verwittertem Basalt lagernd ; besonders dem Kleebaue zu- sagend; vor 3 Jahren zuletzt gedüngt. DIL Boden von Lobositz; Lössboden mit lichtbrauner Ackerkrume von sehr bedeutender Mächtigkeit. IV. Boden von Schelchowitz ; Alluvialboden, einem Teiche entnommen; lichtgrau, mürbe und pulverig. I. Kottomierz. Pläner-B. II. Augezd. Basalt- B. III. Lobositz. Löss-B. IV. Schelchowitz. Alluvial-B. Resultate der mechanischen Analyse. 10000 Theile der bei 100° C. getrockneten Feinerde enthielten: (Ackerkrume auf Pflugtiefe.) Grandigen Sand Streusand . Staubsand . Thonigen Sand . Thonige Theile 3652 2396 1335 1062 1550 1471 2852 1131 1189 3357 507 2207 185S 2712 2716 389 845 1968 1530 526S Wasserhaltende Kraft . Zu 10000 Thl. Feinerde gehören Steine von Nussgrösse . . Kleine Gesteinsfragmente Mineralische Beschaffenheit . 54 o/o 667 435 Kalkarme Thonsilikate. 71 «/o sehr wenige. 102 Basalt-Trüm- merchen. 59 o/o 265 182 Kies und Glimmer- blättchen. 76 o/o 32 übersät mit Muschelresten. Resultate der chemi 100000 Theile der Ackerkrume bei 12" Sand und Thon (in Säure unlöslich) 82297 Lösliche Mineralstoffe . . 12621 Humus nnd Wasser . . . 5082 Eiseno.xyd und Thonerde . 5575 Kalk 364 Magnesia 85 Natron 94 Kali 24S Kieselsäure 5737 Kohlensäure 359 Schwefelsäure 63 Chlor 18 Phosphorsäure 85 sehen Analyse. Tiefe, getrocknet bei 140 c Gesammt-Sticketoff 142 70162 31593 8245 11658 826 40S 341 393 17755 18 23 9 162 72445 21709 5846 8436 415 193 108 396 11466 548 58 16 73 c. 27288 67415 5297 12025 13352 947 417 590 29709 9032 590 237 192 173 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 39 Zu der Analyse des Lössbodens (unter III.) bemerkt der Verfasser, dass der geringe Gehalt dieses Ackerbodens an Schwefelsäure , Magnesia und an Kalk auf- fallend sei, dass der letztere bis zu 20 Proz. im Untergrund nachweisbar sei, woraus sich ergäbe , dass der gewöhnliche Schluss von dem Kalkreichthum der Unterlage auf den des Obergrunde.s oft sehr trügerisch sein könne. — Wir möchten aus der relativen Kalkarmuth des Bodens vermuthen, dass die Ackerkrume dieses Bodens nicht dem Löss inFallou- und Bennigsen-För der'schem Sinne, sondern dem diesen meist in schwacher Schicht bedeckenden „Glimmerlehme" angehört. Erschöpfung des Bodens durch Hopfenbau.*) — E. Hoffmann Erschöpfung berechnete die Mengen von mineralischen Pflanzennährstoffen und Stick- des stoff, welche einem Hopfen tragenden Boden per Joch und Jahr entzogen durch werden, indem er den durchschnittlichen Ertrag an frischen Blättern mit Hopfenbau. Ranken von 100 Ztr. per Joch und Jahr, ferner die von ihm ausgeführte Aschen-Analyse dieser Pflanzentheile zu Grunde legte. Der Aschengehalt der frischen Blätter mit Ranken beträgt nach Abzug von Sand, Kohle und Kohlensäure 4,263 Proz. Dem Boden werden per Joch und Jahr entzogen in Pfunden: Bei einer Ernte per Joch Pfunde. Gesammt- menge an Mineral- stoffen. Phos- phor- säure. Kiesel- säure. Kalk und Talk- erde. Alkalien. Stick- stoff. (KOf) Blätter mit Ranken . . . 10000 426 26 79 162 110(98) 88 Dolden **) 300***) 21 3 5 5 6 7| Blätter, Ranken, Dolden 10300 447 29 84 167 116 95| Hiernach gehört die Hopfenpflanze entschieden zu den an den wich- tigsten Pflanzennährstoffen: Alkalien, Phosphorsäure, Kalk und Stickstoff erschöpfendsten Kulturpflanzen. Die Dolden allein entziehen dem Boden nnr wenig Mineralstoffe. Es ist zu empfehlen, die Blätter und Ranken dem Boden zu lassen, beziehungsweise zurückzugeben. Bereicherung der Ackerkrume durch Lupinenbau. ff) — Bereiche- Th. Dietrich untersuchte die auf einer 6a' grossen Fläche gewachsenen run s und mit möglichster Sorgfalt gesammelten Stoppeln und Wurzelrückstände der kr „ ni k e er " eines Lupinenfeldes. Die Menge dieser Rückstände betrug pr. 1 Hess. durch Acker in runder Zahl 2000 Pfd. und darin wurden gefunden: Lupinenbau. *) Böhm. Centralbl. f. d. gesammte Landeskultur. 1867. S. **) Nach mittlerer Zusammensetzung der Asche derselben. ***) Durchschnittliche Ernte. |) Kalimenge von uns berechnet, tt) Landw. Anz. f. Regbz. Kassel. 12. J. S. 84. U. 40 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Pfd. Stickstoff . . 33,1 Kohlenstoff . - 922,4 (entspr. 3382 Pfd. Kohlensäure) Kalk . . . . . 41,4 Bittererde . . 1,2 Kali . . . . . 4,6 Phosphorsäure . 7,0 Da die Lupine zu den tiefwurzelnden und vorzugsweise von den Nähr- stoffen des Untergrundes lebenden Pflanzen gehört, denn sie gedeiht nur in tiefgründigen Böden, so kann man die mit den Lupinen -Wurzeln und -Stoppeln in der Ackerkrume verbleibende Menge mineralischer Pflanzen- nährstoffe als diejenige betrachten, um welche die Ackerkrume auf Kosten des Untergrundes durch die Lupine bereichert wird. Anaiysevon R- Kemper untersuchte einen grauschwarzen Liasschiefer,*) Lias- der in der Gegend seines Fundortes, Bauerschaft Markendorf, allgemein schiefer. un j. er ,j em ]vf amen „schwarzer Mergel," 10 — 16 Fd. pr. Acker, verwendet wird. Derselbe enthält nach dem Verfasser (der seine Analyse nicht als eine erschöpfende angesehen wissen will) folgende Bestandtheile in 100 Thl. (löslich in heisser Salzsäure von 1,13 spez. Gew.) Wasser . 4,61 Thon etc 73,23 Kohle und organ. Substanzen 13,54 (hierin 0,64 Proz. Stickstoff) Eisenoxyd und Thonerde . 6,69 Kalk 0,92 Magnesia 0,07 Kieselerde ...... 0,10 Alkalien 0,19 (0,85 nach dem Glühen) Phosphorsäure 0,52 Schwefelsäure 0,11 Später untersuchte der Verfasser 3 aus einer Grube stammende Proben des- selben Gesteins, welche 3 verschiedenen Schichten entnommen waren. Sie enthielten verschieden von obiger Probe kohlensauren Kalk, nämlich 25 Proz. (untere Schicht), 2 Proz. (mittlere Schicht) und 4,4 Proz. (obere Schicht). Anaiysevon Glauk oni ti scher Bairdienkalk von Wür z bu r g. **) — Bairdien- £ Haushofcr theilt im Anschluss an die mitgetheilten ***) Unter- suchungen über den Kaligehalt glaukonitischer Gesteine die Analyse des genannten Gesteins mit, nach welcher dasselbe 5,5 Proz. Kali, also mehr als die früher untersuchten, enthält. Das Gestein ist bräunlichgrau, feinkörnig bis dicht und enthält in zahlreichen Poren Eisenoxydhydrat. *) Journal f. Landw. 1867. S. 48. **) Journal f. prakt. Chemie. Bd. 99. 237. ■**) Jahresbericht 1866. S. 47. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 41 L. R. v. Fellenberg theilt die Analyse eines Gesteins mit, Analyse welches sich durch die Untersuchung' als ein Feldspath darstellt, der von Feldspath. seinem Gehalte an Kieselsäure und Thonerde nach zu den Anorthiten zu zählen ist. Er unterscheidet sich aber von diesen durch seinen geringern Kalkgehalt. Die Analyse ergab: Prozent Kieselsäure Thonerde . Kali . . . Natron . Kalk . . Baryt . . Magnesia . Eisenoxydul Manganoxydul Wasser (Glühverlust) 46,81 35,15 9,68 0,49 0,99 0,79 0,65 1,43 0,75 5,25 Das angeblich auf der Moräne des unteren Grindelwald -Gletschers aufgefun- dene Gestein ist von kalkähnlichem Aeussern, helllauchgrün , krystillinisch, wellig-schiefrig, leicht zerreiblich, durchscheinend. Der Verfasser findet die Formel 4 Ab 3 , Si O3 -j- 2 RO, 2 SiC-3 -f- 3 aq. der Analyse am entsprechendsten, nach welcher sich Si0 3 : AI 2 3 : KO : NO verhalten wie 6:4:2:3. Schwefelsaure Strontianerde von Krocker.**) — In den ter- tiären Schichten der Gegend von Krzischkowitz bei Ratibor ist eine erdige, kreideartig weisse, unter dem Mikroskope splittrig krystallinische Masse aufgefunden worden, welche in bedeutender Mächtigkeit auftritt. Dieselbe enthält in 100 Theilen: Schwefelsäure 36,00 Strontianerde 46,57 Kalk 1,80 Bittererde 1,60 Kali 0,50 Chlornatrium 0,25 Kohlensäure 1,40 Phosphorsäure 0,10 Kieselsäure 2,10 Eisenoxyd und Thonerde 3,60 Thon und Sand 4,28 Glühverl. (Feuchtigk. und organ. Stoffe) 1,80 100,00 Dieselbe Erde, welche hiernach im Wesentlichen aus schwefelsaurer Strontianerde (82,57 Proz.) besteht, ist bereits seit Jahren und zu vielen *) Journal f. prakt. Chemie. Bd. 101. '*) Der Landwirth. 1867. S. 113. 32. Schwefel- saurer Strontian als Mergel. 4ii Chemische and physische Eigenschaften des Bodens Hunderten von Fuhren — angeblich mit gutem Erfolg — zur Düngung der Felder benutzt worden, indem man der Meinung war, dass man Kalk- mergel oder gipshaltigen Mergel vor sich habe. Von weiteren hierher gehörigen Arbeiten , deren Wiedergabe uns der Raum dieses Berichts verbietet, haben wir noch zu erwähnen : Ueber die chemische Beschaffenheit der Lössablagerungen bei Wien, von Ritter von Hauer.') Ueber die Auffindung der löslichen Bestandteile der Ackererde, von Th. Schlösing. 2 ) Verhalten des Sandes zur Bodenbildung und Pflanzenwelt, von A. Stö ckhardt. 3 ) Ueber die chemische Einwirkung des Wassers in Verbindung mit Kohlensäure und Salzen auf die Gebirgsgesteine, von J. C. De icke. 4 ) Ueber die physikalische Untersuchung des Bodens, von F. C. Henrici. fi ) Ueber die chemisch - physikalische Klassifikation des Bodens und namentlich des Ackerlandes, von Edm. Segnitz. 6 ) Berechnung der Aus- und Einfuhr der wichtigsten mineralischen Pflanzennähr- stoffe und an Stickstoff in einer Wirthschaft in Mittelholstein für die Jahre 1863, 1864 und 1865. 7 ) Rückblick. Den ersten Abschnitt unseres Jahresberichts „Bo d enbildung" eröffnet eine Mittheilung von A. Fallou über die Entstehung des Löss, namentlich in Bezug auf sein Vorkommen in Sachsen. Wir entnehmen daraus, dass der Löss der Schlammabsatz eines Lössmergel - Meeres ist, welches bei Beginn der Ablagerung das norddeutsche Flachland bis an die Ausläufer des Erzgebirges, bis an die Höhen- züge des Elbthales bei Meissen bedeckte und dort, namentlich in der von Meissen abwärts sich ausdehnenden Bucht, seinen kalkhaltigen Schlamm ruhig absetzte. Die Bildung des jetzigen Lössbodens Sachsens begann in einer Höhe, welche 600', und endigte in Lagen , welche 300' über dem jetzigen Meeresspiegel lagen. Die Ansicht Fallou's über die Entstehungsweise der Lössablagerung , die der- selbe in überzeugender Weise entwickelt, steht älteren Ansichten entgegen, welche den Löss als das Resultat der Reibung von Gletschern auf ihr Grund- gestein oder als ein Zersetzungsprodukt von Liasschiefer erscheinen oder denselben nur als eine Varietät des Diluvial-Lehmes gelten lassen wollen. Der Löss ist nach ') Sitzungsbericht der Wiener Akademie. Bd. 53. S. 148. 2 ) Landw. Centralblatt. 1867. I. S. 196. 3 ) Chem. Ackersmann. 1867. S. 183. 4 ) Zeitschr. f. d. gesammtcn Naturwissenschaften. 1867. S. 353. 5 ) Journal für Landwirtschaft. 1867. S. 37. «) Annalen der Landwirtschaft. Mbl. 1867. S. 39. 7 ) Landw. Wochenbl. für Schleswig-Holstein. 1867. S. 26. Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 43 Fallou eine besondere geologische Bildung, ein vom Lehm wohl zu unterschei- dendes, selbständiges Glied des Diluviums, welche Behauptung durch die beobach- tete Niveau-Differenz von ca. 500' (nach Bennigsen-Förder, der im Wesent- lichen mit Fallou gleicher Ansicht ist, von mindestens 1000') sich bewahrheitet, welche sich zwischen den Höhen, bis zu welchen Lehm und Löss reichen, zeigt. — Fallou beschreibt den Löss als einen feinerdigen Mergel, dessen Gemengtheile äusserlich nur spärlich hervortreten und sich durch Abschlämmen als feinkörniger Kalk- und Quarzsand, Glimmerblättchen und eisenhaltigen Thon zu erkennen geben. Bisweilen finden sich bei grösserer Mächtigkeit in den tieferen Lagen Gehäuse von Land- und Sumpfschnecken, ebenso Kalkmergelnieren (Lösskindel). — J.Breiten- lohner lieferte eine Untersuchung über die Beschaffenheit des aus verschiedener Tiefe genommenen Löss, aus welcher sich die Ungleichmässigkeit in dem Gehalte desselben an Kalk erkennen lässt. — Auch Lorscheid untersuchte einen Löss (-Mergel) und daneben (Löss-) Lehme, unter welchen letzteren jedenfalls der über dem Löss lagernde Glimmerlehm zu verstehen ist. Der Löss unterscheidet sich hiernach hinsichtlich seiner Zusammensetzung von den Lehmen ausser durch seinen hohen Kalkgehalt durch einen Verhältnis smässig hohen Gehalt an Kali (0,97 Proz.) das freilich zum grössten Theile in Salzsäure unlöslich ist. Armuth an Phosphor- säure ist allen gemeinsam. — Daubree stellte durch seine Untersuchung über die Zersetzung des Feldspaths etc. in Folge mechanischer Einflüsse die interessante» Thatsache fest, dass der Feldspath bei seiner Zertrümmerung unter Wasser sich in bedeutendem Grade zersetzt; er verliert Kali, Kieselerde und Thonerde, welche sich in dem Wasser auflösen. Wir dürfen wohl annehmen, dass sich diese Er- scheinung nicht auf den Feldspath beschränkt, sondern dass alle kalihaltigen Sili- katgesteine unter gleichem Einflüsse mehr oder weniger dieselbe Zersetzung er- leiden, umsomehr ist diese durch das Experiment erwiesene Thatsache von höchster Bedeutung, da derselbe Prozess, den der Verfasser künstlich und im Kleinen voll- zog, in der Natur tagtäglich und im grossartigsten Massstabe in jedem Gebirgs- bache und jedem Strome vor sich geht. Die Arbeit liefert den Beleg für den Ur- sprung des Kali's in den Flüssen und für die Ursache, durch welche es dahin ge- langt. Die Zersetzung, welcher der Feldspath unter reinem Wasser unterliegt, wird befördert, wenn dem Wasser Kohlensäure oder Kalk beigefügt wird; sie wird aber beeinträchtigt durch Kochsalz. Es dürfte deshalb anzunehmen sein, dass der Zer- setzungsprozess unter dem Meerwasser nicht in dem Grade stattfindet, wie auf dem Festlande unter den süssen Gewässern. Auch die Gegenwart von kohlensaurem Eisenoxydul hat der Auflösung von Kalk entgegengewirkt. Bemerkenswerth ist noch, dass der durch Zerreibnng entstehende Gesteinsschlamm viel Aehnlichkeit mit manchen Schieferthonen hat, wesshalb es nicht unwahrscheinlich ist, dass diese nicht einer Verwitterung, sondern dem mechanischen Vorgange der Zerreibung von Silikatgesteinen unter Wasser ihre Entstehung verdanken. Das Kapitel „Chemische und physische Eigenschaften des Bodens" beginnt mit der Untersuchung von E. Peters über das Verhalten der Phosphor- säure im Boden. Aus derselben geht zunächst hervor, dass die Phosphorsäure des Bodens meist an Eisenoxyd gebunden ist und dass die im unauflöslichen Zu- stande in den Boden gebrachte Phosphorsäure sehr bald von diesen nur ausnahms- weise fehlenden Oxyden gebunden und deshalb in einen schwerlöslichen Zustand versetzt wird. Dennoch ist das Aufschliessen der unlöslichen natürlichen Phosphate nicht gleichgiltig für die Vegetation der Kulturgewächse, denn erst durch diese 44 Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. Behandlung wird eine gleichmässigere und tiefergehende Yertheilung der Phosphor- säure im Boden ermöglicht. Die Wiederauflösung der absorbirten Phosphorsäure erfolgt durch die Bodenfeuchtigkeit, da die Phosphate an sich in kohlensäurehal- tigem, in geringem Grade sogar in reinem Wasser löslich sind. Dieselbe wird unterstützt durch manche neutrale Salze — wofür schon ältere Belege vorhanden sind — insbesondere aber auch durch den chemischen Einfluss der bei der Ver- witterung der Gesteinstrümmer hervorgehenden kohlensauren und kieselsauren Al- kalien. Die Auflösung« wird ferner durch die Pflanzen selbst, durch Vermittlung ihrer Wurzelausscheidungen bewirkt. Eine wichtige Rolle in dieser Richtung spielen ferner im Boden vor sich gehende Reduktionsprozesse, bei welchen durch den Ein- fluss von verwesendem Humus phosphorsaures Eisenoxydul und lösend wirkende Humussäuren gebildet werden. Man kann daher die Wirhung der phosphathaltigen Dünger unterstützen, wenn man dem Boden gleichzeitig humusbildende Substanzen zuführt und andrerseits durch fleissige Pflugarbeit und Bodenlüftung für die Ver- witterung der Bodensilikate Sorge trägt. — Schumachers Arbeit über das Ver- halten der Pflanzennährstoffe im Erdboden hebt die bei den letztjährigen Unter- suchungen über diesen Gegenstand sehr vernachlässigte physikalische Absorptions- erscheinung — auf welche in diesem Jahresbericht wiederholt hingewiesen ist — wieder mehr hervor. Schumacher schreibt dem Humus die Hauptwirkung bei der Absorption zu , wogegen sich nach früheren Untersuchungen gegründete Be- denken erheben lassen. Der Assimilation durch die Pflanzen sind die physikalisch absorbirten Pflanzennährstoffe im Boden nicht völlig entzogen, dagegen können die Pflanzen von den chemisch gebundenen nur nach vorheriger Wiederauflösung Nutzen ziehen. — Salonion prüfte das Verhalten von Erden zu einer ammoniakalischen Lösung von salpetersaurem Kalk. Knop hat bekanntlich eine solche Prüfung der Erden bei Ausführung von Bodenuntersuchungen zu dem Zweck empfohlen, um sowohl über die Menge, als auch über gewisse Eigenschaften der Humussubstanz Aufschluss zu bekommen und in der Voraussetzung, dass fast aller Kalk, der bei dieser Operation absorbirt wird, von der Humussubstanz des Bodens gebunden werde. Diese Voraussetzung hat sich bei Salomon's Arbeit nicht bestätigt, es geht vielmehr aus derselben hervor, dass die Eigenschaft, Kalk aus solcher Lösung zu absorbiren, dem Humus nicht allein zukommt, sondern auch dem Thone , den Hydraten des Eisenuxyds, der Thonerde und der Kieselerde; es zeigt sich ferner bei derselben, dass die Absorptionsfähigkeit der Erden — dieser Lösung gegen- über — nicht vom Humus, auch* nicht vom Kalkgohalte der Erde abhängig zu sein scheint. — Wilhelm hat seine früheren Untersuchungen über Wasserverdunstung aus dem Erdboden und über den Einfluss der Kulturpflanzen darauf fortgesetzt und ist dabei zur Bestätigung der Thatsachen gelangt, dass dem Boden durch die Vegetation von tiefwurzelnden Pflanzen soviel Wasser entzogen wird, dass dadurch unter ungünstigen Umständen das Gedeihen der Nachfrucht gefährdet sein kann. Dabei stellte sieh ferner heraus , dass der Einfluss des Grundwassers von wesent- lichem Belang ist. — Breit enlohner lieferte über denselben Gegenstand eine Arbeit und zwar in Bezug auf Löss- (VLehm), Basalt- und Plänerboden und kam dabei zu demselben Resultat ; er zeigte aber gleichzeitig, dass Bestellungsweise und -Zeit nicht ohne Einfluss auf die Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit sind. Mit dieser Arbeit verband B reiten. ohner eine physikalische Untersuchung derselben Böden, aus welcher sich ergab, dass die wasserhaltcnde Kraft, sowie die Fähigkeit, das Wasser zurückzuhalten, beim Basaltboden am grössten ist, gegenüber dorn Chemische und physische Eigenschaften des Bodens. 45 Löss- und Pl&nerboden. Bezüglich der Fähigkeit, Wasser durchsickern zu lassen, zeigte der Plänerboden die Eigentümlichkeit, dass die in gleichen Zeiträumen durch- sickernde Wassennenge mit der Dauer des Versuchs allmählich zunahm. — Grouven stellte die Analysen von 24 Bodenarten, die S t o h m a n n, B re t s c h n e i d er, Re i m a n n, Bittner, Becker und Lohse lieferten, zusammen. Die Böden gehören zum grössten Theile dem Alluvium und Diluvium an, nur 3 sind Verwitterungsböden des Buntsand- steins, des Rothliegenden und des Syenit's. Bei den Analysen lässt sich weder zwischen dem Gehalt an Humus und dem an Stickstoff, noch zwischen der Menge der in Wasser löslichen und der der in Säure löslichen Mineralstoffe eine engere Bezie- hung erkennen. Unter den Böden , die arm an in Säure löslichen Mineralstoffen sind, sind die meisten reich an in Wasser löslichen Bestandtheilen. — H ana- mann führte Analysen der Böden von Lobositz aus, die in geognostischer Bezie- hung dem Pläner, dem Basalt, dem Löss (?) und dem Alluvium angehören. — Ueber die Erschöpfung des Bodens durch Hopfenbau stellte Hoffmann Ermitte- lungen an, wonach der Hopfen den Boden hinsichtlich des Kali's in bedeutendem, hinsichtlich der Phosphorsäure in geringerem Grade in Anspruch nimmt. — Diet- rich untersuchte die Rückstände eines Lupinenfeldes und schätzte darnach die Bereicherung, welche die Ackerkrume auf Kosten des Untergrundes dnrch den Lu- pinenbau erfährt. — Schliesslich theilten wir Arbeiten mit, welche die Zusammen- setzung von Gesteinen betreffen, nämlich eine Untersuchung eines grauschwarzen Liasschiefers von R. Kemper, die Kalibestimmung eines glaukonitischen Kalkes von Würzburg durch K. Haushofe r, eine Analyse eines zu den Feldspathen ge- hörenden Gesteins der Schweiz von R. v. Fellenberg und endlich die Analyse eines erdigen Cölestin's von Krocker, der merkwürdiger Weise seit längerer Zeit als Mergel in der Landwirthschaft Verwendung gefunden hat Literatur. Der Steinschutt und der Erdboden nach Bildung, Bestand, Eigenschaften, Verände- rungen und Verhalten zum Pflanzenleben für Land- und Forstwirthe , von Dr. Ferd. Senft. Berlin, 1S67, bei J. Springer. Der Kreislauf des Stoffes, Lehrbuch der Agrikulturchemie, von Dr. Wilhelm Knop. Leipzig, H. Haessel. Die Erschöpfung des Kulturbodens durch die Ausfuhr aus der Wirthschaft und der Ersatz durch Mergel, käufliche Beifutterstoffe und käufliche Ersatz-Düng- stoffe, Vorträge von 0. Köhnke. Mehlbye-Kappeln, bei W. G. Heide. Bodenkunde und Geologie. Eine kritische Grundlegung der Bodenkunde, als Send- schreiben an Herrn F. A. Fallou, von Dr. Martin Wilckens. Berlin, bei E. H. Schröder. Die Luft. (Meteorologie.) Referent : Th. Dietrich. Einfluss lieber den Einfluss der künstlichen Beleuchtung auf die der Luftqualität in Wohnungsräumen hat Branislaw Zoch Beob- Beieuchtung acntun gen angestellt.*) — Der Verfasser führte eine Reihe von Bestim- auf die Luft- mungen des Kohlensäure-Zuwachses aus, welchen die Luft eines natürlich quaiität. ventilirten Raumes von bekanntem Luftcubus und bei Ausschluss aller sonstigen Kohlensäure-Quellen durch Gas-, Petroleum- und Rüböl-Beleuch- tung erfährt und zwar unter Berücksichtigung des Verbrauchs an Leucht- material, Brenndauer und Lichtintensität. Das Zimmer hatte einen Luft- cubus von 72 Kubikmeter, 2 grosse Spitzbogenfenster, 1 Thür, 2 Wände frei, 1 Wand nach dem Korridor. Baumaterial : guter trockener Sandstein. Das Zimmer wurde nicht oder nur momentan betreten. Der durchnittliche Verbrauch an Brennmaterial war folgender: In der Stunde Bei einer Lichtstärke von Kohlengas, guter Qualität . . 5 Cb.-Fuss 10,5 Normalflammen.**) Petroleum, von 0,805 spez. Gew. 15,3 Grm. 3,5 „ ßüböl 30,5 „ 4,5 Die Resultate sind aus der auf S. 47 befindlichen Tabelle ersichtlich. Das mehrsündige Brennen einer einzigen massigen Gasflamme in einem Wohnräume mittlerer Grösse steigerte hiernach den Kohlensäure- gehalt der Luft bis nahezu auf 3 Prom., sonach bis zu einer Höhe, wie sie Pettenkofer und Oertel nur in Hospitälern, Kasernen und Gefangen- häusern beobachteten. Schon nach 48 Minuten langem Brennen war der Kohlensäuregehalt der Luft doppelt so gross, als vor dem Anzünden der Gasflamme. — Bei der Petroleumflamme war die Kohlensäurezunahme be- trächtlich geringer, doch war deren Lichtstärke auch nur V» von dem der Gasflamme. — Dem Petroleum gegenüber liefert die Oelbeleuchtung, trotz grösserer Lichtstärke der Flamme und trotz des grösseren Verbrauchs an *) Zeitschrift für Biologie. 1867. S. 117. **) Münchener Stearinkerzen, von denen 4 auf's Pfund gehen. Die Luft. 47 Ver- Kohlensäure der Luft Zunahme Brenn- dauer. brauch an pro mille der Beleuchtungsart. Vor | Nach Kohlen- Material. der Verbrennung. säure. St. Min. Kubikfuss. 1) Gasbeleuchtung. — 47 4 0,553 1,447 0,894 Lichtstärke = 10,5 Normalflm. — 47 — 48 4 4 0,655 0,543 1,466 1,405 0,811 0,862 a) Bei geschlossenen - 48 4 0,560 1,443 0,883 Doppelfenstern. - 48 4 0,555 1,395 0,840 — 49 4 0,736 1,570 0,834 l ) 1 40 8 0,334 2,249 1,915 2 ) 1 55 8 0,512 2,343 1,831 1 56 8 0,636 2,315 1,679 4 — 20 0,647 2,954 2,307 b) Bei einfachen — 48 4 0,643 1,496 0,853 Fenstern. - 48 — 49 4 4 0,625 0,624 1,432 1,372 0,807 0,74S 3 ) - 52 4 0,818 1,684 0,866 1 43 8 0,798 2,417 1,619 1 45 8 0,391 2,043 1,652*) 1 46 8 0,534 2,216 1,682 5 ) 1 30 12 0,487 2,389 1,842 2 32 12 0,685 2,569 1,884 4 — 20 Gramm. 0,642 2,906 2,264 2) Petroleumbeleuchtung. 1 — 15,25 0,593 1,072 0,479 Lichtstärke = 3,5 Normalflm. 1 — 15,25 0,550 0,975 0,425 Einfache Petroleumlampe mit flachem Brenner. 2 — 2 — 30,50 30,50 0,786 0,675 1,438 1,440 0,652 0,765 3 — 45,70 0,606 1,441 0,865 4 — 61,20 0,697 1,577 0,880 3) Eübölbeleuchtung. 1 — 27 0,908 6 ) 1,244 0,336 Lichtstärke = 4,5 Normalflm. 2 — 61 0,513 1,162 0,649 Moderateurlampe mit Argand- brenner. 3 — 4 — 84 118 0,623 0,769 1,367 1,537 0,744 0,768 Brennmaterial, die niedrigsten Zahlen für die Kohlensäure. Nach 4 stün- digem Brennen enthielt die Luft fast nur Vz soviel Kohlensäure, .wie beim 4 stündigen Brennen der Gasflamme. Wir erkaufen daher das kräftigere und reinere Licht, sowie die bequemere Handhabung bei der Gasbeleuchtung mit einer bedeutenderen Luftverschlechterung. — Bei gleicher Brenndauer der einzelnen Leuchtmaterialien bleibt die K^hlensäurezunahme bei den verschiedenen Versuchen annähernd gleich. Bei längerer Brenndauer wächst die Kohlensäure nicht im geraden Verhältniss, da sich, mit der Länge der ') Im Zimmer war vorher gearbeitet worden. 2 ) Nachts vorher stark geregnet 3 ) Sehr windig. *) Regenwetter. 5 ) Starker Wind. 6 ) Vorher mehrere Personen viel verweilt. 48 Die Luft. Ozon, Bestand- theil der atmosphä- rischen Luft. Brenndauer um so mehr der Einfluss des durch die natürliche Ventilation bewirkte Luftwechsel geltend macht. — Der Verfasser berechnete, um die Zahlen unter sich vergleichbar zu machen, die Kohlensäure - Zunahme bei den 3 Beleuchtungsarten auf den Kauui von 100 Cb.-Mtr. und auf eine Lichtstärke von 10 Normalflammen, bei 1-, 2-, 3- und 4 stündiger Brenn- dauer. Kohlensäur e - Zunahme pro mille. Brenndauer. 1 Stunde 2 Stunden 3 Stunden 4 Stunden Für Petroleum. 0,929 1,456 1,779 1,811 Für Leuchtgas. 0,708 1,342 1,513 1,562 Für Rüböl. 0,537 1,038 1,190 1,229 Bei gleicher Lichtstärke entwickelt das Petroleum mehr Kohlensäure als Gas, dies mehr als Rüböl. Wenn sich bei Petroleum die Zunahme der Kohlensäure bis 1,779 Proin. steigerte, bemerkte der Verfasser, dass die Luft unangenehm und unbehaglich wurde, eine Erscheinung, die bei glei- cher Brenndauer des Leuchtgases weniger und bei Oelbeleuchtung gar nicht bemerkbar war. Die Unbehaglichkeit wird jedenfalls nicht von der Kohlensäure allein, sondern auch von beigemischten Produkten der unvoll- kommenen Verbrennung herrühren. — Die Zahlen machen ferner anschau- lich, dass für alle 3 Beleuchtungsarten die Kohlensäure - Zunahme nach 3 stündiger Brenndauer nahezu ein Maximum wird — bei dem hier gege- benen Grad der Ventilation. Der Verfasser bemerkt, dass die Versuche die Vorzüge der guten Oelbeleuch- tung ausser Zweifel setzen , welche die Luft am wenigsten mit fremdartigen Bei- mischungen beladet. Dass sich die Petroleumbeleuchtung in letzterer Beziehung am ungünstigsten stellt, hat nur eine beschränkte praktische Bedeutung, da diese Art von Beleuchtung nur selten durch Brennvorrichtungen erzielt wird, die eine sehr intensive Lichtstärke und einen bedeutenden Verbrauch von Leuchtmaterial bedingen. Anders verhält es sich mit der Gasbeleuchtung, die in öffentlichen Lo- kalen in bedeutender Ausdehnung und Intensität zur Anwendung kommt. Für die beständige Anwesenheit des Ozon's in der atmo- sphärischen Luft und für die Zulässigkeit des Jodkalium- Stärke-Papiers als Erkennungsmittel dafür hat C. F. Schön- bein neuerdings abermals eine Beweisführung gebracht.*) — Der Um- stand, dass das mit Jodkalium und Stärkemehl behaftete Papier nicht bloss durch ozonisirten Sauerstoff, sondern auch noch durch andere luftige Agentien gebläut wird, durch die Dämpfe der Untersalpetersäure, des Chlors und des Brom's, ist Ursache gewesen, dass das Vorhandensein des Ozon's in der atmosphärischen Luft bezweifelt oder geleugnet wurde. — Die Untersalpetersäure anlangend, so ist deren Entstehung bei den in der *) Zeitschrift für Biologie. 1867. S. 101. Die Luft. 49 Atmosphäre stattfindenden elektrischen Entladungen keinem Zweifel unter- legen. Wie klein ihre Menge im Verhältniss zur Grösse des Luftmeeres immerhin sein mag, sie müsste aber — im freien Zustande — das Jod- kalium-Stärkekleister-Papier ebenso gut bläuen, wie das ebenfalls spär- lich entstehende Ozon, denn direkte Versuche lehrten Schönbein, dass nur äusserst geringe Mengen von Untersalpetersäure dem Wasser beige- fügt zu werden brauchen, damit letzteres schon für sich allein den Jod- kalium-Stärkekleister merklich stark bläue. Dennoch ist es dem Ver- fasser bei seinen zahlreich ausgeführten Untersuchungen von Kegenwasser, insbesondere bei Gewitterregen nie vorgekommen , dass ein solches für sich allein das besagte Kleisterpapier gebläut oder Lackmuspapier geröthet hätte. Bei dem gleichzeitigen Vorkommen von Ammoniak setzt sich Unter- salpetersäure mit diesem in Nitrit und Nitrat um und kann deshalb keine freie Untersalpetersäure in der Luft enthalten sein, höchstens in Fällen ausserordentlich heftiger und häufiger Entladungen und bei Mangel von Ammoniak in der Luft. — Der Verfasser verweist ferner auf das Verhalten von Thalliumoxydul gegen ozonisirten Sauerstoff. Der gewöhnliche Sauer- stoff vermag das Thalliumoxydul nicht in Oxyd überzuführen, ebenso wenig die Untersalpetersäure ; das Ozon dagegen oxydirt dasselbe, woher es kommt, dass mit Thalliumoxydul-Lösung getränktes Papier in künstlich ozonisirter Luft sich bräunt. In Betracht dieser Thatsachen und in Betracht, dass das mit Thalliumoxydul behaftete Papier der Einwirkung freiströmender Luft ausgesetzt bald rascher, bald langsamer sich bräunt, ist es gerecht- fertigt, diese letztere Wirkung einem Ozongehalte der atmosphärischen Luft zuzuschreiben. Dass diese Bräunung wirklich das Kesultat der Oxy- dation (und nicht etwa durch Bildung von Schwefelthallium veranlasst) ist, geht aus den Eigenschaften des gebräunten Papieres hervor, das in der That diejenigen Keactionen deutlich zeigt, welche das Thalliumoxyd charakterisiren (Verhalten gegen Guajaktinktur, gegen Wasserstoffsuper- oxyd). — Da nun die besagte Bräunung des Thalliumoxydul-Papiers völlig gleichen Schritt hält mit der Färbung des gleichzeitig der Einwirkung der freien Luft ausgesetzten Jodkalium-Stärke-Papiers, so muss die Veranlas- sung zu beiden Erscheinungen ein und dasselbe in der Luft vorhandene chemische Agens sein; das Bläuen des Jodkalium -Stärkepapiers muss so gut eine Wirkung des Ozon's sein, wie das Bräunen des Thalliumoxydul- Papiers. — Als mögliche Ursachen der gedachten Wirkungen könnten nur noch Chlor und Brom in Betracht kommen. Abgesehen davon, dass sich nicht einsehen lässt, wie freies Chlor und Brom, welche Körper auf der Erde niemals anders, als im gebundenen Zustande angetroffen werden, in die atmosphärische Luft gelangen sollten, so liegt keine einzige Thatsache vor, die nur entfernt auf die Anwesenheit der genannten Ma- terien in der Atmosphäre hindeutete. Es wird auch Niemanden geben, der die in der freien Luft erfolgende Färbung der besprochenen Reagens- papiere als Beweis dafür geltend zu machen suchte, dass freies Chlor oder Jahresbericht X. 4 50 Die Luft. Brom einen regelmässigen Bestandteil der Atmosphäre bilde. Wüsste man noch nichts von Ozon, man würde diese Färbungen jener Papiere (diese Oxydationswirkungen) viel eher einem noch unbekannten Sauerstoff- haltigen Agens, als freiem Chlor oder Brom zuschreiben. ueber die Ueber die Identität des Körpers in der Atmosphäre, wel- identitat c j ier Jodkalium zersetzt, mit dem Ozon: von Th. Andrews.*) — des ' 7 ' jodkaiium Der Verfasser zeigte schon vor 10 Jahren, dass das Ozon, das elektroly- zersetzen- tische wie das durch Wirkung eines elektrischen Büschels auf Sauerstoff der Luft" erna ^ ene ) bei erne i' Temperatur von 237° C. rasch zersetzt wird. — Ver- mit Ozon, mittels eines eigens konstruirten Apparates , in welchem ein Strom at- mosphärischer Luft in einem Ballon von 5 Ltr. Inhalt bis zu 260° C. er- hitzt werden konnte, zeigte nun der Verfasser, dass Luft, welche mit einer Geschwindigkeit von 3 Ltr. pr. Minute diesen Apparat durchströmte, Jod- kalium-Stärkepapier binnen 2 — 3 Minuten bläute, so lange man den Ap- parat nicht erhitzt hatte; so wie aber die Luft im Ballon auf die Tempe- ratur von 260° g-ebracht worden war, fand nicht die geringste Wirkung auf das Papier statt, wie lange der Strom auch nnterhalten werden mochte. Genau ebenso verhielt sich eine künstlich ozonisirte Atmosphäre. Da- gegen blieb sich eine mit kleinen Mengen von Chlor oder salpetersauren Dämpfen vermischte Luft in ihrer Wirkung auf das Jodkalium - Stärke- papier völlig gleich, mochte diese Luft erhitzt worden sein oder nicht. Der Verfasser schliesst hieraus, dass der das Jodkalium zersetzende Körper in der Atmosphäre identisch ist mit dem Ozon. Ozon- bildung bei der Verbren- nung. Pinkus theilt eine Beobachtung mit,**) nach welcher sich bei der Verbrennung von Wasserstoffgas in der atmosphärischen Luft Ozon bildet. — Wenn man Wasserstoff aus einer feinen Metallspitze ausströmend mit einer möglichst kleinen, etwa linsengrossen Flamme ver- brennen lässt und über die Flamme einige Sekunden lang ein kaltes und trockenes Glas stülpt, so riecht der Inhalt des letzteren so stark nach Ozon, wie das Innere einer so eben entladenen Leydener Flasche. Bei der sorgfältigsten Peinigung und Trocknung des Wasserstoffgases tritt der Ozongeruch in verstärktem Grade auf, so dass fremde Beimischungen im Gase, (Phosphor, Chlor etc.) den Geruch nicht veranlassen können. Das- selbe Phänomen zeigt sich bei der Verbrennung von Wasserstoffgas in reinem Sauerstoffe, welcher Umstand verbürgt, dass der Stickstoff bei der Erzeugung des Geruches keine Bolle spielt und nicht etwa gebildete freie salpetrige Säure von dem Geruchsorgane mit Ozon verwechselt wird. Der Verfasser hat auch mitunter beim Brennen einer gewöhnlichen Spiritus- lampe, ja sogar beim Brennen einer Stearinkerze und einer Oellampe mit *) Poggendorff's Annalen der Physik u. Chemie. B. 131. S. 659. **) Die landw. Versuchs-Stationen. 1867. S. 473. Die Luft. 51 Argandbrenner den Ozongeruch wahrgenommen. — Der Verfasser knüpft hieran folgende Fragen: Begleitet vielleicht eine Ozonbildung jeden lang- samen Verbrennungsprozess ähnlich wie beim Phosphor, wie überhaupt jeden Oxydationsprozess in Folge der dabei stattfindenden elektrischen Aus- gleichung der sich verbindenden Stoffe? Findet vielleicht in Folge der vorangehenden Ozonisirung des Sauerstoffs unter dem Einfluss der Wärme eine Oxydation des Stickstoffs statt? J. L. Soret stellte Untersuchungen über die Dichtigkeit Dichtigkeit desOzon's an*) und kam — nach einem hier nicht näher zu erörtern- es ' Ozons. den Verfahren — zu dem Eesultat, dass das Ozon ein specif. Gewicht von 1,658 besitzt, dass die Dichtigkeit des durch Electrolyse dargestellten Ozon's daher anderthalbmal so gross als die des gewöhnlichen Sauerstoffs ist. H. Möhl und Th. Dietrich stellten Beobachtungen über den Relativer relativen Ozongehalt der Luft mittels ein und desselben Jod- Ozongehait kalium- Stärkekleister -Papiers (Schönbein's Ozonometer) und unter sonst Städten und gleichen Verhältnissen an. Erstem* führte dieselben in der unreinen, auf dem namentlich mit Braunkohlenrauch reichlich geschwängerten Luft der Lande - Stadt Kassel, letzterer in der reinen Landluft von Altmorschen aus. Die Eesultate der Beobachtungen sind aus der Zusammenstellung der mo- natlichen und jährlichen Mittel leicht ersichtlich. Die Zahlen sind Grade der Schönbein'schen Skala. Stadt. Land. 1866. März . . . 2,5 8,2 April . . 2,2 6,6 2,8 6,7 Juni . . 2,2 6,1 Juli . . . 4,3 6,8 August . . . 2,9 6,1 September . . 1,0 6,6 October. . . 0,37 5,8 November . . 3,0 8,0 Dezember . . 1,9 6,6 1867. Januar . . . . 1,9 7,4 Februar . . 3.3 . . 3,0 7,6 März 7,3 April . . 4,0 7,1 . . 3,8 7,2 Jahresmittel 1866/67 2,3 6,9 Hiernach zeigt sich eine bedeutende Differenz in dem relativen Ozongehalt der Stadt- und Landluft; erstere enthält nur ein Drittel soviel Ozon als die Landluft, *) Comptea rendus. Bd. 64. S. 904. **) Originalmittheilung. 52 Die Luft. und dieser relativ bedeutend geringere Gehalt der Stadtluft deutet auf einen raschen Verbrauch des zugeführten Ozons durch gas- oder dampfförmige, übelriechende Fäulnissprodukte hin, für welche grössere Städte noch immer ein ewig thätiger Heerd sind. Natur der Ueber die Zusammensetzung der Gase des Vulkans auf des vaikans Santorin bericntete Janssen*) auf Grund seiner spectral- analytischen an f Untersuchungen unter Anderen Folgendes: — Die Flammen des Vulkans santorin. enthalten Natrium und, wie es scheint, in relativ grosser Menge, denn dasselbe war bei jeder Gelegenheit nachweisbar. Als Basis der brenn- baren Gase erkannte der Verfasser Wasserstoff, eine Beobachtung, welche die von Bunsen, Saint Claire-Deville, Leblanc und Fouqu£ gefundenen Resultate über die Gegenwart dieses Gases unter den gasigen Auswürfen der vulkanischen Krater bestätigt und erweitert. Der Verfasser berichtet ferner, dass seine Beobachtungen ihm die Gegenwart von Kupfer, Chlor und Kohle anzuzeigen schienen. Gang der Ueber den Gang der mittleren Temperatur in Europa von TrapeVa'tur H> W- Dove **)- _ Die niedrigste Jahreswärme in Europa fällt nach den in Europa. Ermittelungen des Verfassers in die erste Hälfte des Januars. Ferner fällt in diesen Monat eine zweite Kälteperiode, die, obgleich veränderlich, dies doch nicht innerhalb weiterer Grenzen ist. Ueber die Kältetage des Mai's, die sogenannten „gestrengen Herren", hat sich der Verfasser früher in einer besonderen Schrift ausgesprochen.***) Eine zweite in den Monat Juni fallende Einbiegung der Wärmekurve, welche sich für das mittlere Europa sehr deutlich zeigt, entsteht dadurch, dass, — nachdem das Festland sich bei zunehmender Mittagshöhe der Sonne im Mai stärker erwärmt hat, als der atlantische Ocean — die Luft, welche auf diesem ruht, nun als NW. in die aufgelockerte des Kontinents einbricht, und eine eben dann be- ginnende Regenzeit veranlasst. Der in den Juli fallenden höchsten Wärme folgt in der Regel im August ein zweites relatives Maximum. Im An- fang September zeigt sich Wärmeabnahme, die sich mit der Verkürzung der Tageslänge beschleunigt. Im November oder Dezember tritt ein Vor- winter ein, dem Mitte December eine Milderung der Kälte folgt und erst Ende Dezember wird die Kälte intensiver. Die Rückgänge des Steigens der Temperatur in der ersten Hälfte des Jahres und die des Fallens in der zweiten Hälfte treten nicht regelmässig zu derselben Zeit der ver- schiedenen Jahrgänge ein, so dass diese Unregelmässigkeiten in dem Mittel vieler Jahresbeobachtungen nicht mehr erkennbar sind. Der Verfasser sieht darin einen Beweis dafür, dass diese Unregelmässigkeiten nicht kos- mischen, sondern tellurischen Ursprungs sind. *) Comptes rendus. Bd. 64. S. 1303. **) Landw. Ccntralbl. f. D. 1867. I. 19. Auszug aus den geoer. Jahrb. von C Behm. 1866. 1. B. ***) Die Jahreszeiten in ihrer klimatischen und thermischen Begrenzung. Braun- schweig 1859. — Siehe auch Jahresbericht 1859/60. S. 70. Die Luft. 53 Ueber die Vertheilung der Wärme im Erdboden und ihre Schwankungen, von A. C. Becquerel.*) — Der Verfasser stellte mit- tels electrischer Thermometer drei Jahre hindurch Beobachtungen über den Gang der Wärme an, den dieselbe in verschiedenen Tiefen des Erd- bodens nimmt. Die Beobachtungen erstreckten sich auf Tiefen von 1 Meter- unter der Erdoberfläche an bis zu 36 Mtr., die eine von der anderen mit 5 Mtr. Abstand, und wurden im Jardin des Plantes ausgeführt. Die nachfolgenden Tabellen (siehe S. 54) enthalten die wesentlichen Resultate dieser Beobachtungen. Bei 1 Mtr. Tiefe ist hiernach die Wärme im Mittel der drei Beobach- tungsjahre um ein wenig geringer als die Wärme der Luft, welche sich 1,33 Mtr. über der Erdoberfläche befindet. 5 Mtr. tiefer, bei 6 Mtr. Tiefe erhebt sich die Temperatur um ca. 1° und die hier herrschende Wärme erstreckt sich auch bis zu 1 6 Mtr. Tiefe, von wo an sie bis zur Tiefe von 21 Mtr. um 0,3° zunimmt, diese Wärmezunahme dauert schwach fort bis zu 36 Mtr. Tiefe. Man kann daher annehmen, dass von 6 Mtr. Tiefe an, oder wahrscheinlich schon oberhalb davon, die Temperatur allmählich und beständig zunimmt; dort ist sie um 1,78° höher, als bei 1 Mtr. Tiefe. — Die 2. Tabelle lässt den Gang der Bodenwärme bei den angege- benen Tiefen während eines Jahres erkennen. Bei drei der 8 Beobach- tungstiefen, bei den zu 21, 31 und 36 Mtr., hat die Temperatur im Laufe des Jahres keine Schwankungen erlitten. Was die fünf anderen betrifft, so waren deren Temperaturen folgenden Schwankungen unterworfen: 1) Ein Meter unterhalb des Bodens erhöht sich die Temperatur all-, mählich vom Winter bis zum Sommer, so wie in ber Luft; die Differenz zwischen dem Maximum und Minimum beträgt 6,92°, während sie bei den Extremen der Luft 18,17° beträgt. 2) Bei 6 Mtr. Tiefe nehmen die Schwankungen einen umgekehrten Gang, indem das Maximum in den Winter, das Minimum in den Sommer fällt; die Differenz der Extreme beträgt ca. 1°. 3) Bei 11 Mtr. Tiefe zeigt die Schwankung, welche sich auf 0,3° be- schränkt, noch an, dass das Maximum im Winter und das Mini- mum zwischen Frühling und Sommer stattfindet. 4) Bei 16 Mtr. Tiefe ist der Gang der Temperatur wie bei der Luftwärrae; die Grösse der Schwankung ist 0,25°. 5) Bei 26 Mtr. Tiefe ist dasselbe der Fall ; die Differenz der Extreme beträgt 0,53°. Aus dem bemerkenswerthen Ergebnisse, dass die Temperatur in 16 und 26 Mtr. Tiefe an den Schwankungen der Luft Theil nimmt, wenn auch in viel geringerem Grade, vermuthet der Verfasser, dass die diesen Tiefen entsprechenden Bodenschichten mit der Luft oberhalb der Erde durch einsickerndes Regenwasser in Verbindung stehe. Er weisst auf Grund einer hydrologischen Karte des Seine -Departemente von Delesse *) Comptes rendus. Bd. 64. S. 382. 54 Die Luft. Tabelle I. Jahr. Luftwärrae 1,33 Mtr. oberhalb der Erdober- fläche. Unterhalb der Erdoberfläche, Tiefe in Meter. 1 6 11 16 31 36 1 31 36 1864 1865 1866 10,83 11,41 10,83 10,47 10,52 10,93 12,00 11,34 11,78 12,13 11,52 11,62 12,03 11,65 11,62 12,09 i 12,30 12,01 12,32 (22) 11,90 j 12,36 (31) 12,33 12,28 12,30 12,45 12,42 12,40 Mittel der 3 J. Natur d 10,76 es Terrain6. 10,64 Sandige und 11,76*) 11,76 Erde, angehäuft aufgeschüttet. 11,78 Grüner chlorithal- tiger Mer- gel u. Kalk. 12,05*) Kalk. 12,27*) 1 12,30 1 12,42 Sandiger Thon. Tabelle II.**) Tiefe. Jahreszeit. 1864. 1865. 1866 1 Mtr. Winter Frühling Sommer Herbst Mittel 6 Mtr. Winter Frühling Sommer Herbst 6,84 8,19 14,20 12,64 6,27 7,58 14,58 13,65 10,47 10,52 12,64 11,21 11,53 12,62 12,02 10,44 11,11 12,34 8,16 8,29 13,88 13,34 10,92 Mittel. 7,07 Minimum. 8,02 14,22 Maximum. 13,21 10,64 12,22 12,09 11,01 12,46 12,29 Maximum. 11,25 11,22 Minimum. 1 2,27 Mittel 11 Mtr I Wii j Frü inter rühling ommer Herbst 12.00 I 11,50 11,94 12,30 12,06 12,08 12,04 12,82 11,30 11,43 11,58 11,66 11,45 11,68 11,73 11,76 11,93 Maximum. 11,60 Minimum. 11,73 11,78 Mittel 16 Mtr. Winter Frühling Sommer Herbst Mittel 26 Mtr. Winter Frühling Sommer Herbst 12,12 I 11,53 ! 11,63 11,96 12,00 12,33 12,02 11,67 11,67 11,70 11,60 11,42 11.55 11,77 11,77 11,76 11,68 Minimum. 11,74 11,93 Maximum. 11,79 12,08 | 11,66 | 11,63 | 11,78 12,00 Minimum. 12,26 12,53 Maximum. 12,25 Mittel ... | 12,29 | 12,22 j 12,31 | 12,27 *) Bei 6, 21 und 26 Meter ist das im Original angegebene Mittel nicht das arithmetische der zugehörigen 4 Zahlen; es muss aber dahin gestellt bleiben, ob eine von diesen oder das Mittel falsch angegeben ist. **) Auch in dieser Tabelle stehen nicht überall die Mittel mit den zugehörigen Zahlen im Einklang. Die tiiift. 55 auch nach, dass wirklich in diesen Tiefen sich Wasserbehälter vorfinden. - Der Verfasser ist aus dem Umstände, dass die Temperatur von 31 auf 36 Mtr. Bodentiefe um 0,12° steigt und bei jeder dieser Tiefen während der drei Beobachtungsjahre konstant geblieben ist, zu schliessen geneigt, dass auf je 41 Mtr. und nicht auf je 30 Meter, wie man im Allgemeinen annimmt, 1° Temperaturzunahme zu rechnen sei. Quellentemperatur zu Eostock, von Fr. Schulze.*) — Der Queiien- Verfasser hat ein Jahr lang über die Temperatur des Wassers eines Brun- tem P» ratur nens, der 8 Meter unter der Oberfläche des Erdbodens gelegen ist, Beob- Rostock, achtungen angestellt, welche für das verlangsamte Eindringen der Luft- temperatur von der Oberfläche des Bodens in dessen tiefere Schichten und für die Verminderung der Temperaturunterschiede mit zunehmender Tiefe Belege liefern. Der Brunnen ist sorgfältig vor von oben einsickerndem Wasser geschützt, so dass die Temperatur des Wassers von derjenigen höherer Erdschichten nicht unmittelbar beeinflusst wird. -- Die beobach- teten Temperaturen sind folgende: Datum der Beobachtung. ° Cels. 10. Juli 1866 9,25 10. August , 9,65 10. September , 10,05 10. Oktober „ 10,30 10. November „ 10,45 10. Dezember „ 10,33 Das Jahres - Mittel der Temperatur des Brunnenwassers ist hiernach 9,563° C. oder 7,65° R. Die Extreme fallen, abweichend von der Luft- temperatur, das Minimum in den Mai, das Maximum in den November; sie weisen eine Differenz von nur 1,52° C. auf. Die niedrigste Temperatur war 4 Monate nach der Zeit, wo die niedrigste Lufttemperatur durch- schnittlich obwaltet, die höchste Temperatur um ebenso viel nach der mitt- leren Zeit der höchsten Sommerwärme eingetreten. — Die mittlere Jahres- temperatur des Brunnenwassers ist höher, als die mittlere Lufttemperatur (diese letztere ist nach Dove nach 18jähr. Beob. = 6,73° R. D. Ref.), welche Erscheinung der Verfasser aus dem Umstände zu erklären sucht, dass während der kalten Wintermonate der Boden mit Schnee bedeckt zu liegen pflegt, der das Eindringen der Kälte hemmt, und dieses Hemmniss in der wärmeren Jahreszeit wegfällt. Diese Beobachtung ist vollständig übereinstimmend mit der im vorigen Artikel erwähnten von Becquerel gemachten, welcher zwischen der Lufttemperatur und der Wärme der 6 Meter unter der Erdobei fläche befindlichen Bodenschicht eine Differenz von 1 ° fand, um welche die Bodenwärme im jährlichen Mittel höher war. *) Laudwirthschaftl. Annalen d. meklenburg. patr. V. 1867. S. I . um der Beobachtung. ° Cels. 10. Januar 1866 9,45 10. Februar „ 9,15 10. März „ 9,10 10. April 8,95 10. Mai „ S,93 10. Juni „ 9,15 56 Die Luft. Luft- Ueber die Temperatur der Luft und die Eegenmengen tem und atUr ausserüalb des Waldes und innerhalb desselben sind im An- Regen- schluss an ihre früheren einschlägigen Untersuchungen*) von A. C. Bec- mengen querel und E. Becquerel**) an 5 Stationen des Arrondissement innerhalb jfontargis vom Herbst 1865 bis Ende Sommer 1866 Beobachtungen an- aueserhaib gestellt worden, deren Ergebnisse in Folgendem enthalten sind. des Waldes. Jährliches Mittel der Wärme Station. , * innerhalb des Waldes. ausserhalb des Waldes. Chätillon-sur-Loing***) 11,63 | 11,47 | La Salvionniere . . . 10,76 [ Mittel 11,00° C. 10,75 \ Mittel 11,07° C. La Jaqueminiere . . 10,62 | 10,99 | Le Charme 11,55 Montargis 11,57 Mittlere Wärme des Sommers Station. * , Differenz. innerhalb d. Wld. ausserhalb d. Wld. Chätillon-sur-Loing 18,22 18,76 0,54 La Salvionniere. . 16,80 17,84 1,07 La Jaqueminiere . 16,64 18,76 2,12 Mittlere Wärme des Winters Station. , •*— . , Differenz. innerhalb d. Wld. ausserhalb d. Wld. Chätillon-sur-Loing 4,54 4,15 0,39 La Salvionniere . . 3,98 3,61 0,37 La Jaqueminiere . 3,74 3,68 0,06 Diese Resultate führen nach den Verfassern zu folgenden Schlüssen: 1) Die mittlere Jahrestemperatur der Luft ist innerhalb des Waldes und in etwa 100 Mtr. Entfernung davon nahezu dieselbe. 2) Im Sommer ist die mittlere Temperatur der Luft ausserhalb des Waldes höher, als innerhalb desselben; im Winter gilt das Um- gekehrte. 3) In mehreren Kilometern Entfernung vom Walde erhebt sich die mitt- lere Jahrestemperatur der Luft über die der Luft innerhalb des Waldes um nahezu 7«°. Das erstere Resultat war nach den Verfassern zu erwarten, da durch einen derselben bereits früher nachgewiesen worden warf), dass der Stamm, die Zweige und Blätter eines Baumes sich unter den Sonnen- strahlen erwärmen und sich abkühlen durch die nächtliche Wärmeaus- *) Jahresbericht. 1866. S. 71. **) Comptes rendus. Bd. 64. S. 1. **) In einem von hohen Mauern umgebenen Garten. f) Jahresbericht. 1866. S. 71. Die Luft. 57 Strahlung, ferner, dass das Jahresmittel der Temperatur der Bäume das der Luft ist, nur dass das Gleichgewicht der Temperatur sich in ersteren langsamer herstellt, als in letzterer. — Die Temperatur-Maxima fallen im Sommer in der freien Luft gegen 3 Uhr Nachmittags, in dem Walde da- gegen, je nach seiner Dichtigkeit, zwischen 10 und 11 Uhr Abends. In den Zweigen treten sie früher, in den Blättern fast unmittelbar nach dem Zeitpunkte des Luft- Wärmemaximum ein. Im Winter sind die Beziehungen zwischen den Maxima-Ständen dieselben. — Die Thatsache, dass im Winter die mittlere Temperatur der Luft innerhalb des Waldes ein wenig höher ist, als die der Luft ausserhalb des Waldes, stimmt mit einer anderen Beobachtung des Verfassers überein, nach welcher die Bäume der Wärme- ausgleichung mit der umgebenden Luft einen Widerstand entgegensetzen, sobald die Luftwärme unter Null sinkt. Die Verfasser erklären diesen Widerstand durch die Wärme, welche durch das auch im Winter langsam fortdauernde Saftsteigen dem Baume mitgetheilt wird. — Die mittlere Lufttemperatur ist im Sommer ausserhalb des Waldes ungefähr um 1,2° höher, als innerhalb des Waldes ; im Winter findet dagegen das umgekehrte Verhältniss statt und daraus folgt, dass das Klima innerhalb des Waldes etwas geringeren Extremen unterworfen ist, als das ausserhalb des Waldes. Im Allgemeinen sind die Ergebnisse der vorstehenden Becque rel'scben Beobachtungen übereinstimmend mit denen ihrer früheren Arbeiten und den Unter- suchungen von Krutzsch und wir verweisen zur Vergleichung derselben auf die Jahrgänge von 1865 und 1866 unserer Berichte. Regenmengen vom Herbst 1865 an bis zu Ende des Sommers 1866. La Salvionniere (waldreicher Ort) 752,38 Millimtr. = 27" 9,15'" Paris. M. La Jaqueminiere ( „ „ ) 741,74 „ =27" 4,44'" „ Le Charme ( „ „ ) 691,10 „ = 25" 6,02'" Chätillon-sur-Loing (waldfreier „ ) 512,38 „ = 18" 10,88"' „ Montargis ( „ „) 594,19 „ =21" 11,11'" Der Verfasser zieht auf Grund der Vergleichung der vorstehenden Regenmengen folgende Schlüsse: 1) Ausserhalb des Waldes ist im Mittel der Beobachtungen mehr Regen in die Regenmesser gelangt, als innerhalb des Waldes und zwar in dem Verhältniss von 1 : 0,6 ; 0,4 der Regenmenge sind durch die Blätter zurückgehalten worden und dann erst allmählich zu Boden gefallen. Die zurückgehaltene Regenmenge variirt je nach dem Alter und der Dichtigkeit des Waldes. 2) Betrachtet man nur die ausserhalb des Waldes gefallenen Regen- mengen, so findet man die nahe bei Waldungen gefallenen grösser, als die in grösserer Entfernung davon gefallenen, im Verhältniss von 730 zu 585. Das sind Thatsachen, die bei den Fragen von dem Einflüsse der Entwaldung auf das Klima in Betracht zu ziehen sind. Das sind verwickelte Fragen, denn dieser Einfluss hängt nicht allein von der Lage der Wälder ab, insofern sie zum Schutze gegen 58 Die Luft. Ueber den Gehalt des Regen- wassers an Ammoniak und Salpeter- säure. warme und kalte Winde dienen, sondern auch von der Natur des Bodens und seinen physikalischen Eigenschaften. Ueber den Gehalt des Begenwassers an Ammoniak und Salpetersäure*) sind die in unserem vorjährigen Berichte**) angeführ- ten Untersuchungen, welche auf Anordnung des preussischen Ministeriums für die landwirthschaftlichen Angelegenheiten von einigen landwirt- schaftlichen Versuchsstationen in Preussen ausgeführt wurden, fortgesetzt worden, deren wesentliche Ergebnisse in den nachfolgenden, von der Centralcommission für das agrikulturchemische Versuchswesen zusammengestellten Tabellen enthalten sind. Gehalt eines Liters Eegenwasser an Ammoniak (NH 3 ) und Salpetersäure (NO s ) in Milligrammen. Monat, Jahreszeit und Jahr. Lauersfort 1865. NH,| N0 5 Ida- Marienhütte 1865. NH, NO, Re S en " | Dahme walde 1865***). I 1865 ' NH 3 I N0 5 NH, I N0 5 Kuschen 1865***). Kuschen 1866. NH 3 I N0 5 Inster- burg 1865***). nh 3 |no s Januar 1865 Februar März . April . Mai . . . Juni . . Juli . . . August . September October . November Dezember 0,82 1,29 1,64 1,99 1,29 1,26 1,81 5,24 3,73 6,39 1 1 ,S8 16,65 9,85| - 1 16,82J 8,471 6,5 1 1 15—30. April keins ikeine 3,36 1,91 2,28 2,21 2,91 2,76 421 1,79 1,30 0,65 |0,65 0,60 0,31 2,16 1,765,35 4,555,86 1,805,72 1,40 2,89 1,70 1,72 1,41 2,15(1,15 2,12 2,56 1,54 1.43 14,46 l 4.74 3,16 4,38 2,10 2,51 1,38 0,28 1,31 1,92 1,95 1,19 0,44|1,63 I) 1,82 0,91 1,93 2,79 3,34 1,40 0,35 0,78 1,61 1,75 1,67 1 ,03 0,95 0,74 0,72 0,63 0,75 0,50 0,73 0,22 0,65 1,00 0,77 1,05 0,44 0,49 0,53 0,83 0,84 0,89 1,19 0,64 0,87 0,5'J 0,70 0,761 0,96 0,57 0,77 0,90 0,7S 0,90 0,76 0,48 0,77 1,43 ■ 0,77 0,91 0,43 0,65 0,48 0,86 1,19 1,17 1,08 0,69 0,S3 1,59? 0,75 10,70 0,H8 |0,74jl,91 1,66 1,13 0,29 3,79 1,24 0,74 0,63 0,83 0,89 1,48 3,90 4,36 1,16 1,85 1,66 0,36 2,78 0,87 0,40 1,13 1,69 Jahr 2,72tJ0,b5t) 2,42j2,49 I 1,72 1,16 O,56i0,72|0,74 [0,82 1 1,06 1,63 Januar 1866 Februar . . . März April 4,21 4,50 2,16 0,84 bis 15. April 1,94 1,36 1,28 0,66 }3,06 0,24 1,125,34 0,58 2,08 0,373,38 Frühling 1865/ 66 Sommer Heibst Winter _ 2,60 1,15 2,74 4,11 — — 2,14 0,83 1,76 1,53 — — 2,85 0,49 1,96 1,69 — — 4,39 1,32 3,63 1,53 — - 2,60 0,73 2,28 1,84 | l,32,0,62]0,71jO,72 1,4710,94,0,3^0,77 3,08; 1,70 0,84 0,66 0,67 ! 1,65 10,69 10.42 1,39 1,59 0,78 1,00 1,19|1,10 0,82 3,42 Jahr 1,72 1,1(5 0,54 10,62 — j — J0,92|l,90 *) Annalen der Landwirtschaft. Bd. 50. S. 249. **) Jahresbericht. 1866. 8. 67. ***) Bei Kegenwalde sind die Monate Januar und Februar, bei Insterburg die Monate Januar bis incl. März, bei Kuschen die Monate Januar bis incl. April 1865 aus dem früheren Berichte entlehnt. f) Für das Jahresmittel sind die Monate Januar bis April aus 1866 entlehnt. Die Luft. 59 Bei der Betrachtung dieser Tabelle zeigt sich zunächst dieselbe grosse Verschiedenheit in dem Gehalte des Regenwassers an Ammoniak sowohl, wie an Salpetersäure wieder, welche im vorjährigen Berichte hervorzuheben war. Diesesmal differirt der Ammoniakgehalt zwischen 0,22 Mllgrm. (Kuschen, August 1865) bis 14,46 Mllgrm. (Regenwalde, Dezember 1865); der Gehalt an Salpetersäure von 0,31 Mllgr. (Ida-Marienhütte, Novbr. 1865) bis 16,82 Mllgrm. im Liter (Lauersfort, October 1865). Auch die Jahres- mittel der einzelnen Stationen differiren wesentlich von einander, so zeigt für Amino- j Ida-Marienhütte ein Jahresmittel von 2,72 Milligr. pro Ltr. (Maxim.) niak l Kuschen „ „ „ 0,56 * „ „ (Minim.) für Salpeter- / Regenwalde „ „ „ 2,49 * „ „ (Maxim.) säure l Kuschen „ „ , 0,72 „ „ » (Minim.) Ebenso zeigen sich an ein und demselben Beobachtungsorte nicht un- beträchtliche Schwankungen in dem Gehalte des Regenwassers an diesen stickstoffhaltigen Verbindungen; so betragen die Differenzen zwischen dem Maximalgehalt und dem Minimalgehalt: Für Ammoniak. Für Salpetersäure. Bei der Station Regenwalde 13,08 Milligrm. 4,71 Milligrm. » n » Insterburg 3,50 „ 4,00 „ „ „ „ Dahme 3,06 „ 1,60 „ „ „ Ida-Marienhütte 2,59 „ 1,92 „ „ „ „ Kuschen 0,33 „ 0,75 „ Bei der Mehrzahl der Stationen findet man den grössten Gehalt des Regenwassers an Ammoniak in den Wintermonaten, nur die Station Inster- burg macht davon eine Ausnahme. Dieselbe Station und Dahme aus- genommen, fällt dagegen der niedrigste Gehalt in die Sommermonate, vor- zugsweise in den August. Bei dem Salpetersäuregehalt des Regenwassers findet bezüglich des höchsten Gehaltes fast dasselbe Verhältniss wie beim Ammoniak statt, der niedrigste Gehalt kommt jedoch in Monaten vor, welche allen Jahreszeiten angehören. Ueber die an jedem der Beobachtungsorte gefallene Regenmenge giebt die auf S. 60 befindliche Zusammenstellung Auskunft. Die Beziehung, welche zwischen den Schwankungen im Gehalte des Regenwassers an Ammoniak und Salpetersäure und der Regenmenge an- scheinlich besteht, wonach einer grösseren Regenmenge ein geringerer Ge- halt an diesen Verbindungen und umgekehrt entspricht, und welche im vorjährigen Berichte hervorgehoben wurde, tritt in vorliegenden Beobach- tungen nicht so deutlich hervor. Dieselbe ist nur aus den Beobachtungen im Monat August zu erkennen, in welchem Monate bei mehreren Stationen der grösste Regenfall und ein niedriger (wenn auch nicht der niedrigste) Ammoniakgehalt des Regenwassers zusammenfällt. Mehr noch als die Regenmenge wird sicher die Anzahl der Regentage, an welchen diese Regenmenge fällt, ob sich diese auf eine kleine oder grosse Anzahl von Niederschlägen vertheilt, von Einfluss auf den Gehalt des Regenwassers an den genannten Stickstoffverbindungen sein. 60 Die Luft. Regenmengen in preussisehen Linien. Monat. Ida-Marien- hütte *) Regen - walde Dahme Insterburg Kuschen 1865. 1865. 1865. 1865. 1865. 1866. Januar . . . (5,04) 20,08 20,60 32,85 14,41 3,31 Februar . (18,00) 9,17 8,23 5,38 4,66 19,71 März .... (31,44) 13,47 21,41 9,33 11,28 10,65 April .... (5,76) 5,03 3,04 9,31 7,55 8,52 Mai 21,00 6,50 10,44 19,83 10,95 20,13 Juni 36,84 22,00 30,74 30,00 28,89 21,04 Juli 26,76 25,30 25,34 16,00 16,89 23,74 August . . . 6S,04 69,96 33,37 72,00 73,72 31,15 September . 2,16 14,28 3,88 6,00 6,80 10,34 Oktober . . 15,12 12,28 15,72 16,00 12,86 0,79 November . 10,56 10,99 22,33 6,00 9,88 19,80 Dezember . 5,40 7,43 4,01 8,79 4,43 18,91 Jahr . . 246,12 216,49 199,14 231,44 202,32 18S,09 Zoll . . 20,51 1S,04 16,59 19,29 16,86 15,67 Frühling 66 /66 58,20 25,00 34,89 38,47 29,78 Sommer . . . 131,64 117,26 89,45 118,00 119,50 Herbst .... 27,84 37,55 41,93 28,00 29,54 Winter .... 28,44 45,22 32,87 92,79 27,36 Jahr . . • 246,12 225,03 199,14 277,26 206,18 In nachfolgender Tabelle sind die Gesammtmengen von Stickstoff be- rechnet, welche auf die Fläche eines preuss. Morgens im Verlaufe eines Jahres niederfallen. Gesammtstickstoff pro Morgen in Grammen. Monat. Ida-Marien- hütte*) Regen- walde Dahme Insterburg Kuschen 1865. 1865. 1865. 1865. 1865. 1866. Januar . . . 108,2 316,8 84,5 433,8 67,0 16,6 Februar . . 394,8 271,2 63,5 61,6 18,9 61,5 März .... 452,7 222,1 188,6 28,0 45,7 45,0 April .... 84,8 83,0 13,4 186,3 30,8 45,9 Mai 378,0 157,5 45,9 158,7 51,0 106,8 Juni . . . 391,1 297,4 272,3 116,7 102,8 122,3 Juli 304,9 341,3 133,7 110,2 85,3 120,0 August . . . 753,8 5*4,4 373,1 360,1 153,8 98,9 September . 32,1 164,3 59,4 27,7 28,8 49,0 Oktober . . 215,7 164,6 240,5 144,2 68,7 7,0 November . . 139,5 100,3 395,9 33,7 44,7 92.2 Dezember . 122,6 543,0 31,7 49,5 26,1 97,7 Jahr . . 3378,2 3246,0 1902,5 1710,5 723,6 862,9 Frühling r ^/ee 915,5 462,6 247,9 373,0 127,5 Sommer . . . 1449,8 1223,3 779,1 587,0 341,9 Herbst .... 387,3 429,2 595,8 205,6 142,2 Winter .... 625,6 852,8 179,7 782,6 104,2 Jahr . 3378,2 2967,8 1902,5 1948,2 71 5,S *) Ida-Marienhütte vom Januar bis incl. April aus 1866, April aus 1.— -15. April auf den ganzen Monat berechnet. Die Luft. 61 Obgleich sich im Allgemeinen in den Ergebnissen ein Zusammenhang der Regenmenge mit der damit niedergefallenen Stickstoffmenge aus- spricht, und meist einer grösseren Regenmenge auch eine grössere Stick- stoffmenge entspricht, so ist doch eine Abhängigkeit der letzteren von ersterer nicht Regel, noch weniger ist die Stickstoffmenge proportional der Regenmenge. Beinahe an jeder Station kommt der Fall vor, dass kleine Regenmengen eine grössere Stickstoffmenge mit sich führten, als grössere Regenmengen. Dieser Fall trifft sogar zu, wenn man die jährlichen Mengen von Stickstoff und Regen in den Perioden von 1864/65 und 1865/66 vergleicht, die für Insterburg im Jahre 1864/65 320,86'" mit 1570,2 Grm. Stickstoff, „ „ 1862/66 277,26'" „ 1948,2 „ betragen. Bei den meisten Stationen hat der grosse Regenfall im August auch gleichzeitig die grösste Stickstoffmenge dem Boden zugeführt, nur Dahme macht hiervon eine Ausnahme, da dort die Stickstoffmenge des August durch die des November, wo nur 2 /s soviel Regen fiel als im August, über- wogen wird. Die geringen Regenfälle des April, September und Oktober (Kuschen 1866) sind meist von nur geringen Stickstoffmengen begleitet gewesen. Bei der Betrachtung der den Jahreszeiten zukommenden Regen- und Stickstoffmengen tritt deren Zusammenhang mehr hervor. Bezeichnet man mit + eine Zunahme, mit — eine Verminderung, so findet man für die Stickstoff- und Regenmenge folgendes Schema: Frühjahr zum Sommer. Sommer zum Herbst. Herbst zum Winter. Ida-Marienhütte | Stickstoff l Regen + + + Regenwal de | Stickstoff l Regen + — + + — + Insterburc J Stickstoff + — + l Regen + — + Dahme | Stickstoff l Regen + + — Kuschen | Stickstoff V Regen + + — — Die grösste Stickstoffzufuhr findet im Sommer, nur (wie auch im vo- rigen Jahre) in Insterburg im Winter statt. Schliesslich folgt hier noch eine abelle T darüber, in welchem Ver- hältniss die im Regen in Form von Ammoniak gefundenen Stickstoffmengen zu den in Form von Salpetersäure vorhandenen stehen. Die Tabelle zeigt, dass nur in wenigen Fällen der Stickstoff der letzteren überwiegt, dass im Gegentheil in der Regel der Stickstoff in Form von Ammoniak die Stickstoffmenge in der Salpetersäure um ein ziemlich Bedeutendes überwiegt. 62 Die Luft. Verhältniss des Stickstoffs in der Salpetersäure zu dem Stickstoff im Ammoniak, ersterer = 1 gesetzt. Monat. Regenwalde Insterburg Kuschen Pros- kau Ida- Marien- hütte Dabme 1864/65. 1865/66. 1864/65. 1865/6G. 1864/65. 1865/66. 1864/65. 1865/66. 1865/66. März .... 3/21 1,00 0,80 34 4,21 3,42 2,80 40,64 April .... 2,65 7,16 — 6,50 2,40 2,41 2,05 40,64 0,85 4,83 4,81 1,50 2,35 2,41 2,86 1,82 5,96 0,85 Juni .... 4,15 3,93 1,49 6,78 2,11 1,78 1,51 4,66 16,28 Juli 2,37 4,45 3.43 0,72 2,35 1,94 4,15 11,13 3,71 August . . . 1,83 3,10 3.23 3,09 2,21 1,27 2,00 10,S5 3,81 September . 2,39 5,93 6,00 7,30 5,35 2,36 1,65 15,45 5,06 Oktober . . 2,80 2,63 2,48 4,21 3,32 6.12 2,31 15,45 5,06 November . 3,63 3,42 1,77 1,30 3,00 3,47 2,95 28,78 6,35 Dezember. . 1,40 9,69 4,00 1,26 6,67 4,37 3,31 6,20 4,32 Januar . . . 1,04 4,53 1,35 0,67 4,87 6,98 2,75 6,20 0,46 Februar . . . 2,47 6,15 0,82 0,76 4,84 5,23 2,18 17,15 3,50 Die am Schlüsse des vorjährigen Berichts über diese Untersuchungen gethanen Aeusserungen können füglich für die diesjährigen in vollem Masse gelten, denn im Wesentlichen haben sich die Ergebnisse der vorjährigen Beobachtungen wieder- holt, die diesmal mitgetheilten Resultate unterstützen nur die an den vorjährigen Bericht gereihten Betrachtungen. Die Ergebnisse der vorstehenden Untersuchungen bestätigen, dass vereinzelte Bestimmungen des Stickstoffgehalts des Regens keinen Schluss zulassen auf die im Laufe eines ganzen Jahres einer bestimmten Fläche zugeführte Gesammt- Stickstoffmenge, denn der Stickstoffgehalt des Regens schwankt zwischen sehr weiten Grenzen; sie bestätigen, dass die auf eine gleiche Fläche fallende Stickstoffmenge an verschiedenen Orten ungleich gross ist, dass, mit an- deren Worten, in verschiedenen Gegenden die Atmosphäre vorübergehend oder bleibend in sehr ungleicher Weise mit Ammoniak und Salpetersäure geschwängert ist; dass selbst die reichlicheren Mengen Stickstoff, welche auf einen preussiscben Morgen fallen, nicht ausreichend sind, um den Bedarf der auf dieser Fläche wachsenden Kulturpflanzen zu decken; sie bestätigen ferner, dass die in Form von Ammoniak im Regen vorkommende Stickstoffmenge in den bei weitem meisteD Fällen die in Form von Salpetersäure vorhandene bedeutend überwiegt. Schliesslich verweisen wir noch auf nachstehende Mittheilungen und Abhand- lungen : Ueber die hauptsächlichen Ursachen, welche den Regen beeinflussen, von A. C. Becquerel. J ) Monatliche Mittel der Jahrgänge 1864, 1865 und 1866 für Druck, Temperatur, Feuchtigkeit und Niederschläge von H. W. Dove. 2) 1) Comptes rendus. Bd. 64. S. 837. 2 ) Preussische Statist. Zeitschrift des Königl. Statist. Bureau *.u Berlin. 1867. Die Luft. 63 Ueber den Kohlensäure -Gehalt der Luft im Zusammenhange mit dem Gange der meteorologischen Erscheinungen, von Franz Schulze. 3 ) Die Witterungsverhältnisse des Jahres 1366, von H. Möhl. 4) Ueber Maifröste. 6 ) Die chemischen Klimate der Erde. 6 ) Ueber den Verlauf der Witterung und besondere Witterungserscheinungen im Königreich Hannover im Jahre 1865, von M. A. F. Prestel. 7 ) Veränderungen des Wasserstandes der Flüsse und ihre Ursachen, von von Berg. 8) Klimatologie für Landwiithe von N. W. Dove. 9 ) Die Witterung des Jahres 1866 im mittleren Holstein. 1°) Sur les variations periodiques de la tempe'rature, von Ch. Sain te-Claire Deville.li) Solar radiations in relation to tbe crops, von Marquis of Tweedale. I 2 ) Die erste Arbeit dieses Kapitels kann als eine Ergänzung zu Pettenkofer's Rückblick, und Oertel's Arbeiten über die Luftverschlechterung in Wohnungsräumen gelten. Während diese untersuchten, bis zu welchem Grade die Luft in Wohnungsräumen durch den Respirationsprozess mit Kohlensäure beladen werden' könne, zeigt die Zoch'sche Arbeit den Einfluss der künstlichen Beleuchtung auf die Luftqualität in Wohnungsväumen. Unseres Wissens ist dieselbe die erste Arbeit, welche diesen Faktor der Luftverschlechterung durch Zahlenwertbe zum Ausdruck bringt, obwohl Dumas nachgewiesen hat, dass die bei der Gasbeleuchtung stattfindende Sauer- stoffkonsumtion und Kohlensäureproduktion eine beträchtliche ist. Als wesentliches Resultat geht aus den mitgetheilten Versuchen hervor, dass die Rüböl-Beleuchtung unter den in Betracht gezogenen Beleuchtungsarten die Luft eines gewöhnlich ven- tilirten Zimmers am wenig>ten mit Kohlensäure beladet und deshalb für die gesün- deste Beleuchtungsart gölten muss ; dass ferner die Petroleumbeleuchtung verhält- nissmässig den schädlichsten Einfluss auf die Luftqualität äussert. Die Gasbeleuch- tung verschlechtert ebenfalls binnen wenigen Stunden die Luft der Zimmer bedeu- tend, was von grosser praktischer Bedeutung ist, da diese Art von Beleuchtung in grossen Gesellschaftszimmern, in Konzert- und Tanzsälen, Restaurationen etc. die gewöhnliche ist und daselbst in bedeutender Lichtstärke und mit starkem Ver- brauch von Brennmaterial zur Anwendung gelangt. Eine gute künstliche Venti- lation solcher Räume kann allein der Luftverschlechterung durch die Beleuchtung 3 ) Landw. Versuchsstationen. 1867. S. 217. 4) Landw. Zeitsch. f. Knrhessen. XII. S. 320. 5) Allg. land- und forstwirthschaftl. Ztg. 1867. S. 694. 6) Ausland. 1867. S. 43. 7 ) Journal f. Landwirthschaft. 1867. S. 80. 8; Kritische Blätter. 1867. S. 158. ö ) Landw. Nachrichten d. pieussischen Handelszeitung. 1867- No. 155. 10) Landw. Wochenbl. f. Schlesw.-Holstein. 1867. S. 152. H) Comptes rendus. Bd. 64. S. 933. 12) Gardeners Chron. 1867. 137. 64 Die Luft. entgegenwirken. — Schönbein lieferte eine überzeugende Beweisführung für die beständige Anwesenheit des Ozon's in der atmosphärischen Luft und für die Zu- lässigkeit des Jodkaliumstärkepapiers als Erkennungsmittel des Ozon's in der Luft. — Noch bedeutend unterstützt wird diese Beweisführung durch die mitgetheilten Versuche von Andrews, welche unseres Erachtens geeignet sind, alle Zweifel darüber zu beseitigen, dass der das Jodkalium zersetzende Bestandtheil der Atmos- phäre identisch mit dem Ozon sei. Wenn aber das Ozon ein selten oder nie feh- lender Bestandtheil der Luft ist, so muss demselben seines eminent oxydirenden Vermögens wegen ein bedeutender Einfluss auf die in der Natur sich vollziehenden Oxydationsprozesse sowie auf die Reinigung der Atmosphäre von Fäulnissstoffen aller Art zugeschrieben werden. Deshalb findet man wohl auch in der Nähe von Heerden der Entstehung von Miasmen (grosse Städte, Abtritte, Jauchenbehälter u. s. w.) gar kein Ozon oder doch viel weniger als in freier frischer Luft. Die oben erwähnten Beobachtungen von Möhl und Dietrich über den relativen Ozongehalt der Luft in der Stadt und auf dem Lande sind ein Belag für diese Ansicht. — Pinkus beobachtete die Ozonbildung bei der Verbrennung von Wasserstoffgas in atmosphärischer Luft und in Sauerstoffgas und sogar beim Brennen einer einfachen Spirituslampe, einer Stearinkerze und einer Oellampe. Wir sind geneigt der Ver- muthung des Beobachters dieser Erscheinungen beizutreten, wonach jeder Verbren- nungsprozess (wahrscheinlich unter der Bedingung, dass die Verbrennungswärme einen gewissen Grad nicht übersteigt, D. R), ein jeder Oxydationsprozess von einer Ozonbildung begleitet zu werden scheint. — Soret bestimmte das spec. Gewicht des Ozon's und fand dasselbe l'/> mal so gross, als das des gewöhnlichen Sauer- stoffs. — Janssen fand Wasserstoff als Grundbestandteil der dem Vulkan Santorin entströmenden brennbaren Gase und Natrium in relativ grosser Menge. — Von den Untersuchungen über die chemische Zusammensetzung der Luft heben wir noch die über den Kohlensäure - Gehalt der Luft im Zusammenhange mit dem Gange der meteorologischen Erscheinungen von Franz Schulze hervor, die sehr viel Inte- ressantes bietet, auf die wir im Anhange dieses Kapitels aber deshalb nur verweisen können, weil eine Diskussion der Beachtungsresultate Seitens des Verfassers bis jetzt noch nicht erfolgt ist. — Der meteorologische Theil dieses Kapitels beginnt mit einer Darlegung des Ganges der mittleren Temperatur in Europa von Dove. Wir entnehmen dersel- ben, dass die besonders im Mai und Juni bemerklichen Rückgänge des Steigens der Temperatur und die namentlich in die Mitte des Dezembers fallende Mildetuug der im Ganzen zunehmenden Kälte nicht regelmässig zu derselben Zeit erfolgen und sich in dem Mittel vieler Jahresbeobachtungen verwischen, weshalb nach Dove auf den tellurischen Ursprung dieser Schwankungen zu schliessen ist. — Bec- querel untersuchte die Temperaturschwankungen der Erdwärme bei verschiedener Tiefe und kam zu den Resultaten , dass die Bodenwärme bis zu einer zwischen 1 und 6 Mtr. liegenden Tiefe an den Schwankungen der Lufttemperatur, jedoch in geringeren Extremen, Theil nimmt; dass tiefer liegende Bodenschichten, welche durch einsickernde Gewässer mit der Luft über der Oberfläche in Verbindung stehen, dasselbe Verhältniss zeigen; dass die Erdwärme von 6 Mtr. Tiefe (in unseren geogr. Breiten) an ein höheres Mittel als die Luftwärme zeigt. — Zu dem letzteren Er- gebniss kam auch Fr. Schulze durch seine Beobachtungen der Quellentemperatur. — Die beiden Becquerel untersuchten die Beziehungen zwischen der Lufttem- peratur im Freien und im Innern von Wäldern. Im Wesentlichen wiederholten sich Die Luft. 65 dabei die Ergebnisse, welche die Verfasser bei der Untersuchung über die Luft- temperatur innerhalb und ausserhalb von Bäumen erhielten. Die .Schwankungen der Lufttemperatur ausserhalb der Wälder sind auch innerhalb solcher bemeiklich nur mit dem Unterschiede, dass die Extreme 7 — 10 Stunden im Walde später ein- treten als in der Luft ausserhalb der Wälder. Es stellte sich feiner dabei heraus, dass im Sommer die mittlere Lufttemperatur ausserhalb der Wälder grösser ist, als innerhalb derselben ; im Winter findet das umgekehrte Verhältniss statt — Eine Anzahl preussischer Versuchsstationen haben die Fortsetzung ihrer umfassenden Untersuchungen über den Gehalt des Regenwassers an Ammoniak und Salpetersäure geliefert. Die Ergebnisse gehen wie die der früheren Untersuchung bedeutend auseinander, bind aber mit diesen im Wesentlichen übereinstimmend. Literatur. Das Klima von Posen. Resultate der meteorologischen Beobachtungen zu Posen, von Albert Magener. Posen, Lissner. Ueber Eiszeit, Föhn und Scirocco, von H. W. Dove. Berlin, Reimer. Der Schweizer Föhn. Nachtrag zu Vorigem, von H. W. Dove. Berlin, Reimer. Ueber die Witterungsverhältnisse in Würtemberg. Jahrgang 1861 u. 1862. Von Dr. Plieninger. Stuttgart, Aue. Ueber die Luft als die unversiegbare Qnelle alles Lebens, über ihre Bedeutung für die Landwirtschaft und Versuche über ihre qualitative Zusammensetzung, von H. Reinsch. Erlangen, Deichsel. Ueber Wetterprophezeiung, von M. Wild. Bern, Jent und Reinert. Des eaux publiques en geneYal et de Celles de Bordeaux en particulier par W. Man es. Bordeaux, Gounouchou. Breslau's Trinkwasser. Chemische Untersuchungen aus 40 theils öffentlichen, theils Privatbrunnen der innern Stadt und der Vorstädte, von Justus Fuchs. Breslau, Morgenstern. Meteorologische Beobachtungen angestellt auf der Leipziger Universitäts-Sternwarte in den Jahren 1860 — 1865, von C. Bruhns. Leipzig, Ilinrichs. Resultate aus den meteorologischen Beobachtungen angestellt an mehreren Orten im Königreiche Sachsen in den Jahren 1760 — 1865 und an den 22 königl. sächsischen Stationen im Jahre 1865, von C Bruhns. Leipzig, Günther. Ueber die chemische Beschaffenheit von Basels Grund-, Bach-, Fluss- und Quell- wasser, von Frdr. Gö ppelsr ö d er. Basel, Amberger. Jahresbericht X. Die Pflanze. Referent: H. Hellriegel. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschen- analysen. Anaiysevon Analyse von gelben Lupinen, von A.Beyer.*) — Eine Portion gelben Lupinenheu , direkt vom Felde entnommen, wurde in Blätter, Stengel, Lupinen. r ' ' . ° ' Schoten und Samen getrennt und jedes dieser Organe gesondert der Unter- suchung unterzogen. Die angewendete Pflanzenmasse bestand bei 100° getrocknet aus: 594 Grm. Stengel. 1541 „ Blätter. 341 „ Schoten. 298 „ Samen. 2774 < 3rm. Pflanzenmasse. Aschenprozente der bei 100° getrockneten Substanz : I. II. III. IV. Blätter. Stenge 1. Schoten. Samen. 6,062 3,862 2,156 4,022 100 Theile Asche enthielten (kohlensäurefrei) : I. II. III. IV. Blätter. Stengel. Schoten. Samen. Kali .... 16,849 21,941 47,542 28,174 Natron . 2,430 10,300 3,689 Spur. Kalk .... 39,549 31,976 19,478 8,631 Magnesia . . 7,094 10,395 7,976 11,330 Eisenoxyd . . 7,400 1,871 0,222 2,047 Schwefelsäure. 5,417 9,095 2,533 3,023 Phosphorsäure 9,225 8,660 6,068 42,569 Kieselsäure 7,450 2,502 5,138 0,879 Chlor . . . 2,189 4.075 2,215 0,461 97,603 100,815 94,861 97,114 Ab für Sauerstoff 0,494 0,919 0,499 0,103 97,109 99,896 94,302 97,011 *) Landwirthschaftl. Monatsschr. d. pommerschen ökon. Gesellsch. XVI. S. 8ü. Nähere Pfliitizenbest:uidtliellc und ABcheimnnlysen. 67 100 Theile Trockensubstanz enthielten: Kali . . . Natron . . Kalk . . Magnesia . Eisenoxyd . Schwefelsäure Phosphoisäure Kieselsäure Chlor . . I. Blätter. 1,021 0,H8 2,398 0,430 0,449 0,328 0,74S 0,604 0,177 II. Stengel 0,847 0,398 1,235 0,401 0,072 0,351 0,334 0,097 0,157 III. Schoten. 1,145 0,089 0,469 0,192 0,005 0,061 0,146 0,124 0,053 IV. 5 amen. 1,109 0,347 0,456 0,082 0,121 1,672 0,022 0,016 In 100 Trockensubstanz wurden ferner gefunden: Blätter. Fett 3,40 Eiweisskörper 16,35 Rohfaser 29,71 Mineralstoffe 6,06 Stickstofffreie Extraktivstoffe 44,48 II. Stengel. 1,94 7,06 49,83 3,86 37,31 III. Schoten. 0,96 5,79 52,82 2,16 38,27 IV. Samen. 6,76 34,37 17,46 4,02 37,39 Verhältnisa Nh : Nl (1 Fett =2,5 Stärke gerechnet) = 1 100,00 5,05 100,00 13,02 100,00 1U0,00 16,13 2,08 Die Bestimmung der organischen Bestandtheile geschah nach der von Henneberg angegebenen Methode der Analyse von Futterstoffen (Landw. Versuchsstat. Bd. 6). Die Aschen -Analysen No. L, II. und III. wurden von Reich aus- geführt. Ueber die Beschaffenheit des Bodens, auf welchem das benutzte Untersuchungs- material gewachsen war, sind keine näheren Angaben gemacht. Analyse der essbaren Kastanien, von E. Dietrich.*) Prozent. Nicht trocknendes fettes Oel 1,750 Zucker 0,415 Stärkemehl 29,920 Proteinsubstanz 3,260 Zellgewebe nebst Gummi, Harz, Bitterstoff, eisengrünender Gerbsäure, Aepfel-, Citronen- und Milchsäure 15,905 Wasser 48,750 100,000 *) Chem. Centralblatt. 1867. S. 271. Analyse der essbaren Kastanien. 5* 68 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Die frischen schalenfreien Kerne hinterliessen 1 ,443 Proz. (auf wasser- freie Substanz bezogen 3,021 Proz.) Asche. In 100 Theilen Asche wurde gefunden : Chlornatrium 0,68 5,25 Kali .... 44,69 Kalk .... 3,05 Magnesia . . 5,89 Thonerde . 0,09 Manganoxydul . 0,13 Eisenoxyd 0,11 Schwefelsäure . 3,04 Phosphorsäure . 14,29 Kieselsäure . . 1,21 Kohlensäure . . 21,17 Analysen von Maulbeer- blättern. E. Eeichenbach untersuchte 8 Sorten Maulbeerblätter von sehr entfernten Standorten, und zwar stammte No. 1. aus Verolanova in der Provinz Brescia. Das Laub war jung, kräftig und saftig grün, von 12 Centimtr. mittlerer Länge und 9,5 Centimtr. Breite. No. 2. aus Alais im französischen Departement du Gard. Grosse, reife Blätter, die im Durchschnitt 15 Centimtr. lang und 12 Centimtr. breit waren. No. 3. 4. und 5. aus Tortona im Piemontesischen ; starke, reife, dunkel- grüne und nicht sehr grosse Blätter von 10 Centimtr. mittlerer Länge und 8 Centimtr. mittlerer Breite. Die drei Sorten waren äusserlich uicht zu unterscheiden. No. 6. und 7. aus Japan. Blätter schmal, lang, von kräftigem Aussehen, sehr entwickelt und vollständig ausgewachsen. Mittlere Länge 13 Centimtr. und Breite 7 Centimtr. Beide Sorten sahen sich sehr gleich. No. 8. aus China. Grosse, gelbgri'me und ausgewachsene, starke und feste Blätter. Ein Blatt, das noch nicht das grösste war, hatte 17 Centimtr. Länge und 13,5 Centimtr. Breite. Die Analyse ergab : Pro 100 Theilo trockner Blätter. No. 6. No. 7. No. 8. No. 5. No. 4. No. 3. No. 2. No. 1. Stickstoff . . 3,23 3,36 3,13 2,34 2,34 2,49 2,38 3,36 Asche . . . 12,59 13,58 13,53 14,17 14,45 14,67 11,96 11,34 *) Annalen der Chem. u. Pharm. Bd. 143 S. 83. Nähere Pflanzenbe.standtheile und Asclienanalysen 69 Pro 100 T hei le Asche. No. 6. No. 7. No. 8. No. 5. No. 4. No. 3. No. 2. No. 1. Kali. . . . Natron . . Kalk . . . Magnesia . . Phosphorsäure Kieselsäure . Schwefelsäure Kohlensäure . Eisenoxyd . . Chlor . . . Chlornatrium . 22,38 1,76 28,28 5,48 . r >,% 30,65 1,65 6,17 0,72 1,55 2,54 23,04 1,23 28,23 5,36 5,15 31,06 1,94 4,46 0,81 1,73 2,85 22,74 0,52 26,59 7,29 4,68 33,56 1,48 3,89 0,86 2,84 4,67 21,55 0,77 31,91 3,31 3,54 29,75 1,59 11,42 0,98 0,86 1,40 14,76 1,45 32,12 3,19 3,14 33,64 1,71 10,58 0,83 1,12 1,83 14,99 0,71 32,99 2,79 3,94 32,31 1,43 s,43 1,75 0,91 1,49 23,65 2,35 34,48 3,75 4,46 17,28 2,11 14,77 0,92 1,29 2,11 22,26 1,24 28,94 5,70 7,26 24,26 2,74 6,21 0,80 1,29 2,11 Verhältniss P0 5 : N = 1 : 4,1 4,6 4,8 4,1 4,6 4,0 4,0 4,0 Die Analysen waren angestellt worden, um den Beweis für die Richtigkeit der Liebig'schen Behauptung, dass die Qualität des europäischen Futters nur unvollkommen für die Ernährung der aus China und Japan importirten Seidenraupen genüge und dass die Ursache für die unbekannte Krankheit der Raupen in dieser ungenügenden Qualität des Futters zu suchen sei. Verfasser hält durch die vorstehenden Analysen den Beweis für geliefert. (Siehe auch unter „Thier- ernährung.") Aschen- Aschen-Analyse von Hopfen, von Werner.*) Nach Ab- cnairnn zng von Kohlensäure, Kohle und Sand wurden in 100 Theilen Asche Ton H °p fen - gefunden : Kali . . Natron . . Kalk . . Magnesia . Eisenoxyd Manganoxyd Phosphorsäure Schwefelsäure Chlorkalium . Chlornatrium . Kieselsäure . Neu-Tomysler Hopfen. 44,11 2,82 13,07 1,62 0,78 19,21 Spuren. 4,33 14.06 Böhmischer Hopfen. 39,62 0,92 19,16 3,07 0,87 17,02 2,01 5.00 12,33 In 100 Theilen sandfreier Trockensubstanz wurden gefunden Asche (incl. Kohlensäure und Kohle) : Neu-Tomysler Hopfen : 9,87 Proz. Böhmischer Hopfen : 6,11 Proz. *) Landvvirthschaftl. Anzeiger. 1867. No. 28. organischen Materien. 70 Nähere Pflanzenbestandthcilt: und Aschenanalysen. ueber das Ueber das Vorkommen des thätigen Sauerstoffs in orga- yorkommen n i sc hen Materien, von Schönbein.*) — Gestützt auf die Beobach- des thätigen * Sauerstoffs ™ng, dass verschiedene Theile vieler Pflanzen, z. B. die Blätter von Leon- todon etc. beim Zusammenstossen mit Wasser eine Flüssigkeit liefern, welche angesäuerten Jodkaliumkleister auf das Tiefste bläuet, hatte Ver- fasser früher die Anwesenheit von Nitriten in solchen Gewächsen be- hauptet, glaubt aber jetzt auf Grund der neueren Beobachtung, dass die Blätter von Leontodon, wenn man sie gleich unter verdünntem ange- säuerten Jodkaliumkleister — also bei Ausschluss des atmosphärischen Sauerstoffs — zerstampft, diese Reaction nicht geben, jene Behauptung widerrufen, und statt der Nitrite die Gegenwart einer organischen Sub- stanz in jenen Pflanzen annehmen zu müssen, welche die Fähigkeit hat, den Sauerstoff der Luft in den thätigen Zustand zu versetzen. Stampft man die Blätter von Leontodon, Lactuca, Senecio etc. einige Minuten lang mit der fünffachen Menge destillirten Wassers zusammen, so hat die ab- filtrirte Flüssigkeit die Eigenschaft, Guajaktinktur augenblicklich bis zur Undurchsichtigkeit tief zu bläuen und Wasserstoffsuperoxyd unter Entbin- dung von Sauerstoff zu zersetzen. Der in der Flüssigkeit enthaltene thätige Sauerstoff verschwindet in einigen Stunden von selbst unter Bräunung der ursprünglich gelben Flüssigkeit; durch Einwirkung des direkten Sonnenlichts oder erhöhter Wärme, sowie durch kleine Mengen schweflichter Säure, Eisen- vitriol, Pyrogallussäure, Brasilin, Hämatoxylin, Anilin oder Blausäure wird derselbe sofort zerstört. Welcher Natur die organische Verbindung ist, welche die ozonisirenden und katalysirenden Eigenschaften besitzt, ist noch nicht festgestellt, doch weist Verfasser nach, dass alle die geschil- derten Reactionen sich auch mit Blutkörperchen erhalten lassen. ueber das Ueber das Vorkommen des Natrons in den Pflanzen, von vorkommen p e lig- t.**) — Der Umstand, dass die hunderte von Analysen, die von des Natrons ° ' ' J > in den Pflanzenaschen ausgeführt sind, bald viel, bald wenig, bald gar kein Na- pfianzen. tron in ein und derselben Pflanze angeben und dass bei den gebräuchlichen analytischen Methoden das Natron immer indirekt bestimmt wird, veran- lasste Peligot, diese Basis in verschiedenen Pflanzen einmal auf direktem Wege aufzusuchen. Was die eigenthümliche Methode betrifft, deren er sich hierzu bediente, sehen wir uns genöthigt, auf das Original zu ver- weisen und begnügen uns, hier das erhaltene Resultat kurz anzuführen mit der Bemerkung, dass zu jeder Untersuchung 200 bis 300 Grm. Sub- stanz verwendet wurden. Es wurde kein Natron gefunden in: Weizen (Stroh und Körner), Hafer (Stroh und Körner), Kartoffeln (Kraut und Knollen), Eichenholz, Buchenholz, Tabackblättern, Maulbeerblättern, Päonien- und Ricinusblät- *) Zeitschrift für Biologie. 1867. S. 325. **) Comptes rendus. Bd. 65. S. 729. Nähere Pflauzenbestandtheile und Asclienanalysen. 71 tern, Bohnen, Weinreben, Mauerkraut, Gyspophila pubescens, Pastinak (Kraut und Wurzeln). Dagegen wurde Natron gefunden in den meisten Atripliceen und Che- nopodeen, die auf demselben Boden, wie die vorher genannten Pflanzen, wuchsen. In der Melde, in Atriplex hastata, Chenopodium murale und in der Kunkelrübe ergaben sich bemerkenswerthe Mengen von dieser Basis, ebenso in den zu andern Familien gehörigen Mercurialis und Zostera. Dass aber wiederum der Natrongehalt nicht eine spezifische Eigen- thümlichkeit der botanischen Familien ist, beweist der Umstand, dass Chenopodium Quinoa und Spinat frei von Natron gefunden wurden. Wenn man das ganz allgemeine Vorkommen des Natrons in Gesteinen, Wassern, und Bodenarten einerseits und die grosse Fähigkeit der Pflanzen, Natronsalze zu assimiliren andrerseits in Erwägung zieht, so muss das von Peligot erhaltene Resultat höchst überraschend erscheinen und dürfte eine Wiederholung resp. Fort- setzung der Arbeit von Interesse sein. Zur Methode des Verfassers sei deshalb noch kurz bemerkt, dass die Alkalien wie gewöhnlich durch Barryt getrennt, dann in schwefelsaure Salze umgewandelt und zur Krystallisation gebracht wurden. Nach Abscheidung des gröbsten Theils des schwefelsauren Kalis wurde die Mutterlauge abgegossen und der freiwilligen Verdunstung überlassen. Wenn hierbei nicht eine Efflorescenz von den bekannten Glaubersalz - Krystallen erschien und sich nur die durchsichtigen Prismen des schwefelsauren Kalis abschieden, glaubte Verfasser auf Grund einer Anzahl kontrollirender Bestimmungen die gänzliche Abwesenheit des Natrons als genügend konstatirt ansehen zu dürfen. Calvert*) wurde veranlasst, eine Baumwollenprobe auf darin ver- Gegenwart muthete Verunreinigungen zu prüfen ; er konnte diese nicht nachweisen, von fand aber statt dessen in der Baumwolle eine bemerkenswerthe Menge in p hosphaten Wasser löslicher Phosphorsäure. Um die Allgemeinheit dieses in der Vorkommens zu prüfen, verschaffte sich Verfasser sieben Proben sorgfältig Baunawo,lfin - gekrempelter Baumwolle aus verschiedenen Gegenden der Welt und konnte aus denselben mit blossem Wasser ausziehen an Phosphorsäure: Prozent. Aus ägyptischer Baumwolle 0,055 „ Orleans- „ 0,049 „ Bengal- „ 0,055 „ Surat- ,, 0,027 „ Carthagena- „ 0,035 „ Macao- „ 0,050 , Cyprus- , 0,050 Die Phosphorsäure war an Magnesia gebunden und dasselbe Phos- phat liess sich auch nachweisen in den wässrigen Auszügen von Weizen, Bohnen und den Kernen von Nüssen und Wallnüssen. *) Chem. Centralblatt. 1867. S. 831. Nach Journ. Chem. Soc. 1867. June. 72 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. Gehalt der landwirt- schaftlichen Kultur- pflanzen an Salpeter- säure und Stickstoff. lieber den Gehalt der landwirtschaftlichen Kultur- pflanzen an Salpetersäure und Stickstoff in verschiedenen Entwicklungsstadien lieferte Frühling*) eine umfassendere Arbeit. Das Verfahren war folgendes. Von den mit aller Sorgfalt getrockneten Pflanzen wurden 100 bis 700 Grm. zerkleinert und mit 50 prozentigem Alkohol ausgezogen. Nach Verjagung des Alkohols wurde das Extrakt heiss mit Kalkmilch versetzt und der entstehende Niederschlag entfernt, dann der Kalküberschuss mit Kohlensäure weggeschafft, wobei sich wieder eine Quantität organischer Stoffe auschied und endlich nach erfolgter Fil- tration in dem passend konzentrirten Extrakt die Salpetersäure nach der Schlösing'schen Methode bestimmt. Die Brauchbarkeit und Vortrefflich- keit dieser Methode wurde durch Vergleichung mit andern Verfahren und durch eine grosse Anzahl Kontrolebestimmungen festgestellt. Der Gesammt- stickstoffgehalt wurde nach der gewöhnlichen Methode mittels Titriren ge- funden. Es wurde erhalten immer im Mittel von zwei Bestimmungen: Art der Pflanze. \ Vegetations- stadium. Tag Höhe der Pflanze. Centimtr. In Proz. der Trockensubstanz. Gesammt- Salpeter- Protein- stickstoff. I säure. gehalt.**) Rothidee . Esparsette Luzerne Weizen . Hafer . . Gerste . Kartoffel Zuckerrübe , vor der Blüthe •! während „ ' vor der Reife , vor der Bl. ■j während „ l vor der Reife r vor der Bl. I während „ , vor der Bl. ! während „ *■ vor der Reife {vor der Bl. während „ vor der Reife , vor der Bl. während „ 1 vor der Reife # vor der Bl. < während „ ' vor der Reife {vor der Bl. während „ vor der Reife / z I / vor der Bl. Badischer Maisj während „ ' vor der Reife Felderbse Linse . . , vor der Reife während d. Bl. I vor der Reife 17. Mai 3. Juni 12. Juli 17. Mai 1. Juni 23. „ 17. Mai 1. Juni 25. Mai 9. Juni 17. Juli 17. Mai 1. Juli 23. „ 19. Juni 17. Juli 10. Aug. 19. Juni 13. Juli 24. Juli 20. Juni 14. Juli 16- Aug. 19. Juni 17. Juli 17. Aug. 12- Juni 8. Aug. 3. Sept. 19. Juni 19 , 15. Juli 20-25 45-50 55 25-30 40-45 55 25-30 45 30-35 60-75 60—75 30—35 60—85 80-90 25-30 bis 75 bis 80 25-30 50-60 bis 60 35-40 bis 60 70-75 Blattfläche 18-16 Cm. lan; bis 50 80—90 100—120 bis 45 30 bis 40 3,3906 0,0061 3,2449 0,0042 1,5961 0,0031 3,5338 0,0017 3,0359 0,0010 2,0308 Spur 3,4626 0,0043 3,0616 0,0034 1,8763 0,0043 1,7356 0,0076 1,2123 0,0015 3,5298 0,0039 1,6445 0,0223 0,8502 0,0026 3,3128 0,0449 1,3954 0,0121 1,0606 0,0068 2,4818 0,0200 1,9565 0,0736 1,7128 0,0191 4,0147 0,5500 3,8025 0,1040 3,0159 0,3902 4,0998 0,5972 1 3,7589 1,6023 ! 3,4622 0,2821 3,7054 0,5512 1,9142 0,1061 1,3297 0,0135 2,4077 0,0047 1,7780 0,0020 1,6129 Spur 21,181 20,274 9,971 22,082 18,973 12,693 21,634 19,129 11,720 10,835 7,574 22,055 10,242 5,309 20,633 8,702 6,618 15,478 12,109 10,674 24,201 23,598 18,218 24,656 20,898 21,182 22,266 11,792 8,240 15,041 11,109 10,081 *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 9 u. 150- **) Aus dem Gesammtstickstoff nach Abzug des N der NO B mit dem Faktor 6,25 berechnet. Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. 73 Die Quantität der in den Rüben, Kartoffeln und dem Mais gefundenen Salpetersäure beweist, dass die gewohnte Umrechnung des Gesammt-Stick- stoffs in Eiweisskörper bei Pflanzenanalysen unter Umständen zu recht be- merkenswerthen Fehlern führen kann. Einige Bestimmungen von Salpetersäure und Ammoniak Bestimmung in Rübengewächsen bieten auch Hugo Schultze und Ernst s J " ter Schulze*) in ihren „Beiträgen zur Kenntniss der Zusammensetzung und S ä ure des Nährwerthes der Rüben," welche mit den vorstehenden Frühling'- und sehen gut übereinstimmen. Sie bestimmten Salpetersäure und Ammoniak Amm ° niak nach den von Schlösing angegebenen Methoden und zwar letzteres, um Küben . vor Fäulniss des Untersuchungsobjekts gesichert zu sein, immer in dem gewachsen, mit Bleiessig geklärten Rübensaft. Es wurden gefunden Salpetersäure Gelbe Futterrunkeln von 1866 aus dem Garten der Versuchs-Stat. Desgl. von Klostergut Weende aus 1865 und 1866 .... Desgl. aus Dorf Weende Steckrüben aus Wasserleben Desgl. aus dem Garten . Gelbe Möhren Weisse Riesenmöhren . . . Futterrunkeln Steckrüben . Möhren . in 100 Trocken- substanz. in 100 Theilen frischer Rübe. 1,320-3,128 0,120- (?) 0,655—0,902 0,821-2,050 0,150 0,669-0,863 0,270 0,134-0,165 Ammoniak in 100 Rübensaft. 0,0084-0,0233 0,0063-0,0172 0,0159—0,0285 0,058-0,075 0,076-0,178 0,012 0,057—0,065 0,048 0,021-0,023 Betreffs der Methode stösst uns das Bedenken auf, ob nicht durch die Be- nutzung des Bleiessigs auch ein Theil des Ammoniaks aus der Lösung entfernt worden sein könnte, und wir gestehen, dass es uns immer Wunder genommen hat, warum man sich nicht ganz allgemein bei der Bestimmung des Ammoniaks in pflanzlichen Stoffen der Methode bedient, die Boussingault zur Bestimmung des Ammoniaks im Harn anwandte und die alle Garantie für richtige Resultate zu bieten scheint. Ueber den Ammoniak- und Salpetersäuregehalt der Ge- ueberden treidekörner, von Ho saus.**) — Verfasser hat sich überzeugt, dass Ammoni » k - seine Methode zur Bestimmung der Salpetersäure und des Ammoniaks "g ur eg e han (mittels Kochen mit alkoholischer Kalilauge und Reduktion durch Zink der und Eisen) ihm früher zu hohe Resultate geliefert hat und wiederholte Getreide - ° kbrner. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 444. **) Annalen der Landwirtschaft. Bd. L. S. 135« 74 Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalj-sen. seine Bestimmungen der beiden Stoffe in den Getreidekörnern mit der Ab- änderung, dass er die Körner erst mit Wasser auszog, dann das Eiweiss aus der Lösung durch Kochen auschied und nun erst die Lösung der De- stillation mit Kalilauge unterzog. Er erhielt jetzt geringere Zahlen, als wenn (wie in der ersten Arbeit) die Getreidekörner direkt mit Kali ge- kocht wurden, und zwar fand er Ammoniak. Salpetersäure, in Weizen 0,079 Troz. 0,252 Proz. in Roggen 0,106 „ 0,337 „ in Gerste 0,085 „ 0,202 „ Als besonders interessant erscheint dem Verfasser, dass das Ammo- niak und die Salpetersäure in den Getreidkörnern in äquivalenten Verhältnissen auftreten. Betreffs der Methode wird noch erwähnt, dass die Abscheidung des Eiweisses aus der Lösung für das Eesultat voll- kommen gleichgültig und mithin überflüssig ist. Wir verstehen nicht recht warum der Verfasser mit solcher Zärtlichkeit an einer Methode, die zu gegründeten Einwendungen Veranlassung giebt, hängen bleibt, da doch andere tadellose Methoden vorliegen. Denn es ist wohl nicht zu leugnen, dass sich auch in der wässrigen Lösung und in dieser auch nach dem Kochen noch gewisse stickstoffhaltige organische Verbindungen vorfinden , deren Beständigkeit in kochender Kalilauge erst noch eines Beweises bedürfte. üeber das Busse*) weist nach , dass das Dextrin keineswegs ein in den vorkommen pflanzen ausgebreiteter Stoff ist. Er fand in jungen Weizen- _ vo " pflanzen einmal. 'A Prom. Dextrin, ein ander Mal keins. In frischen und Dextrin 7 in den in ausgehülsten Weizenkörnern, Koggenkörnern, in Gerstekörnern ebenfalls pflanzen, kein Dextrin; in Haferkörnern wenig, in neuen Kartoffeln und in Kar- toffeltrieben keins, in vorjährigen Kartoffeln wenig; in Boletus cervinus keins und in Galläpfeln ebenfalls keins. Auch Heinrich traf bei seiner Arbeit über den Stoffwechsel der Weizen- pflanze (s. unten) diesen Stoff in keinem Organe und zu keiner Zeit an. Rohrzucker Du b r unfaut**) wurde durch die Wahrnehmung, dass die auf Spi- in den ritus verarbeiteten Topinamburknollen im Herbst schlecht vergohren, wäh- Topinambur- reQ( j s ^ zu ~E n te ^ -yy^gj-g leicht und reichlich Alkohol lieferten, knollen. veranlasst, dieselben zu verschiedenen Zeiten einer näheren Prüfung zu unterziehen und fand, dass die im September geernteten Knollen vorzugs- weise Inulin enthielten und einen stark linksdrehenden Saft lieferten, wäh- rend der Saft der im März oder April geernteten Knollen das polarisirte Licht stark rechts drehte und reich war an Rohrzucker und einer optisch indifferenten und krystallisirbaren Zuckerart. *) Chem. Centralblatt. 1867. S. 271. xN'ach Archiv f. Pharm. Bd. 127. S. 214. »•) Comptes rendus. 1867. No. 14. Nähere Pflnnzenbestandthelle und Aschenanalysen. 75 In dem Samen der Euphorbia lathyris bestimmte Muth*) Oeigehait den Gehalt an Pflanzenfett und fand in 100 Theilen 46 Theile der Samen von Euphor- fetteS Oel . bia latbyris. Allemann**) untersuchte das fette Maisöl. Das Oel war ge- ueber das sättigt rothgelb , hatte Geruch und Konsistenz des Olivenöls und einen fette Ma,so1 - süsslichen Geschmack; es gestand nicht leicht in der Kälte und erlitt an der Luft nur langsam eine Veränderung. Durch Verseifung Hessen sich neben der gewöhnlichen Oelsäure zwei feste Fettsäuren abscheiden, von denen die eine bei 69° — 70° schmolz und bei der Analyse Zahlen gab, welche einigermassen zu der Zusammensetzung der Stearinsäure stimmen; die andere schmolz bei 62° und war nach der Analyse Palmitinsäure. Sostmann studirte den Farbstoff, der sich in dem Rüben- ueber den safte***) beim Stehen desselben an der Luft und beim Kochen mit Kalk- Farbstoff zusatz bildet und glaubt denselben auf Grund der erhaltenen Eeactionen als Huminsäure annehmen zu sollen, die sich durch allmähliche Oxydation aus einem in der Rübe farblos vorhandenen Körper bildet. Näheres siehe unter „Zuckerfabrikation." Zur Kenntniss der Korksubstanz, von Siewert. f) — Ver- zur Kennt- fasser, welcher sich das Studium des Suberins zum Vorwurf genommen niss der hat, macht vorläufig Mittheilung über das Alkoholextrakt, das sich aus dem substanz . Kork erhalten lässt. — Theils bessere Korke, theils die im Handel käuf- lichen grossen Rindenstücke wurden auf dem Wasserbade mit Alkohol von 95° Tr. ausgekocht und so ein Extrakt dargestellt, welches stets 10 Prozent der angewandten Korkmenge betrug. Das Extrakt konnte geschieden werden in • Prozent. 1) Krystallisirtes Cerin 1,75 2) Nicht krystallisirbare fette Säure 2,50 3) Nicht krystallisirbare fettähnliche Substanz .... 2,25 4) In Wasser lösliche Gerbsäure 2,50 5) Aus der Gerbsäure-Lösung beim Erkalten abgeschie- dene Substanz 1,00 # 10,00 Die Analyse dieser 5 Produkte führte zu folgenden Zahlen und Formeln (wir behalten die Schreibweise des Verfassers bei): *) Centralblatt für die gesammte Landeskultur. 1867. S. 376. Nach Baden. Woch. B. **) Chemisches Centralblatt. 1867. S. 1024. — Wiener Sitzungsberichte. Bd. 56. S. 185. ***) Zeitschrift d. Ver. f. d. Rübenzucker-Industrie. 1867. S. 56. t) Zeitschrift f. d. gesammten Naturwisseusch. 1867. S. 129. 76 Nähere Pfianzenhestandtheile und Aschenanalysen. 1) Cerin, für welches Verfasser den neuen Namen Phellylalkohol vorschlägt Gn H28 ©• Gefunden Berechnet (Mittel aus 8 Analysen) €\ 7 H 28 © € = 82,30 82,25 H = 11,39 11,29 Q = 6,31 6,46 2) Die nicht krystallisirhare Säure, welcher Verfasser den Namen Dekacrylsäure giebt Gio His ©2 Gefunden Berechnet (Mittel aus 6 Analysen) do H, g © 2 C = 70,11 79,59 H = 10,89 10,59 € = 19,00 18,82 3) Die nicht krystallisirhare fettähnliche Substanz gab im Mittel von 5 Analysen C 77,08 H 10,04 © 12,88 Verfasser glaubt als die passendste Formel dafür G24 H36 ©3 an- nehmen zu sollen und giebt der Substanz den Namen Eu lysin. 4) Die in Wasser lössliche rothe Gerbsäure wurde als saures Kalksalz erhalten und enthielt bei 100° getrocknet € 48,35 H 3,87 Ca 2,54 © 45,24 entsprechend der Formel Gn H21 (Ca) ©n + 2 Ho 0. Da die nur unter der Luftpumpe getrocknete Substanz bei 100° C. getrocknet circa 5 pCt. Gewichtsverlust ergab, so ist für die ursprüng- liche Substanz die Zusammensetzung G>-, lh\ (Ca) 0|- -f- 4 H2 © an- zunehmen. % 5) Das aus der wässrigen Lösung des Alkoholextrakts beim Erkalten ausgeschiedene zimmt farbige Pulver konnte nicht ganz aschefrei er- halten werden. Verfasser fand darin im Mittel von fünf Analysen € 56,83 H 4,02 © 38,42 Asche 0,73 und schlägt dafür den Namen Corticinsäure mit der Formel Gn H10 ©r, vor. Nähere Pfianzenbestandtheile und Aschenanalysen. 77 Ueber das Lupinin, von Eichhorn.*) — Es gelang dem Ver- fasser, das Lupinin aus dem Samen der blauen Lupine rein und zwar mit folgenden Eigenschaften zu erhalten : Der Bitterstoff ist ein in Wasser und Alkohol leicht lössliches, in Aether unlössliches, stickstoffhaltiges Al- kaloi'd von stark alkalischer Reaction und intensiv bitterem Geschmack. Aus seinen Auflösungen wird er durch Gerbsäure als weisser, durch mo- lybdän-phosphorsaures Natron als ein hellgelber voluminöser Niederschlag gefällt. Aus Alkohol konnte das Alkaloi'd nicht krystallisirt erhalten werden, sondern trocknete zu einer hellgelben gummiartigen spröden Masse ein, welche bei 100° C. getrocknet bei der Verbrennung mit Natronkalk 8,38 °/<> Stickstoff lieferte. Das schwefelsaure Lupinin krystallisirt in schönen durchsichtigen, tafelförmigen und farblosen Krystallen. Die Lösung dieses Salzes reagirt neutral und schmeckt intensiv bitter. Verfasser empfiehlt folgenden Weg zur Darstellung des Lupinins. Ge- schrotene Lupinenkörner werden mit Alkohol extrahirt, der Alkohol ver- jagt, der Rückstand in Wasser gelöst und erst mit Bleizuckerlösung, dann mit Bleizuckerlösung und Ammoniak gefällt; das Filtrat wird nach Ent- fernung des Bleioxyds durch Schwefelwasserstoff und des Ammoniaks durch Kali oder Natron mit molybdän-phosphorsaurem Natron gefällt, der Nieder- schlag gesammelt, ausgewaschen, in Wasser aufgerührt und mit Barythy- drat zersetzt, der unlösliche phosphorsaure und molybdänsaure Baryt ab- filtrirt und das überschüssig hinzugefügte Barythydrat durch Kohlensäure ausgefällt, abfiltrirt und das Filtrat verdampft. Der erhaltene Rückstand wird dann in Alkohol gelöst und die Lösung liefert nun bei freiwilliger Verdunstung das reine Lupinin. Gelegentlich macht Verfasser noch auf einen Stoff aufmerksam, wel- cher in der mit Bleizucker und Ammoniak erhaltenen Fällung sich vor- findet, grosse Aehnlichkeit mit Dextrin hat und sich im polarisirten Licht rechts drehend verhält, aber in verdünntem Alkohol leicht und selbst in solchem von 90° Tr. noch, wenn auch etwas schwieriger löslich ist. Ueber das Lupiuiu. Ueber einige Bestandteile des Roggensamens, von Ritt- hausen.**) — Bei seiner Untersuchung über die Bestandtheile des Rog- gensamens (vergl. Jahresbericht 1866 S. 104) fand Ritthausen neben den a. a. 0. genannten Proteinstoffen ein Gummi, welches in Wasser und verdünntem Weingeist (bis 50 Proz. Tr.) in der Kälte und Wärme löslich ist. Bei einiger Konzentration ist die Lösung in der Kälte dickflüssig oder schleimigflüssig. Mit Kupfervitriol und Kali wird ein voluminöser hell- blauer Niederschlag erhalten, der in überschüssigem Kali unlöslich und in der Hitze unveränderlich ist. Auf polarisirtes Licht wirkt das Gummi nicht, liefert aber bei anhaltendem Kochen mit verdünnter Schwefelsäure Im Wein- geist lösliches Gummi, Cholesterin und Palmitin- säure als Bestand- theile des Roggen- samens. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 272. **) Journal f. prakt. Chemie. Bd. CIL S. 321. IO Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. einen stark rechts drehenden Zucker. Als Formel für das Gummi wurde C, 2 H 10 O 10 gefunden. Der Körper wird einfach und nahezu rein erhalten, wenn man Eoggenmehl mit 50 prozentigem Weingeist übergiesst und die völlig klare mit dem Heber abgezogene Lösung mit viel starkem Alko- hol ausfällt. Aus dem Gemenge von Fetten, welche das ätherische oder heisse alkoholische Extrakt der Roggensamen liefert, wurden vorläufig zwei Ver- bindungen abgeschieden und untersucht; sie erwiesen sich als Cholesterin und Palmitin. Beide Körper finden sich nur in sehr geringen Mengen im Eoggensamen; die Hauptmasse des ätherischen Auszugs besteht aus einem flüssigen Fette, doch scheint neben dem Palmitin auch noch ein anderes festes Fett darin vorzukommen. Die Abwesenheit von Stearin wurde konstatirt. Ueber Ueber einige Gerbsäuren und die Beziehungen der Gerb- einige Gerb- säur Glykosid piobaphene und Harze, von Hlasiwetz.*) — sauren und / die Be- Mehrere Pflanzenphysiologen haben die Ansicht ausgesprochen , dass die Ziehungen Harze in den Pflanzen aus einer Umsetzung der Cellulose hervorgehen, säuref GHy- ^ as Zw i SCüen güed dieser Umsetzung soll Gerbstoff, das Endglied derselben koside, pio- Harz sein, welches dann als Auswurfsstoff zu betrachten ist, dem im Leben baphene u. <} es Organismus keine weitere Rolle mehr zukommt. Diese Ansicht und die Erwägung, dass der Begriff „Gerbstoff" chemisch genommen etwas ebenso Unbestimmtes ist, wie „Harz" oder „ätherisches Oel," bestimmten den Verfasser, die eingehendere Untersuchung einer Anzahl Gerbstoffe theils selbst vorzunehmen, theils zu veranlassen. Die Hauptresultate dieser Ar- beiten sind kurz folgende: Die Kaffeegerbsäure ist ein Glykosid und zerfällt bei 3 A stündi- gem Kochen mit 5 Theilen Kalilauge von 1,25 spez. Gew. in Kaffeesäure und einen Zucker, dessen Formel wahrscheinlich €« Hio 4 ist. Schmilzt man die Kaffeesäure mit Kalihydrat, so zerfällt sie in Protokatechusäure und Essigsäure. Verfasser stellt die Kaffeesäure in folgende Reihe: C 9 H r §, HO Zimmtsäure C 6 H 9 0, 2 H Curaarsäure € 9 H 5 O, 3 HO Kaffeesäure C T H 5 0, H0 Benzoesäure € 7 H 4 0, 2 H Salicyls'äure C 7 H 3 0, 3H0 Protocatechusäure. Die Säuren der ersten Reihe verwandeln sich durch Oxydation mit schmelzendem Kali in die der zweiten unter gleichzeitiger Bildung von Essig- säure. (Hlasiwitz). — Die Chinagerbsäure zerfällt beim Kochen mit verdünnter Schwe- felsäure in Traubenzucker und Chinaroth = € 28 H 22 0, 4 - Das Letztere giebt mit schmelzendem Kali oxydirt Protocatechusäure und daneben Essigsäure und eine gewisse Menge eines braunen humusartigen Produkts. (Remb ol d) *) Annälen der Chemie und Pbarmacie. Bd. 143. S. 270. Kähere Pflnnzenbestandtheile und Aschenannlysen. 79 Die Chinovagerbsäurc lieferte bei derselben Behandhing Zucker und Chinovaroth und aus letzterem weiter Protokatechusäure. (Rembold). Die Katanhiagerbsäure zerfällt beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in einen zuckerartigen Körper und ein rothes amorphes Harz, Ratanhiaroth €•« H« 9 U . Das Ratanhiaroth, mit Aetzkali in der Hitze be- handelt, giebt Phloroglucin und Protokatechusäure. (Grabowski). Die Filixgerbsäure gab mit verdünnter Schwefelsäure gekocht einen Zucker von der Zusammensetzung C 8 H l2 & 6 und Filixroth = € 56 H| g Qi2. Das Filixroth zerfiel unter der Einwirkung von schmelzendem Kalihydrat in Protocatechusäure und Phloroglucin. (Malin). Die Gerbsäure der Granatwurzelrinde liefert mit verdünnter Schwefelsäure behandelt einen Zucker € 6 H l2 ö 6 und Ellagsäure. — Wahr- scheinliche Formel für den Gerbstoff: € 20 H, 6 O j3 . (Rembold). An diese Resultate knüpft Hlasiwetz, indem er sie in Verbindung bringt mit dem Verhalten einiger anderer im Pflanzenreiche sehr verbrei- teter Verbindungen, deren Konstitution schon genauer bekannt ist, eine Reihe in hohem Grade anregender Betrachtungen, von denen wir unter Verweisung auf das Original einige wenige herausheben: Eine grosse Anzahl von Gerbsäuren lassen sich wie gewisse bekannte krystallinische Glykoside, z. B. Quercitrin und Rutin in Zucker, und andere organische Verbindungen spalten, welche wie das Quercetin, Maklurin, Luteolin, Skaporin, Katechin bei der Oxydation mittels Kali in Protoka- techusäure und Phloroglucin oder in Protokatechusäure und Essigsäure zer- fallen. Es wirft sich vor Allem die Frage auf, ob nun auch die Gerb- säuren wirkliche Glykoside sind. Die Thatsache der Zuckerbildung allein entscheidet die Frage nicht. Vielleicht lässt es sich in der Folge beweisen, dass parallel den eigentlichen Glykosiden, die Zuckerderivate sind, es Ver- bindungen giebt, die von Dextrin und Gummiarten abstammen. Voraus- sichtlich würden diese amorph sein, müssten aber bei der Behandlung mit Säuren gleichfalls Zucker liefern. Derartige Körper könnten die Gerb- säuren sein. Auch könnten sich manche dieser Verbindungen als Derivate desMannits erweisen, der sich so häufig neben Traubenzucker findet, und es Hessen sich dann folgende Gruppen unterscheiden : I. Glykoside. Geben bei der Spaltung Glykose. a) die Glykose und das zweite Spaltungsprodukt treten zu einem Molekül aus: Arbutin, Helicin, Ruberythrin, Salicin .... b) es wird mehr als ein Molekül Glykose abgespalten: Daphnin, Aesculin, Jalappin, Scammonin, Helleborin, Turpetin .... c) es wird ein Molekül Glykose, daneben zwei Moleküle anderer Verbindungen abgespalten : Populin, Benzohelicin, Gratiolin(?), Bryonin(?), Ononin .... öü Nähere Pflanzenbestandtheile und Aschenanalysen. II. Phloroglucide. Die durch Spaltung entstehende Zuckerart ist Phloroglucin : Phloretin, Quercetin, Maclurin, Luteolin, Catecbin, Filixsäure .... III. Phloroglykoside. Geben zwei verschiedene Zuckerarten, Glykose und Phloroglucin: Phloridzin, Quercitrin, Kobinin, Rutin .... IV. Gummi de. Liefern als Umwandlungsprodukt Glykose: Gerbsäuren (?) Carminsäure(?) V. Mannide. Die durch Spaltung erhaltene Zuckerart ist ein Derivat des Mannits. Cbinovin, Kaffeegerbsäure (?) VI. Stickstoffhaltige Glykoside. Amygdalin, Solanin, Indican, Chitin. Die Phloroglykoside scheinen die komplizirtesten stickstofflosen Ver- bindungen zu sein, welche die Natur im Pflanzenleben benutzt. Sie durch- wandern die Pflanze bis in ihre höchst entwickelten Theile und functioniren ohne Zweifel bei der Bildung der Blatt- und Blüthenfarbstoffe, indem sie dort wahrscheinlich eine Spaltung in jene einfachere Verbindungen erfah- ren, die auch künstlich aus ihnen darstellbar sind. Im Stamm und in der Kinde findet man sie dann zusammen mit Gerbstoffen, Phlorogluciden und einer Reihe von Verbindungen, die man Phlobaphene genannt hat. Die Phlobaphene sind braunrothe amorphe Substanzen, welche dieselben Zer- sersetzungsprodukte liefern, wie die aus manchen Gerbsäuren abspaltbaren Körper, z. B. das Chinaroth, Ratanhiaroth, Fichtenroth, und welche zwar nicht mit diesen identisch, doch gewiss desselben Ursprungs sind. Die Phlobaphen liefernde Substanz findet sich wahrscheinlich in der Form solcher Gerbsäuren in den Säften der Parenchymzellen; jene Partien der- selben, welche in die nach aussen gelegenen, mehr mit der Luft in Be- rührung befindlichen Zellschichten (Epidermis und äussere Rindenschicht) gelangen, werden dort zersetzt und scheiden Phlobaphen aus, so wie sich diese Körper ausscheiden, wenn man die Gerbsäurelösungen an der Luft stehen lässt. Ueber die Abstammung der Harze aus den Gerbsäuren lässt sich nach dem jetzigen Stande der chemischen Forschungen noch nicht einmal eine Vermuthung aufstellen. Als ganz unwahrscheinlich erscheint sie dem Ver- fasser nicht, da nicht nur durch ihre Ausserlichkeiten, sondern auch durch ihre Zersetzungsprodukte manche Harze und Gerbstoffe eine Beziehung zu einander zu erkennen geben. In der letzten Beziehung ist eine Notiz von Roc nieder nicht uninteressant *), nach welcher er bei einer gewissen Behandlung des Gerbstoffes aus Kastanienrinde *) Chem. Centralblatt. 1S67. S. 972. Nähere Pflanzenbestandtheile und Ascbenanalysen 81 diesen Körper sich in eine rothbraune, durchscheinende, der Aloe soccotrina ganz ähnliche, in der Wärme weiche, in der Kälte spröde Masse umwandeln sah. Unter kaltem Wasser zerfiel die Substanz zu einem Mass rehfarbenen Pulver, das sich in Alkohol mit rothbrauner Farbe löste und beim Verdunsten wieder als harzartiger Rückstand blieb. Die unter Wasser zerfallene Substanz besass nach dem Trock- nen im Yacuum über Schwefelsäure einen deutlichen Moschusgeruch. Dieses aus Gerbstoff entstandene Harz war wie der Gerbstoff selbst zusammengesetzt, lieferte dieselben Zersetzungsprodukte und war überhaupt nichts als eine in Wasser un- lösliche isomere Modifikation desselben. Roc bieder erscheint es demnach mög- lich, dass die unter dem Mikroskop beobachtete Umwandlung des Gerbstoffes in Harz ein einfacher Uebergang des erstcren aus der löslichen in die unlösliche Mo- dification gewesen sei. Ueber Aesculus Hippocastanum und die Beziehungen der ueber Pflanzenstoffe zu einander, von Rochleder.*) — Auf Grund der Aesculus zahlreichen Untersuchungen von Pflanzenstoffen und des Studiums der num Zersetzungsprodukte derselben, welche in dem Prager Laboratorium eine und die Be- lange Reihe von Jahren hindurch ausgeführt sind, versucht Verfasser jetzt zlehun s en , der die Entstehungsweise und den genetischen Zusammenhang dieser Körper p flanzen . zu erklären. Als Ausgangspunkt der verschiedenen Um- und Fortbildun- Stoffe gen im Pflanzenkörper nimmt Köchle der 'zwei Stoffreihen an, von denen zu einander - er die eine die Fett-, die andere die aromatische Reihe nennt. Die erstere entwickelt sich aus der Oxal-, J^quiset, Aepfel-, Wein-, Citro- nensäure u. s. w. und ihr gehören die Kohlehydrate, Mannit, Dulcit etc. an; die zweite entwickelt sich aus der Benzoe-, China-, Gallussäure u. s. f. Durch die Verbindung einzelner Glieder aus beiden Reihen entsteht die zahllose Menge von stickstofflosen Pflanzenstoffen, zu denen die Saccharo- gene wie Salicin, Aesculin, Phloridzin etc. gehören. Durch Hinzutritt von Ammoniak mögen sich die organischen Basen, gewisse stickstoffhaltige Säuren und Körper wie das Asparagin bilden. Selbst die Bildung der Eiweiskörper dürfte auf die gleiche Weise zu erklären sein, da dieselben bei ihrer Oxydation sowohl Körper der Fett- als der aromatischen Reihe liefern; und vielleicht ist der Schwefel der Proteinsubstanzen auf beide Componenten vertheilt. Als specielles Beispiel giebt Verfasser die Erläuterungen der Bezie- hungen, welche zwischen den besonderen Bestandteilen stattfinden, die in der Rosskastanie in verschiedenen Entwicklungsperioden derselben von ihm aufgefunden sind. Er weisst nach, dass sich dieselben alle auf eine Funda- mentälreihe zurückführen lassen, deren Ausgangspunkt das Aesciglykol ist, indem man dieselben entweder als homologe Substanzen, oder als Substitutionsprodukte, oder als Verbindungen von Gliedern dieser Reihe mit andern Körpern betrachtet. Die Fundmentalreihe würde sich aus fol- genden Gliedern aufbauen: *) Wiener Sitzungsberichte. 1867. Juni und Juli. Chem. Centralblatt. 1867. S. 905 u. 972. Jabresbericbt X. 6 82 Nähere Pflanzenbestandtheile und Asclienanalysen. Glykol . . C4 He O4 Glykolal. . C* H* O t Glykolsäure C4 Hi Og Glyoxal . . C4 H 2 O4 Glyoxalsäure C4 H? 06 Oxalsäure . C 4 H 2 0, Aesciglykol . . Cu Hi u O4 Aesciglykolal . C14 Hg O4 Aesciglykolsäure C14 Hg Oe Aesciglyoxal . . Cu He 4 Aesciglyoxalsäure C14 H6 6 Aescioxalsäure . Cu Hß Og Das in den Samen gefundene Aescigenin ist Amyl-Aesciglykol C U H9 (C, H„) 4 ; das Aesculetin (C 18 H 8 8 ) Diformylaesciglykol ; der Gerbstoff der Rosskastanie ist eine Verbindung von Aesciglyoxalsäure mit Phloro- glucin; bei dem Behandeln des Quercetins mit Natriumamalgam erhält man die Aesciglykolsäure. Aus dem Aesculetin erhält man durch Einwirkung von Alkalien die Aescioxalsäure und durch Behandeln mit Natriumamalgam das Aescorcin oder Diformyl-Aesciglykolal). Das dem Aesciglykol homo- loge Aescigenin findet sich als Aescinsäure, Argyraescin und Aphrodaescin in den Kotyledonen. Die mannigfaltigen Bestandtheile der Pflanzen entstehen aus den Gliedern der mit d 4 H 6 6 beginnenden und mit Cu Hi 4 endenden Reihe durch Aufnahme von C 2 2 aus Kohlensäure und H aus Wasser. Weiter sei noch auf folgende A^ikel hingewiesen: Beiträge zur Kenntniss des Chlorophylls und einiger dasselbe begleitender Farbstoffe, von Askenasy. 1) Fluorescenzerscbeinungen als Ursache der Färbung von Pflanzentheilen , von B. Frank. 2) Analysen von Futtermöhren, von Ritthausen. 3 ) Die näheren Bestandtheile des Grünmaises, von Moser. 4) Siehe unter „Ana- lysen von Futterstoffen." Die näheren Bestandtheile des Grünbuchweizens, von Moser. 5 ) Ebendaselbst. 1) Botanische Zeitung. 1867. S. 225 u. 233. 2) Botanische Zeitung. 1867. S. 405. 3 ) Land- und forstwirthsch. Zeit, der Prov. Preussen. III. S. 28. 4) Allgemeine land- und forstwirthsch. Zeit. XVII. S. 572. 5 ) Allgemeine land- und forstwirthsch. Zeit. XVII. S. 527. Der Bau der Pflanze. 83 Der Bau der Pflanze. , Die Bewurzelung der landwirtschaftlichen Kulturge- D ie Bewur- wachse studirte W. Schumacher auf einem mittleren reichen Lehm- zeiung der boden bei ziemlich tiefer Bodenkultur und gab darüber in der Monatsschrift 1 * ndwirtb - schaftlichen des landwirtschaftlichen Provinzial-Vereins für die Mark Brandenburg Kuitur- und Niederlausitz*) einen ausführlichen Bericht, aus dem wir folgende pflanzen. Beobachtungen hervorheben: Die Runkelrübe sendet zwar die wieder zur normalen Form zurück- gekehrte Pfahlwurzel in tiefere Schichten des Bodens hinein, allein diese besitzt nur an dem dicht unter dem Wurzelkörper befindlichen Theile einige reiche Nebenwurzeln, an den tieferen Theilen ist sie sehr arm da- ran, und der tiefer als 1 Fuss in die Erde eindringende Theil der Pfahl- wurzel ist für die Ernährung der Pflanze kaum mehr von Bedeutung; die meisten und reichsten Wurzelfäden entwickeln sich aus dem mit der Erde in Berührung stehenden Theile des Bübenkörpers. Die Halmfrüchte entwickeln ihre Wurzeln aus den oberflächennahen Halmknoten ; die Bewurzelung des untersten Wurzelknotens ist so unbeträcht- lich, dass sie gegenüber der sonstigen Bewurzelung nicht in Betracht kommt. Bei Weizen und Gerste ist eine besondere Neigung zur Neben- wurzelentwickelung vorhanden; Tiefgang und seitliche Verbreitung der- selben ist nicht beträchtlich. Man findet den allergrössten Theil der Be- wurzelung in der obersten Bodenschicht von 'L Fuss; dringen auch einige Nebenwurzeln in tiefere Schichten ein, so sind dieselben doch arm an Wurzelfäden. Die ausgezeichnetste Bewurzelung findet sich bei den Kleearten, vor- züglich bei dem EotMdee. Die Pfahlwurzel des letzteren, welche ziemlich kräftig in ihrem oberen Theile ist, geht in tiefere Schichten hinab, aber nur ihr oberer Theil von V« Fuss entwickelt einige, wenig kräftige aber reiche Nebenwurzeln; von jenem Theile der Pfahlwurzel an werden die Nebenwurzeln immer seltener und schwächer; tiefer als 1 Fuss sind kaum Nebenwurzeln zu finden. Die oberen Nebenwurzeln sind dicht mit langen Wurzelfäden und diese mit zahlreichen Wurzelfädchen besetzt. Auf neuem dicht bestandenem Felde findet man oft in dem oberen Zolle des Bodens einen dichten Wurzelfilz, welcher aus zahllosen Wurzeln zweiter und dritter Ordnung besteht und dadurch gebildet wird, dass die dicht unter der Ober- fläche aus der Pfahlwurzel hervortretenden Nebenwurzeln mit ihren äusserst zahlreichen Wurzelfäden sich seitlich im Boden und zwar dicht unter der Oberfläche verbreiten und auf die mannigfaltigste Weise durcheinander wachsen. Oftmals wachsen sogar Nebenwurzeln von unten herauf, um an der Bildung des Wurzelfilzes Antheil zu nehmen. Auf dem schlecht bestandenen, in seiner Oberfläche krustenartig verhärteten Felde, findet *) a. a. 0. 1867. S. 190 ff. 6* 84 Der Bau der Pflanze. man diesen für den Klee sehr wichtigen Wurzel filz nicht. Der grösste Theil der Bewurzelung des Klees liegt in der oberen Schicht von V« bis höchstens 3 U Fuss; nur in einem tief gelockerten Boden ist die Bewurze- lung in der Schicht von l h bis 1 Fuss von der Oberfläche nennenswerth. Die Luzerne verhält sich in den ersten Jahren ihres Wachsthums in ihrer Wurzelbildung ähnlich wie der Klee. Auf einem mehrjährigen Lu- zernefelde aber geht eine reichere. Wurzelbildung in tiefere Bodenschichten hinab und zwar in um so tiefere, je älter die Luzerne wird. Auf einem fünfjährigen Luzernefelde wurde eine reiche Nebenwurzelbildung noch 10 bis 15 Zoll unter der Oberfläche beobachtet. Auf Grund seiner Beobachtungen stellt Schumacher die landwirt- schaftlichen Kulturgewächse in Bezug auf ihre Bewurzelungsfähigkeit (und zwar derart, dass dieselbe von oben nach unten zunimmt) in nachstehende Eeihe: Rübengewächse, Oelfrüchte, Kartoffeln, Lein, Weizen, Gerste, Pferdebohnen, Roggen, Erbsen, Wicken, Hafer, Buchweizen, Klee. Bei den Sommerölfrüchten und Sommerhalmgewächsen ist die Be- wurzelungsfähigkeit geringer, als bei den entsprechenden Wintergewächsen. Die quantitative Bestimmung der Wurzelmasse pro preussischen Mor- ° ° bei einem Trocken- trockene gewicht von 100 Pfd. Wurzeln. Pfd. Klee in der Blüthe gemäht i960 1900 Hafer in der Blüthe gemäht 1500 650 Rübsen reif 2370 370 Auf 100 Pfund trockene oberirdische Pflanzentheile kamen mithin trockene Wurzeln: Bei dem Klee 100 Pfd. Bei dem Hafer 43 n Bei dem Rübsen 11 „ Der genannte Beobachter bezeichnet diese Zahlen selbst nicht als genau, aber doch als ungefähr das Yerhältniss der oberirdischen Pflanzentheile zu den Wurzeln und die Bewurzelungsfähigkeit der angeführten Pflanzen ausdrückend. Mit Rück- sicht auf unsere gänzliche Unbekanntschaft über diese Verhältnisse und auf die Schwierigkeit, die genaue quantitative Ermittelungen hier bieten aber sind auch nur annähernd richtige Zahlen bis auf Weiteres willkommen, wenn man sich nur ein Urtheil über die Grösse der stattgehabten Verluste und Fehler zu bilden ver- mag, und es ist deshalb zu beklagen, dass der Verfasser gar Nichts über den Weg mittheilt, den er bei seinen Bestimmungen eingeschlagen hat. Die gegebenen Zahlen lassen vermuthen, dass unter der Rubrik „trockene Wurzeln" alles das zusammen- gefaßt ist, was in der landwirtschaftlichen Praxis nach der Ernte dem Felde ver- bleibt, also Wurzeln inclus. Stoppeln. Der Bau der Pflanze. öO Be wurzelungsversuche, von Zoeller.*) — Unter diesem Titel Be- theilt Verfasser mit, dass er Zwergbohnen in verschiedenen Bodenarten wurzelun g | »- versuche gebaut, die "Wurzeln nach erfolgter Ernte aus dem Boden herausgewaschen und verglichen habe. Ein Theil der Bohnen wurde jung und zwar nach 27 Vegetationstagen, ein anderer reif geerntet; eine dritte Abtheilung wurde ebenfalls reif geerntet, hatte aber nach der Blüthe eine Düngung mit Nährstoff lösung erhalten. Die Betrachtung der ausgewaschenen Wurzel- massen — eine Messung oder Wägung der letzteren wurde nicht vor- genommen — führte den Verfasser zu folgenden Schlüssen: Die Wurzelentwickelung der Bohnenpflanzen ist (bei gleich ausge- wählter Saatfrucht) während der ersten Periode des Wachsthums in ver- schiedenen Bodenarten eine ziemlich gleiche, als einziger Unterschied ist zu bemerken, dass die einzelnen Wurzelnbrillen in einem spezifisch schwe- reren Boden in geringerer Anzahl aber derber sich ausbilden, als in einem spezifisch leichteren. Dagegen zeigte sich in der Wurzelentwickelung der in verschiedenen Bodenarten gewachsenen Bohnen bei der Reife eine sicht- liche Verschiedenheit. In dem reicheren Boden war das Wurzelvolumen ein grösseres als in dem geringeren, ja in dem letzteren schien sich das Wurzelvolumen von der Keimperiode ab vermindert zu haben. Die Dün- gung mit Nährstoff lösung nach der Blüthe hatte ausnahmslos eine Ver- mehrung der Wurzelmasse bewirkt. Nach einer vorläufigen Mittheilung sind im Jahre 18G7 durch die Versuchs- station Chemnitz eine grosse Anzahl der sorgfältigsten und mühsamsten Wurzel- messungen ausgeführt -worden , welche über das wahre Verhältniss der Wurzeln zu den oberirdischen Organen Licht zu geben versprechen. Wir sehen mit Spannung den Resultaten dieser höchst verdienstvollen Arbeit entgegen. Messungen der Blattoberfläche einiger Kulturpflanzen, Messungen von Th. von Gohren.**) Verfasser verfuhr in der Art, dass er mittlere ^ r fl .. a ," Oberfläche Probepflanzen theils von verschiedenen Kulturmethoden, theils von verschie- einiger denen Altersstufen auf gut bestandenen Feldern auslas und die thätige Ober- Kuiturpflan. fläche derselben nach den beiden Methoden von Knop und Wolf, (Landw. Vers. Stat. Band HL S. 308 und Band VI. S. 211) bestimmte. Dann wurden die auf ausgewählten Probeflächen von je 1 Wiener Quadratfuss stehenden Pflanzen gezählt; das Produkt aus beiden Beobachtungen gab die thätige Pflanzenoberfläche pro Quadratfuss und weiter pro österrei- chisches Joch. Indem wir in den nachstehenden drei Tabellen die Hauptresultate der Arbeit mit Verminderung der Decimalen wiedergeben, bemerken wir, dass bei den Cerealien in „Oberfläche der Blätter" immer die der dazu ge- hörigen Blattscheiden mit inbegriffen ist. zen. *) Journ. f. Landwirtschaft. 1867. S. 193. **) Die landw. Versuchsstationen. 1867. S. 298. 86 Der Bau der Pflanze. Art Zeit Höhe des ober- Anzahl der Gefundene Gesammt- Durchschnitt- liche Ober- der der irdischen Blätter oberfläche der fläche von je metbode. Theils. Blätter. 1 Blatt. Pflanze. Centimtr. Q Centimtr. □ Centimtr. Weizen j gedrillt 30. Juni . 95 5 277 55,4 breitwürfig 5. Juli 131 5 163 32,5 Durchschnitt — 113 5 220 43,9 Gerste j gedrillt 19. Juli 80 10 395 39,6 breitwürfig 17. Juli 94 9 219 24,4 Durchschnitt — S7 9,5 307 32,0 Roggen gedrillt — 142 4 327 81,8 Hafer 1 gedrillt 16 Juli 92 15 1210 80,7 breitwürfig 13. Juli 87 11 500 45,4 Durchschnitt — 89,5 13,5 855 63,3 Klee — 3. Juli 59 59 mit je 3 Blättchen. 878 14,9 Zucker- j — 6. Juni 8,5 7 78 11,2 — 13. Juni 15 11 377 343 — 26. Juni 29.3 14 1988 142,0 rübe — 23. Juli 50 18 6981 387,8 ( — 19. Sept. 56 30 14044 468,2 Kartoffel j — 11. Juni 7. Juli 16 52 34 mit je 8,88 Blättch. i.D. 444 3453 101,6 Pro "Wiener Quadratfuss wurden gezählt in 3 Probenahmen. Art der Pflanze. Anb su- me tho de. 1. Stc 2. >cke. 3. Mittel. Ha 1. 1 2. [me. 3. Mittel. Blät- ter. Pro Stock Halme Klee { — 24 11 17 17 16 412 Roggen ! gedrillt breitwürfig 12 13 8 20 12 20 11 18 87 60 71 106 79 66 79 77 — 7 4,3 Weizen ! gedrillt breitwürfig 14 22 10 23 12 20 12 22 89 78 80 70 82 S9 84 79 z 7 3,6 Gerste { gedrillt breitwürfig 14 16 12 15 14 15 13 15 93 106 86 51 56 81 78 79 — 6 5 Hafer 1 gedrillt breitwürfig 11 17 9 23 9 22 10 21 44 93 27 78 37 84 36 85 3,6 4 Kartoffel Zuckerrüb e fürl O Klaf- ter berechn. 34 1 33 1 35 1 I 34 1 Tr 175 i e b e 145 117 145 4,3 4 Berechnet pro ein österreichisches Joch . Art der Pflanze. Anbau- Methode. An der Stöcke. zahl der Halme. Thätige Pflanzeu- oberfläche in □ Metern. Die BlattoberHäche ist mal grösser als die Erdoberfläche. Klee 1 = 979200 921600 23731200*) 85988 35654 14,9 6,2 Roggen f gedrillt \ breitwürfig 633600 1036800 4550400 4435200 148844 25,8 Weizen / gedrillt \ breitwürfig 691200 1267200 4838400 4550400 133941 73971 23,3 12,8 Gerste f gedrillt | breitwürfig 748800 864000 4492800 4550400 177704 99772 30,9 17,3 Hafer f gedrillt \ breitwürfig 577000 1209600 2073600 4896000 250906 244580 43,6 42,5 Kartoffel Zuckerrübe 54400 57600 233600 18784 27036 3,3 4,7 *) Blätter. Der Bau der Pflanze. 87 Einfluss der Umdrehung der Erde auf die Form der Baum- Einfluss stamme, von Ch. Musset.*) — Der Durchschnitt der Baumstämme der t\- -n i_ ii Umdrehung bildet nie einen Kreis, sondern immer eine Ellipse. Die Beobachtungen, der Erde die Verfasser theils selbst anstellte, theils durch competente Personen an- auf die stellen liess und die mehrere Tausende von Bäumen umfassen, zeigten, Fo " n der Baum- dass die grosse Achse dieser Ellipse immer nahezu mit der Eichtung von st ämme. Ost nach West zusammenfällt, und eine genauere Bestimmung mit Hülfe der Bussole ergab das überraschende Resultat, dass dieselbe mit dem Ost- und Westpunkt den gleichen Winkel bildet, wie die Ebene der Ekliptik mit der Aequatorebene. Dieser Parallelismus in der Richtung der grossen Axe der Stammellipse tritt auch an den stärkeren Zweigen auf und ist leicht an allen Bäumen zu beobachten, die nicht verpflanzt, oder durch leicht erkennbare Einflüsse ihrer Umgebung berührt sind, be- sonders an denen mit glatter Rinde. Verfasser glaubt sich, indem er sich der Abweichung erinnert, welche frei fallende Körper durch die Zentri- fugalkraft der Erde erleiden, durch seine Beobachtungen berechtigt, die Form der Baumstämme als durch die Umdrehung der Erde bedingt an- zunehmen. Die Antwort auf die Frage: Warum ist der Körner -Ansatz Ursache des beim gemeinen Buchweizen nicht selten so gering? findet oft mangei- Haberlandt**) in der Beobachtung, dass eine grosse Anzahl der Blüthen j^ en von Polygonum fagopyrum nur Staubblätter, keine Pistille besitzt; dass anS atzes solche männliche Blüthen den fruchttragenden Zwitterblüthen stets unter- beim ein- gemischt sind; und dass auf verschiedenen Pflanzen, oder auch auf der- n " " c ' ° ' weizen. selben Pflanze, zu verschiedenen Zeiten ihrer länger dauernden Blüthe, bald erstere, bald letztere vorherrschen. Die Bedingungen, welche die Ausbildung der einen oder der andern Art von Blüthen begünstigen, sind nicht bekannt, aber die Erscheinung zeigt sich ebenso an den Varietäten des gemeinen Buchweizens (dem silbergrauen schottischen und dem schwarz- sämigen), als an der Hauptart; während bei dem Polygonum tartaricum und seinen Varietäten (z. B. rotundatum) nur Zwitterblüthen gebildet werden. Schon früher hatte Nobbe in der Verkümmerung des Fruchtknotens in seiner ersten Anlage eine Ursache für den häufig mangelnden Körneransatz des Buch- weizens erkannt (Landwiithsch. Vers.-Stat. VII, 382). In einer neueren Arbeit aber (Landw. Vers.-Stat. X. 8.) theilt derselbe mit, dass noch viel häufiger, als solche männlich gewordene, unfruchtbare Zwitterblüthen vorkommen, in denen des- halb keine Befruchtung stattfinden kann , weil die Staubgefasse kürzer geblieben sind, als der Stempel. *) Comptes rendus. Bd. 65. S. 424 u. 495. M ) Centralblatt f, d. ges. Landeskultur. 1867. S. 23. Der Bau der Pflanze. Ueber die Wirkung des Lichts auf die Pflanzen- wurzel. Ueber die Wirkung des Lichtes auf die Pflanzenwurzel, von Nobbe*) — Am 9. Juni 1866 wurden 6 junge Erbsenpflanzen, welche soeben die Keimperiode vollendet hatten, in eine V« prozentige Nährstoff-Lösung gebracht und verschiedener Beleuchtung ausgesetzt. Bei No. 1 u. 2 wurde das die Lösung enthaltende Gefäss mit Papier dicht umklebt ; die Standgefässe von No. 3 und 4 erhielten keinen Schutz gegen Licht; die Pflanzen No. 5 und 6 wurden durch Ueberstürzen eines 70 Centimtr. hohen thönernen Gefässes vom Licht vollständig abgeschlossen. Bei Ab- theilung I. befand sich mithin der oberirdische Theil der Pflanzen im Licht und die Wurzel im Dunkeln, bei Abth. II. Stamm und Wurzeln im Licht, bei Abth. III. Stamm und Wurzeln im Dunkeln. Um die Tempe- ratur während des Versuchs in den verschiedenen Lösungen möglichst gleich zu erhalten, wurden die Standgefässe von Abth. I. und III. in feuchten Sand eingegraben, die von Abth. II. in eine Wanne mit Wasser gestellt. Die Versuchsgefässe erhielten ihre Aufstellung an einem Süd- Ost-Fenster, wo sie der direkten Sonnenbeleuchtung von etwa 9 Uhr früh bis Nachmittags 3 Uhr zugänglich waren. Der Versuch dauerte 13 Tage. Bei Abth. n. zeigte sich schon in den ersten 4 — 5 Tagen an der Ober- fläche der Wurzeln Anflug von Chlorophyll-Algen, der sich bei Abschluss des Versuchs zu einem dichten grünen Ueberzuge vermehrt hatte. Eine mechanische Wirkung des Sonnenlichtes — in Form nega- tiver oder positiver heliotropischer Krümmungen wurde nicht beobachtet. Folgende Tabelle giebt den Zuwachs innerhalb der 13 Tage: No. der Pflanze. Zuna ime 3es Zunahme der Wurzel an Stammes an Länge der Haupt- wurzel. MiUim. Zahl der Nebenwurzeln. A b t h e i 1 u n g. Länge. Millim Kno- ten- glie- dein. Zwei- gen. I. 1 II. Ord- Ord- nung.|nung. III. Ord- nung. Ueber- haupt. T J "Wurzel im Dunkeln, \ Stamm im Licht 1. 2. 200 170 4 4 3 10 3 ! 3 372 70 8 365 383 438 Mittel 185 4 1,5 5 3 221 186 410 jj J Wurzel und Stamm | im Licht 3. 4. 400 7 240 4 1 20 3 12 176 158 37 66 216 236 | Mittel. 320 | 5,5 0,5 10 7,5 167 51 226 jjj J Wurzel und Stamm \ im Licht 5. 6. 20 1 o 1 Mittel. 10 0,5 o ') Die landw. Versuchsstationen. Hd. IX. S. 71. Der Bau der Pflanze. 89 Und nachstehende Tabelle giebt die Dimensionen der einzelnen Or- gane am Schlusstago des Versuchs. No. der Pflanze. Anzahl der Neben- wurzeln in Summa Länge Oberflächen- Ausdeluing der gesammten Wurzel - masse. DMm. A b t h e i I u n g. i des | der Stam- Haupt- nies, wurzel. Mm. 1 Mm. der Nebenwurzeln. I. Ord- nung. Mm. II. Ord- Im. Ord- nung, nung. Mm. Mm. Ueber- haupt. Mm. T JWurzel imDunkeln, { Stamm im Licht 1. 2. 437 4(50 410 70 440 1 110 1357 188 1539 12 1709 1 1017 2978 2924 7128 5018 Mittel. 449 425 90 | 772 1624 514 2951 6073 T j \ Wurzel und Stamm \ im Licht 3. 4. 299 '295 650 510 60 70 2110 1792 2467 2644 176 196 4823 4712 11119 10358 | Mittel. 297 580 : 65 | 1951 2555 | 186 | 4767 10739 rTT [Wurzel und Stamm ! 5. 1 im Dunkeln 6- 34 29 270 40 1542 6 250 1 40 1468 j 15S5 1508 1729 1645 Mittel. 32 260 40 1505 3 1546 1687 Das Resume stellt Verfasser in folgenden zwei Sätzen dar: 1) Die Summe der im Lichte gebildeten Nebenwurzeln der Erbsen- pflanzen ist erheblich kleiner, als die der gleichzeitig imDunkeln gebildeten ; 2) Die Gesammtlänge der im Lichte gebildeten Wurzelfäden und damit deren Oberfläche — ist wesentlich grösser, als die der im Dunkeln gebildeten Wurzeln; und fügt hinzu: Die sub 1 konstatirte Thatsache steht in vollkommenem Einklang mit den Beobachtungen, welche man für Adventivwurzeln ge- macht, dass das Licht die Wurzel Verzweigung beeinträchtige. Die sub 2 erwähnte Beobachtung aber stellt einen ebenso entschiedenen Gegensatz zu der notorischen Wirkung des Sonnenlichtes auf die oberirdischen Or- gane dar, deren Längenwachsthum, wie bekannt, durch Lichteinfiuss re- tardirt, durch Dunkelheit gesteigert zu werden pflegt. In Folge des letzteren Bedenkens glaubt Verfasser es unentschieden lassen zu müssen, in wie weit die grössere Streckung der Wurzeln von Abth. IL, deren ganze Ausbildung etwa mit der in nährsto ff ärmeren Lösungen stattfindenden analog war, dem Einflüsse des direkten Sonnen- lichtes, oder mehr einer nachtheiligen Einwirkung der gebildeten Algen- Vegetation zuzuschreiben sei. 90 Der Bau der Pflanze. Be- ziehungen zwischen dem spezi- fischen G e- wicht und der Zusam- mensetzung von Zucker- rüben. C. Scheibler unterzog die Frage einer eingehenden Prüfung, ob zwischen dem Zuckergehalte, beziehentlich der Saftqualität der Kuben und dem specifischen Gewichte des Eübenkörpers ein einfacher gesetzmässiger Zusammenhang besteht.*) Die Uutersuchung wurde mit Rüben aus vier verschiedenen Wirtschaften (in Pommern, Sachsen und Braunschweig gelegen) und in folgender Weise vorgenommen: Jede Rübe wurde unter einem Wasserstrahle rasch und sorgfältig gereinigt, dann mittels des Messers von den Wurzeln, dem Kopf und von schadhaften Theilen befreit. Hierauf folgte rasch und sorg- fältig eine doppelte Wägung derselben in destillirtem Wasser von H 1 /* C. und in der Luft. Dann wurden die Rüben zerrieben, ausgepresst und von dem Saft eine Bestimmung des spezifischen Gewichts (mittels einer em- pfindlichen Waage nach Mohr'schem Prinzip) und eine Zuckerbestimmung mittels Polarisation nach erfolgter Klärung mit Bleiessig ausgeführt. Die nachstehende Tabelle giebt die auf diese Weise von 70 Rüben erhal- tenen Resultate: Absolutes Ge- Spezi- Spez. G ewicht Der Rüben saft Zucker- No. Gewicht wicht in fisches Gewicht der Rüben. des Rüb änsaftes. enthält Quotient Rübe. in Grammen. Wasser von 17'/, °C. bei 17'/,° gefunden. Proz. nach Brix berechnet. Proz. Zucker. Proz. Nicht- zucker. Proz. des Saftes. 1. 317,15 11,50 1,0376 1,0728 17,64 15,44 2,20 87.5 2. 256,30 9,26 1.0374 1,0720 17,46 15,24 2,22 87,3 3.**) 246,07 14,42 1,0622 1,0775 18,70 16,06 2,64 85,9 4. 376,33 9,44 1,0257 1,0575 14,11 11,03 3,08 78,2 5. 215,34 10,28 1,0501 1,0644 15,71 13,16 2,55 83,8 6. 419,59 19,2S 1,0482 1,0315 19,60 17,09 2,51 87,2 7. 371,26 13,81 1,0386 1,0759 1?,34 15,98 2,36 87,1 8. 300,41 10,65 1,0367 1,0841 20,18 17,44 2,74 86,4 9. 321,21 13,73 1,0446 1,0730 17,68 15,25 2,43 86,2 10 391,25 17,32 1,0463 1,0745 18,02 15,33 2,69 85,1 11. 409.00 17,40 1,0444 1,0679 16,52 13.76 2,76 83,3 12.***) 357,55 16,36 1,0479 1,0706 17,13 14,05 3,08 82,0 13. 359,50 5,70 1,0161 1,0693 16,83 14,12 2,71 83,9 14. 199,35 9,40 1,0495 1,0695 16,88 13,58 3,30 80,5 15. 366,46 15,42 1,0439 1,0647 15,78 13,08 2,70 82,9 16.+) 237,10 10,75 1,0475 1,0656 15,99 12,75 3,24 79,7 17-ft) 589,80 6,27 1,0107 1,0625 15,27 12,00 3,27 78,6 18. 472,20 25,98 1,0582 1,0741 17,93 15,37 2,56 85,7 19. 504,75 21,00 1,0434 1,0690 16,77 14,29 2,48 85,2 20. 406,55 21,00 1,0544 1,0705 17,11 14,37 2,74 84,0 21. 299,51 12,74 1,0444 1,0722 17,50 14,81 2,69 84,6 2-2. 203,58 11,55 1,0601 1,0717 17,38 14,89 2,49 85,7 23. 832,97 35,48 1,0445 1,0684 16,63 14,92 1,71 89,7 *) Zeitschr. d. Ver. f. d Rübenzucker-Industrie. 1867. S. 625- **) Geschosste Rübe. ***) Zwei giosse Nebenwurzeln. •f) Viele Nebenwurzeln, ■j-f) Plumpe Form. Das Leben der Pflanze. 91 Absolutes Ge- Spezi- Spez. G ewicht Der Rübensaf't Zucker- No. wicht fisches des Rüb ^nsaftes. enthält Gewicht in Gewicht der Rüben. Quotient der Rübe. in Grammen. Wasser von 17 l /,° C. bei i~7 2 ° gefunden. Proz. nach Krix berechnet. Proz. Zucker. Proz. Nicbt- zucker. Proz. des Saftes. 24. 1001,05 30,81 1,0318 1,0625 15,27 12,35 2,92 80,9 25. 684,40 33,23 1,0510 1,0647 15,78 13,76 2,02 87,2 26. 432,96 22,31 1,0543 1,0687 16,70 14,50 2,20 86,8 27. 379,61 20,00 1,0556 1,0696 16,91 15,13 1,78 89,5 28. 772,76 24,53 1,0328 1,0618 15,11 13,01 2,10 86,1 29. 563,54 30,65 1,0575 1,0658 16,08 13,47 2,56 84,0 30. 369,43 19,96 1,0571 1,0713 17,29 14,84 2,45 85,9 31. 545,80 24,75 1,0475 1,0732 17,72 14,79 2,93 83,5 32. 353,98 17,1)6 1,0534 1,0714 17,31 15,11 2,20 87,3 33.*) 343.51 21,66 1,0673 1,0774 18,68 16,46 2,22 88,1 34.*) 271,95 16,91 1,0663 1,0724 17,55 15,44 2J1 88,0 35.**) 411,55 24,15 1,0623 1,0737 17,84 15,13 2,71 84,8 36. S99,< 33,10 1,0386 1,0658 16,03 12,53 3,50 78,2 37. 639,02 26.10 1,0426 1.0635 15,50 11,56 3,94 74,6 38.*) 382,47 19,16 1,0527 1,0686 16,68 12,47 4,21 74,7 39. 583,72 30,17 1,0545 1,0743 17,97 14,06 3,91 78,2 40. 428,72 15,37 1,0372 1,0682 16,58 13,47 3,11 81,2 41. 443,50 19,52 1,0460 1,0730 17,68 14,34 3,34 81,1 49 ***) 512,35 20.02 1,0407 1,0680 16,54 12,98 3,56 78,5 43.' 419,65 20,-15 1.0512 1,0733 17,75 11,31 3,44 80,6 44. 611,81 27,30 1,0467 1,0661 16,10 11,77 4,33 73,1 45. 31)0,56 13,87 1,0483 1,0713 17,29 13,96 3,33 80,7 46. 347,07 14,13 1,0424 1,0641 1564 12,20 3,44 78,0 47. 359,00 14,33 1,0416 1,0665 16,19 13,08 3,11 80,S 48. 308,13 13,95 1,0474 1,0540 13,29 10,71 2,58 80,6 49. 224,92 10,22 1,0476 1,0591 14,48 11,88 2,60 82,0 50. 181,70 10,01 1.0583 1,0676 16,45 13,82 2,63 84,0 51. 273,08 15,30 1,0593 1,0676 16,45 13,31 3,14 80,9 52. 244,00 9,0S 1,0386 1,0614 15,02 11,96 3,06 79,6 53. 179,07 7,55 1,0440 1,0575 14,11 10,73 3,38 76,0 54. 253,(iO 12,48 1,0517 1,0779 18,79 15,42 3,37 82,1 55. 285,70 13,36 1,0491 1,0700 17,00 13,68 3,32 80,5 56. 293,86 11,28 1,0399 1,0683 16,60 13,22 3,38 79,7 57. 1060,95 30,87 1,03(10 1.0518 12,77 8,72 4,05 68,3 58. 645,80 24,18 1,0389 1,0624 15,25 10,79 4,46 70,7 59. 555,12 18,05 1,0336 1,0650 15,84 11,95 3,89 75,4 60. 482,82 14,68 1,0314 1,0586 14,36 9,20 5,16 64,1 61. 301,15 8,05 1,0274 1,0540 13,29 8,81 4,48 66,3 62. 484,70 9,94 1,0209 1,0521 12,84 6,92 5,92 53,9 63. 602,82 26,45 1,0459 1,0709 17,20 14,31 2,89 83,2 64. 524,60 20,08 1,0398 1,0684 16,63 12,95 3.68 77,9 65. 48260 19,90 1,0430 1,0655 15,96 12,16 3,80 76,2 66.t) 334,15 16,45 1,0518 1,0757 18,29 14,86 3,43 81,3 67. 590,97 30,30 1,0540 1,0725 17,56 13,92 3,64 79,3 68. 403,53 14,08 1,0362 1,0626 15,29 11,95 3,34 78,1 69. 334,65 15,09 1,0472 1,0673 16,38 13,40 2.98 81,8 70-tt) 512,08 24,57 1,0504 1,0717 17,38 14,38 3,00 82,8 *) Geschosste Rübe. **) Viele Nebenwurzeln. ***) Eine grosse seitliche Wurzel. f ) Zwei starke Nebenwurzeln, ff) Mehrere Nebenwurzeln. «7ä Der Bau der Pflanze. Diese Zahlen führen den Verfasser zu folgenden Schlüssen: 1) Das spezifische Gewicht des Rübenkörpers ist ausnahmslos kleiner, als das spezifische Gewicht des in demselben befindlichen Saftes. Die Differenz schwankt zwischen 0,0532 (Rübe No. 13) und 0,0061 (Rübe No. 34) und beträgt im Mittel der 70 Fälle 0,0288. 2) Das spezifische Gewicht der Rüben schwankt für die grössere Mehr- zahl derselben (etwa für 85 Prozent) innerhalb der Grenzen 1,0300 und 1,0600; es kann in einzelnen Fällen sinken bis auf etwa- 1,0100 und steigen bis gegen 1,0700 als äusserste Grenzwerthe. 3) Schwere Rüben (von über 1 bis 2 Pfund Gewicht) zeigen im All- gemeinen ein niedrigeres spezifisches Gewicht und einen kleineren Werths- quotienten ihres Saftes, als leichte Rüben (von V« Pfund und darunter). 4) Spezifisch schwere Rüben zeigen im Allgemeinen einen kleineren Nichtzuckergehalt und besseren Zuckerquotienten des Saftes, als die spe- zifisch leichten Rüben. Mit Uebergehung der 5 abnorm leichten und der 5 ungewöhnlich schweren Rüben wurden gefunden Rüben mit einem Durchschnittsgehaltan Stück. von spezifischem Gewicht. Zucker. Proz. Nichtzucker. Proz. Zucker- Quotient. 5 1,0300-1,0350 11,05 3,62 75,3 11 1,0350-1,0400 13,73 3,10 81,6 12 1,0400-1,0450 13,24 3,00 81,5 14 1,0450-1,0500 13,69 3,08 81,6 12 1,0500—1,0550 14,19 3,06 82,3 6 1,0550-1,0600 14,32 2,52 85,0 5) Dieser Satz gilt aber nur im Allgemeinen, denn bei dem Vergleich der einzelnen Rüben zeigt sich aufs Deutlichste, dass ein streng gesetz- mässiger Zusammenhang zwischen dem spezifischen Gewichte und der Saftqualität derselben in keiner Weise besteht, denn es gaben z. B. 5 Rüben von gleichem spezifischen Gewicht (1,0300 bis 1,0550): Zucker. Nicht/.ucker. Quotient. No. 24 12,35 2,92 80,9 No. 28 13,01 2,10 86,1 No. 57 8,72 4,05 68,3 No. 59 11,95 3,89 75,4 No. 60 9,20 5,16 64,1 andererseits wurde gefunden Spezifisches Gewicht. Zucker. Nichtzucker. Quotient. No. 17 1,0100-1,0150 12,00 3,27 78,6 No. 13 1,0150—1,0200 14,12 2,71 83,9 No. 29 1,0550-1,0600 13,47 2,56 84,0 No. 50 1,0550-1,0600 13,82 2,63 84,0 No. 51 1,0550—1,0600 13,31 3,14 80,9 Der Bau der Pflanze. 93 6) Dieser Mangel an Zusammenhang zwischen spezifischem Gewicht und Saftqualität tritt bei spezifisch leichteren Rüben stärker hervor, als bei spezifisch schwereren. schwankte der Zucker-Quotient Bei den Rüben Stück. von spez. Gewicht. von bis , d. h. um Einheiten. 5 1,0300-1,0350 64,1-86,1 22,0 11 1,0350-1,0100 70,7—87,5 16,8 12 1,0400-1,0450 74,6—89,7 15,1 14 1,0450-1,0500 73,1—87,2 14,1 12 1,0500—1,0550 74,7-87,3 12,6 6 1,0550-1,0600 80,9— S9,5 8,6 7) Auch zwischen dem Salzgehalt der Rüben und ihrem spezifischen Gewicht scheint keine Beziehung stattzufinden. Einige Aschenbestimmungen wenigstens gaben ein negatives Resultat: Spez. Gewicht. Salzgehalt. Rüben No. 1 1,0376 0,718 Proz. ■n n 4 1,0257 0,931 , n n 7 1,0386 0,884 „ n y> 9 1,0446 0,876 „ n n 11 1,0444 1,043 „ ;? r> 15 1,0439 0,799 „ n » 17 1,0107 1,042 „ Die natürlichste Erklärung für die Erscheinung, dass der in den Zellen einer Rübe eingeschlossene Saft stets spezifisch schwerer gefunden wurde, als der Rübenkörper selbst, und dass zwischen dem spezifischen Gewicht der Rübe und der Saftqualität kein gesetzmässiger Zusammenhang besteht, findet der Verfasser in der bekannten Thatsache, dass der Rübenkörper in den Interzellularräumen und in vielen Zellen selbst (Bast- zellen, Spiralgefässen, Porenleitzellen etc.) L u f t führt und dass diese Luftquantität variabel ist. Für die praktische Rübenzucker-Industrie wird aus den gewonnenen Resultaten gefolgert, dass eine Abscheidung schlechter Rüben von ver- arbeitungswürdigen durch ein auf das spezifische Gewicht derselben sich gründendes Verfahren nicht möglich ist, dass es aber immerhin empfeh- lenswerth erscheint, für die Samenzucht Rüben von hohem spezifischen Gewicht auszuwählen. Vergleiche unter „Zuckerfabrikation." Ausserdem machen wir auf nachstehende sehr umfangreiche Arbeit auf- merksam : Die Gewebespannung de3 Stamms und ihre Folgen, von G. Kraus. *) und notiren noch den grösstenteils technische Notizen enthaltenen Aufsatz: i) Botanische Zeitung. 1867. S. 105, 113, 121, 129 und 137. 94 Das Keimen. Ueber die Struktur und Konstitution der Pflanzenfaser, von Payen. 2 ) ferner : Einfluas der Pflanzweite auf die Strohbildung, von Opel. 3 ) lieber die Keimung der gelben Lupine. Das Keimen. Ueber die Keimung der gelben Lupine, von Beyer.*) — Die Keimungszeit, welche 8 — 12 Tage umfasste, wurde in zwei Perioden getheilt. Der Abschluss der ersten Periode wurde da angenommen, wo die Kotyledonen die Samenschale noch nicht gesprengt, und Wurzel und hypokotyles Glied eine Länge von 1 — H Zoll erreicht haben. Bei Abschluss der zweiten Periode sind die Kotyledonen über die Erde emporgetreten, haben die Schale zwar noch nicht abgeworfen, aber gesprengt, und fangen an, sich grün zu färben. Die Samen keimten in ausgeglühtem und mit konzentrirter Salzsäure ausgekochtem Flusssand. 1. Mikrochemische Beobachtungen: Die Stärke, welche im ruhenden Samen nicht zu finden ist, tritt in dem bekannten feinkörnigen Zustande schon sehr bald nach Streckung des Keims in ganz bedeutender Menge auf; man findet sie hauptsächlich im Parenchym der jungen Rinde und zwar in den Schichten am meisten, welche die Gefässbündel unmittel- bar umgeben. Die Eiweisskörper treten im Keim wie immer massenhaft in dem Kambiform der Gefässbündel auf. Den Bitterstoff findet man, wenn man einer anscheinend charakteristischen Iodreaktion folgt, in den- jenigen Partieen des Mark-Parenchyms, welche die primären Markstrahlen bilden und auch in einzelnen Zellen des übrigen Parenchyms, namentlich in der Nähe des Gefässbündelringes. 2. Analytische Resultate: Indem wir betreffs der Methoden auf das Original verweisen, erwähnen wir blos, dass mit Rücksicht auf das Unlöslichwerden löslicher Stoffe in hoher Temperatur in der Regel nur bei 30—40° C. getrocknete Substanz zur Analyse verwendet wurde, und dass bei den ungekeimten Samen die Samenschale immer durch ein kurzes Einweichen in Wasser und Abziehen entfernt und bei der Analyse nicht berücksichtigt wurde. 1000 Stück bei 100° C. getrocknete Samen wiegen Gramme: Kotyle- donen. Hypoko- j Wurzel- In tyles Glied.} glied. Summa. Verlust Ungekeimte I. Periode II. Periode 80,1 72,89 66,60 4,97 6,67 2,12 4,47 79,89 77,74 2,95 2) Comptes rendus. Bd. LXIV. S. 1167. 3) Der ehem. Ackersmann. 1S67. S. 49. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 168. Das Keimen. 95 In 100 Theilen bei 100° getrockneter Substanz sind enthalten: Unge- keimte Samen. I. Periode. Kotyle- donen. Hypoko- tyles Glied. II. Periode. Kotyle- donen. Hypoko- tyles Glied. Wurzel. Fettes Oel Mineralstoffe Eiweiskörper Asparagin Zucker- und Bitterstoff . . . . Gummi Zellstoff, Stärke, Pectinkörper 6,020 4,225 61,268 10,610 6,920 10,957 5,950 4.150 60,762 15,115 4,831 9,192 3,820 6,510 30,000 10,500 [37,010 12,160 3,680 7,120 25.480 10,600 33,700 19,420 4,710 4,322 60,450 1,450 15,540 2,680 10,848 2,680 6,610 27,080 14,650 22,600 11,410 14,970 2,800 7,110 23,000 14,990 29,030 23,070 100 100 100 100 100 100 100 In Wasser lösliche Eiweiss- körper Gesammtstickstoff , 9,803 10,913 9,722 20,676 7,020 1,523 6,325 2,687 9,980 ! 7,440 6,860 26,450 1,681 3,687 In 1000 Stück bei 100° getrockneter Samen, resp. Keimpflanzen waren enthalten : Ungekeimte Samen. Grm. Pflanzen der I. Periode. Grm. Pflanzen der II. Periode. Grm. Fettes Oel 4,832 3,384 49,075 24,040 8,869 4,603 3,498 46.281 0,746 17,091 7,715 3,439 3,633 43,097 2,612 In Wasser lössliche Kohlehydrate . „ unlössliche „ 15,69S 9,257 7,852 8,741 7,562 15,145 7,448 In Wasser lösliche Eiweisskörper . 17,891 Ueber die Veränderung der Aschenbestandtheile geben die folgenden Aschenanalysen des ruhenden Samens und des Keims in der zweiten Pe- riode Aufschluss: 100 Theile Asche enthielten 100 Theile Trocken- substanz enthielten Ungekeimter Same mit Schale. Ganzer Keim. Ungekeimter Same mit Schale. Ganzer Keim. Kali 28,127 Spuren 8,631 11,330 2,047 42,569 3,023 0,418 0,559 36,786 2,350 4,246 5,049 1,590 32,437 5,785 1,797 0,811 1,1312 Spuren 0,3471 0,4556 0,0823 1,7121 0,1215 0,0168 0,0224 2,5222 • 0910 Kalk 0,2912 0,3463 0,1090 2,3211 0,3968 0,1212 Chlor 0,0213 96 Das Keimen. 3. Schlussfolgerungen: Der Substanzverlust der Lupinen- körner beim Keimen durch Abgabe von Kohlensäure und Wasser ist ver- hältnissmässig gering; er beträgt bis zum Schluss der zweiten Periode nicht mehr als 2,95 Proz. Die Abnahme des fetten Oels ist eine nur geringe und die Veränderung, die dasselbe erfährt, scheint mehr qualitativer als quantitativer Natur zu sein, indem der flüssige phosphorhaltige Theil desselben sich vermindert, während der feste wachsartige sich vermehrt. Der Gesammtstickstoffgehalt erleidet während des Keimens so gut wie keine Veränderung, aber in den stickstoffhaltigen Verbindungen gehen wesentliche Umsetzungen vor sich. Ein grosser Theil der im Samen un- löslich vorhandenen Eiweisskörper wandelt sich in lösliche um, und zwar ist nach erfolgter Keimung im Stengelglied und in der Kadikula der lös- liche Stickstoff fast nur in der Form von Asparagin vorhanden. Der in dem entstandenen Asparagin enthaltene Stickstoff ist fast gleich dem in den verloren gegangenen Eiweisskörpern enthalten gewesenen. Die lös- lichen Kohlehydrate nehmen anfangs an Menge rasch zu, um sich bald wieder zu vermindern; im Stengel- und Wurzel -Glied häufen sie sich stärker an als in den Kotylodenen. Die Menge der unlöslichen Kohlehydrate erfuhr während der kurzen Keimzeit keine in die Augen fallende Veränderung; das Wurzelglied zeigte sich an Zellstoff prozentisch am reichsten; die meiste Stärke wies das Mikroskop im hypokotylen Gliede nach. Die Aschen an alysen zeigen im Allgemeinen, dass die Pflänzchen während des Keimens -selbst aus dem mit Salzsäure ausgekochten Sande eine Portion Mineralstoffe aufgenommen haben, — und im Speziellen, dass in die Keimtheile das Kali, die Schwefelsäure, Phosphorsäure und das Chlor in reicherem Masse übergeführt wurden, als die übrigen Mineral- stoffe. ueber die Ueber die chemisch-physiologischen Vorgänge während pbysioio- °*er Keimung der Kartoffel berichtet von Kappard.*) — Jeder gischen unterirdische Tragfaden einer Kartoffelpflanze, an dem sich später eine Vorgänge Knolle bildet, ist ein Stammtheil der Pflanze, wie daraus hervorgeht, dass während der " .. u Keimung wenn man den oberirdischen Stamm mit den grünen Blättern abschneidet, der jeder Tragfaden den Boden durchbricht und neue Blätter bildet. An die- Kartofr.i. gen Tragfäden nun bilden sich die Knollen dadurch, dass von dem Kam- bium aus eine Anschwellung erfolgt. Die Kartoffel ist also nichts, als ein stark angeschwollener Zweig, der durch Dickenwachsthum vom Kam- bium gebildet wird; dieselbe hat in der Jugend noch auf der Epidermis eine grosse Anzahl von Spaltöffnungen wie jeder andere Zweig, welche erst verschwinden, wenn das Periderm sich bildet. Die dunklere oder • hellere Linie, die man durch eine Kartoffelknolle hindurchgehen sieht, be- *) Annalen der Landwirtschaft in den königlich preussischen Staaten. Bd. 50. S. 393. Das Keimen. 97 zeichnet das Kambiumgewebe zwischen Mark und Rinde, da, wo ein Auge liegt, tritt dasselbe dicht an die Epidermis heran und die Knospe steht in unmittelbarer Berührung mit dem Kambium, das ihr immer neue Nah- rung zuführt. Das Kambium besteht aus sehr zarten, dünnwandigen Zellen, die nach aussen fortwährend neue Bastzellen, nach innen neue Holzzellen erzeugen. Die in der Knolle abgelagerten Reservestoffe — Eiweisssubstan- zen und Stärke — sind in diesen Geweben ungleich vertheilt. Die Stärke ist in den saftigen Parenchymzellen des Markes und der Rinde abgelagert, während sie im Periderm, im Kambium, in den Holzzellen und den luft- führenden Gelassen fehlt. Die Parenchymzellen sind dazu bestimmt, die Stärke fortzuführen, während die Gitter- oder Leitzellen die Eiweissstoffe durch die Pflanze hindurchschaffen. Wenn die Kartoffel keimt, erhebt sich die Knospe in der Art, dass sie so lange der Keim sich im Boden befindet, in einem scharfen Knie nach unten gebogen bleibt; erst wenn sie den Boden durchbrochen hat, richtet sie sich auf und entfaltet ihre ersten Keimblätter. Schon während dieser Periode werden kleine Schuppen am Stamm gebildet und entstehen um diese herum kleine Augen. Aus letzteren entwickeln sich die Wur- zeln, während erstere sich bald als junge Knospen erkennen lassen, die zu Tragfäden auswachsen, um später durch Verdickung die neuen Knollen zu bilden. Die Knospen und Wurzeln entspringen unmittelbar aus dem Kambium des jungen Stammes. Diese Bildungen erfolgen auf Kosten der Reservestoffe aus der Mutterkuolle und wenn diese erschöpft sind, hat der oberirdische Stamm in der Regel 8—10 Blätter gebildet. In Betreff der Stoffveränderung und Stoffwanderung während des Kei- mens bemerkt Verfasser, dass die Eiweisskörper durch die Gitter- und Leitzellen übergeführt werden, welche in der Keimzeit stets mit diesen Stoffen erfüllt sind, während die Stärke durch Diastasebildung gelöst und in Stärkezucker übergeführt durch die Parenchymzellen nach dem Keim hinüberdiffundirt und dort theilweise in Stärke zurückverwandelt wird. In der ungekeimten Kartoffel gelang es Verfasser nicht, eine Spur von Stärke- zucker aufzufinden, dagegen war dieser Stoff in der gekeimten Kartoffel, aber nur dicht neben dem Keime und in reichlicher Menge in dem Keime selbst und zwar in dem Parenchymgewebe der Rinde und des Marks nach- zuweisen. Verfasser fügt einige analytische Daten bei. Es wurden ge- funden in 100 Gramm Substanz: Stickstoff. Eiweissstoffe. Gramm. Gramm. Kartoffel vor der Keimung 0,568 3,545 Kartoffel, nachdem sie im Dunkeln 4 — 5" lange Keime getrieben 0,552 3,454 Verlust bei der Keimung 0,016 0,091 In den Keimen wurden davon gefunden .... 0,014 0,088 Jahresbericht X. 7 98 Das Keimen. Bei einem zweiten Versuch : Stickstoff. Eiweissstoffe. Gramm. Gramm. Kartoffel vor der Keimung 0,588 3,680 Kartoffel, nachdem sie im Dunkeln 8—10" lange Keime getrieben 0,530 3,312 Verlust bei der Keimung 0,058 0,368 Davon in den Keimen gefunden 0,057 0,356 Und es wurden erhalten in 100 Gramm Substanz: Stärke. Gramm. Kartoffel vor der Keimung 14,93 Kartoffel, nachdem sie im Dunkeln S — 10" lange Keime getrieben 10,82 Also diffundirt während des Keimens 4,11 4,11 In den Keimen wurde wiedergefunden 1. Stärke . 0,378 2. Zucker auf Stärke berechnet 0,090 Summa 0,468 0,468 Es waren somit zur Athmung und zur Bildung der Zellhäute verbraucht 3,842 Die Zahlen bestätigen für die Kartoffel die für andere Pflanzen längst nachgewiesene Thatsache, dass die Eiweissstoffe während der Keimung mir in der Hauptsache dazu dienen, direkt aus der Mutterkartoffel in die Keime übergeführt und dort als Baustoff für die neuen Organe der jungen Pflanze verwendet zu werden, während die Stärke nur zum Theil für den Aufbau der Keimpflanze benutzt, zum grossen Theil durch Athmung zer- stört und in ihre Elemente zerlegt wird. Verfasser vervollständigt seine Arbeit noch durch einige weitere An- gaben theils praktischer, theils theoretischer Art, von denen wir folgende kurz wiedergeben : Wenn Kartoffeln dem Lichte ausgesetzt aufbewahrt werden, so keimen sie schwer, besonders in trockner Atmosphäre. Kartoffeln, die unter eine Glasglocke im Zimmer hingelegt wurden, fingen erst im Juli an zu keimen, während andere unter einem schwarzen Pappdeckel schon sehr lange Keime trieben, besonders wenn sie durch Besprengen mit Wasser in einer feuchten Atmosphäre gehalten wurden. Ueber die zum Keimen nothwendige Wärme giebt folgender Versuch Aufschluss: Es wurden zwei Thermometer 4 und 6 Zoll tief in Erde ein- gegraben und in die Nähe der Kugeln je 4 Kartoffelknollen am 7. Februar, 15. März und 4. April gelegt. Sämmtliche Knollen keimten so ziemlich zu gleicher Zeit. Folgende Tabelle giebt Auskunft über die Spezialitäten des Versuchs. Das Keimen. 99 Die K a r t o f f e 1 n Summa der abge esenen wurden gelegt. keimten. brauch- ten bis zum Keimen Tage. Temperaturgrade. Bemer- Mor- gens 8% Uhr. Nach- mittags ü'/ 2 Uhr. Mittel. der Morgen- Temper. der Mittags- Temper. Mittel. kungen. »i . Da- Monat - tum. Monat - tum. Februar März April Februar März April 7. 15. 4. 7. 15. 4. April April April April April April 21. 18. •23. 21. 23. 23. 74 ; 33 19 74 39 19 394 216 169 394 210 166 554 310 236 478 263 206 474 263 202 437 236 186 5,3 6,5 8,9 5,3 5,4 8,8 7,5 9,4 12,6 6,5 6,7 10,8 6,4 8 10,7 5,9 6 9,8 , 4 Zoll tief ' gelegt. , 6 Zoll tief ' gelegt. Zu Anfang des Versuchs sank die Bodentemperatur wiederholt unter 4° C. und Verfasser überzeugte sich, dass bei dieser Temperatur keine Keimung statt hat. Elimiuirt man aus dem Versuche alle Tage, in denen die Bodentemperatur unter 4° sank, so ändern sich die obigen Zahlen in nachstehender Weise: Kartoffeln 4 Zoll tief gelegt Kartoffeln 6 Zoll tief gelegt und zwar brauchten zum Keimen bei einer durch- schnittlichen und zwar brauchten zum Keimen bei einer durch- schnittlichen am Tage. Tages-Temper. am Tage. Tages-Temper. 7. Februar 49 7,7o c. 7. Februar 50 6,9 « C. 15. März 32 8 „ 15. März 38 8 „ 4. April 19 10,7 „ 4. April 19 9,8 „ Für die Praxis zeigen die Versuche, dass ein zu frühzeitiges Legen der Kartoffel keinen Gewinn bringt, indem die Vegetation dadurch nicht beschleunigt, die Knolle aber durch zu langes Verweilen im Boden mehr dem Verderben ausgesetzt wird. Ueber die Temperatur, bei welcher die Kartoffel erfriert, werden end- lich folgende Angaben gemacht: Eine Anzahl junger Kartoffelpflanzen in Töpfen, von denen einige soeben ihre Knospen über dem Boden erhoben, einige 2, andere 4 — 6 Blätter entfaltet hatten , wurden am 20. März ins Freie gestellt. Ueber einigen davon wurde in der Höhe von 10 Zoll hori- zontal ein Brett befestigt. Am 23. sank die Temperatur auf — 0,9° K. und stieg am 24. Mittags auf 9,2° K. An den beiden folgenden Tagen war keine Veränderung an den Pflanzen wahrzunehmen. Am 3. bis 7. Tage aber zeigten sich bei den unbedeckten Pflanzen Frostschäden, während die unter dem Brett befindlichen und zwei andere, die eben ihre ersten Blätter entfaltet hatten, unversehrt blieben. Der Verauch zeigt, dass der Frostschaden wesentlich durch die Wärmestrah- lung der Blätter selbst bedingt wird und erklärt es, wie grössere Pflanzen schon bei einer Lufttemperatur, die 0° noch nicht erreicht, durch Frost leiden kommen. 7* ]00 Das Keimen. ueber den Ueber den Einfluss verschiedener Substanzen auf die Einfluss Keimung stellte Carey Lea*) eine grosse Anzahl von Experimenten verschie- mit Weizenkörnern an, deren Eesultate kurz folgende waren: Substanzen In reinem Wasser keimten die Körner im Allgemeinen am besten, auf die Kei- Zuckerlösung und Glycerin verhielten sich indifferent. In einer Gummi- mung ' lösung hatten weniger Samen gekeimt, die jungen Pflänzchen waren aber um die Hälfte grösser geworden als im Wasser; auch schwefligsaures Natron und salpetersaures Ammoniak beförderten das Wachsthum — nicht aber die Keimung — etwas, während chlorsaures Kali dasselbe beein- trächtigte. Die Pflanzen in Citronensäure und übermangansaurem Kali waren klein und hatten keine Wurzeln. Kohlensaures Natron, doppeltkoh- lensaures Kali, Ammoniak, Bromammonium, Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure, alle in geringer Menge zugesetzt, verzögerten die Keimung. Die freien Säuren, namentlich die Salzsäure zeigten sich dabei viel schäd- licher, als die freien Alkalien. Ein Kupfer-Zinkelement, welches in das Wasser gestellt wurde, verzögerte das Wachsthum um ein Drittel. „ . . Hosaeus**) wiess beim Keimen der Getreidekörner dasAuftre- Ueber das ' Auftreten ten von Ammoniak zunächst qualitativ nach und bestimmte dann die von Ammo- Menge desselben auch quantitativ in folgender Weise: Man brachte luft- "Keimu'ng 6 ' trockene oder angequellte Getreidekörner mit ein wenig Wasser in eine Kochfiasche und liess sie darin keimen. Während dieses Prozesses leitete man durch die Flasche einen ununterbrochenen Strom von atmosphärischer Luft, die vorher durch Kalilauge und Schwefelsäure gewaschen worden war, und die nach dem Austritt aus der Flasche zwei mit Schwefelsäure und Barytwasser gefüllte Apparate passirte. Nach Beendigung des Keim- prozesses wurde das Ammoniak und die Kohlensäure, die sich mit dem Luftstrom aus den keimenden Körnern verflüchtigt hatten, durch Titriren bestimmt. Gleichzeitig ersetzte man die Vorlagen durch neue, stellte den ganzen Apparat wieder vollständig zusammen, brachte unter die Koch- flasche ein Wasserbad und trocknete die Körner im Luftstrome vollständig aus. Man fand so die Quantität Ammoniak, die sich noch in dem Ge- webe der feuchten gekeimten Samen, resp. in der Keimflüssigkeit erhalten hatte. Und endlich zerrieb man die getrockneten Körner, zog sie mit Wasser aus, fällte die Lösung mit Alkohol, entfernte durch Kochen das Eiweiss und bestimmte in dem Auszug das Ammoniak, welches als nicht llüchtiges Ammoniaksalz vorhanden gewesen war, durch Kochen mit Kali. Der letzteren Operation wurden auch zum Vergleich natürlich frische unge- keimte Samen unterzogen. *) Chemisches Centralblatt. 1867. S. 688. Nach Amer. Joum. of sc. and Bits. 1867. S. 197. **) Landwirthschaftl. Centralblatt f. Deutschland. 1867. U. S. 97. Das Keimen 101 Die Resultate, die Hosaeus hierbei erhielt, waren kurz folgende: Ammoniak in Prozenten der luft- trockenen Körner: Gerste. Roggen. Weizen. a) bei dem Keimen entwichen 0,170 0,102 0,051 b) bei dem Trocknen der Keimkürner entwichen 0,127 0,068 0,207 t c) aus dem (iewebe der getrockneten Keim- körner durch Ausziehen mit Wasser erhalten 0,255 0,136 0,080 Summa von a) b) und c) . . . 0,074 0,306 0,33'J d) in den ungekeimten Samen gefunden . . 0,074 0,106 0,063 Die Menge der bei dem Keimen enthundenen Kohlensäure betrug in Prozenten der lufttrockenen Körner: Gers'te. Roggen. Weizen. a) bei dem Keimen entwichen 6,470 3,352 1,127 b) bei dem Trocknen der Keimkörner entwichen 0,930 0,300 1,475 Summa von a) und b) .... 7,400 3,652 2,602 Temperatur, Keimzeit und Entwicklung des Keims waren in den Ex- perimenten bei den drei Getreidearten nicht gleich. Ueber den Einfluss des Dampfmaschinendrusches und Einnuse des des Einbeizens auf die Keimkraft des Samenweizens veran- Ausdruscbes auf die lasste der Mecklenburgische patriotische Verein zwei Reihen von Keim- Keimkraft, versuchen. Es wurden Proben aus drei verschiedenen Wirtschaften Mecklenburgs gesammelt, von denen Probe No. 1) bei raschem Gange der Dampfmaschine mit Patent-Elevator, No. 2) bei raschem Gange der Dampfmaschine mit Paternosterwerk, No. 3) bei raschem Gange der Dampfmaschine, No. 4 bei raschem Gange der Pferd egöpelmaschine und durch Ausstäu- ben mit der Wurfschaufel, No. 5) bei langsamem Gange der Dampfmaschine mit Patent-Elevator, No. 6) bei langsamem Gange der Pferdegöpelmaschine mit Zylinder, No. 7) bei langsamem Gange der Pferdegöpelmaschine ohne Zylinder, No. 8) durch Handdrusch, No. 9) durch Ausreiben mit der Hand und No. 10) durch Ausreiben mit der Hand gewonnen worden war, und dem Universitäts-Laboratorium zu Rostock und dem physiologischen Laboratorium des landwirtschaftlichen Lehrinstituts zu Berlin behufs Prüfung der Keimfähigkeit, resp. der Widerstandsfähig- keit der Samen gegen die gebräuchlichsten Beizmittel übergeben. 102 Das Keimen. a) Resultate der in Rostock von Dr. "Weidner ausgeführten Versuche.*) Von 100 Körnern Von 100 Körnern keimten waren beim geb. mit Kupfer- von dem Proben. Dreschen unge- Kalk, 1 Th. gebeizten zerschlagen heizt. Kalk 850 Th. Wasser 100 Pfd. Körner. Samen im Mittel. worden. 48 Stunden. No. 1. Rascher Gang mit 1,83 96 91 3S 52 No. 2. Rascher Gang mit Paternoster .... 1,89 96 92 61 40 No. 3. Rascher Gang mit Paternoster .... 0,50 98 92 53 60 No. 4. Schnellerer Gang mit Wurfschaufel . 0,40 96 95 75 80 No. 5. Langsamer Gang mit Elevator . . . 1,10 98 99 56 68 No. 6. Langsamer Gang mit Zylinder . . . 0,90 98 98 76 85 No. 7. Langsamer Gang ohne Zylinder . . . 1,08 95 94 70 75 No. 8. Handdrusch .... 99 99 97 98 No. 9. 98 97 96 93 No. 10 100 96 98 97 Mittel 97 95 72 b) Resultate der in Berlin von Dr. Sorauer geleiteten Versuche.**) Von je 100 Körnern keimten nngebeizt. gebeizt mit Proben. Kalk in ge- sättigter Lösung- 1 Tag. Kupfervitriol, Vi, Pfd. Vitriol, 8 Pfd. Wasser pro 100 Pfd. Körner. 1 Tag. No. 1. Rascher Gang mit Elevator .... No. 2. Rascher Gang mit Paternoster . . . No. 3- Rascher Gang mit Paternoster . . . No. 4. Schnellerer Gang mit Wurfschaufel No. 5. Langsamer Gang mit Elevator . . . No. 6- Langsamer Gang mit Zylinder . . . No. 7. Langsamer Gang ohne Zylinder . . 100 100 100 100 88 96 100 100 100 96 100 92 100 96 84 96 88 100 60 72 32 88 68 60 72 88 92 100 100 96 Mittel 98 95 73 *) Landw. Annal. <1. meckl. patr. Vereins. 1867. S. 185. **) Landw. Annal. d. meckl patr. Vereins. 1867. S. 266. Das Keimen. 1 03 In Rostock wurden die Keimversuche theüs in Erde, theils zwischen feucht gehaltenen wollenen Lappen, in Berlin in feuchter Atmosphäre unter Glaskästen angestellt. An heiden Versuchsorten waren den hier mitge (heilten Versuchsreihen noch einige weitere hinzugefügt und zwar: In Rostock: Samen mit 'A Pfd. Kupfervitriol zu 100 Pfd. Körner G Tage und Samen mit '/« P fcl - Kupfervitriol pr. 100 Pfd. Körner 4S Stunden, in Berlin: Samen mit 1 /k Pfd. Kupfervitriol pr. 100 Pfd. Körner 2 und 3 Tage, desgleichen mit '/ß Pfd. Kupfervitriol 1, 2 und 3 Tage, desgleichen mit l /< Pfd. Kupfervitriol 1, 2, 3, 6 und 9 Tage gebeizt. In allen diesen Fällen war die Einwirkung des Beizmittels zu stark gewesen, so dass die Keimfähigkeit nicht nur der mit Maschinen ausgedroschenen, sondern auch der mit der Hand ausgeriebenen Körner mehr oder weniger beeinträchtigt wurde ; die betreffenden Reihen blieben deshalb hier unberücksichtigt. Die Schlüsse, zu welchen die Versuche führten, lassen sich in folgende Sätze zusammenfassen: Die Menge der Körner, die beim Dreschen mit Maschinen zerschlagen werden, ist eine geringe; im Durchschnitt der hier benutzten Proben machte sie 1,1 Proz. aus und betrug im ungünstigen Falle (Dampfmaschine mit Paternosterwerk bei enger Stellung und raschem Gange) 1,9 Proz. Die Keimfähigkeit der Samen wird durch den Maschinendrusch nicht merklich beeinträchtigt, es zeigten sich im Durchschnitt aller Versuche 97 — 98 Prozent der Samen keimfähig. Der Einwirkung von schwachen Beizmitteln wiederstehen die durch Maschinendrusch gewonnenen Samen ungefähr ebenso gut, wie die mit der Hand ausgedroschenen oder ausgeriebenen. Nach dem Einbeizen mit Kalk keimten noch von den mit der Maschine gedroschenen Körnern .... 84 — 100 Proz., von den mit der Hand gedroschenen oder ausgeriebenen 88 — 100 Proz. Dagegen erleiden offenbar eine Menge Körner beim Maschinendrusch Verletzungen der Oberhaut, die, wenn auch unscheinbar, doch genügend sind, um den heftiger wirkenden Beizen eine tödtliche Einwirkung auf den Weizenkeim in derselben Zeit und bei derselben Konzentration zu gestatten, die nöthig sind zur Tödtung der Pilzkeime. Nach dem Ein- beizen mit der gewöhnlich gebrauchten Kupfervitriollösung keimten noch von den durch Maschinendrusch erhaltenen Körnern . 32 — S8 Proz., i. M. 63 Proz., von den durch Handdrusch gewonnenen 88 — 97 Proz., i. M. 93 Proz., von den ausgeriebenen Körnern 92 — 98 Proz., i. M. 96 Proz. Die Kupfervitriol-Beize , die sich bei den ausgeriebenen oder mit der Hand ausgedroschenen Proben unschädlich erwies, hatte also durchschnitt- lich etwa l /a der mit Maschinen ausgedroschenen Körner getödtet. Bei der Sektion dieser Samen zeigte sich der Eiweisskörper zwar stets völlig 104 Assimilation und Ernährung. weiss und von Beize frei, der Embryo aber leicht blau grün gefärbt und von Kupfersalz mehr oder weniger tief durchdrungen. Augenscheinlich übt die Gangart der Maschine bei diesen Verletzun- gen einen Einfluss aus. Es blieben keimfähig von den Körnern die bei raschem Gange der Maschine gedroschen wurden 32 — 72, i. M. 53 Proz., bei langsamem Gange der Maschine 56 — 76, i. M. 67 Proz. Ebenso lässt sich eine schädliche Einwirkung des Elevators und Pa- ternosterwerks nicht verkennen. Denn von dem bei schnellerem Gange der Maschine gedroschenen aber dann nur mit der Wurfschaufel ausge- stäubten Körnern blieben nach dem Beizen mit Kupfervitriol noch keim- fähig 75 und 88 Proz. Nach Allem dürfte es sich empfehlen, in den Fällen, wo ein Ein- beizen des Samens mit Kupfervitriol für nothwendig erachtet wird, also besonders beim Weizen und vorzugsweise bei den Sorten, die schwer aus dem Stroh gehen und eine dünne Schale haben, das Saatgetreide mit der Hand auszudreschen, oder mindestens bei langsamem Gange der Maschine und unter Beseitigung des Elevators oder Pateniosterwerks. Einfluss der Ueber die Einwirkung des Inductionsstroms auf den Keimprozess findet EIektncItat sich weiter unten in der Arbeit von Blondeau „über den Einfluss der auf die K«i- mung. Elektricität auf die Pflanzen" eine bemerkenswerthe Mittheilung, auf die wir hiermit aufmerksam machen. Imbition und Saft- bewegung in der Pflanze. Assimilation und Ernährung. Unter dem Titel: Ueber Imbibition und Saftbewegung in der Pflanze giebt Hallier*) im Auszuge die Ergebnisse einer grösse- ren Arbeit, welche bestimmt ist, zu zeigen, dass die zwei bisher als be- wiesenen angenommenen Sätze: „das Protoplasma der Pflanzen nehme im lebenden Zustande Pflanzenfarbstoffe nicht zwischen seine Moleküle auf, imbibire sie also nicht" — und „der Saft steige in den Holzpflanzen im Holze und in den Gefässen empor" — in der Allgemeinheit, wie sie aus- gesprochen sind, falsch seien. Als Farbstoffe, mit Hülfe deren sich Im- bibition und Saftbewegung leicht ad oculos demonstriren liess, wandte Verfasser Saft von dunkeln Sauerkirschen, Saft von Heidelbeeren und Indigo-Schwefelsäuro an, und bemerkt dazu, dass sich alle drei Farbstoffe gegen dikotyle und monokotyle Pflanzen ganz gleich verhielten, dass aber Indigo-Schwefelsäure und Kirschsaft in alle Gewebe ungleich rascher ein- drangen, als der Heidelbeersaft. *) Die la'ndwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 1. Assimilation und Krnährunp. 105 1) Saftaufnahme der Blätter von aussen. Es wurden Blätter sehr verschiedener Pflanzen theils oherseits, theils unterseits, theils beider- seits mit Farbstoff bestrichen und der Uebergang des letzteren in das Gewebe mit Hülfe des Mikroskops verfolgt. Verfasser fand, dass der Farbstoff immer und nur an denjenigen Stellen aus der Oberhaut, welche er fast immer ganz und gar tränkte, in die übrigen Gewebetheile über- trat, wo diese chlorophyllleer waren. Niemals wurden die Chlorophyll- zellen gefärbt. Der Farbstoff drang leicht in das Gefässbündel der Nerven vor, wenn dasselbe, wie gewöhnlich, durch chlorophyllfreies Ge- webe mit der Oberhaut in Verbindung steht und zwar nicht nur durch Imbibition in die Zell wand, sondern ebenso durch Diffusion in den Zell- saft. Begierig wird die Farbeflüssigkeit von den Haaren der Oberhaut aufgesogen und man beobachtete, dass die chlorophyllfreien Chlorophyll- zellen der weissen Streifen bei Tradescantia zebrina Hort, den Farbstoff energisch aufsaugen, wie jedes andere chlorophyllfreie Gewebe. 2) Saftaufnahme krautiger abgeschnittener Pflanzen- theile durch die Schnittfläche. Wurden krautige abgeschnittene Pflanzentheile, z. B. beblätterte Stengel mit der Schnittfläche in die Farb- stofflösung gebracht, so stieg dieselbe in den Gefässbündeln, namentlich im Kambialstrang und Kambialzylinder derselben empor und ging in die Gefässbündel der Blattstiele und Blätter über, um von dort überall da, wo dieselben durch chlorophyllfreies Gewebe mit der Oberhaut in Ver- bindung standen, in diese überzugehen. Der Farbstoff verfolgte also ge- nau denselben Weg, wie bei der Imbibition durch die Oberhaut, nur in umgekehrter Richtung, aber ebenfalls mit strenger Vermeidung aller chlorophyllhaltigen Zellen. 3) Aufsteigen des Saftes im Stamm und in den Zweigen der Holzpflanzen. Setzt man den abgeschnittenen Zweig einer Holz- pflanze in die farbige Flüssigkeit, so sieht man leicht, dass derselbe rasch nur im Kambialring emporsteigt. Von dort dringt der Farbstoff, durch die Markstrahlen nach innen , durch die Prosenchymzellen nach oben geleitet, langsam und allmählich in das Holz ein, tritt aber anfangs gar nicht in das Lumen der Holzzellen über, sondern wird nur in die Zellwand imbibirt. Trifft der Farbesaft auf hohle Röhren, wie abgestorbene Holzzellen, Gefässe, Harzgänge u. s. w., so wird er in denselben durch Capillarattraktion • rascher gehoben, als in dem Holze, doch kann diese Wirkung nicht entfernt mit dem Saftsteigen im Kambium verglichen werden. Die eigentliche Saftbewegung kommt also lediglich dem Kam- bialzylinder und bei den Monokotyledonen den Kambialsträngen zu, wäh- rend das Holz den Wasservorrath seitlich aufsaugt, um aus diesem Magazin gelegentlich die Pflanze zu tränken. — Als bei mehreren Pflanzen die Aufnahme der Farbstoffe durch die W urzel geprüft wurde, erhielt man im Wesentlichen genau dieselben Resultate, wie mit den abgeschnittenen Zweigen. Bei todten Hölzern aber werden die Verhältnisse ganz andere. 106 Assimilation und Ernährung. entfaltung. Unter- Untersuchungen über die Ursache der Knospen-Entfal- suchungen tung.*) — Unter dieser Ueberschrift theilte F. Schulze in Eostock Ursache der folgende Reihe von Experimenten mit: Knospen- Wenn man abgeschnittene Blüthenzweige von Kastanien, Robinien oder Rosen, an denen die Blüthenknospen noch sehr wenig entwickelt waren, mit der Schnittfläche in Wasser setzte, so behielten sie zwar eine Zeit- lang ein gesundes Ansehen, kamen aber zu keiner weiteren Entwickelung. Wurde dagegen das Schnittende mittels eines Kautschuckschlauchs mit dem kürzeren Schenkel eines knieförmig gebogenen und mit Wasser ge- füllten Glasrohres verbunden, so brachte der hydrostatische Druck eine weitere Entwickelung der Blüthen- und Blattknospen zuwege. Diese Weiter- entwickelung hörte aber stets nach einiger Zeit auf, mochte das Glasrohr mit destillirtem Wasser, oder Brunnenwasser, oder einem Wasserauszug von Ackererde gefüllt, — mochte es 5 oder 80 Fuss hoch sein. Nur bei Weiden glückte es, sie so lange frisch zu erhalten, bis sich neue Wurzeln gebildet hatten. Als begleitende Erscheinung und wahrscheinliche Ursache des Stillstandes in der Entwicklung der übrigen Pflanzen wurde beobachtet, dass sich allmählich aus der Rinde organische Stoffe lössten, die das Druck- wasser färbten und Fäulniss-Erscheinungen hervorriefen. Es wurde des- halb im Verfolg der Experimente die Rinde der Zweige neben der Schnitt- fläche soweit weggeschabt, dass das in der Glasröhre befindliche Wasser dieselbe nicht mehr nässen konnte, vielmehr in den nackten Holzkörper allein hineingepresst wurde — und der Erfolg dieser Abänderung war, dass man jetzt eine auffallend weiter gehende Entwickelung der Blätter erhielt, die hoffen lässt, dass man durch diese Manipulation holzige Zweige von den Pflanzen, die einer Bewurzelung auf solchem Wege überhaupt fähig sind, bis zur Bildung von Saugwurzeln aus der Rinde an der Stelle, bis zu welcher dieselbe abgeschabt ist, bringen kann. Unter- suchungen über die von der Hopfen- pflanze verdunstete und aufgesogene Wasser- menge. Untersuchungen über die von der Hopfenpflanze ver- dunstete und aufgezogene Wassermenge von Fleischmann und Hirzel.**) — Bei ihren Arbeiten über den schwarzen Brand am Hopfen***) fühlten sich die Verfasser zu einer näheren Prüfung der vielverbreiteten Ansicht veranlasst, dass die Krankheit durch ein Stocken der Säfte und deren Uebergang in einen veränderten abnormen und für die Ernährung unbrauchbaren Zustand veranlasst werde. Zu diesem Behufe wurde die Verdunstung von jungen und alten, von gesunden und kranken Blättern einerseits und die Wasseraufnahme von gesunden und befallenen Reben andererseits bestimmt, und zwar in der Art, dass man ad 1 frisch von der Pflanze abgeschnittene Blätter an der Waage befestigte und ihren Ge- wichtsverlust von lü zu 10 Minuten notirte, und dass man ad 2 die Ranken eines Hopfenstocks hart am Boden mit schiefem Schnitt abtrennte *) Botanische Untersuchungen von Karsten. Bd. I. **) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. ***) Vergl. unter „Pflanzenkrankheiten". 143. 178. Assimilation und Ernährung. 107 und schnell in mit Wasser gefüllte Kolben einführte, die mit Erde über- deckt wurden. Die von den Banken aufgenommenen Wassermengen wurden in bestimmten Zwischenräumen ermittelt und ersetzt. Als Resultat der Arbeit stellt sich heraus: Alte Blätter verdunsten mehr als junge und zwar gaben von den im Versuch benutzten Blättern die alten bei gleichen Flächen und in gleichen Zeiten durchschnittlich 2,2 mal mehr Wasser ab, als die jungen. -- Ferner : die Verdunstungsgrösse ist bei alten Blättern in weit höherem Grade von der Luftfeuchtigkeit abhängig, als bei jungen. — Weiter: bringt man ab- geschnittene Blätter, die schon den grösseren Theil ihres Wassergehalts durch Verdunstung verloren haben, in einen geschlossenen mit Wasser- dunst gesättigten Raum, so tritt ein Zeitpunkt ein, wo die weitere Ver- dunstung aufhört und statt dessen sogar eine Wasseraufnahme durch die Blätter erfolgt. Dieser Zeitpunkt tritt bei alten Blättern früher ein, als bei jungen. — Aus Allem ergiebt sich, dass die Verdunstung der alten Blätter weit mehr abhängig ist von äusseren Einflüssen, als die der jungen, und dass in letzteren stets eine relativ grössere und gleichförmigere Spannung vorhanden sein muss, als in ersteren. Bei den kranken Blättern war von einer gestörten oder unterdrückten Verdunstung trotz des Pilzüberzuges Nichts zu merken, im Gegentheil zeigten die kranken Blätter, deren Spaltöffnungen an der oberen Blattfläche zum Theil verstopft sein konnten, ein offenbar gesteigertes Verdunstungsvermögen, welches wahrscheinlich durch die von den Blattläusen an der Epidermis der untern Blattfläche hervorgebrachten Verletzungen zu erklären ist. Die Wasseraufsaugung war im hohen Grade abhängig von der Wit- terung und zeigte ganz bedeutende Schwankungen. Ein Unterschied zwischen dem Aufsaugungsvermögen der kranken und befallenen Reben war nicht zu konstatiren. Sämmtliche Beobachtungen führten zu der Ueberzeugung, dass ein Stocken der Säfte nicht als Ursache des schwarzen Brandes am Hopfen betrachtet werden kann. Von dem reichen Zahlenmaterial theilen wir folgende Angaben mit: Es verdunsteten sei In 24 Stunden aus der Ver- dunstungsgrösse j Verdunstungs- Blatt. Luft-Tempe- Relative Feuch- fläche (obere u. der ersten ratur von Grad tigkeit der Luft. untere Blatt- 10 Minuten be- Reaumnr. seite). rechnet. Proz. DCentimtr. Grm. Wasser. -a ' alt jung 1. 2. } 13,6 73 f 1221,5 158,5 48,37 1,61 alt J un g 3'. 4. } 14,0 81 ! 894,2 178,0 16,42 2,88 alt 5. } 1-^8 83 { 1197,4 30,16 jung 6. 93,4 1,44 gesund krank 7. 8. 12,8 90 720,0 492,2 16,07 11,87 gesund krank 9. 10. } 14,0 78 J 511,7 481,7 9,57 7,00 108 Assimilation und Ernährung. Eine Pflanze, welche 3 Banken mit 92 alten und 454 jungen ge- sunden Blättern hatte, nahm in den Aufsaugungsversuchen bei sonniger heiterer Witterung und massigem Wind innerhalb 6 Stunden 937,1 Gramm Wasser durch die Schnittflächen der Ranken auf. ueber die Ueber die Bewegung der Gase in den Wasserpflanzen, von Bewegung l e ch ar ti er.*) — An einer in einem Flusse stehenden und unter nor- den Wasser- malen Verhältnissen befindlichen Nymphaea, deren Blätter noch unter- pflanzen, getaucht waren, wurde am 23. August Mittags das oberste Blatt an seiner Basis abgeschnitten und der sofort aus dem Blattstiel hervorbrechende lebhafte Strom von Gasblasen in einem Zylinder aufgefangen. Die Gas- entwickelung dauerte ohne Unterbrechung fort bis zum Eintritt der vollen Dunkelheit, obgleich das Gas in dem Zylinder zuletzt unter einem Druck von 26 Centimeter Wasser über der Pression der Atmosphäre stand. In der Nacht blieb der Stand des Gases unverändert und am folgenden Tage 87« Uhr Morgens begann unter der Einwirkung des Sonnenlichtes die Gasentwickelung von Neuem und in derselben Stärke, wie Tags vorher. Im Ganzen wurden vom 23. Mittags bis 24. Abends 220 Kub. Centimtr. Gas erhalten. Die Zusammensetzung des am 24. von 8 Uhr 45 Minuten bis 11 Uhr aufgefangenen Luftgemenges war Sauerstoff . . . 12,0 Stickstoff . . . 88,0 Als man auch die noch tiefer stehenden Blätter abschnitt, entbanden die neuen Schnittwunden keine Luftblasen. Der stärkere Druck des Was- sers verhinderte hier den Austritt der Luft, und die Gasentwickelung an der Spitze des obersten Blattstiels wurde durch die Operation nicht gestört. Ein ähnliches Eesultat wurde erhalten, als man an einer Nymphaea, die erst ejin schwimmendes Blatt hatte, dieses an seiner Basis von dem Blattstiele trennte und dann sämmtliche untergetauchten Blätter mitsammt den Blattstielen hart am Stamme wegnahm. Die Gasentwicklung erfolgte lebhaft, ,aber nur an der Spitze des oberen Blattstieles, nicht an den Wunden am Stamme, und zwar dort noch unter einem Drucke von 1 8 Cen- timeter Wasser. Vom 21. Mittags bis 24. Abends wurden 1028 Kub. Centimeter Gas erhalten. Das am 23. aufgefangene Luftgemenge enthielt Sauerstoff . . . 10,0 Stickstoff . . . 90,0 Anders aber gestalteten sich die Verhältnisse, als man mit einer Nymphaea arbeitete, deren Blätter sämmtlich auf der Oberfläche des Wassers schwammen. In diesem Falle stand das Gas innerhalb der Pflanze offen- bar unter keinem höheren Drucke, als unter dem der Atmosphäre, man konnte den aus einer Blattstielwunde hervortretenden Gasstrom sofort da- durch unterbrechen, dass man den Blattstiel nur 1 Centimeter unter den *) Cumptes rendus. Bd. 65. S. 1087. Assimilation nnd Ernährung. 109 Wasserspiegel senkte; während man, wenn der Blattstiel in dem über- gestülpten mit Wasser gefüllten Zylinder 10 Centimetr über den äussern Wasserspiegel hob, einen so rapiden Gasstrom erhielt, dassman in 15 Mi- nuten 10 Zylinder ä 60 Kub.-Centimtr. füllen konnte. Das so erhaltene Gas wurde zu einigen eudiometrischen Bestimmungen benutzt, die fol- gende Zahlen gaben: 1) Gas, 6 Uhr 30 Min. früh gesammelt: 1. Zylinder. 5. Zylinder. 10. Zylinder. Kohlensäure ... 1,0 3,0 2,5 Sauerstoff .... 7,7 8,1 8,2 Stickstoff 91,3 88,9 89,3 2) Gas, 11 Uhr 30 Min. Vorm. gesammelt: 1. Zylinder. 5. Zylinder. 10. Zylinder. Kohlensäure ... 0,5 2,5 2,4 Sauerstoff .... 9,0 9,7 9,7 Stickstoff ..... 90,5 87,8 S7,9 3) Gas, 2 Uhr 30 Min. Nachm. gesammelt: 1. Zylinder. 5. Zylinder. Kohlensäure . . . 0,5 2,0 Sauerstoff .... 16,8 10,7 Stickstoff 82,7 87,3 Aus den Analysen schliesst der Verfasser: das im Stamm enthaltene Gasgemenge ist reicher an Kohlensäure, als das in den Blattstielen ent- haltene. An ein und demselben Punkte im Innern der Pflanze vermindert sich das Verhältniss der Kohlensäure und vermehrt sich das des Sauer- stoffs mit der längeren Einwirkung des Sonnenlichts, aber die Differenz zwischen den Stengel - und Blattstiel - Gasen bleibt konstant. Das Ver- hältniss des Sauerstoffs in dem Gasgemenge ist viel geringer, als in der atmosphärischen Luft. Die Resultate stimmen zum Theil mit den früher in einer weit ausführlicheren Arbeit von Knop erhaltenen, zum Theil weichen sie von jenen ab. Lechartier scheint die Knop' sehen Versuche nicht gekannt zu haben, die im Chem. Central- blatt 1851 S. 721, 1852 S. 465 und 1853 S. 646 ausführlich zu lesen sind. Ueber das Saftsteigen in den Bäumen zur Frühjahrszeit Ueber das macht Beyer in Anschluss an eine frühere Arbeit (vergl. Jahresbericht Saftst eigen 1865. S. 167.) weitere Mittheilungen.*) Dieselben bestehen im Wesent- Bäu n me n n 2ur liehen aus folgenden Sätzen: Frübjahrs- Im Frühjahrssaft der Hainbuche kommt kein anderes Kohlehydrat zeit - vor, als Krümelzucker. Die Säure, welcher derselbe seine saure Reaktion verdankt, ist Aepfelsäure. Neben Ammoniak und Eiweiss findet sich darin noch ein dritter stickstoffhaltiger Körper, welcher organisch, neutral und krystallisirbar ist, und welchen der Verfasser seinen Eigenschaften *) Chem. Ackersmann. 1867. S. 19 110 Assimilation und Ernährung. nach als Asparagiii anspricht -- eine Elenfentaranalyse konnte davon wegen Mangel an Material nicht ausgeführt werden. — Die Konzentration des aufsteigenden Saftes nimmt mit der Entfernung vom Boden ab. Es enthielten z. B. 100 Theile Birkensaft: am 1. Mai. am 3. Mai 1S65. entnommen ( a ( ( a __^ Trockensubst. Asche. Trockensubst. Asche. 2 Fuaa über dem Boden 1,201 0,054 1,157 0,05G 4 „ „ „ 1,010 0,045 1,147 0,050 6 „ „ „ 0,960 0,035 (»,975 0,046 Ueber die Mineralstoffe, welche den Frühjahrsknospen von dem auf- steigenden Safte vorzugsweise zugeführt werden, geben die nachfolgenden Analysen Auskunft, welche mit Material von ein und demselben Baume ausgeführt wurden: 100 Theile Asche enthielten: von Herbst- _ ,. ,, _ Frühjahrs- Blättern. Herbstknospen. Fruhjahrssaft. knospen. Kali 13,75 24,67 12,60 18,57 Kalk 30,66 25,05 29,82 16,88 Magnesia 8,10 9,40 8,17 8,82 Eisenoxyd 1,90 0,53 2,45 0,59 Manganoxyduloxyd . . . 3,63 — 4,85 2,10 Phosphorsäure 6,47 14,92 4,41 22,17 Chlor 2,28 0,85 1,38 1,99 Schwefelsäure 3,14 5,95 5,91 7,07 Kieselsäure — 0,56 — 0,61 1000 Theile Trockensubstanz enthielten: von Herbst- „'..", ,-, ,., . , ,. Frühjahrs- Blättern. Herbstknospen. I- ruhjahrssaft. knospen. Kali 6,18 8,33 8,44 9,43 Kalk 13,79 8,56 20,07 8,57 Magnesia 6,18 3,21 5,47 4,48 Eisenoxyd 0,85 0,18 1,64 0,30 Manganoxyduloxyd ... 1,63 3,24 1,06 Phosphorsäure ...... 2,83 5,10 3,05 11,26 Chlor 1,02 0,29 0,92 0,99 Schwefelsäure 1,41 2,03 4,05 3,59 Kieselsäure — 0,19 — 0,31 1000 Stück Knospen von durchschnittlich gleicher Entwicklungsstufe enthielten: Herbstknospen, Fiühjahrsknospen. Kali 0,1714 0,3194 Kalk 0,1741 0,2903 Magnesia 0,0653 0,1517 Eisenoxyd 0,0036 U,0097 Manganoxyduloxyd ... — 0,0361 Phosphorsäure 0,1038 0,3813 Chlor 0,0593 0,0342 Schwefelsäure 0,0407 0,1217 Kieselsäure — Assimilation und Ernährung. 111 Ueber transitorische Stärkebildung bei der Birke be- Uabor trän- richten Famintzin und Borodin.*) -- Die Aeste und besonders die s ^^ e dünnen Zweige der Birke lassen im Winter nur einen geringen Amylum- b iin g gehalt erkennen , nur im . Marke befinden sich beträchlichere Mengen bei der Stärkemehl, während Holz und Kinde fast völlig davon frei sind. Aehn- liche Verhältnisse zeigt der Stamm, dagegen findet man im Marke, in den Markstrahlen, im Holz- und Kindenparenchym der Wurzel zu dieser Zeit ganz beträchtliche Mengen Stärke, so dass das als Reservestoff fungirende Amylum hauptsächlich in der Wurzel seinen Sitz zu haben scheint. Bei Beginn der Vegetation nun fanden die Verfasser die männlichen Blüthen- stände, das oberste Internodium der Zweige, und die jungen Knospen mit Stärke überfüllt. (Ob auch die unteren Internodien und die älteren Aeste zu dieser Zeit viel Stärke führen, bleibt späteren Untersuchungen vorbe- halten). Sobald aber die Streckung der Kätzchen und die Entwicklung der Knospen zu jungen Trieben beginnt, verschwindet das Amylum wieder, wird gelöst und als Baumaterial verwendet. Eine ähnliche transitorische Stärkebildung wurde in dem Pollen beobachtet. Verfasser fragen nun, ob man anzunehmen habe, dass diese örtlich und ziemlich plötzlich so reich- lich auftretende Stärke an dem Orte ihres Auftretens gebildet werde, oder ob man ihr Erscheinen nur als eine Translokation aus andern Stammge- genden (resp. den Wurzeln) betrachten müsse — und entscheiden sich für die erstere Annahme. Gründe: die transitorische Stärkebildung findet auch in vom Stamme getrennten Aesten, die man in Wasser stellt, statt, und man konnte die Bildung und Wiederauflösung der Stärke selbst an Kätzchen beobachten, die abgeschnitten unter einer Glasglocke in feuchte Erde oder feuchten Sand eingesetzt waren. Die Hauptresultate ihrer Ar- beit fassen die Autoren in folgende Sätze zusammen: 1. Bei der Birke wird im Frühjahr, sowohl in den Kätzchen, als in den dünneren Zweigen Stärke transitorisch gebildet und zwar unmittelber aus dem Inhalte der sie führenden Zellen. 2. Die erzeugte Stärke bleibt nicht lange erhalten, indem sie zum Aufbau der sich streckenden Kätzchen und Knospentriebe verwendet wird. 3. Im Pollen kommt eine ganz ähnliche, jedoch später auftretende Stärkebildung zu Stande. Die Stärke wird sogar an den auf die Narbe gelangten und in kurze Pollenschläuche ausgewachsenen Pollenkörnern wahrgenommen. 3. Ueber den Stoff, aus dem in den vorliegenden Fällen die Stärke gebildet wird, können wir nichts Bestimmtes angeben. In der Spindel der Kätzchen findet man im Winterzustande alle Mark- und Rindenparen- chymzellen mit einem ölartigen Stoffe angefüllt; ob aber dieser Stoff in irgend einem Zusammenhange mit der später daselbst auftretenden Amy- lumbildung steht, lassen wir unentschieden, wenigstens wird in dem Masse, als Stärke sich bildet, seine Quantität immer geringer und später *) Botanische Zeitung. 1S67. S. 385- 112 Assimilation und Ernährung. verschwindet er gänzlich. Diese transitorische Stärkebildung scheint dem- nach der von Sachs beim Keimen ölhaltiger Samen in den Kotyledonen oder dem Endosperm beobachteten am nächsten zu stehen. 5. Diese transitorische Stärkebildung wurde ausser bei der Birke noch in den männlichen Kätzchen von Populus nigra beobachtet. — Ent . Th. Hart ig*) hatte behufs näherer Bestimmung der Laub- laubungs- masse, die ein Baum zur Erzeugung eines normalen Zu- v *" u d c e ^ e wachses nothwendig bedarf, im Frühjahre 1860 eine Anzahl 20' Weymuth- hoher Weyinuth-Kiefem bis auf den terminalen Knospenquirl aller tieferen Kiefer. Knospen und aller. Seitenäste, somit auch aller Nadeln beraubt und be- richtet nun a. u. a. 0. über den Zustand dieser Bäume im Jahre 1867. Im ersten Sommer nach der Entlaubung hatte, übereinstimmend mit früheren Versuchen, eine wesentliche Verminderung der Triebbildung aus den terminalen Knospen und der Holzringbreite in allen Schafttheilen nicht stattgefunden; die im vorhergehendem Jahre bereiteten und im Stamme abgelagerten Reservestoffe hatten ausgereicht, dem vollen Jahres- zuwachs am Schafte herzustellen; die geringe, aus einem Blattquirl ent- wickelte Laubmenge hatte genügt zur Unterhaltung der zur Lösung der Reservestoffe und zur normalen Ausbildung des Zuwachses nöthigen Saftbewe- gung. (Einige Stämme, denen auch der terminale Knospentrieb genommen, verhielten sich während des ganzen Sommers saftvoll und in allen Rin- detheilen turgescirend , es hatte an ihnen aber weder eine Lösung des Reservemehls noch irgend eine Neubildung stattgefunden.) Dagegen konnte die abnorm verminderte Blattmenge eine für den normalen Zuwachs aus- reichende Menge von Reservestoffen für den zweiten Sommer nach der Entnadelung nicht bereiten, in Folge dessen die Triebe und Blätter dieses zweiten Sommers sehr kurz und schmächtig blieben und eine Holzring- bildung am Schafte vom Gipfel abwärts kappenförmig nur bis zum vier- jährigen Triebe stattgefunden hatte. In jedem folgenden Jahre hat sich der ihm angehörende Holzring als kappenförmiger Ueberzug des vorher gebildeten Holzringes tiefer nach unten entwickelt. Im 5. Jahre nach der Entlaubung war er bis auf 5 Fuss über dem Boden ausgebildet und im 7., also im Jahre 1867, war er bis in den Wurzelstock hinabgestiegen. Die Triebe und Blätter der letzten Jahre hatten nahezu ihre normale Grösse wieder erlangt und bildeten eine dichtbelaubte Krone von pptr. 3 Fuss Höhe und 2 Fuss Durchmesser. Die im Jahre 1867 vorgenommene Zählung und Messung der seit der Entnadelung gebildeten Holzringe an einem der gedachten Stämme ergab: An dem damals terminirten Jahrestriebe 7 Holzringe, zusammen 14 Millimtr. breit. In der Mitte der Schaftlänge 5 » n 6 n n Dicht über dem Boden 3 „ „ 1 » » Wurzel 1 Zoll dick 1 „ „ '/* » „ Wurzel V* Zoll dick „ „ „ „ *) Botanische Untersuchungen, von Karsten. Bd. 1. S. 334. Assimilation und Ernährung. llo Verfasser wünscht, dass viel derartige Versuche an Bäumen verschiedener Art und verschiedenen Alters angestellt weiden und wird die für die praktische Forstwirt- schaft in Bezug auf die Frage des lichteren oder gedrängten Pflanzenstandes höchst interessanten Beobachtungen so lange fortsetzen, bis die entlaubten Versuchsbäume dieselbe jährliche Zuwachsmasse wieder zeigen, wie die nicht entlaubten. Ueber die Möglichkeit, zweijährige krautige Pflanzen Ueber die in wässrigen Lösungen zu erzielen berichtet Nobbe.*) — Es ge- z Jf jährige' lang dem um die Wasserkultur hochverdienten Verfasser im Jahre 1865, krautige einige Kohlrübenpflanzen in wässrigen Lösungen aus dem Samen zu zie- pflanzen m hen und zu einiger Entwicklung zu bringen. Eine solche Pflanze, deren Lösungen Pfahlwurzelkörper 5 Centim. Länge und 3 Centim. Durchmesser besass, wurde zu erzielen. im September an einen massig temperirten, doch frostfreien , halbdunkeln Ort gestellt und den Winter über, mit den Wurzelfasern in die Lösung hinabreichend, der Ruhe überlassen. Im Februar 186G wurde sie in einen wärmeren und helleren Raum gebracht, anfangs in frisches destillirtes Wasser gesetzt, später mit einer ?, Prom. Lösung versehen. Die Rübe entfaltete eine lebhafte Triebkraft; nach erfolgter Neubildung von Wur- zeln wurden zahlreiche Blätter hervorgetrieben und bald hob sich ein Schoss heraus, an welchem schon am 18. April Blüthenknospen hervor- traten. Am 27. April waren an der Hauptaxe drei grosse gelbe Blüthen von normalem Bau aufgebrochen und an den Seitensprossen mehrere der- gleichen in Bildung begriffen. Am 8. Mai begann die Pflanze zu kränkeln, erholte sich später auf kurze Zeit einmal wieder, ging aber im Juni all- mählich ihrer Auflösung entgegen und wurde am 11. d. Muts, geerntet. Sie war 40 Cm. hoch, besass 6 Seitentriebe (der längste 35 Cm. ) und einige kleine 6 — 8 Mm. lange Schoten mit rudimentären Samen. Der Wurzelkörper war von einem weissen Pilzmycelium vollständig überzogen und theilweise durchdrungen und in Fäulniss übergegangen. Der gleiche Versuch war auch mit Runkelrüben in Gang gesetzt worden. Drei Pflänzchen der runden weisshäutigen Runkel die im Jahre 1865 in wässriger Lösung einen Rübenkörper von 8— 9— 9 Cm. Länge und 2 —3 — 3,8 Cm. Durchmesser gebildet hatten, wurden wie die Kohlrüben überwintert und im Februar in frische Lösung gebracht. Bis Mitte April herrschte bei denselben noch ein Zustand der Vegetationsruhe, dann be- gann eine erhebliche Neubildung von Blättern und Wurzeln. Die Blätter aber erreichten keine bemerkenswerthen Dimensionen, sondern immer neue Blattbüschel brachen hervor und dieser Zustand erhielt sich, ohne dass eine Stamm- und Blüthenbildung eintrat, bis Oktober. Da zu dieser Zeit die Angriffe der Blattläuse und Milben überdies immer mehr 'überhand nahmen, wurde zur Ernte geschritten. Die Zahl der gebildeten Blatt- sprossen betrug 20—30 pr. Pflanze. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 228. Jahresbericht IX. g 114 Assimilation und Ernährung. Obgleich die Versuche nicht vollständig gelangen, so sieht Verfasser doch in denselben einen für fernere Arbeiten ermunternden Beweis, dass es möglich ist, auch zweijährige krautige Pflanzen mittels Ueberwinterung zum normalen Abschluss ihrer Vegetation zu bringen — , und wir fügen hinzu, dass in dem Laboratorium des Verfassers im September I8ß7 in wässriger Lösung gezogene Runkelrüben zu sehen waren, welche die Mittheilung noch besser gelungener Resultate in kurzer Zeit erhoffen lassen Ursache Die A u s wi tt e r u ng von Salzen aus lebenden Pflanzen der aus- f nic i e t nach Nobbe*) bei Landpfianzen selten, bei in wässrigen Lösungen von sllzfu stehenden Individuen öfter statt und tritt immer dann auf, wenn die an lebenden Summe der aus der Lösung aufgenommenen Mineralsalze erheblich die pflanzen. De ^ ^ Produktion verbrauchte Quantität überschreitet. Als nächste Ur- sache für die Salzauswitterung ist demnach eine zu hohe Konzentration der Lösungen anzusehen. Salzauswitteruugen aus lebenden Pflanzen kom- men aber auch bei massigen Konzentrationen und günstiger Zusammen- setzung der Lösungen vor und zwar dann, wenn die Assimilation durch ungünstige äussere Einflüsse, z. B. Lichtmangel oder durch Altern der be- treffenden Organe unterdrückt wird, während die Wasserverdunstung fort- dauert. So traten dieselben an Eübenpflanzen auf, welche, nachdem sie in einer 1 prom. Lösung schon eine ziemliche Ausbildung erreicht hatten, bei einer Zimmertemperatur von 25° C. 8 — 10 Tage lang in einen schwach beleuchteten Winkel gestellt wurden, wo in Folge Lichtmangels die Assi- milation und die Chlorophyllbildung still stand (die Wassermenge der Lö- sung hatte währenddem nur unwesentlich abgenommen). So wurden sie öfter bei Eüben und andern Pflanzen, die in 1 prom. Lösung standen, an solchen älteren Blättern bemerkt, welche auf natürlichem Wege absterbend mehr oder minder gewelkt waren und zu assimiliren aufgehört hatten. — Die im erstgenannten Falle austretenden Auswitterungen bestanden vor- wiegend aus Chlorverbindungen, in geringerem Grade aus schwefelsauren und andern Salzen und entsprachen darin der relativen Zusammensetzung der Nährstofflösung. Die Exkrustationen waren auf beiden Seiten der Blätter annähernd gleich vertheilt und zwar unabhängig von den Spalt- öffnungen, welche nur ausnahmsweise als Ausgangspunkte für Salznadeln zu erkennen waren und dies nicht einmal sicher. Die Auswitterung war auf den jüngeren Blättern sehr gering und nahm zu mit dem Alter der Blattorgane. Inkrustation Inkrustation der Wurzeln durch kohlensauren Kalk, von der wurzein Hall ier.**) — An deu Wurzeln von Topfgewächsen ist oft ein weisser , "": C1 Ueberzug zu beobachten, der von den Gärtnern allgemein als eine Schimmel- kohlen- ° D samen Kaik. bildung angesehen wird. Verfasser bemerkte denselben an einer grossen *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 477. **) Botanische Zeitung. 1867. S. 80. Assimilation und Ernährung. 115 Myrte, untersuchte ihn und fand ihn nur aus kohlensaurem Kalke be- stehend. Verfasser ist geneigt, die Ablagerung hauptsächlich als einen durch Ver- dunstung der Bodenfeuchtigkeit bewirkten Niederschlag anzusehen ; nach unserer Ansicht dürfte die Ableitung der Erscheinung aus dem Vermögen der Pflanzen- wurzel, Salpetersäure und andere Kalksalze unter Abscheidung von kohlensaurem Kalke zu zersetzen den Vorzug verdienen. Welchen Einfluss gegebene Pfanzennahrungsstoffe auch Wirkung nach dem Verblühen der Bohnenpflanzen auf deren Entwick- einer " ach r vollendeter hing noch üben, ermittelte Zöller*) durch folgende Kulturversuche: Bmthe Es wurden je 4 Töpfe von etwas über 3 V« Liter Inhalt mit gewöhn- gegebenen lieber Gartenerde, Schleissheimer Torfpulver, Sägespänen von Nadelholz ^f"^^"^ und gröblich gepulverter Kohlenlösche angefüllt und am 1 . Mai mit Zwerg- bohnen bepflanzt. Alle äusseren Vegetationsbedingungen wurden soviel als möglich gleich gemacht. Zwischen dem 14. und 17. Juni fingen die Boh- nen in sämmtlichen Töpfen zu blühen an und am 23. Juni war die Haupt- blüthezeit vorüber. Am 23. und 24. Juni erhielt die Hälfte der Töpfe je 2 Liter einer Lösung von folgendem Salzgehalt. Phosphorsaures Ammoniak . . 0,3 p. M. Phosphorsaures Kali 0,3 p. M. Salpetersaurer Kalk 0,2 p. M. Schwefelsaurer Kalk 0,1 p. M. Chlornatrium 0,1 p. M. Der Einfluss der gegebenen Nährstoff lösung war schon noch wenigen Tagen sichtbar, die Pflanzen in den begossenen. Töpfen wurden dunkler grün und obwohl sie schliesslich nicht höher wurden, als die nicht ge- düngten, produzirten sie doch erheblich mehr Pflanzenmasse. Am 29. Sep- tember erfolgte die Abnahme der letzten reifen Bohnenschoten; als Er- trag wurde gewonnen durchschnittlich pro Topf in Grammen lufttrockener Substanz : Stengel. Blätter. Samen. Schoten. Tu Summma. (Gartenerde mit Nährstoff lösung . . . 10,05 8,54 25,33 8,15 52,07 ohne „ ... 8.91 7,80 20,00 8,18 44,89 l Unterschied + 1,14 0,74 5,33 — 7,18 {Sägespäne mit Nährstoff lösung . . 2,64 2,20 5,9 2,20 12,94 desgl. ohne „ . . 1,50 0,84 1,7 0,84 4 AS Unterschied -f 1,14 1,36 4,2 1,36 8,06 | Kohlenlösche mit Nährstofflösung . 4,04 3,95 9,09 4,22 21,30 \ desgl. ohne „ . 3,20 2,09 4,24 2,12 11,65 l Unterschied -f 0,84 1,86 4,85 2,10 9,65 j Torf mit Näh rstoff lösung 6,05 5,00 14,86 4,4 30,31 J Torf ohne „ 4,74 1,47 3,13 2,6 11,94 Unterschied 4- • . 1,31 3,53 11,73 1,8 18,37 *) Journal f. Landwirtschaft. 1867. S. 195. 116 Assimilation und Ernährung. ueber die Br etsc Im e i der * ) behauptet auf Grund mehrjähriger Versuche Unentbebr- un d d er Annahme der meisten andern Agrikulturchemiker entgegen, dass lichkeitder eg j q w ä ssr ig e n Lösungen oder in mit wässrigen Lösungen getränktem haitigen Quarzsand niemals möglich sei, ohne Zusatz von wasserhaltigen Silikaten Silikate Landpflanzen auch nur annähernd normal zu erziehen. Es gelang ihm Nährstoff- n i cü t> De i genauster Einhaltung des von Nobbe publizirten Verfahrens, mischung in wässrigen Lösungen auch nur ein Gerstenkorn wieder zu erzeugen, und de f als er die Versuche von E. Wolff**) genau nach dessen eignen Anga- schattiichen Den wiederholte, erntete er in drei Versuchen mit Hafer nicht einen einzi- Kuitur- gen Samen, es erschien überhaupt nur in einem Vegetationsgefäss eine pflanzen, verkümmerte Eispe und die Produktion an Trockensubstanz betrug nach 77 Vegetationstagen resp. das 46-, 28- und 41 fache des Samens. Bei drei Gerstenversuchen wurden 0, 30 und 12 Samen geerntet; die Vermehrung der Trockensubstanz war 96-, 94- und 46 fach. Lein, Buchweizen, Erbsen und Strauchbohnen entwickelten sich in der Wolff 'sehen Lösung gar nicht. Im Jahre 1866 waren 4 parallele Beihen von Versuchen angestellt und zwar: 1) in rein wässrigen Lösungen; 2) in wässrigen Lösungen, die in völlig reinen und unfruchtbaren Quarz- sand dergestalt vertheilt waren, dass der Quarz seiner kapillaren Sättigungs-Kapacität entsprechend mit Flüssigkeit getränkt war; 3) wie 1. aber mit Zusatz von wasserhaltigen Silikaten; 4) wie 2. mit Zusatz von wasserhaltigen Silikaten. In Beihe 1. gelang es wiederum in keinem Falle, eine normale Pflanze zu erzeugen. Beihe 2. führte zu weit besseren Resultaten , namentlich die Cerealien erlangten eine äussere Ausgestaltung, welche derjenigen völlig normaler Pflanzen sehr nahe, ihr bisweilen auch durchaus gleich kam. Die Aehren der Gerste aber enthielten nicht einen einzigen Samen, der Hafer gelangte nur in einem von 6 Vegetationsgefässen zur Fruktifikation und die Aehren des Wintergetreides enthielten zwar in jedem einzelnen Falle, aber nur in den untersten Aehrchen Früchte, während die mittleren und oberen taub blieben. Der Buchweizen bildete zwar Stamm, Blätter und Blüthen, aber keine Frucht. Der Lein gelangte nicht einmal zur Blüthenbildung und den männlichen Blüthen des Maises fehlte regelmässig der Pollen. Verfasser schliesst daraus, dass bei Abwesenheit der wasserhaltigen Silikate eine normale Ausbildung der wesentlichen Blüthenorgane nicht stattfindet. Nur Reihe 3 lieferte, und zwar ohne Ausnahme in jedem einzelnen Falle, vollkommen normale Pflanzen in landwirtschaftlichem Sinne und zwar von aussergewöhnlicher Vollkommenheit. *) Der Landwirth. 1867. S. 77. **) Jahresbericht 1866. S. 180- Assimilation und Ernährung. I 17 In der Regel waren zu den Versuchen Gefasse von 2§ Quart Inhalt benutzt. Verwendete man solche von 1\ Quart Kaum, so erntete man nicht dreimal, sondern nur pptr. £mal mehr an Trockensubstanz. Die 3. und 4. Versuchsreihe hatte Verfasser noch dadurch vervoll- ständigt, dass er einigen Kulturgefässen noch Humussubstanzen (wie man sie durch Behandeln einer Zuckerlösung mit Salzsäure erhält) zusetzte. Der Erfolg war, dass von Gerste in Reihe 3 bei Zusatz von 1 Proz. der Nährstoffmischung an Humussubstiinz Körner, bei Zusatz von 2 Proz. 1 1, und bei Zusatz von 3 Proz. 41 normale und schwere Körner geerntet wur- den. Der Zusatz von Humus übte also eine ähnliche Wirkung aus wie die Beigabe von wasserhaltigen Silikaten. In Reihe 4 hatte die Beigabe von Humus keinen Einfluss. Erst die versprochene baldige Veröffentlichung dar Versuchsdetails wird es dein Leser ermöglichen, sich ein Urtheil in der Streitfrage zu bilden. Hellriegel beschäftigt sich seit einer Reihe von Jahren mit Ve- ueber das getatonsversuchen, welche die Ermittelung des Nährstoffbedürf- Kali "_ nisses der Cerealien zum Gegenstand haben. Im Wochenblatt 1867 der Gerste. S. 299 ff.*) geben die Annalen der Landwirthschaft im Auszuge aus einem Berichte an den Herrn Minister für die landwirtschaftlichen Angelegen- heiten die Resultate, welche einige Versuche über das Kalibedürfniss der Gerste im Jahre 1866 ergaben. Es wurden 10 Glasgefässe mit je 4 Kilogr. eines von Kaliverbindun- gen nahezu freien Quarzsandes gefüllt und diesen neben einer gewissen Quantität Eisenoxyd und Kieselsäure zugesetzt in Milligr. : Kalkerde je 560, Salpetersäure 1296 (CaO N0 5 ), Magnesia 40, Schwefelsäure 80 (MgO SOs), Natron 62, Chlor 71 (Na Cl), Phosphorsäure 284 (in Form von KOPOs 2 HO und NaOP0 5 2 HO) und folgende Mengen Kali: (als K0P0 5 2H0 in Vers. 1, 5, 6, 7, 8 und 9, alsK0P0 6 2 HO und KON0 5 in Vers. 2 und 3, als KOPO ä 2 HO und KCl in Vers. 4). Gegebenes Kali Versuchs - .. Nummer. pro Kulturgefäss. Milligr. pro 1 Million Theile Boden. 4 1128 282 3 940 235 2 564 141 1 376 94 5 282 71 6 188 47 7 94 24 8 47 12 9 23 6 10 *) cfr. Landwirthschaftl. Centralblatt f. Deutschland. 1867. IL 8. 157 u. 406. 118 Assimilation und Ernährung. Pro Kulturgefäss wurden 8 Gerstenpflanzen gezogen und davon bei 100° getrocknete Erntemasse gewonnen : Versuchs- Stroh u. Spreu. Körner. Summa. No. Milligr. Milligr. Milligr. 4 8916 8962 17878 3 9003 6162*) 15165*) 2 8764 8529 17293 1 8693 9083 17776 5 9327 10097 19424 6 8195 9578 17773 7 6859 7851 14710 8 5740 4695 10435 9 3869 2933 6802 10 798 — 798 In der Ernte wurden durch die Analyse wiedergefunden Kali: Versuchs- in d. Wurzel In. Stroh u. 1 Spreu. K örner. in S umma. No. Milligr. Miliig :r. Milligr. Milligr. 4 77 571 60 708 3 34 459 36 529 2 nicht bestimmt 353 nicht bestimmt — 1 24 231 45 300 5 20 165 ? 1 6 5 80 36 121 7 5 29 28 62 8 2 21 8 31 9 1 17,5 5 23,5 10 0,6 1,9 — 2,5 und zwar wurde gefunden: und somit enthielten in Prozenten ausgedrückt KO. A 3- sehe. , Versuchi a) in 100 Theilen Ascln 3. h) in 300 1 fh. Trockensubst Nummer. c . . . Stroh und Spreu. Körner. Stroh und Spreu. Körner. Stroh und _„ Spreu. Korner. 4 14,689 2,408 43,76 27,77 6,428 0,669 3 12,759 2,849 40,63 20,53 5,184 0,585 2 11,009 2,449 36,95 nicht hesti mmt 4,06S nicht bestimmt 1 9,730 2,310 31,95 23,69 2,680 0,497 5 7,925 J,S37 22,60 •f 1,791 ? 6 7,682 2,337 12,89 16,06 0,990 0,375 7 8,919 2,472 4,77 14,33 0,425 0,354 8 9,472 2,558 3,91 7,07 0,371 0,181 9 12,361 2,822 3,71 6,19 0,459 0,175 10 nicht bestimmmt. *) Der grössere Theil des Kalis war hier als salpetersaures Salz gegeben und die Ertragsverminderung ist jedenfalls durch eine .schädliche Einwirkung des durch die Wurzeln abgeschiedenen kohlensauren Alkalis zu erklären. Assimilation und Ernährung. 119 Verfasser schliesst aus diesen Zahlen: Zur Produktion der unter den angegebenen Versuchsverhältnissen möglichen Maximalernten reichte sicher die im Versuch No. 6 gegebene Kalimenge, d. h. 47 pro 1 Million Boden aus und genügte vielleicht schon eine Kaliquantität, die wenig höher lag, als die in No. 7. vor- abreichte von 24 pro 1 Million Boden. Wurden grössere Mengen von Kali dem Boden einverleibt, so wurden diese ungefähr in demselben Ver- hältnisse von den Pflanzen absorbirt, wie die kleinern, bewirkten aber keine Mehrproduktion. Der Kaliüberschuss wurde vorzugsweise im Stroh abgelagert. Um eine Maximalernte liefern zu können, muss die Gerste allerwenigstens für jede 10UO Theile Stroh-Trockensubstanz 5 und für jede 1000 Theile Körner-Trockensubstanz 3,8 Theile Kali aufnehmen können. Ueber die Aufnahme einiger Chloride durch das Pflan- zenge webe, von Biedermann*) — Die Arbeit ist im Anschluss an die Untersuchungen über die Aufnahme der Mineralsalze durch das Pflanzen- gewebe vonKnop, Lehmann, Sachsse, Schreber und Wolf unter- nommen (vergl. d. landw. Vers. Stat. VI. S. 81 und Jahresbericht 1864 S. 168) und nach der a. a. 0. beschriebenen Methode mit Erbsensamen ausgeführt. Benutzt wurden 5, 2 7« und 1 prom. Lösungen von Chlorkalium, Chlormagnesium, Chlorcalcium, Chlornatrium und einem Gemische der 4 Salze. Als Resultat ergab sich: 1. Das de Saussure 'sehe Gesetz, demzufolge die Pflanze aus Salz- lösungen stets verdünntere Lösungen aufnehmen, gilt bei den benutzten Chloriden und den dabei angewandten Konzentrationen durchweg in Bezug auf das Chlor: Bei und einer Konzen- waren in lOOKub.-Centim. und wurden in' lOOKub.-Centim. der nicht auf- Anwendung von tration von gegeben worden Chlor gesogenen Flüs- sigkeit wieder- gefunden Chlor pro Mille Milligr. Milligr. CaCl | 5 27» 1 0,3198 0,1599 0,0640 0,4798 0,2427 0,0976 MgCl | 5 27* 1 0,3737 0,1868 0,0747 0,4916 0,2949 0,1272 KCl | 5 2V* 1 0,2376 0,118S 0,0475 0,3345 0,1 8S5 0,0864 Na Cl j 5 2'/2 l 0,3034 0,1517 0,0607 0,3988 0,2231 0,0933 Gemisch aus CaCl, MgCl, j KCl u. NaCl [ 5 27a 1 0,3086 0,1543 0,0617 0,4229 0,2306 0,1093 Ueber die Aufnahme einiger Chloride durch das Pflanzen- gewebe. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 312. 120 Assimilation und Ernährung. 2. Das de Saussure'sche Gesetz scheint in Bezug auf die Basen nur für die Magnesia Geltung zu haben, während sich Kalk, Kali und Na- tron umgekehrt verhalten: Bei Anwendung und einer Konzen- tration von wurden in 100 CC. gegeben und in 100 OC. der nicht aufgesogenen Flüssig- keit wiedergefunden von pro Mille. Milligr. Milligr. CaCl { 5 2V« 1 CaO . 0,2523 | 0,1261 1 0,0505 , 0,2092 CaO 0,1039 1 0,0154 MgCl 1 l 5 27« 1 MgO , 0,2105 \ 0,1053 1 0,0421 t 0,2836 MgO \ 0,1185 1 0,0825 KCl { 5 SV« 1 KO f 0,3159 0,1579 1 0,0632 K0 , 0,2446 ( und Na 1 n , r 7f) als KO i U,10- - 4> M 5 N a rt u o> 6 icS 5 % ba a ■ 00 N U 3 a ■■o M - Gim. Grm. Grm. Grm. Grm. Proz. Proz. Proz. 1 Proz. Proz. H-o III 25,346 1,994 13,329 0,918 41,587 1,91 j 2,65 8,63 6,59 1,90 38,872 305,6 1:1,912 V 11,168 0,S79 8,570 0,663 21,280 2,34 ; 2,41 8,97 7,08 1,81 19,924 156,6 1:1,304 VI LS, 132 1,635 16,139 0,721 36,627 1,88 1,42 8,47 6,88 1,72 34,563 271,7 1:1,170 *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. **) Vergl. Jahresbericht. 1866. S. 188. Bd. IX. S. 49. Assimilation und Ernährung. I 'Lo Der zum Vergleich iin Garten gezogene Mais ergab in diesem Jahre eine sehr ungünstige Ernte. Nur eine einzige Pflanze lieferte Samen und zwar 278 einigermassen ausgebildete Körner 22,962 Gramm schwer und 101 schlechte desgl. von zusammen 3,008 Gramm Gewicht. Der Stick- stoffgehalt der ersteren betrug 1,29 Proz., der Aschengehalt 1,72 Proz. der Trockensubstanz. In allen Orgauen der sieben Pflanzen mit Ausnahme der Körner Hess sich ein bemerkenswerther Rückstand von unzersetztem Harnstoff nach- weisen. Einige direkte Bestimmungen (durch Abscheidung als salpeter- saurer Harnstoff) ergaben in Prozenten der Trockensubstanz: Stengel und Blätter von III . 0,608 Proz Harnstoff, desgl. von VI . 0,814 „ desgl. von VII . 0,25 „ „ desgl. von I*) . 1,85 „ „ Wurzeln von I 1,53 „ „ • Stengel von IV" 0,7 „ „ Blätter von IV 0,39 „ „ Wurzeln von IV 1,17 ,. „ Verfasser hält durch die Versuche den experimentellen Nachweis, dass auf Harnstoff angewiesene Pflanzen nicht nur Stengel und Blätter von grosser Ueppigkeit, sondern auch keimungsfähige Samen produziren können, für geliefert; denn der Nährstoff lösung war kein anderer stick- stoffhaltiger Körper als Harnstoff beigegeben und die Betheiligung des zeitweise gebildeten Ammoniaks glaubt Verfasser für nicht erheblich halten zu dürfen; „bei Pflanze No. VI. z. B. zeigte sich während der 3 3 A Monat betragenden Vegetationszeit nur innerhalb 25 Tagen überhaupt in der Lö- sung Ammoniak, während dieses Zeitraums aber stand die Pflanze 6 Tage lang in destillirtem Wasser und in den übrigbleibenden 19 Tagen, wo sie also Ammoniak aufnehmen konnte, wurde die Lösung 18 mal erneuert, die Berührung der Wurzeln mit ammoniakhaltiger Flüssigkeit kann also nur von sehr kurzer Dauer gewesen sein, und dies um so mehr, als der Harnstoff doch nicht momentan, sondern allmählich und auch fast niemals vollständig zersetzt wurde." — Eine Bildung von oxydirten Stick- stoffverbindungen fand in den Lösungen nicht statt; niemals liess sich in ihnen salpetrige Säure oder Salpetersäure nach- weisen. Ueber d ie Assimilation des Ammoniaks durch die Pflanze Ueber die von Hampe.*) — In einer wässrigen Nährstoff lösung, die schwefelsaure , atton des Magnesia, schwefelsaures Kali und Chlorkalium neben etwas aufgeschwemm- Ammoniaks ten phosphorsauren Eisenoxyd enthielt, (das relative Verhältniss der Salze durch die r J ' Pflanzen. *) Die Lösung für Pflanze No. I hatte am 16. Juni einen „erheblichen" Zusatz von Harnstoff erhalten. **) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 157. 124 Assimilation und Ernährung. wurde bei Erneuerung der Lösung wiederholt verändert) und welcher als einzige Stickstoffquelle phosphorsaures Ammoniak beigegeben war, wurde eine Maispflanze gebaut. Anfangs wurde das saure Salz NH 4 0, 2 HO, P0 5 allein benutzt, später, da die Lösung unter der zersetzenden Thätigkeit der Pflanze in schädlichem Grade sauer wurde, gab man ein Gemenge von dem sauren und neutralen Salze NILO, 2 HO, P0 5 -f- 2 NH*0, HO, POs. Auch hier erkrankten, wie bei den Versuchen mit Harnstoff die Wurzeln zur Zeit der Blüthe und die Pflanze konnte nur durch tägliche Erneuerung der Lösung, durch künstlich hervorgerufene Bildung eines neuen Wurzel- kranzes aus dem untersten Halmknoten und Amputation der alten Wurzeln erhalten werden. Auf diese Weise aber gelang es, die Pflanze auch in der Ammoniak-Nahrung zur Fruchtbildung zu bringen. Sie war immer kleiner und geringer, als die mit Harnstoff gefütterten Schwestern (siehe den vor- stehenden Artikel) und hatte einen nur zierlichen Kolben von 4 Centimtr. Länge mit unregelmässigen lückenhaften Reihen, in diesen aber sassen 36 sehr schwere gelbe und 7 unvollkommen ausgebildete Körner. Ausser diesem befruchteten Kolben besass die Pflanze noch 2 rudimentäre. Die Ernte ergab: Trocken- gewicht, Stickstoff- gehalt der Trocken- substanz. Asche, frei von Kohle und Sand. Grm. Proz. Proz. Stengel und Blätter . 11,21 0,793 2,49 6,81 7,51 gute .... Körner ' schlechte . . 1 in Summa . 5,646 0,529 6,175 2,64 1,60 Ganze Pflanze .... 18,178 — — Produzirte organische Trockensubstanz nach Abzug der im Saatgut enthaltenen Trockensubstanz 17,130 Gr. Organische Trockensubstanz des Saatgutes = 1 : 134,6 „ Verhältnis« der, Körner zu Stroh -4- Wurzel = 1 : 1,943 „ In der Nährstofflösung konnte nie eine Spur von salpe- triger Säure aufgefunden werden. ueber die U eb e r As simil at ion des Ammoniaks durch die Pflanze, von Assimi- G. Kühn.*) — Auch G. Kühn gelang es, zwei Maispflanzen in wässrigen Ammoniaks Lösungen , welche Ammoniaksalze als einzige Stickstoffquelle enthielten, durch die zur Fruchtbildung zu bringen. Pflanzen. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 167- Assimilation und Ernährung. 125 In den Lösungen war gegeben: A. B. 7,ooo Aeq. KO, 2 HO, P0 5 5 /,ouo Aeq. KO, 2 HO P0 5 '/.oo „ CaO, SO., Vmo n CaO, S0 3 Vioo „ NH 4 0, SO3 V.00 „ NH4O, 2 HO, PO5 tylOOO n M g°> S °3 8 /ooo „ MgO, SO3 x PezOa, P0 5 x Fe 2 3 , PO-, Die Pflanzen hatten sich zwar nur kümmerlich entwickelt, sie wogen hei der Ernte A. 7,0S5 Grm. (lufttrocken) B. 7,428 „ brachten aber reife Körner und zwar: A. 18 Stück ä 0,0901 Grm. B. 15 „ ä 0,0608 „ Von den angewendeten Samen hatte ein Stück gewogen 0,1205 Grm. Ueber die Assimilation des Ammoniaks, Harnstoffs und Ueber die der Hippursäure, von Beyer.*) — Auch in Regen walde wurde die j^""^ Frage über die Assimilationsfähigkeit des Ammoniaks und anderer komplexer Ammoniaks, Stickstoffverbindungen durch die Pflanzen einer Prüfung unterzogen und Harnstoffs wurden dabei Resultate erhalten, die den in den drei vorstehenden Arti- U p UrS äu r e P kein kurz wiedergegebenen geradezu entgegengesetzt sind. Beyer be- richtet darüber in einer vorläufigen Notiz, wie folgt: Es wurden wässrige Nährstoff - Lösungen benutzt, in welche statt des gewöhnlich gegebenen salpetersauren Kalks kohlensaures Ammo- niak und Kalkwasser eingeführt war, und die dann mit Kohlensäure ge- sättigt wurden. Das Einleiten von Kohlensäure wurde öfter wiederholt. Haferpflanzen entwickelten sich in diesen Lösungen höchst kümmerlich und die meisten starben nach kurzer Zeit ab. Nur einige und zwar diejeni- gen, in denen das Chlor nicht fehlte , vegetirten, wenn auch immer küm- merlich bis zur Blüthe weiter und trugen sogar einige Samen. Beinahe vor Beendigung der Versuche, nachdem mit dem Einleiten von Kohlen- säure schon längst aufgehört worden war, fing plötzlich eine lebhafte Neu- bildung von Pflanzeumasse an, deren Grund in einer fast vollständi- gen Umwandlung des in der Lösung vorhanden gewesenen Ammoniaks in Salpetersäure gefunden wurde. Auch die Pflan- zenmasse, die schon früher gebildet worden war, enthielt grössere Mengen von Salpetersäure. Bei einer zweiten Versuchs- reihe, in welcher ebenfalls Ammoniakbikarbonat als Stickstofflieferant füngiren sollte, Hess sich schon nach kurzer Zeit salpetrige und Salpeter - Säure in den Nährstofflösungen nachweisen. *) Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S. 480. 126 Assimilation und Ernährung. Selbst beim Stehen der Flüssigkeiten in offnen Gefässen, in denen, keine Pflanzen vegetirten, konnte dieselbe Beobachtung gemacht werden. In verschiedenen Lösungen, welchen der Stickstoff in Form von Harn- stoff oder Hippursäure zugefügt war, gelang es gut, Haferpflanzen zu er- ziehen, die zwar nicht soviel Pflanzensubstanz produzirten, wie die in den salpetersäurehaltigen Normallösungen wachsenden, die aber vollkommen aus- gebildet waren und schöne reife Samen trugen; ja es gelang dies sogar, ohne dass während der ganzen Vegetationsperiode eine Erneuerung der Lösungen nöthig gewesen wäre, — aber auch in den rückständigen Flüssigkeiten der Harnstofflösungen war Salpetersäure mit Leichtigkeit nachzuweisen. Man vergleiche die beiden vorhergehenden Artikel über den gleichen Gegen- stand von Hampe und Kühn. verände- Corenwiiider hat die Veränderungen studirt, welche die mngen, Zuckerrübe bei der Stengel- Blüthen- und Samenbildung er- weiche die ° Zuckerrübe fährt*) und ist dabei zu folgenden Eesultaten gelangt. bei der Wenn man im Frühjahr eine gut entwickelte Rübe vom vorigen Jahre Samen- auspflanzt, so verliert sie im Anfang ihrer zweiten Vegetationsperiode erfährt. eine gewisse Menge Zucker, welche zur Bildung der Blattknospen ver- wandt wird. Sobald sich die Blätter entfalten , nimmt der Zucker nicht mehr in der Wurzel ab bis zu dem Zeitpunkte, in welchem die Samen- körner erscheinen. Nach Verlauf dieses Zeitraums verschwindet er mit grosser Schnelligkeit und wenn erst die Körner vollständig reif sind, ist aller Zucker aus den Wurzeln konsumirt. Die etiolirt?n Triebe, welche die Eübe bei ihrer Aufbewahrung im Keller und in Mieten gegen das Frühjahr hin bildet, entstehen auf Kosten des Zuckers und es lässt sich Zucker in ihnen nachweisen. Ebenso wie der Zucker, so ist auch die Phosphorsäure, wenn die Pflanze ihre Samen zur Reife befördert hat, aus der Wurzel gänzlich geschwunden. Dagegen ist die Cellulose in der Rübe vermehrt uud ebenso die Mineralsalze, welche letztere hauptsächlich aus Kalk und Kieselsäure bestehen. Die stickstoffhaltigen Substanzen sind grösstentheils , wenn nicht ganz, durch Salpetersäure Salze ersetzt; auch findet man viel Alkali im Einäscherungsrückstand dieser Wurzel. Die Analyse einer Rübe, welche im zweiten Jahre reife Samen gebil- det hatte, gab folgende Zahlen: Wasser 90,350 Zucker 0,000 Cellulose 2,950 Pectose, inkrustirende Stoffe etc. 4,580 Phosphorsäure 0,OÜU Alkalien, Chlor, Kieselsäure e tc. 2,120 100,000 *) Zeitschr. d. Ver. f. d. Rübenzucker-Industrie. 1867. S. 13G. Auszug aus Journ. d'agric. prat. 1866. II. S. 585. Assimilation und Ernährung. J 27 Anders gestalten sich die Verhältnisse, wenn eine Kühe, wie dies nicht selten als Unregelmässigkeit vorkommt, schon im ersten Jahre ihrer Aussaat Stengel und Samen hildet. In diesem Falle zeigt sich nach dem Ausreifen des Samens die Cellulose im Rübenkörper zwar ebenfalls ver- mehrt und die Phosphorsäure vermindert, letztere aber nicht ganz ver- schwunden wie bei den Rüben, welche zwei Jahre regelrecht zur Samen- bildung gebraucht haben, und der Zucker erscheint im Vergleich zu den normal vegetirenden, nicht zur Samenbildung gekommenen, einjährigen Rü- ben entweder gar nicht, oder nur unbedeutend vermindert. Corenwin- der fand in solchen samentragenden einjährigen Rüben gegen Oktober 1857 hin noch 13,38 Proz. Zucker und bei späteren Versuchen im Jahre 1858 9,58 Proz. Zucker. Eine vollständige im Jahre 1860 ausgeführte Analyse ergab: Wasser Zucker Cellulose . . . Pectose, Albumin etc. Phosphorsäure . . . Kalk, Alkalien, Chlor In Samen tra- In normal ent- genden einjäh- wickelten ohne rigen Rüben. Samen. 83,470 85,550 9,900 10,090 1.S97 0,840 3,173 2,804 0,020 0,077 1,540 0,639 100 100 Die von den einjährigen Rüben produzirten Körner sind unvollkommen und besitzen einen kaum ausgebildeten, so zu sagen fehlgeschlagenen Eiweisskörper. Eine Partie solcher Körner wurde auf gut vorbereitetes und mit Rapskuchen gedüngtes Land gesäet. Die Samen keimten und die Pflanzen entwickelten sich wie gewöhnlich. Viele trieben Stengel, aber das Samenkorn schlug fehl und die Analyse der im Oktober ausgehobenen Rüben zeigte, dass die degenerirten Körner auch nur eine mit Fehlern behaftete, sehr zuckerarme Ernte geliefert hatten. Die nach ihrer Grösse in drei Abtheilungen gesonderten Rüben ergaben: Dichtigkeit Zuckerreicht hum des Saftes. in Prozenten. 1. Abtheilung . 1,024 2,75 2. Abtheilung • 1,030 4,30 3. Abtheilung . 1,041 6,23 Mittel . . 1,032 4,43 Wir erinnern an die Hoff'inann'sche Arbeit über den gleichen Gegenstand, deren Ergänzung die vorstehenden Mittheilungen bilden. (Die landwirthschaft- lichen Versuchsstationen. Bd. III. S. 283 und Jahresbericht IV. 18G2-1863. S. 86.) 128 Assimilation und Ernährung. Per. Per. Per. Per. IV. ueber den Ueber den Stof f wech sei während der Vegetation der Wei- stoffwechsei zen pf} auze j^ Heinrich*) in dem Tharander Laboratorium eine Arbeit Vegetation P$ besonderer Berücksichtigung der organischen Verbindungen ausgeführt, der Weizen- Der als Untersuchungsmaterial benutzte Winterweizen war nach Klee- pflanze. g rag au f e [ nem Verwitterungsboden von Thonschiefer gewachsen und hatte als Düngung 2 Zentner Peruguano und 3 Zentner Knochenmehl pro sächs. Acker erhalten. Die 10 Versuchsperioden waren: I. entnommen am 9. Mai. IL 23. Mai. Mittlere Höhe 24 Zoll. Halme bis zum 2. und 3. Internodium entwickelt. III. 6. Juni. Höhe 36 Zoll. 4 Internodien. Die Aehren noch von den Blattscheiden umschlossen. 19. Juni. Höhe 42 Zoll. Aehren sämmtlich aus der Blatt- scheide hervorgetreten, einige blühen. V. 4. Juli. Höhe 54 Zoll. Mehrzahl der Aehren blüht noch. VI. 18. Juli. Vollständig abgeblüht. VH. 1. August. Der Weizen beginnt zu bleichen. Per. Vin. 8. August. Reife und Ernte. Per. IX. 23. August. Ueberreif. (Von einem zum Versuch stehen ge- lassenen Feldstückchen entnommen). Zur analytischen Methode bemerken wir, dass man zur Zuckerbe- stimmimg frische Substanz benutzte und dass zur Abscheidung des Gummis der Wasserauszug zur Trockne verdampft, mit 92 proz. Alkohol ausgezogen und von dem ausgeschiedenen Eiweiss abfiltrirt wurde. Der Verdampfungs- rückstand galt nach Abzug der Asche als Gummi. — Der Stärkegehalt wurde, da die anfangs benutzte analytische Methode bei stärkereichem Ma- terial sich als unsicher herausstellte, bei den Aehren und Körnern durch Differenzrechnung bestimmt. Die nachstehenden Tabellen geben die erhaltenen Resultate: Per. Per. Per. Pro 100 Halme wurden gefunden Gramme. <ö St roh. Aehren. Körner. 13 O ü BS S ta ES |g _ S fe 2 N ■"B 7,13 5,07 3,25 2,50 1,87 1,53 1,21 1,00 0,88 0,79 100 Gewichtstheile frische Substanz enthalten: In der Periode 1. | 2. | 3. 4. 5. 6. | 7. | 8. | 9. | 10. § = j Wasser £* « \ Trockensubstanz . 89,121 89,19 10,88 10,81 85,93 85,18 81,75 14,07 14,82 18,25 82,01 81,09 17,99 18,19 80,01 19,99 78,13 21,87 78,01 21,99 Iä ^ \ Wasser JE) -2 \ Trockensubstanz . 89,58J 91.37 10,42 1 8,63 90,76 91,73 90,26 9,24| 8,27| 9,74 92,01 7,99 90,71 9,29 89,74 10,26 88,47 11,53 87,50 12,50 100 Gewichtstheile Trockensubstanz enthalten: In der Periode 2. 3. 4. 5. 6. 10. I Holzfaser . . | Fett .... (Stärke u. zuckerart Stickstoff . . Mineralsalze . Stoffe 8,97 8,00 5,90 5,31 4,88 4,51 4,17 3,72 2,40 1,94 1,40 1,51 1,40 1,21 30,62 31,60 32,00 32,40 38,02 41,71 44,28 2,11 1,25 0,94 0,83 0,76 0,73 0,71 8,05 5,43 4,11 3,68 3,22 2,89 3,06 4,01 1,30 51,16 0,70 2,91 3,97 1,48 49,74 0,71 2,91 4,10 1,54 51,50 0,69 2,94 -• j Ho -2 ) Pet I lzfaser . ett . . . Stickstoff . Mineralsalze 5,81 6,90 7,83 8,17 8,28 8,47 8,60 8,42 8,40 8,17 6,23 6,40 6,02 5,87 6,49 6,21 6,01 5,74 4,01 3,71 3,21 2,91 2,63 2,37 2,11 2,11 1,82 14,21 13,51 12,67 12,42 12,87 11,79 11,17 10,71 10,30 8,01 5,90 1,71 10,49 1 00 Gewichtstheile Wurzelsalze enthalten In der Periode 4. 5. 7. 9. 10. Kali . . . Natron . . Kalk . . . Magnesia Eisenoxyd Phosphorsäure Schwefelsäure Kieselsäure . Chlor . . . 47,75|47,22 43,75 44,02 42,58 16,67118,41 18,51 16,09 16,29 15,52 13,44 12,39 9,25 «,42 1,88 2,45 3,66 5,19 5,48 1,16 0,87 1,25 0,91 0,97 4,41 4,58 6,81 10,08 11,64 5,53 5,09 5,42 5,05 5,67 1,53 1,21 0,96 0,78 0,98 5,42 7,61 9,64 9,86 9,81 43,21 15,87 7,43 5,76 0,71 11,97 5,04 0,95 10,94 39,92 18,66 8,44 4,68 1,21 11,84 5,73 1,09 10,54 9* 38,41 18,90 8,21 4,80 0,91 12,17 6,48 1,19 10,49 38,91 18,74 7,81 4,71 1,00 12,31 6,17 0,94 10,64 38.4S 18,40 7,74 4,97 0,89 12,80 6,61 1,07 10,45 132 Assimilation und Ernährung. 100 Gewichtstheile Blattsalze enthalten : In der Periode 1 2. 3. 4. 5. | 6. | 7., 8. 9. | 10. Kali .... 31,59 •31,37 25,14 27,17 25,97 24,45 20,61 19,70 21,47 24,17 Natron . . . 8,53 10,44 13,13 15,65 14,50 15,63 16,04 16,73 16,48 15,55 Kalk .... 17,67 16,99 15,62 15,09 16,74 16,15 19,44 19,62 18,41 19,00 Magnesia . 12,06 10,78 8,47 7,49 7,51 7,19 7,0S 7,45 6,84 6.47 Eisenoxyd 1,43 1,54 1,60 1,05 0,99 1,22 1,04 0,74 1,00 0,88 Phosphorsäure . 5.06 5,66 5,51 5,70 5,14 5,41 4,93 5.28 5,69 5,91 Schwefelsäure . 9,91 9,39 11,84 9,33 9,72 11,06 11,35 10, SO 10,52 10,69 Kieselsäure . 7,91 7,09 6,60 5,91 6,00 5,40 5,28 5,02 4,87 5,20 Chlor .... 7,13 7,67 12,50 16,87 17,80 17,55 17,62 18,20 17,29 15,78 100 Gewichtstheile frische Wurzeln enthalten: Wasser . . . Organ. Substanz Mineralsalze . Holzfa er . . Fett . . . Stärke u. zucker artige Stoffe Stickstoff. . In der Periode 1. 2. 89,120 89,190 10,004 10,223 0,876 0,587 0,897j 0,818 0,3721 0,245 3,062 3,230 0,211 0.128 85,930 13,492 0,578 0,796 0,262 4,317 0,127 4. 6. 85,180 14,275 0,545 0,758 0,200 4,625 0.118 81,750 J82.010 17,662 17,470 0,588 i 0,520 0,862 0,788 0,267 0,245 6,715 0,134 7,287 0,128 10. S 1,090 18,331 0,579 0,764 0,222 8,116 0.130 80,010 78,130 19,3)2 21,234 0,598 0,636 0,778 0,843 0,252 0,314 9,921 10,562 0,136 0,15! ) 78,010 21,340 0,650 0,875 0,329 10,990 0,147 Kali . . . Natron . . . Kalk . . . Magnesia . Eisenoxyd Phosphorsäure Schwefelsäure Kieselsäure . Chlor . . . 0,4173 0,1470 0,1360 0,0176 0.0102 0,0386 0,0484 0,0134 0,0475 0,2772j 0,1081! 0,0789 0,0144^ 0,0051. 0,0269 0,0299 0,007 1 1 0,0447 i 0,2529 0,1070 0,0716 0,0212 0,007:' 0,0394 0,0313 0,0055 0,0557 0,2399 0,6877 0,0504 0,0283 0,0051 0,0549 0,0275 0,0043 0,0538 0,2504 0,095 S 0,0495 0,0322 0,0057 0,0684 0,0333 0,0058 0,0577 1 0,2247 0,0825 0,0386 0,0300 0,0037 0,0622 0,0262 0,0049 0,0569 0,2311 0,1 OSO 0,0489 0,0271 0,0070 0,0686 0,0332 0,0063 0,0610 0,2297 0,1130 0,0491 0,0287 0,0054 0,0728 0,0388 0,0071 0,0627 0,2475 0,1192 0,0497 0,0300 0,00' ;4 0,0783 0,0392 0,0060, 0,0677 0,2501 0,1196 0,0503 0,0323 0,0058 0,0832 0,0432 0,0070 0,0679 100 Gewichtstheile frische Blätter enthalten : In der Periode 1. 2. 3. 4. 5. | 6. 7. s. 9. 10. Wasser . . . Organ. Suhstanz Mineralsalze . . Holzfaser . . Fett .... Stickstoff . . . 89,580 8,939 1,481 0,521 0,730 0,359 91,370 7,464 1,166 0,515 0,465 0,277 90,760 8,069 1,171 0,632 0,516 0,259 91,730 7,243 1,027 0,592 0,436 0,211 90,260 8,486 1,254 0,703 0,498 0,223 92,010 7,048 0,942 0,597 0,457 0,177 90,710 8,262 1,028 0,711 0,513 0,167 89,470 9,161 1,099 0,771 0,551 0,193 88,470 10,342 1,188 0,869 0,594 0,187 87,500 11,189 1,311 0,896 0,660 0,191 Kali .... Natron Kalk . . . . Magnesia . . . Eisenoxyd Phosphorsäure . Schwefelsäure . Kieselsäure . . Chlor . . . . 0,4678 0,1263 0,2617 0,1786 0,0212 0,0749 0,1468 0,1 i 72 0,1056 0,3658 0,1217 0,1981 0,1257 0,0180 0,0660 0,1095 0,0827 0,0894 0,2944 0,1538 0,1829 0,0992 0,0187 0,0(145 0,1386 0,0773 0,1464 0,2790 0,1607 0,1550 0,0769 0,0108 0,0585 0,0958 0,0607 0,1733 0,325.6 0,1818 0,2099 0,0942 0,0124 0,0645 0,1219 0,0752 0,2232 0,2303 0,1472 0,1521 0,0677 0,0115 0,0510 0,1042 0,0509 0,1653 0,2119 0,1649 0,1998 0,0728 0,0107 0,0507 0,1167 0,0543 0,1811 0,2165 0,1839 0,2156 0,0819 0,0081 0,0580 0,1187 0,0552 0,2000 0,2551 0,1958 0,2187 0,0.>13 0,0119 0,0676 0,1250 0,0578 2054 0,3169 0,2039 0,2491 0,0848 0,0115 0,0775 0,1401 0,0682 0,2069 Auf einem preuss. Morgen standen durchschnittlich 50000 Pflanzen. Assimilation und Ernährung. 133 Die Schiassfolgerungen, die sich aus der Arbeit in Bezug auf Auf- nahme und Vertheilung der einzelnen Nährstoffe ergehen, liegen iu den Tabellen so deutlich vor Augen, dass sie einer Wiederholung mit Worten nicht bedürfen. Wir begnügen uns deshalb damit, eine Bemerkung des Verfassers anzufügen, die sich nicht ganz ohne Weiteres aus den Zahlen ableiten lässt. Sie lautet: „Nicht unerwähnt will ich das Sauerstoffver- hältniss der an organische Säuren gebundenen Basen lassen. Es ist bei den Samensalzen (drei Analysen d. R.) ein konstantes. Bei den Wur- zelsalzen ist dieser Sauerstoffgehalt in den jüngsten^Pflanzen am grössten, nimmt stets ab und behält zuletzt eine befriedigende Konstanz. Dasselbe gilt bei den Blattpflanzen bis zur 6. und 7. Periode, von da an steigt die Sauerstoffzahl wieder, wenn auch nur wenig. Bei den Wurzeln stellt sich das Verhältniss dieses Sauerstoffs zwischen der ersten und letzten Periode wie 3 : 2, bei den Blättern wie 7 : 6." — Zum Schluss sei an eine frühere Arbeit des Verfassers erinnert: Aschcnana- lysen der Cichorle. Jahresber. 1866. S. 112. — Beiträge zur Entwicklungsgeschichte der Maispflanze, Beiträge von Haberlandt.*) — Die Kultur hat eine grosse Menge von Spiel- zur Ent " wicklungs- arten des Maises hervorgebracht, die in Grösse und Gewicht der reifen g esC hichte Pflanze, der Kolben und Körner um das 20 und Mehrfache von einander der Mais- abweichen. Die Zeitdauer und mit ihr die Wärmesumme, welche zur Aus- *» flanze - bildung der verschiedenen Sorten nothwendig ist, wechselt vom Einfachen bis zum Doppelten. Verfasser beschloss die Ursachen zu studiren, die solche Veränderungen bedingen, und theilt zunächst einen Versuch mit, der das Verhalten des Maises beim Anbau an einer von seiner Geburts- stätte geographisch und klimatisch sehr verschiedenen Oertlichkeit illustrirt. Im Jahre 1865 wurden Originalsamen von Mais aus Nordamerika, Süd-Ungarn, der Walachei, Odessa und Aegypten bezogen und unter glei- chen Verhältnissen in Ungarisch - Altenburg angebaut. Im Jahre 1866 wurde der Samenbezng aus denselben Quellen wiederholt und daneben kamen die 1865 in Ungarisch- Altenburg als erste Generation gewonnenen Samen zur Aussaat. Die AVärme- und Regenverhältnisse der beiden Vegetatiousjahre waren folgende : 1865. 1866. Mittlere| Nieuers(:Illä S e Mittlere Niederschläge Wärme i Wärme 1 in | Grösse in Grösse Graden ' Zahl in Paris. Graden Zahl, in Paris- Re'aum. I Linien. Re'aum. Linien. Mai . . . 15,03 9 10,70 10,66 | 11 23,7S Juni . . . 12,83 9 14,06 17,78 | 13 20,97 Juli . . . 18,53 9 14,47 16,50 17 15,67 Augu t 15,50 17 28,41 14,63 22 55,52 September . 13,01 3 1,78 14,77 10 39,60 Oktober . . 9,13 11 15,82 6,32 3 3,51 *) Centralblatt f. d. gesanunte Landeskultur. 1867. S. 1. 134 Assimilation und Ernährung. Die Vegefötionsverhältnisse giebt nachstellende Tabelle: Zahl d er Tag e bis zur Blüthe. bis zur Ernte. = S 3 » = 3 CO 'S 0> 00 £ 6j0 S "3 • Sil §-•§ CO t tC i-t r dienten hierzu entweder Glocken von gefärbtem Glas oder zwei in ein- säure ander gestellte Glasröhren von denen die äussere mit einer gefärbten durch die Flüssigkeit gefüllt war — setzte dieselben 10 Stunden lang dem Sonnen- Pflanzen - lichte aus und bestimmte die unzersetzt gebliebene Kohlensäure. Bei Be- nutzung der gleichen Blattfläche (was für Blätter? ist nicht angegeben) und unter sonst gleichen Umständen blieb Kohlensäure unzersetzt: *) Comp, rend Bd. 65- S. 322. 142 Imponderabilien. Verhältniss der Kohlensäure in 100 Gasgemenge. Verhalten des 18 : 100 21 : 100 30 : 100 photographischen Papiers. Lösung von Jod in Schwefelkohlenstoß' 18 21 30 schwärzte sich nicht. Grünes Glas . . . 20 30 37 färbte sich langsam. Violettes „ . . . IS 19 28 schwärzte sich sehr rasch. Blaues „ . . . 17 16,5 27 schwärzte sich sehr rasch. Eothes „ . . . 7 5,5 23 färbte sich nicht. Gelbes „ . . . 5 1 18 färbte sich nicht. Mattes „ . . . 2 schwärzte sich sehr rasch. Die Versuche bestätigen hiernach die bekannte von Sachs beobachtete Thatsache, dass es besonders die leuchtenden und unter ihnen in erster Linie die gelben Strahlen des Spectrams sind, unter deren Einfluss die Zer- setzung der Kohlensäure in der Pflanze vor sich geht. In blauem und violettem Licht findet diese Zersetzung sehr langsam und unvollkommen statt. Besonders bemerkenswert!! erscheint, dass die Blätter im grünen Licht nicht nur die Fähigkeit, Kohlensäure zu zersetzen, gänzlich verloren, sondern sogar wie in der Nacht Kohlensäure ausathmeten. Zu bedauern ist, dass dem Verfasser die Versuche von Fuchs wie es scheint ganz unbekannt geblieben sind, er würde es dann für nöthig gefunden haben, die etwas rage Bezeichung, „gelbes," „blaues" ,.grünes Glas" durch bestimmte Angaben der Strahlen, welche die benutzten Gläser noch durch sich hindurch Hessen, näher zu präzisiren. Produktion Produktion von organischer Pflanzensubstanz bei Ab- "nischT schluss der chemischen Lichtstrahlen, von A. Mayer.*) pflanzen- Ausgehend von den vortrefflichen Versuchen von Sachs über die Substanz bei Saucrstoffabscheidung der Pfllanzen in farbigem Licht, beschloss Verfasser, Ab.schluss . dercbemi- diese Experimente zunächst mit Wasser- und Landpflanzen zu wiederholen sehen Licht- und sodann zu versuchen, ob es möglich sei, den ganzen Vegetations- strahlen. p rozoss e } ner pfl anze De j Abwesenheit von „chemischen" Strahlen verlaufen zu lassen und die Zunahme von organischer Trockensubstanz zu konstatiren. Zu seinen Versuchen bediente sich Mayer dreier dreiseitiger Glas- pyramiden, die abgestumpft und oben und unten offen waren. Pyramide I war aus weissem Fensterglas konstruirt, Pyramide II aus gelbem durch Eisenoxyd gefärbtem Glas, welches doppelt genommen in der Stärke von etwa 4 Mm. die chemischen Strahlen noch vollständiger ausschloss, als eine konzentrirte Lösung von saurem chromsauren Kali, dafür aber auch weit weniger Lichtstrahlen überhaupt durchliess. Nach einer photome- trischen Bestimmung war die Lichtintensität unter Pyramide II nur *U so stark, wie unter Pyramide I. Pyramide III war wiederum aus Fenster- *) Die landwirth^chaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. S .39G. Imponderabilien. 143 glas, jedoch inwendig in einer Weise mit geschwärzten Papierstreifen De- klebt, dass in dieselbe nur der vierte Theil des Lichtes, wie in die erste gelangen konnte. Das Verhalten der Pflanzen unter diesen drei Pyramiden war fol- gendes: 1. Sauerstoffabscheidung aus Wasserpflanzen. Die von Blättern des Ceratophyllum demersum aus der Wunde des abgeschnittenen Blattstieles entwickelte Anzahl von Sauerstoffblasen betrug unter Pyramide II 36—45 Prozent und unter Pyramide III 22—30 Pro- zent von der unter Pyramide I ausgeschiedenen. Während also die Sauer- stoffabscheidung unter Pyramide III ganz proportional der geschwächten Lichtmenge stattfand, beweisst die höhere Blasenzahl unter Pyramide II, dass durch das gelbe Glas eine verhältnissmässig grössere Menge wirk- samer Strahlen hindurchgegangen war, als leuchtender überhaupt. 2. Sauerstoffabscheidung aus Luftpflanzen. Es wurden Erbsenblätter in mit Kohlensäure geschwängertem Wasser unter die Pyramiden gebracht und dem Lichte ausgesetzt. Die in 24 Stunden abgeschiedenen Gasmengen wurden gemessen, lieferten aber Re- sultate, die nicht gut mit einander übereinstimmten, und Verfasser be- schränkte sich darauf zu sagen, „dass die verschiedenen Bestrahlungen auf die Sauerstoffabscheidungen der Erbsenblätter in ganz ähnlichen Ab- stufungen wirkten, wie auf die Sauerstoffabscheidungen der untersuchten Wasserpflanzen. 3. Vegotationsversuche. Unter jede Pyramide wurden am 9. April 1867 ein Topf mit 4 ge- koimten Erbsensamen und einer mit 5 gekeimten Wicken gebracht und ebenso zwei solcher Töpfe auf dasselbe Gestell unbedeckt zum Vergleich aufgestellt. Die ganze Vorrichtung stand so, dass sie nur von diffusem Licht getroffen wurde. Ie ein Erbsensame wog trocken 0,2408 Gr., je ein Wickensame 0,154 Gr. Begossen wurde nach Bedarf. Stand der Pflanzen nach 3 Wochen : Unbedeckt. Pyr. I. Pyr. II. Pyr. III. a) Erbsen. Länge der Pflanzen, Centimtr. . . 12 22 32 30 Zabl der Internodien 4 4 3 — 4 3 Durcbscbnittlicber Quermesser der Blätter, Centimtr 3,3 2,1 1,8 1,8 b) Wicken. Länge der Pflanzen, Centimtr. . . 10 IG 25 25 Zabl der Internodien 5 5 4 — 5 4 Durcbscbnittlicber Querdurcbmesser der Blätter, Centimtr. ... 1,3 1,2 1,3 1,1 144 Imponderabilien. Die Trockengewichte einzelner „vorsichtig mit den Wurzeln heraus- genommener" Pflanzen waren: Unbedeckt. Pyr. I. Py. II. Pyr. III. a) Erbsen. Grm Grm. Grm. Grm. nach 5.2 Wochen . . 0,331 0,243 0,179 0,164 jj 6 „ . 0,336 0,310 0,220 0,113*) . m „ . 0,828**) 1,111**) 0,393 0,163 b) Wicken. nach 4. \ Wochen . . 0,174 0,174 0,136 0,141 5£ r> • . 0,204 0,213 0,151 0,116 n ö n . 0,531 0,661 0,198 0,182 Wenn man das ursprüngliche Samengewicht mit dem Trockengewicht der unter Pyramide II gewachsenen Pflanzen vergleicht, so bleibt für die letzteren eine äusserst geringe Produktion übrig, und gewiss hat Verfasser seine Absicht „den ganzen Vegetationsprozess bei Abwesenheit von chemischen Strahlen verlaufen zu lassen" nicht erreicht. Gleichwohl aber dürften die erhaltenen Resultate genügend beweisen, dass in der Tbat auch bei Abschluss aller chemischen Strahlen eine Pro- duktion von Pflanzensubstanz überhaupt statt finden kann — eine Beobachtung, die mit der bisher bloss konstatirten Sauerstoffabscheidung in gelbem Licht nicht noth- wendig zusammenfällt. — In Betreff der mitgetheilten Ertragszahlen aber können wir nicht die Frage unterdrücken: wie nimmt man behufs Bestimmung der produ- zirten Trockensubstanz eine Pflanze vorsichtig mit den Wurzeln aus einem Topfe heraus, in welchem gleichzeitig noch zwei oder drei andere Pflanzen stehen, die ungestört weiter wachsen sollen? Schliesslich lenken wir d : e Aufmerksamkeit uoch auf folgende Artikel: Die Entwicklungsgeschichte des Farbstoffs in Pflanzenzellen, von A. Weiss. ') Ueber die Assimilation komplexer stickstoffhaltiger Körper durch Pflanzen, be- sonders Mais (betr. Harnsäure, Hippursäure, salzt^aures Guanin, Harnstoff), von Johnson. 2 ) Ein Beitrag zur Frage über den Samenwechsel unserer Getreidearten, Hack- früchte etc , von Pietrusky. 3) Ueber die Schwächung der Fortpflanzungsfähigkeit bei der Bastardbildung der Pflanzen, von Pokorny. 4) Etudes sur les fonetions des racines des ve'getaux, von Coren winder. 5 ) Sur la respiration des plantes aquatiques, von van Tighem. 6) Wirkung des Lichts auf das Ergrünen der Pflanzen, von Famintzin. 7 ) *) Der noch im Boden übrige Theil der Erbsen war verfault. **) Die Pflanze blübte. J ) Wiener Sitzungsberichte. LIVa. 157. 2) Bill. Amerik. Journal. 1866. 21 Jan. 3 ) Land- u. forstwirthsch. Zeit. d. Prov. Preussen. III. 91. 4 ) Allgemeine land- u. forstwirthsch. Zeitung XVII. 555- 6) Comptes rendus. LXV. S. 781. 6) Comptes rendus. LXV. S. 867. 7 ) Jahrbuch der wissensch. Botanik. VI. 45- Prlanzenkraiikheiten. 14ö Pflanzenkrankheiten. Julius Kühn berichtet über drei Krankheitserscheinungen Drei Krank - -,, .r. n ~ iiii /-ii heitsformen an der Weberkarde,*) die er im Jahre 1867 zu beobachten Gelegen- derWeber . heit hatte. kard e- Die eine Krankheitsform besteht in dem Abfaulen des Kopfes der Karde vor dem Stauden, oder bald nachdem der Stengel sich zu bilden begonnen hat. Im letzteren Falle wird der oft bereits über Fuss hohe Stengel au seiner Basis faul und gleichzeitig ist in der Kegel auch der obere Theil der Wurzel mit ergriffen. Als Krankheitsursache ist ein Pilz zu betrachten, der als feines weisses Gewebe die erkrankten Theile durch- zieht und bei seiner Entwickelung zahlreiche Sclerotien bildet. Aus diesen Sclerotien entwickelt sich nach längerer Kühe im Boden schliesslich wieder der sporentragende Pilz ganz ähnlich wie Claviceps purpurea aus dem Mutterkorn des Getreides. Aus der Form der Sclerotien vermuthet Kühn, dass dieselben der Peziza sclerotiorum angehören. Als Vorbeugungsmittel wird empfohlen, alle derartig erkrankten Pflanzen alsbald mit der Wurzel vorsichtig auszuheben, vom Felde zu entfernen und am besten in die Jauchengrube zu bringen, wo die Sclerotien am sichersten getödet werden. Die zweite Krankheitsform zeigt sich als ein mehlthauartiger, weiss- grauer Ueberzug anfangs nur auf der untern Seite der Blätter, später auch auf der obern Blattfläche, dem Stengel und den jungen Kardenköpfen. Derartig befallene Pflanzen erheben sich entweder gar nicht, oder bilden nur einen kurzen, verunstalteten Stengel, der verkümmerte, zu technischer Verwendung unbrauchbare Blüthenköpfe erzeugt. Krankheitsursache ist auch hier ein Pilz und zwar Peronospora Dipsaci Tul. (Bisher nur auf der wilden Karde, Dipsacus sylvestris beobachtet). — Verbeuguiigsrnittel: So lange die Krankheit vereinzelt auftritt, beseitige man sofort und sorg- fältigst jede befallene Pflanze und verbrenne dieselbe. Tritt der Pilz schon an den jungen Pflanzen im Garten auf und hat derselbe dort schon eine grössere Verbreitung erlangt, so unterlasse man den Anbau der Karde für das betreffende Jahr ganz und wähle dafür besser rechtzeitig eine andere einträgliche Kulturpflanze. Die dritte Krankheitsform, die als „Kernfäule" bezeichnet wird, tritt an den Kardenköpfen auf und wird durch Thierchen — und zwar durch die Anguillula Dipsaci Kühn — verursacht. Die so erkrankten Kardenköpfe werden weich, im Innern missfarbig, später hohl und schliessen die An- guillen in allen Stadien der Entwicklung ein. Da diese Thierchen im Larvenzustande auch bei trockener Aufbewahrung mehrere Jahre lebens- fähig bleiben, so schlägt Kühn als Mittel zur Verhütung der Krankheit vor, alle derart erkrankten Köpfe mit sammt den Stauden bald möglichst *) Ziiitschr. d. landw. Centr.-Ver. d. Prov. Sachsen. 18G7. S. 265. Jahresbericht X. 10 Klees. 146 Pflanzenkrankheiteu. zu verbrennen, von den Feldern, welche kranke Karden trugen, keinen Samen zu benutzen und auf denselben erst nach einer längeren Reihe von Jahren — am besten erst nach 6 Jahren Karden wiederkehren zu lassen. Die Beschädigung der Karden durch Anguillula hatte Kulm schon früher einmal beobachtet und dieselbe in seinem Lehrbuche „Krankheiten der Kulturgewächse" S. 178 beschrieben; ebenso war bekannt, dass dieselben Thierchen als Zerstörer des Weizenkorns auftreten; neu aber dürfte sein, dass die Anguillulen auch noch für eine Anzahl anderer landwirthschaft- licher Kulturpflanzen schädlich werden. So berichtet Eine Krank- Karmrodt über eine Krankheit des Roggens und des Roggens Klees*), die durch Anguillula hervorgerufen wurde. Verfasser fand die und des Thierchen bei den jungen Roggenpflanzen massenhaft unter dem ersten Halmknoten oder an der Basis der Blattscheiden. Die Pflanzen sahen mit Ausnahme einzelner äusserer Blätter noch grün und frisch aus, hatten aber nicht vermocht, einen Halm in die Höhe zu treiben ; bei manchen Hess sich die schon ausgebildete Aehre erkennen, welche aber dicht auf der Wurzel oder auf einem ganz unvollkommen gebildeten Halm aufsass. — Bei dem Klee fanden sich die Thierchen in den Stockausschlägen, welche sich im Frühjahre von der Wurzel ab verzweigen. Diese wachsen dann nicht in die Höhe, die erkrankten Pflanzen bleiben zurück ued sterben bald ab. Während des Absterbens der Pflanze stiegen die Anguillulen in die Wurzeln hinab und wurden noch bei längst abgestorbenen Pflanzen einen Zoll unter der Bestockungsstelle in der kräftig entwickelten Pfahl- wurzel lebendig und thätig von dem Beobachter angetroffen. — Auch für die Buchweizenpflanze hat Karmro dt die Thierchen als Zerstörer konstatirt. Ausser Karmrodt hat auch Jul. Kühn das schädliche Auftreten de^r Anguillulen an der Roggenpflanze verfolgt *) Er fand sie in den Blatt- scheiden und in dem untern kurzen Stengeltheil und zwar in dem Zellge- webe zwischen den längshin verlaufenden Gefässbündeln. Kühn meint, dass die durch Anguillulen verursachte Beschädigung nur den ärmlichen und den in Folge später Einsaat oder verzögerten Aufgehens zurückge- bliebenen Roggensaaten verderblich wird, während die im Herbste schon normal und kräftig entwickelten Pflanzen die von den Anguillulen zer- störten Triebe durch neue Sprossung ersetzen. Eine matt- Julius Kühn beobachtete ferner eine Blattkrankheit der Es- krankheit der Espftr- parsettc,***) die sich in folgender Weise kenntlich machte: Die Blättchen sette. der erkrankten Esparsette waren verdickt, markig, schotenförmig zusammen- geschlagen und anfangs gelblich grün, später röthlich bis intensiv roth *) Zeitschr. d. landwirthschaftl. Ver. f. Kheinpreussen. 18G7. S. 251. **) Zeitschr. d. landwirthschaftl. Centr.-Ver. f. d. Prov. Sachsen. 1S67. S. 99. **) Zeitschr. d. landwirthschaftl. Centr.-Ver. f. d. Prov. Sachsen. 1867- S. 209. Pflanzenkrankheiten. 147 gefärbt. Diese gallenartige Missbildung der Blättchen tritt zuweilen ver- einzelt auf, zuweilen befällt sie alle Blätteben eines Fiederblattes und selbst den grössern Theil der Blätter einer Staude. Bei kleinem Fieder- blättchen ist manchmal das ganze Blatt in ein schotenförmiges rothgefärbtes Gebilde umgewandelt, bei dem die mitumgebildeten Blattränder aber nicht verwachsen, sondern nur dicht an und übereinander gelagert sind. Die Krankheit wird hervorgerufen durch kleine, im ausgewachsenen Zustande l 3 /«— 2 M. M. lange, fusslose, orangefarbene Maden, die nach der Be- stimmung des Professor Loew der Cecidomyia astragali (wahrscheinlich identisch mit Cecidomyia onobrychidis Bremi) angehören. Zur Verpuppung verlassen die Maden die Blattgalle, wobei dieselbe auseiuanderklappt, gehen in die Erde und umgeben sich mit einem zarten weissen Kokkou. Wahr- scheinlich erzeugt das Insekt mehr als eine Sommergeneration. Munter macht Mittheilung über einen neuen Gerstenblatt- Ein neuer Zerstörer,*) dessen Tbätigkeit sich in folgender Form kenntlich macht. blattzer ' Die Blätter der Gerstenpflanze zeigen sich weissgefleckt, später über ihre störer. ganze Oberfläche entfärbt und sterben ab. Bei stark angegriffenen Pflanzen sind alle Blätter blass und welk, der niedrige Halm ist an der Spitze gesenkt und die von verwelkten weissgewordenen Blättern eingehüllte Aehre verkümmert, so dass eine Fruchtbildung unmöglich wird. Als Ursache der Erkrankung findet man eine etwa 1 Linie lange Made, welche die mit grünem Farbstoffe erfüllten Zellen zwischen der innern und äusseren Oberhautplatte des Gerstenblattes ausfrisst. Diese Made gehört einem zweiflügligen Insekte an, welches Stein**) als Hydrellia griseola Fall, an- spricht. Im Jahre 1867 wurden die Verheerungen der Made in der Pro- vinz Pommern, wo sie in hohem Grade schädlich auftrat, nur der spät- gesäeten Gerste verderblich, während die frühgesäete Gerste und der Hafer nur in geringem Grade angegriffen wurden. Die Milbensucht des Hopfens, von W. Fleischmann.***) — Die Miiben- Der Verfasser beobachtete im Sommer 1865 in Baiern das Auftreten sehr kleiner rother Milben auf den Hopfenpflanzen, welche die Ranken, Träub- chen und Blätter mit einem zarten Gespinnste einhüllten und ertödteten. Er benannte die Milbe Tetranychus huinuli und fand dieselbe auch in dem Boden der Hopfenpflanzungen und unter der Binde der ungeschälten Hopfen- stangen in ungeheuren Mengen. Ohne weiter auf die Naturgeschichte der Milbe einzugehen, berichten wir nachstehend nur die Analysen der Blätter von gesunden und zerstörten Blättern, welche der Verfasser ausführte. dicht des Hopfens. *) Der Landwhth. 18G7. S. 259. **) Der Landwirth. 1867. S. 278. ***) Die landwirtbscbaftl. Versuchsstationen. Bd IX. S. 419. 10* 148 Päanzenkrankheiten. Durch die Milben zerstört. Gesund. Asche in den lufttrocknen Blättern . . . 17,330 Proz. 22,300 Proz. Eisenoxyd 1,526 0,936 Kalkerde . 39,466 46,043 Magnesia 7,913 11,608 Phosphorsäure 5,322 4,203 Kieselsäure 33,167 26,849 Schwefelsäure 2,411 3,078 Kali 9,631 5,713 Natron _. 0,564 1,570 100,000 100,000 Aii Phosphorsäure und Alkalien waren also die von Milben zerstörten Blätter reicher als die gesunden, ebenso an Kieselsäure, dagegen enthielten letztere mehr Kalk und Magnesia. Das Auftreten der Milbe steht wohl schwerlich zu dem Gehalte des Hopfens an Aschenbestandtheilen in Beziehungen. Der Fleischmann giebt über die Krankheit des Hopfens, die man schwarze m ft dem ^ ame n „der schwarze Brand" bezeichnet, folgende Mitthei- Jrand am , ' ° Hopfen, hing.*) — Wenn die Witterung im Mai eine schnelle und gleichzeitige Ent- wicklung der Hopfenblattläuse (Aphis humuli) begünstigt, so dass diese In- sekten mit einem Male in kolossalen Massen den Hopfen überfallen können, so beschädigen sie die Pflanze durch starke Saftentziehung der Art, dass dieselbe ermattet und erkrankt. Einige Zeit nach dem Erscheinen der Blattläuse siedelt sich dann auf der Oberseite der Blätter ein schmutzig grüuer bis schwärzlicher Pilz an, welcher der Pflanze vollends den Garaus macht oder wenigstens den Jahresertrag ruinirt. Was den Pilz selbst anlangt, so stimmen seine Formen grösstenteils vollkommen mit dem von Tulasne als Pleospora herbarum, — Cladosporium herbarum Link be- schriebenen überein, einzelne wenige passen jedoch auf Tumago salicina Tulasne — Cladosporium Tumago Link. Verfasser ist geneigt, sie sämmt- lich für verschiedene Zustände und Formen eines einzigen Pilzes zu halten. Aus dem Umstände, dass sich nach einiger Zeit die ganze Pilzvegetation stückweise in Form schwarzer, zerbrechlicher an der der Blattfläche zuge- kehrten Seite ziemlich glatter Häutchen ablösst, schliesst Fleischmann, dass der Pilz kein ächter Schmarotzer ist, welcher in das Innere der Blätter eindringt, und glaubt die zerstörende Wirkung desselben vorzugsweise da- durch erklären zu müssen, dass die schwarze Pilzkruste durch Lichtent- ziehung eine Zersetzung des Chlorophylls und weiter des übrigen Zellen- inhalts hervorruft. Die nachstehenden Analysen von gesunden und kranken Blättern scheinen dem Verfasser eine Bestätigung dieser Ansicht zu ent- halten : ") Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. IX. 8. 334. Pflanzeiikrankheiten. 140 A. Gesunde Blätter, am 10. August 1866 einer eben in der Blüthenentfaltnng begriffenen, völlig normal entwickelten Pflanze entnommen. B. Kranke Blätter, am 18. August einem kranken Stocke entnom- men, mit einer dicken schwarzen Pilzkruste überzogen. C. Am 19. September bei der Hopfenernte gesammelt. D. Kranke Blätter, zugleich mit C geerntet, voll grosser weissgelber Flecken, die rilzkrusten fast ganz abgefallen, Die Proben C und D stammten von verschiedenen Standorten und wahrscheinlich ebenso die von A und B, bei denen hierüber nichts Näheres bemerkt ist. A. B. C. D. Gesunde Kranke Gesunde Kranke Blätter. Blätter. Blätter. Blätter. Wasser, bei 110° C. flüchtig .... — — 74,316 79,402 Asche (kohlensäurefrei) bei A und B für lufttrockne Substanz gültig . . 13,076 8,107 5,996 4,753 Proteinstoffe — - 5,617 3,901 Holzfaser — — 2,519 1.S39 Stickstofffreie Extraktstoffe . . ■ ■ . — — 11,552 10,105 Summa 100,000 100,000 Die Asche enthielt: Eisenoxyd 0,874 1,254 0,325 0,435 Kalkerde 40,536 35,845 44,464 42,717 Magnesia 9,580 11,378 6,688 9,071 Phosphorsäure .... 6,003 8,696 3,589 5,110 Schwefelsäure 9,131 7,047 1,769 2,813 Kieselsäure 15,523 16,543 29,129 24,755 Kali 12,23 214,317 11,907 12,931 Natron . 6,130 4,920 2,129 2,168 Summa 100,000 100,000 100,000 100,000 Das Befallen des Weinstocks wird nach Conte durch das Das Nieder binden der Beben befördert.*) Verfasser verglich zwei Reihen ^?" g e t " c * e B ' Weinstöcke, die parallel und unter gleichen äussern Bedingungen standen, befördert ' bei denen aber die Reben in ungleicher Lage angebunden waren, bei dlircb daa Nr. 1 nämlich horizontal, bei Nr. 2 in aufsteigendem Winkel. In Reihe äer/LT 1 fand er von 51 Reben 41 mit O'idium bedeckt, in Reihe 2 dagegen von Reben. 46 Reben nur 9 erkrankt. Auf Antrag der Central-Commission für das agrikulturchemische Ver- Zur suchswesen in Berlin waren die landwirtschaftlichen Akademieen und Versuchsstationen Preussens durch Ministerial-Circular zu einer Anzahl ge- meinschaftlicher Versuche über die Kartoffelkrankheit aufgefordert worden, die in folgende sechs Aufgaben formulirt waren : krankheit. *) Compt. rend. Bd. 65. S. 316. 150 Pflanzenkrankheiten. 1) Wiederholung der Versuche von Speerschneider, welcher die Nass- fäule der Kartoffelknollen durch Aussaat der Sporen des Kartoffelblattpilzes auf dieselben erzeugte. 2) Anstellung von Infizirungsversuchen mit verschiedenen Kartoffel- sorten unter sorgfältiger Berücksichtigung der Dicke der Schale und der Ausbildung der Korkschicht. 3) Bestimmung der Zeit, wann für jede Sorte relativ zur Entwick- lung der ganzen Pflanze die Verkorkung der Schale eintritt und ihren höchsten Grad erreichte durch mikroskopische Prüfung. 4) Anwendung . von verschiedenen der Pilzwucherung schädlichen Sub- stanzen zur Prüfung der Frage, welche im Grossen leicht ausführbaren Mittel die Tödtung der Sporen herbeiführen können. 5) Beobachtungen über die Zeitdauer, binnen welcher die Sporen unter natürlichen Bedingungen isolirt oder der Ackererde zugemischt bei trockner und feuchter Aufbewahrung ihre Entwicklungsfähigkeit behalten. 6) Feststellung des Einflusses, den das zur Verhütung der Knollen- krankheit vorgeschlagene Entlauben der Kartoffelpflanze auf die Entwick- lung der Knollen hat. Die Annalen der Landwirthschaft geben in Bd. 49. S. 104 ff. den zweiten Bericht der Central-Commission über die in dieser Richtung aus- geführten Arbeiten und wir können uns hier darauf beschränken, unter Verweisung auf diesen Bericht anzuführen, dass die Central-Commission bis jetzt nur die letzte der 6 Versuchsaufgaben für erledigt hält, indem die eingelieferten Versuchsresultate übereinstimmend zeigen, dass durch das Entlauben der Kartoffelpflanze die Weiterentwicklung der Knollen so- fort unterbrochen und sistirt wird, und dass mithin diese Operation, je nachdem sie früher oder später vorgenommen wird, den Knollenertrag auf % X A und noch weniger herabmindern kann. Eine prak- Ej ne praktische Methode, um die Kartoffel dem Einflüsse isc e e- ^ er Kartoffelkrankheit zu entziehen, von Bossin.*) — Verfasser thode, um ' die Kartoffel versichert zunächst, dass er zwanzig Jahre lang alle Mittel versucht habe, dem Ein- we i c üe die Wissenschaft zur Bekämpfung der Kartoffelkrankheit vorge- KartoffeT- sc M a 8' en na t > a ^ er vollständig erfolglos. Langjährige praktische Erfah- krankheit rungen nun haben ihm eine Methode an die Hand gegeben, die ihm so zu ent- vollkommenen Schutz gegen die Kranhhcit gewährt, dass er in den letzten 17 Jahren auch nicht eine kranke Knolle gehabt hat, und die er mithin als bewährt empfehlen kann. Sein Verfahren ist höchst einfach. Er be- nutzt nur die am frühesten reifenden Sorten zum Anbau, pflanzt dieselben aus, sobald nur irgend der Frost in die Erde zu kommen erlaubt — wenn möglich schon in der ersten Hälfte des Februar — , legt die Knollen mit Rücksicht auf die Spätfröste recht tief — 8 bis 10 Zoll — , erntet die *) Journ. d. 1. soc. d'agric. do Belgique. Bd. XIV. S. 209 u. 235. PHanzenkrankheiten. 151 Kartoffeln reif im Juli und August und hat die Ernte auf diese Weise in Sicherheit, wenn die Krankheit auf den Nachbarfeldern das Kraut zer- stört. Als diejenigen Frühsorten, welche sich für die genannte Kultur- methode eignen und einen befriedigenden Ertrag geben, nennt Bossin: „la Marjolin, la naine hätive, la Comice d'Amiens, la Circassienne, la truffe ou grise d'aoüt, la Hollande de Brie, la Schaw." Die Bossin'sche Methode beruht auf der Voraussetzung, dass die Frukti- rikatiüns- Periode des Kartoffelpilzes mit der Zeit der Hundstage zusammen falle, und um den Vorschlag überhaupt zu verstehen, ist es nothwendig zu wissen, dass das Gut des Verfassers, auf welchem die Kulturen 17 Jahre lang guten Erfolg gaben, einen trockenen, hitzigen Boden hat und auf einem Süd - Abhänge in dem Departement Seine-et-Oise liegt. Selbst die Eichtigkeit der genannten Voraus- setzungen angenommen, wird das Klima der Anwendung des Bossin'schen Me- thode nach Norden hin bald eine Schranke setzen ; zudem erinnern wir uns einer ganzen Anzahl von Fällen, wo gerade die Frühkartoffeln (die allerdings nicht im Februar gelegt worden waren) stärker von der Krankheit befallen wurden, als die spätem Sorten. Man vergleiche auch die Angaben von Rappards über die zum Keimen der Kartoffeln erforderliche Bodentemperatur, oben Seite 96. Ueber das Lagern des Weizens wurden in Grignon Versuche *) ueber das ausgeführt, welche die neuern Ansichten über die Ursachen dieser Abnor- Lagern des . Weizens. mitäten **) nach allen Richtungen bestätigen. Auf einem in vortrefflichem Kulturzustande befindlichen Felde wurde, um eine möglichst luxuriöse Vegetation zu erzielen, eine starke Düngung von Guano und Phospho- Guano ausgestreut und darauf Weizen breit- würfig ausgesäet. Das eine Drittel des Feldes erhielt darauf noch eine Zugabe von kieselsaurem Kali; auf dem zweiten wurden die Pflanzen in der Weise ausgedünnt, dass die übrigbleibenden in 50 Centimeter ent- fernten und nach Mittag gerichteten Reihen zu stehen kamen; das dritte Drittel diente als Massstab zum Vergleich. Auf der ersten mit kiesel- saurem Kali gedüngten Abtlieiluug lagerte sich der Weizen am frühesten und stärksten. Auf der zweiten ausgedünnten Parzelle wurden die Pflanzen am stärksten und hielten sich am besten aufrecht. Die Ernte wurde von Veit er zu einer chemischen und mikroskopischen Untersuchung benutzt, die zu folgenden Resultaten führte: 1. Das Lagern des Weizens wird nicht durch einen Mangel an Kiesel- säure bedingt, denn die Halme des gelagerten Weizens sind reicher an Kieselsäure als die des nicht gelagerten. In dem untern Theile des Halmes wurden gefunden: bei gelagertem Weizen 70,7 Kieselsäure bei nicht gelagertem 65,3 „ *) Journ. d. 1. soc. centr. d'agric. d. Belgique. Bd. XIV. S. 215 u. Compt. rend. Bd. 64. S. 1032. **) Vergl. Jahresber. 1S66 S. 197 ft. 152 Pflauzenkiaiikheit6n. 2. Die Ursache zum Lagern ist vielmehr iii der mangelnden Reife und Festigkeit der Holzfaser zu suchen. Je 10 Halme wurden zu einem Bündel vereinigt, dann wurde das Bündel in horizontale Lage gebracht, am untern Endo .festgeklemmt und bis zum Brechen mit Gewichten beschwert. Dasselbe Experiment wurde wiederholt mit Bündeln, die man vor der Belastung 24 Stuuden in Wasser gelegt hatte. Es wurde gefunden : Gewicht der Halme und Aehren. Gramm. 1) ausgedünnter Wei- zen 18,60 2) breitwürfig gesäeter 17,50 3) mit Kalisilikat ge- düngter .... 17,27 Mittlere Länge. Meter. 0,985 0,949 Ursprüng- liche Beu- gung ohne Ueber- gewicht. Meter. 0,333 0,402 Zum Brechen nöthige Belastung. Gramm 104,00 86,50 Beugung unter dem zum Bre- chen erfor- derlichen Gewicht. Meter. 0,721 0,785 0,952 0,445 77,00 0,851 Gewicht der Aehren. Gramm. 6,820 7,300 6,700 Nach dem Liegen im Wasser : Gewicht Gewicht der Beugung der Zum der Halme nach Enden unter Brechen trocknen dem Ein- dem Ueber- Beugung unter dem zum Bre- nöthige chen erforder- Belastung. liehen Gewicht. Gramm. Meter. Halme. tauchen. gewicht. Gramm. Gramm. Meter. 17,550 42,300 0,403 70,00 0,625 17,300 36,500 0,465 54,00 0,702 3) mit Kalisilikat gedüngter 18,500 35,700 0,495 51,00 0,804 1) ausgedünnter Weizen 2) breitwürfig gesäeter 3. Das kieselsaure Kali scheint nicht in den Organismus der Pflanze aufgenommen zu werden; wenn es in dem Versuche nachtheilig gewirkt hat, so ist der Grund mehr in seinem Alkali, als in der Kieselsäure zu suchen. 4. Der möglichst freie Zutritt von Luft und Licht erscheint am meisten geeignet, dem Halme der Cerealien die Steifheit zu verleihen, die zum Widerstand gegen das Lagern nöthig ist. 5. Die Kieselsäure scheint nicht mit der organischen Substanz ver- bunden zu sein, sie ist in dem Stengel und den Blättern frei abgelagert und spielt die Rolle eines festen Gerüstes, dem entlang die Holzfasern und Zellen sich anordnen. Aber dieses Gerüst ist nicht zusammenhängend und kann deshalb nicht viel zur Steifigkeit des Halmes beitragen. Es wird von Lamellen gebildet, welche die Form von länglichen Rechtecken haben, acht bis zehnmahl so lange als breit und an den längeren Seiten so regelmässig gezahnt ist, wie eine Säge mit rechteckigen Zähnen. Die längeren Seiten sind parallel zur Stammachse gestellt. Zwischen den Lamellen von oben nach unten bleibt ein ovales Loch für den Durchtritt der Haare frei. Seitlich sind die Lamellen dadurch unter einander ver- bunden, dass die Zähne in einander greifen. Die erwähnten ovalen Löcher sind so geordnet, dass sie in Spiralen rings um den Stengel stehen. 153 Hallier hat die Entwicklungsgeschichte des Staubbran- des und des Steinbrandes, Ustilago carbo und Tilletia caries*) Btudirt und ist zu der Oeberzeugung gekommen, dass dieselben gar keine selbstständige Pilzformen, sondern nur untergeordnete Fruclitformen von gewissen Schimmelpilzen sind. Verfasser hat sich lange mit der Be- obachtung der niedersten Pilzformen und ihrer Rolle bei der Gährungs- erscheinung beschäftigt und das Hauptresultat seiner Forschungen lässt sich in folgende Sätze zusammendrängen. Bei den Oxydationsgährungen oder Venvesungsprozessen, so z. B. bei der Essiggährung, findet Schimmel- bildung statt, bei den Keductionsgährungen oder den Fäulnissprozessen dagegen Hefebildung. Schimmel und Hefe sind nur verschiedene Ent- wicklungsformen derselben Pflanzengattungen. Wenn Pilzsporen an der Oberfläche gährender Substanzen also bei Zutritt der Luft keimen, so tritt der gesammte Plasmakörper im Zusammenhang in Form eines Keim- schlauchs hervor und entwickelt sich zu bestimmten Fruchtformen der Pilze. Wenn dieselben Sporen im Innern einer gährenden Flüssigkeit, also bei Abschluss der Luft keimen, so zerfällt das Plasma derselben in eine grosse Anzahl von Kernzellen, die sich durch Theilung rasch ver- mehren und dadurch die Kernhefe (Micrococcus Hall.) hervorbringen. Je nach der Natur der gährenden Flüssigkeit ist der Verlauf der Hefe- bildung in der Folge ein verschiedener. Bei der Fäulniss von stickstoff- reichen Substanzen bildet sich lediglich Micrococcus ; die weingeistige Gährung dagegen wird nicht von Kernhefe, sondern durch Sprosshefe (Cryptococcus Hall.) eingeleitet, die aus grossen blasenförmigen aber klein- kernigen Hefezellen besteht und durch Anschwellung der Zellwände auf Kosten des Plasmas aus Micrococcus hervorgeht. Bei der Gährung von massig stickstoffhaltigen Substanzen wie z. B. Milch, endlich schwellen die Micrococcuszellen stark an, behalten dabei aber den glänzenden dichten Kern und bilden so die Gliederhefe (Arthrococcus Hall). Treten diese Hefeformen an die Oberfläche der gährenden Flüssigkeit und sonach mit der Luft in Berührung, so entwickeln sich aus ihnen wiederum andere Formen und zwar entstehen aus Micrococcus die zarten Leptothrix-Ketten, aus Cryptococcus die Hormiscium- und Torula-Pflänzchen, aus Arthrococcus die Mycoderma-, Torula- und Oi'dium -Ketten, aus welchen nun weiter sich Schimmelpilze entwickeln können. Auf Grund seiner weitern Untersuchung nun glaubt Verfasser in dem Staubbrand, Ustilago carbo, Nichts, als eine solche Oidiumform für die Schimmelpilze Aspergillus — Stemphylium — Eurotium (über die weiteren Beziehungen zu Oi'dium albicans, Stachylidium parasitans etc. müssen wir auf das Original verweisen) und in dem Steinbrand Nichts als eine solche Oidiumform für Penicillium crustaceum — Mucor racemosus — Achlya prolifera sehen zu müssen. Penicillium und Aspergillus sind die Acro- (Teber d7. S. 1151. i) Agronom. Ztg. 18(37. S. 819. ••) Chem. Ackers. n. 1867. S. 104. e ) Journ. of the Royal Agric. Soc. of Fngl. 1867. p. I. S. 65- ') Journ. of Agric. Edingburgh. 1867. S. 262. 8) Landw. Zeitung f. d. Grossh. Posen. 1867. S. 67. 9) Land- u. forstw. Ztg. f. d. Prov. Preussen. .18(57. S. 123. 10) Landw. Centralbl. f. D. 1S67. I. S. 467. 170 Bodenbearbeitung Felder durch den Nil abhängig ist, ebenso auf die Kornkammern der alten AVeit, deren Fruchtbarkeit auf künstliche Alluvion gestützt war; er verweist ferner auf den hohen Nährstoffgehalt des Flussschlammes. — Fr. Horsky ist mit einem neuen Ackerungssystem an die Oeffentlichkeit getreten , welches im Wesentlichen zum Ziele hat, die Fruchtbarkeit des Feldes in der obersten, 3 bis 4 Zoll tiefen Schicht zu konzentriren und dieselbe vor einer Vermischung mit dem Untergrunde möglichst zu bewahren. Der Untergrund soll nur gelockert werden und nur zeit- weise und nur so tief gewendet und in die Schichten des Ackergrundes gebracht werden, als sich die ausgelaugten Dungstoffe angesammelt haben. Dieses System dürfte mehr dem Gedeihen der rlachwurzeluden, als dem der tiefgehenden Kultur- gewächse angepasst sein. — In der Anlage künstlicher Vorftuthen sieht J. Matern ein Mittel zur Drainirung der Felder. Nasse Felder, welche in der Tiefe eine durch- gehende wasserführende Sandschicht von erheblicher Seitenausdehnung haben, die also auf einer sehr schwer durchlässigen Bodenschicht lagert, soll man am wirksam- sten nach dem Matern 'sehen System durch an tiefliegenden Stellen der Feldmark angelegte und bis zur Sandschicht gefühlte Brunnen, die man durch passende Vorrichtungen fortwährend ausschöpft, entwässern. Das System soll in solchen Fällen das Drainröhrensystem nicht nur vollständig entbehrlich machen, sondern den Zweck der Drainage vollkommener und billiger erreichen. — Sodann haben wir eine Mittheilung aus England eingefügt, nach welcher dort die Temperatur drai- nirten Bodens 2 / 3 ° höher ist, als die undrainirten Bodens. — Nach G. v. Nathu- sius-Orlowo bleiben die bekannten Vortheile der Drillsaat der breitwürfigen Saat gegenüber auch dann bestehen, wenn mau dieselbe nicht behackt, und nur bei schweren, thonigen Böden, die zur Krustenbildung geneigt sind, ist die Drillsaat nachtheilig, wenn nicht gleichzeitig das Behacken des Bodens erfolgen kann. Der vorjährige Bericht brachte bereits eine Besprechung dieses Thema's von Krämer, welcher sich zu derselben Ansicht bekennt. — Die Peters en' sehe Wiesenbau- methode, die noch immer in der periodischen landwirtschaftlichen Literatur emsig für und wider besprochen wird, ist in früheren Berichten ausführlich und genugsam erörtert worden; wir haben uns deshalb auf die Mittheilung eines Aufsatzes von Henze - Weichnitz beschränkt, dem wir entnehmen, daoS die Kosten einer Wiesenanlage nach P eter sen 'schem System sich per Morgen auf crc. 25 1 /« Thlr. belaufen. Henze legt aber auf gleichzeitige kräftige Düngung dieser Anlage ein Hauptgewicht; eine solche erforderte aber bei Henze' s Anlage einen abermaligen Kostenaufwand von 22-/3 Thlr. per Morgen. Dennoch ist der Verfasser von der Vortheilhaftigkeit der Petersen 'sehen Wiesen überzeugt. Literatur. Die Meliorationen des Warthebruches; im Auftrage des königlich preussischen Mi- nistcrii für landwirtschaftliche Angelegenheiten und mit Benutzung seiner Materialien bearbeitet von Danneman n. Berlin bei Karl Duneker. Lehrbuch des Wiesenbaues, von Dr. C. F. E. Fries. Herausgegeben von Prof. Dr. W. Fr. Dünkel berg. Biaunschweig bei Fr. Vieweg. Anleitung zur Behandlung der Kieselwiesen, für Wiesenbesitzer und zur Instruktion der Wiesenwärter; von L. Vincent. Im Selbstverlage des Verfassers und in Kommission bei Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Der Dünge r. Referent: Tk. Dietrich. Kloaken- Düngererzeugung und Analysen verschiedener hierzu verwendbarer Stoffe. Das Süvem'sche Verfahren zur Reinigung und Desin- Sttvern'- fektion der Schmutzwässer der Zuckerfabriken so wie der fy k ^ s 0üsver .' städtischen Kloakenwässer, von H. Grouven.*) -— Das Prinzip fahren bei der Süvern' sehen Wasserreinigung besteht in einer chemischen Fällung schmutz- u. und Ausscheidung der das Wasser verunreinigenden organischen und un- organischen Materien, beziehungsweise der in dein Kloakenwasser aufgelösten und suspendirten Bestandteile menschlicher Exkremente. Die desiniizi- rende und fällende Masse besteht aus einem warm bereiteten innigen Ge- menge von 1Ü0 Tbl. Aetzkalk mit 7 bis 8 Thl. Steinkohlentheer und 33 Thl. entwässertem (oder 70 Thl. krystallisirtem) Chlormagnesium. Die Mischung enthält in Folge chemischer Umsetzung neben Aetzkalk und Steinkohlentheer Magnesiahydrat und Chlorcalcium. Sie wird in Form eines dünnen Breies (von circa 9 bis 10 Proz. Trockensubstanz) in einem permanenten Strahle dem ausfliessenden Schmutz- oder Kloakenwasser zu- geleitet, mit welchem sie sich mischt. Nach Grouven sind bei Kloaken- wasser, welches ungefähr 2 l h per Mll. Trockensubstanz enthält, auf je 18 Pfd. dieser Trockensubstanz 4'A Pfd. der Desinfektionsmasse zuzufüh- ren; enthält das Wasser aber nur IV2 per Mll. dann ist auf je 12 Pfd. Trockensubstanz die erwähnte Menge nöthig. Dieselbe verursacht unter den in Lösung befindlichen, mannigfaltigen organischen und mineralischen Materien der Wässer einen starken voluminösen Niederschlag, der alle Se- dimentstorfe des Wassers in sich einschließet und vermöge seiner gross- flockigen leichten Beschaffenheit sich nicht auf der Sohle der Kanäle ab- lagert, sondern mit dem Wasser weiter in die Sammelbassins treibt. Die Bassins haben den Zweck, das Wasser von seinem gesammten Niederschlag vollkommen zu trennen, den Niederschlag zu reserviren und kostenlos in eine mit dem Spaten stechbare und geruchlose Düngermasse überzuführen. *) Neue landwirthsch. Ztg. 1867. S. 226 und „Kanalisation oder Abfuhr?" Yon II. Grouven. Glogau bei C. Flemming. 1867. 172 Düugererzeugung. Das von den Bassins abfliessende , gereinigte nnd desinfizirte Wasser ist wasserhell und farblos, es bat seine Fäulnissfähigkeit verloren und wird beim Weiterfliessen , im Kontakt mit Luft und Sonne, fortwährend reiner und besser, so dass es zuletzt wieder für das Vieh geniessbar wird. — Nach des Verfassers Analysen verliert das Schmutzwasser der Fabriken, je nach seiner Unreinheit und der Vollkommenheit der Prozedur 50 — 75 Proz. seiner stickstoffhaltigen organischen Materien, 55 — 75 „ „ stickstofflosen „ „ 40 — 65 „ „ mineralischen Antheile (ausser Sand u. Thon). Weniger vollkommen findet die Ausscheidung der organischen und un- organischen Materien bei dem Kloakenwasser statt. Der Verfasser nimmt vorläufig an, dass höchstens 33 Prozent der stickstoffhaltigen Stoffe durch das Verfahren ausgeschieden werden und in die Düngmasse übergehen; er glaubt, dass Vs der ganzen Stickstoffmenge in den gewonnenen Nieder- schlag kommt, l /a desselben in Gestalt von reinem Ammoniak verdunstet und das letzte Vs in Form von Harnstoff mit dem gereinigten Wasser wegfliesst. Die Phosphorsäure, ebenso die Magnesia gehen vollständig in den Niederschlag über, dagegen wird vom Kali nur Vs bis l U des im Wasser vorhandenen gewonnen. Der in der Desinfektionsmasse enthaltene Kalk kommt nur etwa zur Hälfte in den Niederschlag, die andere Hälfte geräth in Auflösung und fliesst in Form von Aetzkalk und lölichen Kalk- salzen mit dem Wasser fort. Laut übereinstimmenden Berichten aus den Zuckerfabriken Brehna, Dedeleben, Schafstädt, Trebitz u. a., welche das S ü v e r n ' sehe Verfahren zur Reinigung ihrer Schmutzwässer anwenden, bewährt sich dieses Verfahren in einem hohen Grade- In wie weit dasselbe sich bei der Reinigung der städtischen, Exkremente führenden Kloakenwässer bewähren wird, muss die Erfahrung lehren. Es wäre sehr zu wün- schen, dass diese viel versprechende Methode recht bald in irgend einer grössern Stadt praktisch geprüft würde. Phosphor- Seurette empfiehlt die Desinfektion des Kanalinhalts der saure Mag- Städte und die Zubereitung eines Düngers daraus mittels Phos- Desinfek- phorsäure und Magnesia.*) — Die Anwendung dieser Stoffe veran- tionsmittei. lasst die Fällung eines grossen Theils der Kloakenstoffe und ermöglicht deren Nutzbarmachung. Der entstehende Niederschlag, in der Hauptsache phosphorsaure Ammon- Magnesia, repräsentirt im trocknen Zustand einen Werth von 150 bis 200 Fr. pr. Tonne. Seurette schlägt zur Beschaf- fung einer billigen Phosphorsäure folgendes Verfahren vor. In einem gewöhnlichen Hochofen werden 100 Tbl. eines Phosphorit's, welcher 45 Proz. Phosphat enthält, mit 60 Thl. Eisenerz zusammengeschmolzen, der geschmolzenen, ausfiicssendeu Masse (Phosphoreisen) werden in einem ge- wissen Verhältnisse schwefelsaures Natron oder Kali zugesetzt, wodurch *) Compt. rend. Bd. 64. S. 328. Diingercrzeugung. 173 phosphorsaures Natron oder Kali entsteht. Die erkaltete Masse zerfällt durch Einwirkung- der Luft zu Pulver, welches, noch etwas Schwefeleisen enthaltend, die Nutzbarmachung der Kloakenstoffe und ihre Bereicherung bedingt. Der Verfasser sagt nicht, in welcher Weise und in welcher Form die Magnesia in die Mischung eingeführt wird. Ueherhaupt ist die Angabe über das Verfahren zur Darstellung des phosphorsauren Alkali's etwas unklar; höchst wahrscheinlich ist das im vorigen Jahrgange dieses Berichts S. 234 ausführlicher mitgetheilte Ver- fahren gemeint. Die Anwendung des phosphorsauren Natrons in Verbindung mit Magnesiasalzen als Zusatz zu Latrinenstofl'en ist nicht neu; sie ist wiederholt von Blanchard und Chateau, so wie von Boblique empfohlen worden. Mac Dougall's desinfizirendes Pulver enthält nach J. Ness- Mac Dou. ler*) in 100 Theüen: , g . a "! 8 desinnziren- Schwefelsauren Kalk 3,8 Proz. des Pulver. Scbweflichsauren Kalk 14,5 „ Kohlensauren Kalk 22,8 „ Kohlensaure Magnesia 10,2 „ Aetzkalk 14,2 „ Magnesia . 14, G „ Sand 7,0 n Wasser und flüchtige organische Stoffe 12,8 „ Phenylsäure Spuren. Das Pulver ist dem Geruch und der Zusammensetzung nach Gaskalk, welcher vermöge seines Gehalts an Aetzkalk, an schwefligsaurem Kalk, an Magnesia und Phenylsäure die Fäulniss verzögernd wirkt. Dagegen wird das vorhandene Ammoniak durch den in dem Gaskalk enthaltenen Aetzkalk aus seinen Verbindungen ausgetrieben. Nach dem Verfasser dürfte eine Mischung von Gyps, Torfabfall und Theer in kleiner Menge als Desinfektionsmittel in den meisten Fällen, namentlich für Stallungen vorzuziehen sein. Fabrikationsweisc des Taffoe in der Fabrik von Grün Bereitung in Königsberg.**) — Unter Taffoe versteht man ursprünglich ein in von TaffoS - China gebräuchliches Fabrikat aus menschlichen Exkrementen, welches durch Kneten derselben mit Lehm und Austrocknen der daraus geform- ten Ziegel bereitet wird. Unter demselben Namen und aus demselben Material stellt die Fabrik von Grün einen verkäuflichen Dünger auf fol- gende Weise dar: Zunächst findet eiue Auswahl des Rohmaterials statt, welches sodann mit entsprechenden Chemikalien völlig geruchlos gemacht, mit auftrocknenden Substanzen in einer Mischungsmaschine zu einem *) Bad. Gewerbe-Ztg. 1867. No. 3. Nach dem landw. Centialbl. 1867. I. S. 466. **) Land- u. forstw. Ztg. d. Prov. Preusscn. 1S67. S. 61. 174 Diingererzeugung. gleichinässigen dünnen Brei verarbeitet wird. Dieser Brei wird in eignes dazu eingerichteten Trockenrämnen lufttrocken gemacht. Die lufttrockne Masse unterliegt darauf einer Gährung, wodurch die düngenden Bestand- teile in chemische Wechselwirkung treten und lösliche 'Salze bilden, die in der Masse durch fleissiges Umarbeiten gleichmässig fein zertheilt wer- den. Bereits zu Anfang der Operation werden alle fremden Körper durch geeignete Filter von der Masse getrennt. Nach vollendeter Gährung wird die Masse gepulvert und gesiebt. Durch die Desinfizirung des Eohstoffs wird sowohl während der Verarbeitung als auch bei der Ansammlung des fertigen Fabrikats jeder üble Geruch aufgehoben. Aus 2 Gwth. des Eoh- stoffs wird 1 Gwth. Fabrikat dargestellt, das nur einen schwachen, dem moderiger Erde ähnlichen Geruch besitzt. zusammen. Zu s am me u s et z u ng und Werth von Kloakenwasser, von 8 w ZU !! g r n J- B. Law es und J. N. Gilbert.*) — Die Eoyal Sewage Commission Wertn des ' •> ° Kloaken- (kurz Bugby-Kommission) in England, zu welcher auch einer der Verfas- düngers. ser (Lawes) gehörte und welche zur Aufsuchung der besten Art, den städtischen Kanalinhalt wegzuschaffen und denselben nützlich und ein- träglich zu verwenden, eingesetzt war, hat im Verlaufe von 3 Jahren zahl- reiche Untersuchungen des Inhalts der Kloaken zu Eugby durch die Ver- fasser ausführen lassen, deren wesentlichste Eesultate in nachfolgenden Tabellen zusammengestellt sind. Die Verfasser verweisen gleichzeitig auf die Untersuchungen Anderer, die von Zeit zu Zeit mit Proben von Lon- doner Kloakenwasser gemacht wurden und die die grossen Schwankungen in dem Gehalte desselben zeigen sollen. Die Eesultate derselben sind in der auf Seite 175 folgenden Zusammenstellung enthalten. Die Zusammenstellung zeigt aufs Verständlichste wie wenig Ueber- einsthnmung in dem Gehalte der einzelnen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Stellen genommenen Proben eines Kloakenwassers vor- handen ist, sie zeigt wie unstatthaft es ist, auf das Eesultat einer einzel- nen Analyse Gewicht zu legen und theoretische Schlussfolgerungen und Berechnungen über Ausbeute an Kloakenwasser und dessen Gcldwerth zu basiren, wenn man nicht gleichzeitig die bei der Probenahme obgewalte- ten Verhältnisse bezüglich der Verdünnung und der Menge des Kloaken- düngers kennt und in Erwägung zieht. Die verschiedenen Proben weisen eine Schwankung in dem Gehalte an Ammoniak von circa 50 bis 660 Milligramme per Liter nach. Die beiden höchsten Gehalte wurden von Way gefunden; sie weichen so sehr von den anderen ab, dass man sie wohl als Ausnahmefälle betrachten darf. Die von II offmann und Witt analysirte Probe war nach den Verfassern eine Mischung gleicher Anthoile *) Ueber die Zusammensetzung, den Werth und die Benutzung des städtischen Kloakendüngers, von J. B. Lawes und Dr. J.N.Gilbert. Aus dem Englischen übertragen von Jul. v. Hol t z en dorf'f. Glogau bei C. l'lcmming. 1867 . DQngererzeugung. 17o Amnioniakgehalt verschiedener Proben Londoner Kloakenwassers. Name des Kloaken- Kanals. Zeit der Probe- nahme. Ammoniak per Gallon. Gran. Ammoniak per Liter. Milligramm. Way j 1 1 1 L e t h e b y . . . < The Fleet j London Bridge . . . \ ° 1 DoTvgate Dock . . . . i PauPs Wharf .... I Whitefriar'a Dock . . 1 Coustom House, West < Coustom House, East l Ilambro' Wharf . . . 1 Tag ... . Tag .... Mittag . . . Mitternacht Mittag . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht Mittag. . . Mitternacht Mittag. . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht Mittag. . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht Mittag . . . Mitternacht 41,28 17,96 5,15 8,50 6,69 8,10 10,30 3,43 8,13 0,20 12,01 3,13 5,35 3,41 6,25 8,17 7,2S 15,01 7,69 5,69 6,95 5,00 10,02 7,15 660 287 82 136 107 129 164 55 130 99 192 50 85 54 100 130 116 240 123 91 111 80 160 114 Ho ff mann u. Witt Mittel 7,24 8,21 116 131 von Proben, die jede Stunde innerhalb 24 Stunden bei trocknem Wetter entnommen wurden. Nach den Berechnungen von Hoff mann und Witt würde die Quantität Kloakenwasser Londons, ausser dem Eegenwasser, ungefähr 158 Millionen Tons per Jahr betragen (circa 4647 Millionen pr. Kubik-Fuss). Die Proben von je circa 1 Quart des Kloakenwassers von Rugby wurden in Zwischenräumen von ungefähr 2 Stunden mehrere Tage hin- durch aus einem Sammelreservoir genommen, gut gemischt und von der Mischung eine Probe zur Analyse verwendet. Die auf Seite 176 folgende Zusammenstellung zeigt die höchsten, die niedrigsten und die durchschnitt- lichen Gehalte an Ammoniak und an festen Stoffen, welche die Analysen der 93 innerhalb 31 Monaten genommenen gemischten Proben ergaben. Auch hier findet die obige Bemerkung, dass der Gehalt des Kloaken- wassers von ein und derselben Kloake — hier selbst von ein und der- selben Stelle — beträchtlichen Schwankungen unterworfen ist, Bestätigung. Der Ammoniakgehalt schwankt hier von 41 bis 250 Milligramme p. Liter, der Gehalt der festen Stoffe von 0,6 Grm. bis 4.3 Grm. per Liter, 176 Düngererzeugung. Am mo 11 i ak. Gran per Gallon. Milli- gramme per Engl. Zoll- Pfunde Pfunde per 1000 1 Million Liter.*), Tons. Liter.*«) Trockensubstanz. Gran per Gallon. Gramme • per Liter. Engl. Zoll- Pfunde Pfunde per 1000 1 Million Tons. Liter. Höchster Gehalt . Niedrigster Gehalt Mittel von 24 Analysen Höchster Gehalt . Niedrigster Gehalt Mittel von 34 Analyse Höchster Gehalt . Niedrigster Gehalt Mittel von 35 Analysen 15,64 250 2,90 48 n 6,39 102 11,38 1S2 2,55 41 n 5,95 95 12,81. 205 3,14 50 ii 7,08 113 500,5 95,7 204,5 364,2 81,6 190,4 409,9 100,5 226,5 216,5 37,6 75,1 129,3 50,5 80,3 269,9 62,2 103,2 3,464 0,601 1,201 2,069 0,808 1,285 4,318 0,995 1,651 692S 1203 2405 4138 1616 2570 8637 1989 3302 Bestandt heile. Mittel von 24 Proben. April bis Oktober 1861. Gran p.j Mllgrm Gallon, p. Liter. 34 Proben. November 1801 bis Oktbr. 1862. Gran p. 1 Mllgrm Gallon. p. Liter 35 Proben. November 1862 bis Oktbr. 1863. Gran p. I Mllgrm Gallon. |p. Liter 93 Proben. Gran p. Gallon. Mllgrni. p. Liter. ßuspendirt Aufgelöst unorganische organische Summa . unorganische organische Summa . Summa der unorganischen Summa der organischen . Summa der Trockensubsta I suspendirt . aufgelöst . Ammoniak Suspendirt Aufgelöst 14,36 14,16 229 226 20,86 16,84 333 269 28,52 455 36,34 10,28 581 164 37,70 34,42 8,20 602 551 131 34,45 24,03 5S,48 36,80 7.92 551 385 936 589 127 24,30 18,85 389 294 43,15 683 35,81 8,63 573 138 46,62 745 42,62 682 50,70 24,44 S10 390 55,28 25,01 8S4 400 75,14! 1200 1,41 4,98 22 80 44,72 71,25 31,95 80,32 ' 1284 ,103,20 1,47 23 j 1,86 4,48| 72 i 5,22 Summa unorganische organische . Summa . . . unorganische organische . Summa . . . Summa der unorganischen Summa der organischen . . 6,39 102 5,95 95 716 1140 511 1651 30 83 44,41 60,11 27,48 711 962 440 87,59 1,60 4,S9 1402 26 78 7,08 113 6,49, 104 Engl. Pfunde per 100 Tons oder Zoll-Pfunde per 1 Million Liter. 460 453 668 539 913 1163 329 1492 1623 782 Summa der Trockensubstanz {suspendirt . . . aufgelöst . , . Summa .... 2405 45 159 204 1207 1101 262 L863 1769 801 2570 47 143 190 1102 769 778 603 1S71 1178 253 13S1 1146 276 1431 2280 1022 1122 1924 879 3302 60 167 2803 51 157 227 208 *) Die Gehalte per Liter sind von uns berechnet und der Werth eines engl. Grans dabei zu 0,0727 Grau angenommen, welcher sich ergiebt, wenn man die Berechnungen der Verfasser auf den Gehalt per 3000 Tons zu Grunde legt. **) Die Anzahl der Pfunde (engl.) per 1000 Tons z= der Anzahl der Zollpfunde per 1 Mll. Liter. Püngererzeugung. 17 < Das durchschnittliche Resultat der 93 Analysen ergiebt einen Gehalt von circa 1,4 Grm. per Liter fester Stoffe. Das gegenseitige Verhältniss der organischen and anorganischen, der suspendirten und aufgelösten Stoffe ergiebt sich aus Folgendem: Organisch Va Unorganisch 2 /3 Suspcndirt V2 Aufgelöst V2 ( Unorganisch */» [ Organisch 3 /7 Unorganisch 4 /s Organisch 1 /b Ammoniak suspendirt 1 U I . Ammoniak aufgelöst 3 jx Die Resultate der einzelnen Jahrgänge stehen nach den Verfassern in vollem Einklänge mit dem Witterungscharakter derselben. Die verdünnteste Beschaffenheit des Kloakeninhalts (Nov. 61 — Oktob. 62) fällt mit dem nassesten Jahrgange zusammen; dem trockensten Jahrgange 1862 — 1863 entspricht der konzentrirteste Gehalt des Kloakeninhalts und der Jahr- gang 61 steht bezüglich seines Regenfalls sowohl als auch bezüglich des Gehalts des Kloakenwassers in der Mitte. Im Mittel aller Proben fanden sich 67* Gran Ammoniak per Gallon oder 104 Milligramm per Liter. Die Verfasser berechnen nach den vorhandenen Grundlagen, bezüg- lich auf die Bevölkerungszahl, welche zu den Kloakenkanälen beisteuert, auf die Wasserzufuhr, den Regenfall und Drainageabfluss, dass durch- schnittlich ungefähr 60 Tons (= 54450 Liter oder 1761 pr. Kubikfuss) per Kopf der Bevölkerung von Rugby per Jahr kommen. Unter der An- nahme dieser Kloakenmenge und dessen Gehalts von 6V2 Gran Ammoniak per Gallon ergiebt sich, dass jährlich 127* Pfund engl, oder 11.3 Zoll- pfund Ammoniak = circa ( J.3 Zollpfund Stickstoff auf jeden Kopf der Bevölkerung kommen oder von diesem in die Kloaken geliefert werden. — Ueber die Mengen des gelieferten Kloakendüngers machen die Verfasser noch folgende weitere Angaben. Bei trocknem Wetter beläuft sich die Menge des Kloakendüngers auf ungefähr 24 Gallons (circa 100 Liter oder 3'/4 pr. Kubikfuss) per Kopf und Tag oder 40 Tons (circa 36500 Ztr. = 1182 pr. Kbfss.) per Kopf und Jahr. Bei anhaltendem Regen kann sich die EJoakendüngermenge so steigern, dass sie 200 und darüber Tons Flüs- sigkeit per Kopf und Jahr repräsentirt. Wie sich der Gehalt des Kloaken- wassers an Ammoniak je nach seiner Verdünnung modifizirt, geht aus umstehender Berechnung der Verfasser hervor. Nach dem Mittel von 10 Analysen des Rugby-Kloakenwassers finden sich in demselben auf je 100 Gwtbl. Stickstoff 27 Gwthl. Phosphorsäure und 42 Gwthl. Kali. Jahresbericht X. *■" 178 Düngererzeugung. Angenommene Verdünnung Ammoniak Werthschätzung per Kopf und Jahr, per Kopf und Tag. per Gallon. per Ton. Tons Gallons. Gran. Pence.*) 40 24k 9,77 2,44 50 30 1 7,81 1,95 60 36| " 6,51 1,67 70 43 5,58 1,43 SO 49 4,88 1,25 90 55 £ 4,34 1,11 100 6U L 3,91 1,00 200 122| 1,95 0,50 Die jährliche Ausbeute an Stickstoff beträgt nach obigen Ermittelungen per Kopf und Jahr 9,3 Zollpfd.; unter Berücksichtigung des eben angegebenen Ver- hältnisses zwischen Stickstoff, Phosphorsäure und Kali würde der Kloakendünger per Kopf und Jahr neben dieser Stickstoffmenge enthalten: 2,5 Pfd. Phosphorsäure und 3,9 Pfd. Kali. Berechnen wir den Werth dieser Ausbeute an Dungstoffen unter Zugrundelegung der bei uns gangbaren Marktwerthe ( Stickstoff pr. Pfd. 7 Sgr., Phosphorsäure pr. Pfd. 3 Sgr., Kali pr. Pfd 2 Sgr.) und unter Nichtberücksichti- gung der übrigen Bestandtheile des Kloakendüngers, so ergiebt sich ein Geldwerth von 10,4 Sgr. für den per Kopf und Jahr produzirten Kloakendiinger. Dünger- Die Düngerzub e r eitung ohne Streumaterial und mit Zu- zuijereitung ga |. z yon TAT asse r, von E. P. **) — Sowohl um einen gleichuiässig ver- ohne Streu- ' ' o o materiai mit tlieilten Dünger zu gewinnen, als auch um das Stroh zum Einstreuen zu Zusatz von sparen, behandelt der Verfasser den Stalldünger in folgender Weise. Der Dünger des Viehs wird im Stalle durch eingestreutes Stroh oder anderes Streumaterial gesammelt, täglich zweimal ausgeführt und in einen grossen runden niedrigen Bottich geworfen, zunächst mit Jauche aus der Düng- stätte, zuletzt mit Wasser abgespült. Der Bottich ist am Boden mit einem siebartigen Eisengitter versehen, durch welches die aufgegossene Flüssig- keit mit den vom Stroh abgelösten Exkrementen in ein gemauertes Becken unter dem Bottich abfliesst. Aus letzterem gelangt der flüssige Dünger in ein Hauptbassin, zu welchem ausserdem eine wasserdichte Jauchenrinne aus dem Stalle führt. In letzterer werden nach jedem Ausmisten die zurückgebliebenen, mittels Wasser und Besen aus den Viehständen ab- gewaschenen Mistreste dem Hauptbassin zugeführt. Das in dem Bottich abgewaschene Streustroh wird an der Luft getrocknet und dann wieder- holt zur Streu verwendet. In dem Düngerbassin ist in Folge des reich- lichen Wasserzuflusses stets ein Ueberfluss an Jauche vorhanden, die sich oben sammelt, während die schweren Bestandtheile derselben zu Bo- den sinken und einen dicken Schlamm bilden. Die Jauche wird zu jeder beliebigen Zeit abgefahren, der Schlamm bei der Hauptdüngung. Der *) 1 Pence = 10 Pfennige. **) Aligem. land- u. for»twirthschaftl. Ztg. 1867. S. 1273. Düngereizeugung. 179 Schlamm hat nach dem Verfasser den Vorzug vor anderem Dünger, dass er dem Acker Feuchtigkeit zuführt und nach dem Abtrocknen sich leicht und vollkommen mit der Erde mischt. II. Rrtthausen*) untersuchte den Boden einer Düngstätte, Verlust an welche an der Luft die Farbe der Blaueisenerde annahm, und fand in , D " nKe ' ' Stoffen auf einer aus 3 Fuss Tiefe entnommenen Probe in in Salzsäure löslicher Form der Dung- 0,G4 Prozent Kali und 0,48 Prozent Phosphorsäure. Unter der Amiahme, stätte - dass 3 / 4 der Phosphorsäure und l h des Kalis aus dem Miste stammen, be- rechnet der Verfasser den Verlust an Phosphorsäure und Kali, welchen in einer Eeihc von Jahren der Mist erlitten hat. Bei einer Grösse der Düng- stätte von circa 5000 DFuss Fläche und bei einer Tiefe der infiltrirten Bodenschicht von 3 Fuss beträgt der Verlust: an Phosphorsäur£ 7200 Pfd. ,. Kali ... — „ bei einer Tiefe derselben von 15 — 20 Fuss: an Phosphorsäure 35-50000 Pfd. .. Kali . . . 30—45000 „ Die angeführten Zahlen geben annähernd eine Vorstellung von den Verlusten, welche der Dünger auf Lagerplätzen mit durchlassendem Grunde nothwendig erleiden muss, TJeber Fleischmehl, von C. Karmrodt.**) — Die Fabrik von Fieisch- Deussen und Pelz er in Kheydt (Pheinpreussen) fertigt aus dem Fleisch meh1 ' gefallener und geschlachteter Thiere und sonstigen thierischen Abfällen einen Dünger, der unter obigem Namen in den Handel gebracht wird. Der Verfasser theilt die Zubereitungsmethode dieses Düngers mit, welche ganz dieselbe ist, die im vorigen Jahrgange des Berichts S. 233 angeführt wurde. Die Fabrik verarbeitet jährlich etwa 1000—1200 Stück Pferde; von an- deren Thieren werden kaum Vio dieser Menge verarbeitet. Dazu kommen noch allerlei Abgänge von Metzgereien, Schaf- und Ziegcnfüsso u. dergl. im Betrage von mehreren 1000 Zentner. -- Von den getödteten Thieren wird das Blut gesammelt und eingedickt. Die Häute der Thiere gelangen in Gerbereien, die Schweife und Mähnen in Rosshaarspinnoreien und die Hufe in Blutlaugensalz-Fabriken. Die Analyse einer Probe dieses Fleischmehls theilen wir im 2. Abschnitte dieses Kapitels mit. Aufgeschlossenes stickstoffreiches Knochenmehl, von der Stickstoff. Redaktion der Annalen der Landwirthschaft in Preussen.***) — ci>enmehi° Die Dampfknochcnmehlfabrik von Amende und Vilter in Berlin verar- 'Knochen"' mehl). *) Land- u. for>tvr. Ztg. f. Preussen. 1867. S. 48. **) Annalen d. Landw. in Preussen. Wochenbl. 1867. S. 237. ***) Annalen d. Landw. in Preussen. Wochcr.bl. 1867. S. 238. 12* 180 Düngererzeugung. beitet auf ähnliche "Weise wie oben berichtet circa 5000 Stück Pferde jähr- lich; sie mahlt jedoch das Fleisch nicht, sondern löst es in Schwefelsäure und Salpetersäure auf und verwendet diese saure Lösung zum Aufschlies- sen von Knochenmehl, welches noch zur Hälfte mit gegöhrenein Knochen- mehl versetzt wird. Nach Angabe der Fabrik enthält dieses Düngemittel je 6 Proz. Stickstoff, schwer-lösliche und leicht-lösliche Phosphorsäure. Der Jahrgang V S. ISO dieses Berichts theilt eine Analyse dieses Düngers Vuii Grouven mit, welche die vorzügliche Beschaffenheit desselben bestätigt. Knochen- Uebcr das Knochensuperphosphat, von J. Piccard.*) — superphos- ß er y er f asser prüfte die im Handwörterbuche der Chemie gemachte An- phat. gäbe von A. Crum, dass 1 Aequivalent Knochenerde nicht 2 Aequivalente (wie bei der Salzsäure), sondern nur etwa 1 l h Aequivalente Schwefelsäure zur Auflösung bedürfe, durch folgenden A T ersuch. 3 Gramm dreibasisch phosphor saurer Kalk wurden „mit 20 CC. normaler Schwefelsäure in einem 200 CC. fassenden Kolben mit Wasser digerirt und, um den Verlauf der Auflösung zu beobachten, von Zeit zu Zeit Portionen von 50 CC. abliltrirt und analysirt." Der Verfasser fand Crum 's Angabe nicht bestätigt, denn für je 2 Aequivalente Schwefelsäure fanden sich in der Flüssigkeit nach l li Stunde 12s /t53 Aequiv. Knochenerde „ 3 Stunden 148 / l5 5 „ „ OA 136/ .. aufgelöst; während, wenn Cr um 's Angabe richtig wäre, durch 2 Aequiv. Schwefelsäure 2u7 /t55 Aequ. Knochenerde aufgelöst werden müssten. Auch bei Wiederholung dieses Versuchs mit frisch gefällter Knochenerde erhielt der Verfasser kein anderes Resultat. Es liesse sich eine Vermehrung der Löslichkeit der Knochenerde in Schwefelsäure durch die Bildung eines lös- lichen Doppelsalzes mit Gips erklären, dann müsste aber in der Flüssigkeit auch mehr Gips enthalten sein, als der Löslichkeit des Gipses allein in rei- nem Wasser entspricht. Der Verfasser fand aber nicht mehr Schwefelsäure in der Lösung eines wie oben bereiteten Superphosphats als genau der nor- malen Löslichkeit des Gipses in reinem Wasser entspricht und schliesst daher, dass Schwefelsäure und Salzsäure sich gegen Knochenerde ganz gleich verhalten, dass nämlich von Beiden 2 Aequiv. zur Aufschliessung eines Aequiv. Knochenerde erforderlich sind. — Der Verfasser betrachtet die Erscheinung, dass die meisten Superphos phate des Handels weniger lös- liche Phosphorsäure enthalten, als nach dem Schwefelsäuregehalt zu er- warten wäre, als eine weitergeschrittene Aufschlicssung, indem das saure Phosphat auf die noch unzersetzte Knochenerde weiter einwirkt. Obwohl ein solches scheinbar (?) schlechter gewordenes Produkt in Folge der fort- geschrittenen Aufschliessung weniger lösliche Phosphorsäure enthält, als *) Landw. Versuchsstationen. 1867. S. 414. ererzeiiguii. 181 ursprünglich, so enthält es doch mehr aufgeschlossenes Phosphat als dieses. Jedenfalls ist dieses angegebene Verhalten der Superphosphate von gro Bedeutung für den Düngerhandel. Es wird sieh aber fragen , ob die derart fort- geschrittene Aufschliessung der l'hosphate als eine Verbesserung der Fabrikate oder nicht vielmehr als eine Verschlechterung der Waare anzunehmen ist. Wir möchten uns nicht für die Annahme einer Verbesserung entscheiden , denn die bewirkte weitere Aufschliessung des noch vorhandenen dreibasischeu Phosphats rindet nur auf Kosten der löslichen Phosphorsäure statt, für welche der gebildete schwerlös- liche zweibasisch phosphorsaure Kalk kein Ersatz sein kann; und der Zweck des Aufschliessens ist der, die Phosphorsäure in einen so leicht auflöslichen Zustand zu versetzen , dass ihre Verhreitbarkeit im Boden am grössteu ist. Der Fabrikant bat es in der Hand , von vornherein eine vollkommene Aufschlies.-ung des drei- basisch phospor.-auren Kalks herbeizuführen. Aii fschliessen der Knochen mit gebranntem Kalk, vom Grafen Walderdorff.*) — Der Verfasser schliesst die rohen unzerkleiner- ten Knochen mit gebranntem ungelöschtem Kalk auf, indem er Erde, Knochen und Kalk in sich wiederholenden Lagen von G Zoll Höhe zu einem Komposthaufen schichtet, den ganzen Haufen schliesslich dick mit Erde bedeckt und den Kalkschichten durch angebrachte Löcher Wasser zum Löschen zuführt. Auf 1 Volumtheil Knochen werden 2 Volumtheile Kalk verwendet. Die beim Löschen des Kalkes entstehende Hitze sowohl, als auch die gebildete ätzende Kalkmilch machen die Knochen zu einer mür- ben, leicht zertheilbaren Masse. Ein derart vorgerichteter Haufen, der 80 Zentner Knochen aller Art enthielt, blieb 6 Wochen lang in grösster Hitze und Gährung. Die erforderliche Menge Wasser ermittelt sich durch die Erfahrung. Nach beendigter Aufschliessung wird der ganze Haufen umgestochen und gut gemischt. Das Verfahren schliesst sieh au das von Ilienkoff empfohlene an, bei wel- chem ausser Kalk noch Holzasche zur Anwendung gelangt. Auf- schliessen der Kno- chen mit gebranntem Kalk. R. Ulbricht th eilt über das Vorkommen, den Ursprung Navaga. und die Zusammensetzung des Navassaphosphats**) auf Grand rhos P hat - einer Brochüre***) und seiner Untersuchung Folgendes mit. — Die Koral- leninsel Navassa liegt im kara ibischen Meerbusen unter 18° 15' nördl. Breite und 75° 5' westl. von Greenwich, 33 engl. Meilen südwestlich von Hayti und 72 Meilen östlich von Jamaika. Das Phosphat findet sich nesterweise sowohl in dem todten Korallenfels als auch in den noch leben- den Korallenstöcken, die unzähligen Höhlungen und Klüfte im Korallen- *) Allgem. land- u. forstwirthschaftl. Ztg. 1367. S. 1100. **) Chemischer Ackersmann. 1867. S. 129. i Memoir on the Island of Navassa, by Eugene Gau-soin, nebst Atlas, morc, bei J. B. Kose & Comp. 1866. Balti- 182 Düngererzeii gesteirie sind meist damit ausgefüllt. Das Phosphat selbst ist ohne Zwei- fel ausschliesslich thierischen Ursprungs, entstanden aus dem Dünger und den Leichen unzähliger Seevögel, unter denen besonders der Fregatten- vogel und Tölpel zu nennen sind, und einer Schuppeneidechse, eines Le- guan's. Der dort herrschende Wechsel kalter Nächte und tropischer Hitze am Tage führte die Auflösung und rasche Zersetzung der thierischen Mas- sen herbei; die gasförmigen Fäulnissprodukte Kohlensäure und Ammoniak entwichen in die Luft oder wurden von Eegenwasser ausgewaschen , so dass fast nur der anorganische Theil der thierischen Masse zurückblieb. — : Das Original-Phosphat stellt eine dunkelbraune Masse dar, zum Theil erdig, anderntheils aus rundlichen Körnern verschiedener Grosse und bis faustgrossen Stücken bestehend; ausserdem sind ihr viel pflanzliche Beste (zumeist von Wurzeln; beigemischt. Die grösseren und festen Klumpen erweisen sich als ein festes Konglomerat von jenen Körnern mit einer weissen Verkittungsmasse. Die bald testen, bald leicht zerdrückbaren Körner wechseln in Grösse und Farbe, sie sind von Gries- bis Kehposten- grösse und weiss bis braun. Eisenoxyd vorzugsweise und humoso Stoffe bedingen die Färbung des Phosphat's. — Den Reichthum der Insel an gutem Phosphat schätzt der Vizepräsident der Navassa-Phosphat-Company, J. Graf fl in auf 200 Millionen Zentner. Der Gehalt des Phosphat's von 7 verschiedenen Ladungen schwankt, Analysen verschiedener Chemiker zufolge, an Phosphorsäure . . . zwischen 32,3 und 36,4 Proz. kohlensaurer Kalkerde » 2,7 ;> 6,8 Feuchtigkeit .... n 1,0 » 10,7 organischen Stoffen !) 4,1 » 8,7 !) 1,5 n 3,0 Die im vorjährigen Bericht*) üher dieses Phosphat gegebene Mittheilung lautete bezüglich des Ursprungs desselben ganz entgegengesetzt, indem dasselbe von dem Verfasser, H. A. Lieb ig als kein organisches Deposit, sondern als ein Mineral angesprochen wurde. Analysen Ausser U lbri c h t führten auch P. Bretschneider**) und C. Gil- „ T von bert***) Analysen des Navassa-Phosphats aus, welche hier des bes- Phosphat, seren Vergleichs halber zusammengestellt sind. Ulbricht fand in einer grös- seren von E. Güssefeld erhaltenen Probe im Durchschnitt 34 Proz. Phos- phorsäure (Original-Phosphat). Bretschneider untersuchte früher ( 1 860) sowohl, als neuerdings (1867) dieses Phosphat in 2 Proben. Die eine der letzteren, so wie die von Ulbricht untersuchte war gemahlenes Phosphat und Durchschnittsprobe von 1000 Zentner. Die von Gilbert untersuchte *) Jahresbericht. 1866. S. 240. **) Der Landwirth. 1867. S. 233. ***) Landwirthsdi. Centralbl 1867. I. * 1 15. Diingererzciigung. 1S,"> ist als Durchschnittsanalyse einer Partie von 15000 Zentner, welche bei E. Güssefeld lagerten, zn betrachten. T. Gemahlenes Phosphat, Durchschnittsprobe von 1000 Zentner von E. Güssefeld in Hamburg. IL Stücke Original-Navassa-Phosphat, ebendaselbst. III. Probe von 1866. IV- „ von 15000 Zentner. I. II. III. IV. a. b. Ulbricht. Bretschneider. Bretschneider. Bretschneider. Gilbert. Wasser 2,7 *$£££; 3,54 2,34 6,13 3,01 Organische Stufte und 1 — — — I chemisch geb. Wasser f ' 4,G4 3,30 7,49 j ' Kalk 37,6 38,35 41,06 30,S2 40,10 Magnesia .... 0,6 1,72 2,09 0,84 Eisenoxyd . . . \ 3,40 2,58 5,40 \ Thonerde . . . j ' 6,50 5,57 8,90 \ ' Kali — 0,34 0,38 0,95 Xatron — 0,32 0,52 0,31 Phosphorsäure . . 33,5 35,60 36,06 34,66 33,28 Schwefelsäure . . — 0,19 0,20 0,20 — Chlor — 0,08 0,06 0,35 — Kohlensäure , . . 2,5 2,58 3,91 1,39 2,15 Kieselsäure ... — 1,34 1,24 1.24 — Sand 4,7 1,31 0,82 1,32 2,53 100,9 99,91 100,13 100,00 100,00 Ab davon Sauerstoff für Chlor 0,01 0,01 0,0S Bretschneider sagt auf Grund seiner Analysen über die Zusam- mensetzung des Phosphats : Das Phosphat enthält hiernach der Hauptsache nach neben basisch phosphorsaurem Kalk phosphorsaure Salze der Thon- erde und des Eisenoxyds, ferner basisch phosphorsaure Magnesia und kohlensauren Kalk. Die Mengenverhältnisse derselben schwanken in nicht unbeträchtlichem Grade. Ulbricht dagegen hält nur einen sehr geringen Theil der Phos- phorsäure — 3,3 Proz. — für an Eisenoxyd gebunden und ist der An- sicht, dass der allergrösste Theil des Eisenoxyds (und der Thonerde) als freies Oxyd oder in Verbindung mit Humuskörpern vorhanden ist. Schwe- felsäure und Fluor fand derselbe in sehr geringen Mengen. C. Gilbert bestätigt durch seine Analyse diese Ansicht, indem er nur 16,2 Proz. Phosphorsäure an Eisenoxyd etc. gebunden fand. BemerkensTverth ist der Unterschied des Gehalts an Eiseno.xyd und Thonerde in den beiden Analysen der „Ihuchschnittsproben" von 1000 Ztr. gemahlenem Phos- phat; die Differenz beträgt nahezu 5 Proz., eine Differenz, die bei der Beurtheilung eines Phosphats hinsichtlich seiner Tauglichkeit als Material zu Superphosphat be- trächtlich in die Wagschale fällt. Wir machen noch darauf aufmerksam , dass in 184 Diiugererzcuyunj der im vorjährigen Bericht*) rnitgetheilten Analyse des rohen Navassa - Phosphats von Ulex 19,0 Proz. Thonerde und, Eisenoxyd (incl. der unlöslichen Bestandteile?) angegeben sind. Aufsehliess- barkeit des Navassa- Phosphats. Ulbricht verglich die Aufschliessbarkeit dieses Phos- phats mit anderen zu Superphosphat verwendbaren Mate- rialien.*) Diese phosphathaltigeu Materialien wurden in fein gepulvertem Zustande und in Quantitäten von je 10 Gramm mit verschie- denen Mengen Schwefelsäure behandelt, die den Rohmaterialien zugesetzt wurden, nachdem dieselben mit der zugehörigen Menge Wasser gemischt worden waren, damit die bei der Mischung von Wasser mit Säure sich entwickelnde Wärme die Aufschliessung begünstigte. Die Gesammtmcnge der Phosphorsäure in den verwendeten Materialien betrug: Bakerguano . . 37,S Proz. Estremadura-Apatit . 30,6 Proz. NaTOssaphosphat . 33,5 „ Kölner Phosphorit . . 25,2 „ Sombrerophosphat 32,8 „ Knochenkohle . . . 28,0 „ Die Ergebnisse dieses Versuchs erhellen aus nachfolgender Tabelle, in welcher unter A. die aut 100 Theile Phosphat, unter B. die auf die Gesammtphosptiorsäure sich beziehenden Prozentzahlen an löslich gewor- dener Phosphorsäure enthalten sind. 1. 2. c 2s ach dreitägiger Einwirkung. 20 ,-, Wasser und 50% Schwefel- säure. Wasser und 50 ' , Schwefel- säure. 40%Wasser und 60 ' , Schwefel- säme. Beschaffenheit der Präparate. A. B. _A, ... B. A. B, Bakerguano — — 32,0 s 37,3 99 i Präparat 2 fest und leicht zerreiblieh, 3 um weniges feuchter. Navassaplrosphat . . 19,1 57 20,0 GO 13,4 70 In allen 3 Fällen dickbreiig. Gleiche Theile Na- vassaphosphat und Bakerguano .... 31,6 89 Etwas feucht und nicht leicht zu zerkrümeln. Sombrerophospbat . 21,5 65 21,1 G4 25,3 77 Alle 3 Präparate fest und leicht zu zerkrümeln. Estremadura-Apatit . 22,7 74 22,6 74*« 24,3 79 Fest, beim Zerdrücken aber noch feucht und schwer zu zerkrümeln. Kölner Phosphorit . — — 20,3 81 — — Sehr wenig feucht und bröcklieb.. Knochenkohle .... — 21,3 76 25,8 92 ßchön trocken und leicht zerreiblich, Die Aufschliessung dei hingen, je nachdem dem Phosrjrlate ist hiernach sehr ungleich ge- reinen Phosphat mehr oder weniger Eisen- *) S. 241 desselben. **) 40 Proz. Was.- er und 70 Proz. Schwefelsäure. ) 3o „ „ „ G0 „ „ Düngererzeugiui:-;. 185 oxyd und Thoherde (und Karbonate) beigesellt ist. Das Navassa-Phosphat verhält sich am ungünstigsten, da sein grosser Gehalt an Eisenoxyd und Thonerde einen Theil der angewandten Schwefelsaure in Anspruch nimmt und gleichzeitig die Bildung eines feuchten, schwer zu trocknenden Prä- parats bedingt. Bretschneider stellte ebenfalls Versuche an,*) aus diesem Ma- terial Superphosphat ohne Anwendung von Kochsalz, welchen Zusatz H. A. Liebig empfohlen hatte, darzustellen und kam dabei zu den Resultaten, dass man, um aus diesem Material Superphosphat zu bereiten, Schwefelsäure von 6G° B. mit 17* bis l'/s ihres Gewichts Wasser verdiin- nen muss, wenn man trockne Präparate ohne Anwendung von künstlicher Wärme gewinnen will; ferner, dass auch bei dem besten, im grossen Massstabe leicht ausführbaren Verfahren mit Hülfe von Schwefelsäure und Wasser und ohne Anwendung künstlicher Wärme nicht alle Phosphorsäure des Navassa-Phosphats in den löslichen Zustand übergeführt werden kann, sondern dass das beste Navassa- Superphosphat nur 13— Id Proz. Phos- phorsäure enthalten wird. Ueber das Vorkommen des Nassauer Phosphorits berichtet vorkommen \Y. Wicke**) auf Grund einer Brochüre von C. A. Stein***) Folgendes. des Nas ' Vorzugsweise an der Lahn, aber auch in der Dillgegend finden sich Lager P h rits. von Phosphorit. Derselbe gehört dem Verbreitungsgebiete der mittleren devonischen Schichten Nassaus, insbesondere des Stringozephalenkalks und Dolomit's au und ist überschichtet entweder von tertiären Ablage- rungen oder von Schalstein. Die aaadigen und lehmigen aufgelagerten Schichten gehören der jüngsten Tertiärepoche an. Die Ablagerungen des phospborsauren Kalks bilden kein zusammenhängendes Ganze, sondern ausgedehnte, meist langgestreckte Nester, deren Mächtigkeit je nach den Fundorten etwa 4 bis 6 Fuss beträgt. Der Phosphorit aus der Gegend von Katzenellenbogen, wo derselbe zum Felsitporphyr in Beziehung tritt, bildet Nester zwischen den Brauneisenstein - Lagerstätten und lagert auf nahezu in Thon umgewandeltem Porphyr. Der Nassauer Phosphorit zeigt bald ein dichtes Gefüge, bald eine mehr poröse, zellige und erdige Textur, bald bildet er nieren- und tra üben förmige Konkretionen und stalaktitische Bildungen, welche häufig das Nebengestein, Dolomit oder Stringozephalen- kalk, überziehen. Er ist meist gelb und braun, jedoch zeigt derselbe eine grosse Mannigfaltigkeit im Pigment. Erwähnenswerth ist noch die grüne durchscheinende, den eigentlichen Phosphorit überziehende Varietät, die nach ihrem Fundorte Staffel „Staffelit" genannt Morden ist. *) Der Landwirth. 1 8*J7. S. 233. **) Journal für Landwirthsch. 1867. S. 120. ** ') Geber das Vorkommen von phosphorsaurem Kalk in der Lahn- und Dill- gegend. Wiesbaden bei Jul. Niedner. 1865. 186 Düngererzeugunj Analysen Analysen von Nassauer Phosphorit liegen in zahlreicher Menge des Nas- vor . w j r i ieDe n dj e von Fr e s e nin s ,*) Eichhorn,**) Wicke,***) Diet- sauer Phos- phorits. ricn un d Königf) und Theodor Petersen ff) hervor. Der unter 1. und 2. genannten Proben sind mehr voirmineralogischen), die übrigen mehr von agrikulturchemischem Interesse, da erstere reinere, weniger in dem Handel vorkommende Formen repräsentireu, die anderen dagegen Artikel des Handels sind. 1. Gelbbrauner Phosphorit von Staffel; spez. Gew. 2,9907; analysirt von Fresenius. 2. Grünes, durchscheinendes, den Phosphorit inkrustirendes Mineral (Staffelit); spez. Gew. 3,1284; analysirt von Fresenius. 3. Phosphorit von Diez; beinahe farblose, durchscheinende, traubige Agregate, an der Grenze von Porphyr und Stringozephalenkalk vorkom- mend; spez. Gew. = 2,93; analysirt von Theod. Petersen. 1. 2. 3. Proz. Proz. Proz. Kalk 45,97 54,670 53,30 Magnesia 0,16 0,19 Eisenoxyd 6,42 0,037 0,61 ») Manganoxyde Spuren — — Thonerde 1,08 0,026 — Kali 0,58 — 0,14 Natron 0,42 — 0,31 Phosphorsäure 34,48 39,050 36,78 Kohlensäure 1,51 3,190 4,25 Kieselsäure 4,83 1,05 2 ) Fluor 3,45 3,050 2,46 J<> d Spuren — \ Q Q3 Chlor Spuren — J Wasser ■ 2,45 1,400 1,65 101,17 101,423 100,77 Für 1 Aequiv. Fluor 1 Aequ. Sauersto ff ab 1,45 1,280 1,01 99,72 100,143 99,73 Bindet man die Säuren und Basen, so erhält mau folgende Zusam- setzung für den Staffelit: Basisch phosphorsauren Kalk 85,10 Proz Phosphorsaures Eisenoxyd . 0,07 » Phosphorsaure Thonerde . . 0,06 ,, Kohlensauren Kalk . . . 7,25 ,, Fluorcalcium 6,26 „ Wasser 1,40 ,, 100,14 Proz. *) Zeitschrift für analytische Chemie. 1867. S. 407. **) Annal. d. Landw. Wochenbl. 1867. S. 332. ***) Journ. f. Landwirthsch. 1867. S. 125. t) Originalmittheilung. tt) Journ. f. Landwirthsch. 1867. S. 127. *) Mit etwas Thonerde. 2) Unlöslicher Rückstand, thoniger Eisenstein und etwas Kieselsäure. DüngererzGiigung. 187 für No. 3: Phosphorsaufen Kalk SO,15 Proz. Kohlensauren Kalk 9,18 „ Kohlensaure Magnesia 0,40 „ Pluorcalcium 6,34 „ Fluorkalium 0,17 „ Fluornatrium 0,41 „ Jod- und Chloralkalien 0,05 ,, Eisenoxyd, Thonerde, Kieselerde, Rückstand 1,66 „ Wasser 1,65 „ 100,00 Proz. 4. Stücke Phosphorit aus nicht vollständig aufbereitetem, nur abge- läutertein Haufwerk; analysirt von Fresenius. 5. Aehnliches Gestein; ein gröbliches, dunkelbraunes Pulver, Durch- schnittsprobe [von 100 Zentner in den Handel gebracht; analysirt von Wicke. 6. Handelsartikel aus anderer Quelle und Fundort bezogen; analysirt von Dietrich und König. 7. Phosphorit aus Staffel, gelblich weiss; analysirt von 0. Weile. (Eichhorn.) 8. Phosphorit von Dehru, gelbbraun; analysirt von Eichhorn. 9. Phosphorit von Staffel, gelbbraun; analysirt von Eichhorn. 4. 5. 6. Proz. Proz. Proz. Kalk 47,31 42,31 37,31 Magnesia 0,12 0,23 0,18 Kali 0,66 1,26 0,15 Natron 0,52 0,09 0,18 Eisenoxyd 3,77 8,22 4,15 Manganhyperoxyd (Manganoxyde) . . Spuren — 0,54 £5|£" Thonerde 1,67 2,23 3,08' Phosphorsäure 33,84 30,63 29,19*) Kohlensäure 2,75 2,78 2,07 Kieselsäure . 5,04 6,61 1,03 Fluor 2,11 3,74 4,88**) Chlor (und Jod) Spuren 0,03 J n d ,X Wasser 2,74 3,00 3,85 Unlösliche Theile - M™* J£7 14,99 100,53 102,17 101,63 Für 1 Acquiv. Fluor ab 1 Aequ. Sauerstoff 0,84 1,57 2,05 99,69 100,60 99,58 *) Nach dem von Fresenius .in dessen Zeitsehr. f. analvt. Chemie 1867 S. 403 empfohlenen Verfahren bestimmt. **) Nach dem von Fresenius ebendaselbst 1866 S. 190 angegebenen Ver- fahren bestimmt. o. 6. 7,67 Pro/.. 10,02 Proz, 6,32 „ 4,70 , 61,37 „ 50,72 , 2,52 „ 5,96 r . 188 Düngererzeugung. welche Bestandteile sich der Hauptsache nach wie folgt verbunden ge- dacht werden können : 4. Fluorcalcium 4,33 Proz. Kohlensaurer Kalk 6,25 Basisch phosphorsaurer Kalk 75,10 „ Phosphorsäuie an andere Basen gebunden — - 7. 8. 9. • Phosphorsäure . . . 33,14 Proz. 85,63 Proz. 37,45 Proz. Die reineren Sorten des Xassauer Phosphorits, wie sie durch die Proben 1., 2., 3. und 6.-8. repräsentirt werden, sind vorzügliche Mate- rialien zur Superphosphat- Bereitung und geben den überseeischen Roh- phosphaten nichts oder nicht viel nach; dagegen sind die geringeren Sorten, wie sie meist im deutschen Handel gangbar sind, ein wenig brauch- bares Material, weniger wegen des geringeren Gehalts an Phosphorsäure, als mehr wegen des hohen Gehalts an Fluorcalcium, Karbonaten, Eisen- oxyd und Thonerde, welche Körper sämmtlieh einen beträchtlichen Antheil Schwefelsaure in Anspruch nehmen. Sie sind auch meist von sehr wechseln- dem Gehalte an Phosphorsäure und werden sich um so weniger zur Be- reitung von Superphosphaten eignen, je grösser der Antheil von Phos- phorsäure ist, der nicht an Kalk gebunden erscheint. Uebrigens ist noch erwähnenswerth, dass sämmtliche Proben nicht unbeträchtliche Mengen * von Kali und Xatron enthalten. Das Fluorcalcium macht die Verarbeitung äusserst lästig. Die Fabrikate sind geringhaltig an löslicher Phosphor- säure und können ohne Beimischung besserer Fabrikate schwer Eingang bei dem landwirtschaftlichen Publikum finden. Torf als jj e r Torf als Dünger, von J. Xessler.*) — Der Verfasser un- nger ' tersuchte den Torf aus der Gegend der Insel Mainau und Torf von Graben und fand in 100 Theilen bei 100° getrockneten Torfes: in dem von der Insel Mainau. von Graben. Organische Stoffe 47 Proz. l'roz. Darin Stickstoff 2,2 „ 2,5 „ Unverbrennliche Stoffe .... 53 » 11 „ In letzteren in Salzsäure löslich: Phosphorsäure 0,14 n Kali 0,14 „ Schwefelsäure 0,*7 „ In der organischen Substauz : Stickstoff 4,7 „ 2,8 „ Verfasser empfiehlt den Torf zur ausgedehntesten Anwendung nach Komposti- rung imd Mischen desselben mit alkalischen Stoffen oder nachdem derselbe ') Wochenbl. d. bad. landw. Vereins. 1S67. S. 377. DUngererzeugung. 189 als Einstreumittel gedient hat als Dünger für Granit-», Gneis-, Sand- und Kalkboden. Zusammensetzung von Guanosorten verschiedenen Ur- zusammen sprung-s, im Laufe von 12 Jahren im Hafen von Bordeaux verladen ; set * ung von r ° ' Guano- von A. Baudrim ont.*) r- Die untersuchten, unten genannten Guano- 8 orten. Sorten waren von gelber Farbe, der Baker- und Jarvis- Guano von sehr heller, der Bolivia-G. von sehr dunkler Farbe. Keine der Sorten hatte einen merklichen Geruch. Der Verfasser betrachtet das spezifische Ge- wicht der Guanos als ein Erkennungsmittel für ihre Reinheit, da der kiese- lige und eisenschüssige Sand, der gewöhnlich als Verfälschungsmittel angewendet wird, ein viel höheres spezifisches Gewicht hat und ein Zusatz davon den Guano spezifisch schwerer macht. Ferner sieht der Verfasser es als einen Beweis ihrer Reinheit an, wenn dieselben eine weisse Asche geben »und diese bei Behandlung mit verdünnter Salz- oder Salpetersäure nur eine geringe Menge unlöslicher Theile zeigt. Nur der patagonische Guano enthält natürlich beigemischten Sand, und man findet darin sogar kleine abgerun- dete schwarze Kiesel; das spezifische Gewicht dieses Guanos ist desshalb auch sehr schwankend. Die mittlere Zusammensetzung, wie sie sich aus mehreren Analysen ergeben hat, ist in folgender Zusammenstellung angegeben. Bezeichnung der Sorten Zeit der Untersuchung Zahl der Analysen Feuchtigkeit .... Stickstoff Org. Stoffe (ohne Stickst.) Dreibas. phosphoi s.Kalk Lösliche Salze Unlöslicher Rückstand . Ucbrige Mineralstoffe . 1. Patago- nischer. 1855 u. 57 8 Proz. 2. Kalifor- nischer. IS 56. 2 Proz. 20,8 1,0 11,8 20,7 3,6 26,0 16,1 19,2 0,9 8,0 49,S 2,5 15,2 4,4 3. 4. Baker- u. Korallen- Jarvis- Inseln. 1S60 u. 63. 18G5. 4 1 Proz. Proz. 15,2 12.0 0,8 1,0 7,0 13,0 68,7 60,3 0,2 — 0,4 — 7,7 13,7 o. Bolivia- nischer, alter. 1856 u. 60. o Proz. 13,5 3,0 10,6 54,9 9,7 6,0 2.3 Phosphorsäure . . . .c -eil höchstes . Spezifisch. I . , . . . , , { niedrigstes Gewicht \ Mittel 100,0 100,0 100,0 100,0 9,5 23,0 32,6 27,8 1,090 0,636 0,8530 0,845 0,790 0,8175 1,010 0,721 0,84155 0,7430 100,0 25,3 0,960 0,755 0,8575 6. Bolivia- nischer, frischer. Aug. 1867. 4 Proz. 11,2 0,5 5,9 49,0 12,4 1,9 19,1 100,0 22,6 0.654 0,620 0,6327 Die früheren Jahrgänge dieses Berichts gaben wiederholt Analysen dieser Guanosorten, d : e im Wesentlichen mit den vorstehenden übereinstimmen. Ueber die Zusammensetzung der im peruanischen Guano Zusammen- setzung von vorkommenden Knollen, von 0. Bäber.*) — Die untersuchten Knol- Knollen des Peruguanos. *) Compt. rend. Bd. 65. S. 420. 1867. **) Zeitschr.